EU und USA überdenken Cannabis-Politik: Curaleaf, Aurora und SynBiotic expandieren
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EU und USA überdenken Cannabis-Politik: Curaleaf, Aurora und SynBiotic expandieren

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Simeon Koch

Kiffen ist in den Niederlanden seit Jahren legal, Deutschland will ab April nachziehen – obwohl die Europäische Union kein Fan von Cannabis ist. Preschen die Mitgliedsstaaten aber vor, wird das gesamte Regelwerk aufgeweicht. Auch deshalb will sich die EU künftig „verstärkt auf die Entwicklung von Ressourcen im Bereich der Cannabispolitik konzentrieren“. Streicht man die bürokratischen Floskeln, heißt das: Die EU denkt um mit Blick auf THC, den illegalen Wirkstoff der Cannabispflanze. Ob die Union einlenkt und Cannabis selbst legalisiert, steht noch in den Sternen. Und doch kehrte die Euphorie nach guten Nachrichten aus Deutschland und starken Anstiegen einiger Cannabis-Aktien (das SynBiotic-Papier verdoppelte seinen Wert seit Anfang Februar) zurück in den zuletzt gebeutelten Sektor. International preschen die Cannabis-Riesen nun vor: Kürzlich kaufte sich der milliardenschwere Konzern Curaleaf in den wachsenden polnischen Markt für medizinisches Cannabis ein, SynBiotic übernahm einen bekannten Hanf-Shop-Betreiber aus Österreich, der kanadische Cannabis-Produzent Aurora expandiert nach Australien. Und während Canopy Growth in den Markt in den USA vorstoßen will, beginnt Organigram mit Lieferungen nach Deutschland.

Jugendschutz-Bedenken treffen auf Kritik wegen „Angstmache“

Lang ist es nicht her, dass Gesundheitsminister Karl Lauterbach baldige Fortschritte bei der Cannabis-Legalisierung ankündigte – und für die flapsige Werbekampagne unter dem Motto Bubatz wird legal einigen Spott einstecken musste. Kritik kommt nun auch von Jugendschützern, Anfang der Woche warnte Björn Malchow, Geschäftsführer der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein: „Wenn das Gesetz so in Kraft tritt und damit den Cannabiskonsum unter Erwachsenen normalisiert, werden wohl auch mehr Jugendliche Cannabis konsumieren.“ Laut Gesundheitsministerium hat jeder zehnte Deutsche im Alter zwischen zwölf und 19 Jahren schon einmal Cannabis konsumiert. Damit ist das berauschende grüne Kraut die populärste illegale Droge Deutschlands. Der ehemalige Berliner Jurist Andreas Müller, dessen Buch Kiffen und Kriminalität. Der Jugendrichter zieht Bilanz bereits 2015 für Kontroversen sorgte, kritisierte die „permanente Angstmacherei mit veralteten Argumenten, ohne ein wissenschaftliches Verständnis für das Betäubungsmittel Cannabis“. Aufgabe der Politik sei es, Jugendliche zu schützen, anstatt sie zu kriminalisieren. Das aktuelle Gesetz, das den Handel trotz der Legalisierung stark einschränkt, sei besseres Stückwerk, monierte Müller: „Mir fehlt ein Gesamtkonzept, nämlich, wie ursprünglich vorgesehen, die kontrollierte Abgabe von Cannabis in entsprechenden Geschäften“. Im Eckpunktpapier aus dem Oktober 2022 hatte die Bundesregierung noch geplant, den Cannabis-Verkauf in lizenzierten Geschäften zu erlauben. Diese Klausel ist aus dem aktuellen Entwurf gestrichen worden.

Die Legalisierung ist laut Andreas Müller auch eine Frage der persönlichen Freiheit: „Wir entkriminalisieren, weil wir die Bürgerrechte wieder zurückholen wollen.“ Die Zulassung erleichtere nicht nur Aufklärung und Prävention, sondern entlaste auch die Gerichte, die Bürokratie knabbere zu viel an unbedeutenden Bagatelldelikten. Schwierig könnte es für Deutschland werden, sobald man die EU vom Cannabis-Gesetz überzeugen muss: Im entsprechenden EU-Beschluss von 2004 wurde festgelegt, dass jeder Mitgliedsstaat das Herstellen, Anbieten und Verkaufen jeglicher Drogen unter Strafe stellen muss, auch im Fall von Cannabis. Teil-Legalisierungen hat die EU bislang aber nicht blockiert, etwa in Belgien oder Portugal. Und laut eigenen Aussagen könnte es ja ohnehin bald auch auf supranationaler Ebene zu einer Kursänderung kommen. Auf eine Legalisierungswelle spekulieren auch die großen Unternehmen der aufstrebenden Branche. Das führende deutsche Cannabis-Unternehmen SynBiotic übernahm schon im Januar den renommierten Hanf-Shop-Betreiber Bushdoctor aus Österreich. Daniel Kruse, geschäftsführender Direktor beim Unternehmen SynBiotic, dessen Aktie seit dem 1. Februar von gut 4€ auf über 8€ gestiegen ist, zeigte sich in einem Statement zur Fusion der beiden deutschsprachigen Pionierunternehmen optimistisch mit Blick auf „die kommende Phase der Dekriminalisierung, Liberalisierung und Legalisierung von Hanf- und Cannabisprodukten in Deutschland, aber auch Europa“. Und auch die internationale Konkurrenz bringt sich immer entschlossener in Position für eine womöglich schillernde Cannabis-Zukunft. Vergangene Woche veröffentlichte Aurora Cannabis die Geschäftszahlen für das vergangene Quartal und verkündete ein deutlich besseres Ergebnis als vielerorts erwartet.

