Trotz Bitcoin-Reserve: Warum Trumps Krypto-Politik gefährlich ist
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Trotz Bitcoin-Reserve: Warum Trumps Krypto-Politik gefährlich ist

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Simeon Koch

Trump hat die strategische Bitcoin-Reserve der Vereinigten Staaten in der Nacht auf Freitag per Exekutivbefehl beschlossen. Dennoch verkauften Bitcoin und Altcoins deutlich ab. Grund für die Ernüchterung ist, dass die Pläne zur strategischen Reserve nicht den Erwartungen entsprechen, die Trump selbst mit seiner Ankündigung auf Truth Social am vergangenen Sonntag geschürt hatte. Die großen Träume milliardenschwerer staatlicher Krypto-Investments scheinen vorerst zu platzen. Und auch die Glaubwürdigkeit von Donald Trumps Krypto-Politik nimmt weiteren Schaden. Der heutige Krypto-Gipfel könnte für die nächste Enttäuschung sorgen. Für den Markt ist das gar nicht gut.

Was plant Trump für Bitcoin und Altcoins?

Es ist erst eine halbe Woche her, da überraschte Trump den Kryptomarkt mit der Ankündigung, neben Bitcoin und Ethereum auch Solana, Cardano und XRP in die geplante strategische Reserve der Vereinigten Staaten aufnehmen zu wollen. Bitcoin und vor allem die namentlich erwähnten Altcoins schossen unvermittelt nach oben, wurden postwendend aber wieder abverkauft. Und doch hielt sich hartnäckiger Optimismus im Kryptomarkt: Nur diese eine Woche müsse man noch durchhalten, lautete der breite Tenor. Dann würde Trump die Bitcoin-Reserve offiziell bestätigen und für den nächsten großen Altcoin-Aufschwung sorgen.


In der Nacht auf Freitag beschloss Trump die Bitcoin-Reserve. Altcoins kommen darin nur noch am Rande vor. Der Markt wird Trump gegenüber immer skeptischer.
Jetzt ist die Reserve endlich da – sogar noch vor dem Krypto-Gipfel, den Trump heute im Weißen Haus veranstaltet. Geladen sind neben MicroStrategys Michael Saylor und den CEOs von Coinbase, Kraken, Robinhood und Crypto.com nämlich auch Chainlink-Gründer Sergey Nazarov und Ripple-Geschäftsführer Brad Garlinghouse. Der Markt reagiert trotz dieser großen Nachrichten enttäuscht. Das liegt daran, dass die beschlossene Bitcoin-Reserve nicht annähernd die Versprechen erfüllt, die Trump noch vor wenigen Tagen gegeben hat. Grund für die Ernüchterung ist aber auch, dass Trumps große Ankündigungen zusehends an Glaubwürdigkeit verlieren – und Anleger sich langsam ernsthaft fragen, ob Trump überhaupt Interesse am Wohl der Blockchain-Branche hat.

Dass Trump große Krypto-Pläne verfolgt, dürfte spätestens klar sein, seitdem der Fonds World Liberty Financial, wo Trump offiziell als Schirmherr fungiert, vor einigen Wochen begonnen hat, Millionenbeträge in Ethereum, Chainlink und einige weitere Altcoins zu investieren. Für nachhaltige Euphorie konnten diese regelmäßigen Käufe aber noch nicht sorgen – zu unsicher ist der Markt aktuell, ob Trump den Blockchain-Finanzsektor tatsächlich nachhaltig fördern will oder ob es ihm nur um schnelle persönliche Bereicherung geht. Der umstrittene Launch der beiden Trump-Memecoins rund um die Angelobung im Januar spricht bisher eher für letzteres Kalkül. Kleinanleger haben mit den Donald- und Melania-Memes Millionen verloren.

Warum Trumps Krypto-Politik gefährlich ist

Hätte der amtierende US-Präsident im letzten Bullenmarkt einen Exekutivbefehl unterschrieben, um eine strategische Krypto-Reserve einzuführen, wäre Bitcoin wohl um Dutzende Prozent nach oben geschossen. Letzte Nacht passierte genau das Gegenteil: Bitcoin rutschte unter 85 000 US-Dollar, Ethereum knickte sogar unter 2000 Dollar. Auf den ersten Blick scheint diese Reaktion widersprüchlich. Hat man Trumps Krypto-Politik in den letzten Wochen aber verfolgt, wird die Enttäuschung plausibel: Trump macht große Versprechen am laufenden Band, kann sie aber selten halten.

Der Markt hat die großen Ankündigungen anfänglich mit deutlichen Anstiegen eingepreist, wird nun aber skeptisch. Trumps Exekutivbefehl ist nun nicht viel mehr als eine Vertröstung. Er sieht vor, dass die USA jene Krypto-Assets, die bereits im staatlichen Besitz sind, weiter hält. Von neuen Käufen ist allerhöchstens bei Bitcoin und unter gewissen Umständen die Rede. So müssten Bitcoin-Käufe künftig budgetneutral geschehen, Investitionen dürften also nur stattfinden, wenn sie durch Asset-Verkäufe an anderer Stelle refinanziert würden. Die Vereinigten Staaten könnten etwa Gold verkaufen, um Bitcoin zu akkumulieren. Ob das so wahrscheinlich ist, darf bezweifelt werden. Fakt ist nun aber: Steuergelder werden erstmal weder in Bitcoin noch in Altcoins fließen.


