Ende letzter Woche sorgte Trump bei seinen Verbündeten für Stirnrunzeln, als er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach einem hitzigen Rededuell im Weißen Haus vor die Tür setzte. Am Dienstag verschärfte Trump den Ton weiter und kündigte neuerliche Zölle gegen konkurrierende, aber auch befreundete Staaten an. Als Bühne dafür nutzte er eine Ansprache vor dem US-Parlament, deren Redezeit er ausreizte wie kein Präsident vor ihm. Trump sprach über illegale Migration, prangerte unfaire Bedingungen im Welthandel an und rühmte sich für seine Hau-Ruck-Ausstiege aus der WHO, dem Pariser Klimaabkommen und dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Warme Worte hatte der US-Präsident für Elon Musk übrig, der Finanzmarkt reagierte entsetzt. Ökonomen fürchten eine Rezession infolge des drohenden Zollkriegs.
Bitcoin verliert Vertrauen, Gold trumpft auf
Anfang der Woche veröffentlichte die Bank of America (BofA) eine Umfrage unter Fonds-Managern. Demnach erachten 42 Prozent der Befragten einen voll entfalteten Zollkrieg als negativstes Szenario für Risiko-Assets im aktuellen Jahr. Im Januar hatten nur 30 Prozent der Befragten diese Sorge gehegt. Zinsanhebungen der US-Notenbank Federal Reserve sind in diesem Bären-Ranking nur auf Platz drei. Platz zwei belegen unkontrolliert steigende Einlagenzinsen – ein Anzeichen für negative Konjunkturerwartungen im breiten Markt.
Trump schoss in seiner Rede gegen Vorgänger Joe Biden, beanspruchte einmal mehr Grönland und kündigte an, auf jede Zollerhöhung gegen die USA ebenso zu antworten.
An den Börsen ist die Zoll-Panik schon lange angekommen. Der US-Aktienmarkt steckt laut offiziellen Indikatoren seit Wochen in einer Phase der Angst und Unsicherheit, Kryptowährungen werden mit Rekordvolumen abverkauft. Seit kurz vor Weihnachten hat der Kryptomarkt rund eine Billion an Marktkapitalisierung verloren, Anfang Februar erlebte der Blockchain-Sektor die größte Liquidierungswelle seiner Geschichte. Vergangene Woche verzeichneten börsengelistete Krypto-Anlagefonds mit 2.6 Milliarden Abflüssen die schlechteste Woche ihrer Börsengeschichte. Der bisherige Negativ-Rekord für Wochenabflüsse hatte bei rund einer halben Milliarde gelegen.
Überraschend ist das nicht, schließlich halten nur drei Prozent der BofA-Befragten Bitcoin für ein sicheres Asset im Fall eines tatsächlichen Zollkriegs. Damit liegt Bitcoin zwar vor Aktien, denen lediglich zwei Prozent der Fonds-Manager in einem globalen Handelskonflikt Stabilität zutrauen, ist im Ranking insgesamt aber abgeschlagen. Mit sieben Prozent sind etwa Rohstoffe deutlich höher bewertet, der US-Dollar bekam 15 Prozent ab. Spitzenreiter ist mit großem Vorsprung das altbekannte Krisen-Asset Gold mit stattlichen 58 Prozent Vertrauen der Fonds-Manager. Damit schneidet Gold in der Umfrage besser ab als alle anderen Anlageklassen zusammen – auch deutlich besser als langjährige Staatsanleihen (neun Prozent) oder Schuldverschreibungen des US-Schatzamtes (Treasury Bills, vier Prozent).
Zölle sollen „Billionen und Billionen“ einbringen
Das schlechte Zeugnis der Fonds-Manager für Aktien und Krypto für den Fall eines internationalen Zollkriegs spiegelt sich auch in der Performance der jeweiligen Assets wider: Seit Trumps Ankündigung, bei den Zöllen gegen Mexiko und Kanada hart zu bleiben und die Zölle gegen China sogar noch zu verdoppeln, sind die großen US-Indizes unter gehörigem Druck. Gleichzeitig steigt der Goldpreis auf neue Rekordstände. Grund zur Sorge ist das für Trump, dessen beinahe willkürliche Zollpolitik erst zu diesen Verwerfungen geführt hat, allerdings nicht. Schuld seien sowieso seine Vorgänger, betonte der Republikaner in seiner Rede: „Wie Sie wissen, haben wir von der letzten Regierung eine wirtschaftliche Katastrophe geerbt“. Damit aber sei jetzt Schluss: „Alles, was wir gebraucht haben, war ein neuer Präsident“. Und der ist jetzt bekanntlich da.
Schon zu Beginn von Trumps Rede gab es lautstarken Protest aus dem Parlament. Ein Abgeordneter wurde vom Sicherheitsdienst aus dem Saal getragen.