SynBiotic, Canopy und Curaleaf erschließen Milliardenmärkte

Hatten die Kanadier im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von knapp $48 Millionen verbucht, sank der Verlust nun auf rund $25 Millionen ab, die Umsatzsteigerung von gut $61 auf knapp $65 Millionen stimmte Anleger und das Unternehmen selbst optimistisch. Viel wichtiger war jedoch die Nachricht, dass Aurora seinen bisherigen strategischen Partner MedReleaf aus Australien übernimmt, das in Down Under seit 2017 einen Firmenwert von über $30 Millionen erreichte. Damit untermauert Aurora die eigene Position als Marktführer für medizinisches Cannabis. Laut Geschäftsführer Miguel Martin mache die Übernahme Aurora „zum weltweit größten Unternehmen für medizinisches Cannabis in legalen nationalen Märkten“. Medizinisches Cannabis ist auch in Deutschland bereits ein Multimillionen-Markt, als erste Firma aus Kanada, einem der globalen Cannabis-Vorreiter, erhielt Canopy Growth 2016 eine Einfuhrgenehmigung für die Bundesrepublik. Die Zeit bis zum Anlaufen der prognostizierten Legalisierungswelle muss auch Canopy Growth erstmal überbrücken: Im letzten Quartal fielen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um knapp acht Prozent auf rund $58 Millionen, insgesamt stand ein Verlust von etwa $170 Millionen zu Buche. Deutliche Fortschritte machte das Unternehmen derweil mit Blick auf die Profitabilität des eigenen Geschäftsmodells, die Bruttomarge liegt nun bei beachtlichen 36 Prozent. Und weil der kanadische Markt, wo Cannabis seit 2018 legal ist, so langsam zu klein wird, will Canopy demnächst in die Vereinigten Staaten expandieren und dort gleich drei Mitbewerber aufzukaufen.

Passenderweise prüft die nordamerikanische Rauschgiftbehörde angeblich den Status von Cannabis – auch in den USA wird seit Jahren eine kulantere Gesetzgebung gefordert. In Europa dürfte der Weg zu einer supranationalen Regelung noch etwas länger sein, trotzdem sieht sich der deutsche Marktführer SynBiotic auch auf dem Heimatkontinent zunehmend mit namhafter Konkurrenz konfrontiert: Letzte Woche verlautbarte der New Yorker Cannabis-Produzent Curaleaf, mit Can4Med einen der wichtigsten pharmazeutischen Großhändler Polens mit Spezialisierung auf Cannabinoid-Medikamente zu übernehmen. Im vergangenen Jahr wurden 3000 Kilogramm medizinisches Cannabis in Polen verkauft, Curaleaf bezeichnete den Deal als „wichtigen Schritt vorwärts“, der medizinische Cannabismarkt expandiere „mit zunehmender Geschwindigkeit“. Und dann ist da ja noch das Nachbarland Deutschland, das bald als wichtiger Absatzmarkt hinzukommen soll. Und von diesem Kuchen will die ganze Branche etwas abhaben: So schloss das kanadische Cannabis-Unternehmen Organigram erst kürzlich einen Mehrjahresvertrag für die ersten Lieferungen seiner Produkte mit einem deutschen Abnehmer. Starken Einfluss dürfte die Entstehung des neuen Milliardenmarktes Deutschland auch auf die Anteilsscheine der größten Cannabis-Unternehmen haben, die wir in unserem Cannabis-Aktienpaket regelmäßig analysieren – natürlich erhalten unsere Abonnenten auch eindeutige Signale für lukrative Einstiege und vielversprechende Handelsmöglichkeiten, um am erwartbaren Cannabis-Rausch an der Börse zu partizipieren.

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Simeon Koch

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