Trumps Krypto-Beauftrager David Sacks schrieb in der Nacht auf X, dass man weder Bitcoin noch Altcoins verkaufen werde. Neue Zukäufe sind allerdings auch nicht konkret geplant.
Das große Problem liegt in der Natur von Trumps Versprechungen: eine staatliche Krypto-Reserve, Investitionen von Steuergeldern in Bitcoin und Altcoins oder auch die mehrfach angekündigten Steuersenkungen für Krypto-Investoren – all das erfordert Änderungen geltender Gesetze. Und dazu ist Trump rein juristisch nicht fähig. Er braucht Mehrheiten im Parlament, breite Zustimmung unter den Abgeordneten und womöglich auch noch die Unterstützung zuständiger Gerichte und Zentralbanken. Das alles kann funktionieren, dürfte aber lang dauern.

Erst kürzlich beklagte die Abgeordnete Cynthia Lummis, die schon vergangenes Jahr den Antrag auf eine Bitcoin-Reserve gestellt hatte, über massive Verzögerungen im parlamentarischen Entscheidungsprozess. Michael Saylor schlug bei einem kürzlichen Interview in dieselbe Kerbe. Vor allem die Pläne, Altcoins wie Solana, XRP oder Cardano mit Steuergeldern für staatliche Reserven zu kaufen, scheinen rechtlich kaum zu rechtfertigen. Auch deshalb werden sie laut Trumps Exekutivbefehl nicht Teil der strategischen Reserve, sondern eines separaten Bestands an digitalen Assets. Zugekauft wird dort laut ersten Ankündigungen nichts mehr. Es geht primär darum, bereits vorhandene Bestände zu halten.
Das ist die nächste Enttäuschung für den Markt, der mit jedem leeren Versprechen skeptischer wird. Märkte preisen Zukunftserwartungen ein. Und wenn der Markt bei großen Worten Trumps sofort davon ausgeht, dass am Ende höchstens die Hälfte umgesetzt wird, preist er eben schon einmal die erwartete Ernüchterung ein und fällt. Trumps bisherige Strategie, zuerst das Blaue vom Himmel zu versprechen und dann erst zu prüfen, ob es überhaupt umsetzbar ist, mag zu Beginn für überbordende Euphorie gesorgt haben. Mittlerweile aber wird sie gefährlich, weil der Markt seinem vermeintlichen Krypto-Präsidenten kaum noch etwas abnimmt.



Laut der Onchain-Analyseplattform Arkham halten die Vereinigten Staaten aktuell gut 198 00 Bitcoin und 56 000 Ethereum.

Ähnliches gilt für den groß angekündigten Krypto-Gipfel. Eigentlich eine sehr positive Nachricht – der Markt aber erwartet nach den letzten Enttäuschungen auch hier keine großen Sprünge. Durchaus zurecht: Im politischen Kontext sind Gipfeltreffen nicht dafür bekannt, bedeutsame gesetzliche oder regulatorische Veränderungen zu bringen. Es geht eher um den Austausch politischer Entscheidungsträger mit führenden Köpfen der Branche. Entwickelt werden Strategien und im besten Fall Gesetzesvorschläge. Konkrete rechtliche Schritte sind aber nicht nur unwahrscheinlich, sondern ohne Einbindung der oben genannten Entscheidungsgremien (also etwa Gerichte, Banken und das Parlament) auch gar nicht möglich. Trump kann seine Versprechen einer Altcoin-Reserve auf großer Bühne wiederholen – wie ernst der Markt sie nimmt, ist fraglich.

Der Markt hat Trumps (leere) Versprechen satt

Für große Worte ist Trump im Kryptomarkt mittlerweile bekannt, das reicht nicht mehr für positive Überraschung und Euphorie. So langsam will der Markt Taten sehen, um den Trump-Optimismus weiter aufrechterhalten zu können. Nicht umsonst wurde im Altcoin-Sektor und auch im Aktien-Markt die gesamte Rallye, die mit Trumps Wiederwahl begonnen hatte, schon wieder abverkauft. Trumps große Versprechungen sorgten anfangs für irrationale Euphorie. Dass auch Trump wirtschaftspolitisch nicht zaubern kann und die Märkte sogar mit Vorliebe im Ungewissen lässt, haben ernüchterte Risiko-Investoren mittlerweile verstanden. Die Skepsis ist größer geworden als die Vorfreude. Deshalb korrigiert der Markt unablässig.

Natürlich ist der vorläufige Beschluss einer strategischen Bitcoin-Reserve seitens der weltgrößten Wirtschaftsmacht ein historisches Ereignis für den Kryptomarkt. Es wäre aber weitaus positiver aufgefasst worden, hätte Trump zuvor nicht diese unrealistische Erwartungshaltung aufgebaut. Der heutige Krypto-Gipfel könnte eine Möglichkeit sein, den markigen Parolen endlich auch ein inhaltliches Fundament zu verpassen. Sollte wieder nur heiße Luft produziert werden, könnte der Markt erneut enttäuscht reagieren. Daran dürfte am Ende auch die prominente Besetzung des Gipfels nichts ändern. Schließlich sind Michael Saylor, Brad Garlinghouse und Sergey Nazarov bei ihren großen Krypto-Plänen von der Politik abhängig. Von ihnen ist zu erwarten, dass sie beim ersten offiziellen Krpyot-Gipfel ihr Bestes geben, um dem Kryptomarkt neue Hoffnung einzuflößen. Ob Trump das auch tut, bleibt abzuwarten.

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Simeon Koch

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