Ökonomen sind sich da schon deutlich weniger sicher – besonders nach Trumps Rede vor dem US-Kongress. In rund 100 Minuten skizzierte der Präsident eine wirtschaftspolitische Vision, die auf Protektionismus, Deregulierung und eine härtere Gangart gegenüber internationalen Partnern setzt. Besonders deutlich wurde dies in seiner Ankündigung neuer Zölle auf Importe aus Mexiko, Kanada und China. „Was immer sie uns an Zöllen auferlegen, legen wir ihnen auf. Das ist reziprok, hin und her“, erklärte er und versprach, damit „Billionen und Billionen Dollar“ einzunehmen. Ähnliches gelte für die EU, die laut Trumps Aussage von vergangener Woche nur gegründet wurde, um die Vereinigten Staaten um ihr hart verdientes Geld zu betrügen.
Bröckelt die Unterstützung für Trumps Wirtschaftskurs? Seine eigene Partei beklatschte die Zoll-Ankündigung zurückhaltend, die Demokraten wiesen auf Falschaussagen hin.
Dass selbst republikanische Abgeordnete Bedenken äußerten und Trumps Zollpläne am Dienstag nur verhalten beklatschten, zeigt, wie umstritten diese Strategie selbst im eigenen Lager ist. Internationale Kritik erntet Trump aber nicht nur wegen der Strafzölle, sondern auch wegen seines Umgangs mit der Ukraine. Immer häufiger scheint Trump Narrative von Wladimir Putin zu übernehmen, bezeichnete den ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj unlängst als Diktator ohne demokratische Legitimation und setzte ihn nach einem hitzigen Wortgefecht Ende letzter Woche kurzerhand vor die Tür des Weißen Hauses. Selenskyj solle wiederkommen, wenn er bereit für Frieden sei, tönte Trump. Und das scheint nun zu geschehen.
Stürzt Trump die USA in eine Rezession?
In seiner Rede zitierte Trump Passagen aus einem persönlichen Brief Selenskyjs, in dem der ukrainische Präsident die Auseinandersetzung im Weißen Haus vergangene Woche ausdrücklich bedauerte. Niemand wolle Frieden mehr als die Ukraine, betonte Selenskyj und sagte zu, notwendige Verträge dafür unterzeichnen zu wollen, sofern sie mit den Bedürfnissen seines Landes konform seien. Damit rückt jenes Rohstoff-Abkommen wieder in den Fokus, das Trump von Selenskyj im Austausch für die Waffenhilfe gegen Russland verlangt. Schon Ende letzter Woche sollte dieses Abkommen eigentlich unterzeichnet werden, der Pakt scheiterte letztlich aber am Streit vor laufenden Kameras.
Mehrere Abgeordnete machten ihrem Unmut bei Trumps Rede mit Schildern Luft, auf denen etwa "Musk stiehlt" stand. Trump selbst lobte den Tesla-Chef ausdrücklich.
„Ich arbeite unermüdlich daran, den brutalen Konflikt in der Ukraine zu beenden“, unterstrich Trump in seiner Rede, kritisierte aber erneut die hohen US-Ausgaben für Kiew. Auch deshalb verlangt Trump von Selenskyj Zugang zu Seltenen Erden und fossilen Brennstoffen, die in der Ukraine gefördert werden. Trump verspricht sich davon nicht nur die Kompensation der bisherigen finanziellen US-Hilfen für die Ukraine, sondern obendrein noch ein profitables Geschäft für die amerikanische Wirtschaft. Den Bürgern versprach Trump abschließend noch Steuersenkungen, die man über drastische Einsparungen im bürokratischen Apparat refinanzieren will, woran Elon Musk mit seiner Behörde für Regierungseffizienz (DOGE) laut Trump „sehr hart arbeitet“.
Auf der Wettplattform Polymarket schoss die Quote für eine Rezession nach Trumps Rede nach oben. Stürzt Trump die USA in eine Konjunkturkrise?
Gelöst sind die wirtschaftlichen Probleme, die auf den Finanzmärkten lasten, damit aber noch lange nicht. Kanada reagierte empört auf Trumps neuerliche Strafzölle und verhängt nun selbst Abgaben auf US-Handelsströme mit einem Volumen von über 100 Milliarden US-Dollar. China gab postwendend bekannt, Aufschläge für amerikanische Sojabohnen und Fleisch einzuheben, auch Mexiko plant Gegenmaßnahmen. An den Finanzmärkten bleibt die Lage vorerst angespannt, was Trump für seinen großen politischen Plan gar nicht so unrecht sein dürfte. Vorerst zurück ist mit dem Zollstreit auch die Rezessionsangst: Die Teilnehmer der bekannten Wettplattform Polymarket taxieren die Wahrscheinlichkeit für eine US-Rezession in diesem Jahr seit Anfang dieser Woche auf fast 40 Prozent. Noch Ende Februar hatte dieser Wert bei knapp über 20 gelegen.



