Rezession vs. Aufschwung: Gold, Silber und Kupfer im Superzyklus?
#Rohstoffe und Energie

Rezession vs. Aufschwung: Gold, Silber und Kupfer im Superzyklus?

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Simeon Koch

Steigt der Kupferpreis in den nächsten Jahren von aktuell rund $8500 auf stolze $15 000 pro Tonne und damit um weitere schwindelerregende 75 Prozent? Geht es nach den Analysten der New Yorker Citibank, einem der weltweit größten Finanzdienstleister für Privatkunden, ist so ein Szenario angesichts rasant wachsender Nachfrage durchaus realistisch. Auf der UN-Klimakonferenz vergangenen Dezember in Dubai verpflichteten mehr als 60 Nationen zu einem Plan, ihre Kapazitäten für erneuerbare Energien bis 2030 zu verdreifachen. Die erhöhte Nachfrage nach entsprechender Technologie, die bereits beim Nuklear-Rohstoff Uran für explodierende Preise gesorgt hat, dürfte laut den Experten auch „extrem bullisch für Kupfer“ sein. Dafür aber muss die industrielle Erholung, die sich abzuzeichnen scheint, weitergehen – denn Kupfer wird vor allem in elektrischen Geräten und Industriemaschinen gebraucht. Genau darauf hofft auch der Silbermarkt. Schätzungen zufolge soll dieses Jahr ein neuer Allzeitrekord bei der globalen Nachfrage erreicht werden. Silber und Kupfer werden gleichermaßen für Zukunftstechnologien wie Photovoltaik-Anlagen oder Solarzellen gebraucht, die besonders in China äußerst hoch im Kurs stehen. Dennoch können die Industrie-Allrounder kaum mit dem rasant steigenden Goldpreis mithalten. Verwunderlich ist das nicht, schließlich sind besonders institutionelle Käufer heiß auf das Edelmetall: Allein die chinesische Zentralbank kaufte im März 160 000 Feinunzen.

Kupfer „im Epizentrum der Energiewende“

Schon Mitte vergangenen Jahres warnten Branchenkenner vor einer eklatanten Verknappung auf dem Kupfermarkt. Als hocheffizienter Leiter für Wärme und Elektrizität ist Kupfer unverzichtbar bei der Energiewende und ambitionierten Klimaschutz-Zielen. Der Kupferverbrauch für erneuerbare Energien beläuft sich derzeit auf rund vier Prozent der verfügbaren Gesamtmenge, dürfte sich bis 2030 aber mehr als vervierfachen. Um fast die Hälfte soll die Kupfer-Nachfrage durch globale Elektrifizierung in den nächsten sechs Jahren steigen. Aktuell werden pro Jahr rund 25 Millionen Tonnen benötigt, bis Anfang des nächsten Jahrzehnts sollen es fast 36.6 Millionen sein. Dabei gibt es nur ein Problem: Das globale Kupfer-Angebot dürfte mit diesem Bedarfszuwachs nicht mithalten können und um 2030 nur rund 30 Millionen Tonnen jährlich betragen. Die Analyseabteilung von S&P Global geht noch weiter und prognostiziert einen Wert von 50 Millionen Tonnen Kupfer-Nachfrage bis 2035, was eine dramatische Verknappung auf dem Markt bedeuten würde: „Angenommen, die aus Minen gewonnene Menge an Kupfer wächst weiterhin mit einer Rate von 2.69 Prozent jährlich (wie es über die letzte Dekade der Fall war), wird die globale Produktion bis 2030 gerade einmal 31 Millionen Tonnen erreichen – weit entfernt von den 50 Millionen, die gebraucht werden dürften“, fasste S&P die alarmierende Situation schon letzten Sommer in einer Stellungnahme zusammen.

Entsprechenden Berechnungen zufolge dürfte sich das schon jetzt spürbare Angebotsdefizit über das nächste Jahrzehnt hinziehen und kontinuierlich verschärfen, vielerorts wird davor gewarnt, dass die Kupfer-Knappheit diverse Klimaziele ernstlich gefährden könnte. Verschärft wird die Situation dadurch, dass große Kupferbergwerke in Latein- und Nordamerika an ihre Grenzen stoßen. Ende vergangenen Jahres musste die Förderung in Cobre Panamá, einer der wichtigsten Kupferminen der Welt wegen Umweltauflagen vorübergehend eingestellt werden, der weltweit operierende Bergbau-Konzern Anglo American kündigte an, seine Produktion in wichtigen Kupfergebieten in Chile und Peru zu kürzen, um Kosten zu sparen. Der Kupferpreis gilt gemeinhin als Indikator für wirtschaftliche Erholung, da bei Anzeichen auf neue Aufschwünge in der Industrie auf wachsende Nachfrage und damit steigende Preis spekuliert wird. Mehrere Wallstreet-Banken wie Goldman Sachs oder die Bank of America (Bofa) geben aktuell bullische Kupferprognosen für die nächsten Monate und Jahre heraus, in einem Statement der Bofa hieß es, Kupfer befinde sich „im Epizentrum der Energiewende, weshalb das mangelnde Wachstum der Minenproduktion akut spürbar werden wird“.

Silber-Bedarf auf historischem Rekordniveau

Besonders aus dem Fernen Osten werde der internationale Kupfermarkt künftig bestimmt, sind sich die Analysten sicher: Die geringe Verfügbarkeit benötigter Rohprodukte begrenze „die Produktion in Chinas Raffinerien, was die chinesische Nachfrage in die internationalen Märkte schwemmen wird“. Gleichzeitig werde „die Nachfrage in den Vereinigten Staaten und Europa wieder deutlich steigen, wenn die wirtschaftliche Erholung bald einsetzt. Gemeinsam mit dem steigenden Bedarf für die Energiewende wird das den Kupfermarkt dieses Jahr in ein Defizit drücken“. Ewig werde die Kupfer-Rallye allerdings auch bei Eintreten dieser dramatisch klingenden Prognosen nicht anhalten, beruhigte Colin Hamilton, Rohstoffanalyst bei der Investmentbank BMO Capital Markets vor einer Woche im Interview mit CNBC: „Rohstoffmärkte regulieren sich selbst. Sie finden immer Wege, um Knappheiten zu bewältigen.“ Wenn Kopper also stark im Preis steige, „werden wir ein Umdenken und Ersatzlösungen in der Industrie sehen“. Hamilton persönlich erwarte „sehr hohe Kupferpreisziele“, allerdings auch „wieder schnelle Anpassungen bei der Nachfrage in wichtigen Industriezweigen“.

Für Aufbruchsstimmung auf dem Kupfermarkt sorgen neben den soliden Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten auch vielversprechende Wirtschaftsdaten aus dem ökonomisch zuletzt gebeutelten China. Wichtige Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex stehen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt so hoch wie seit Monaten nicht mehr, die Exporte aus der Volksrepublik wachsen ebenso. Das tut auch dem Silberpreis gut, denn rund 40 Prozent des jüngsten Wirtschaftswachstums hatte China seinen gedeihenden Industriezweigen im Bereich der erneuerbaren Energien zu verdanken, wo Silber besonders in Sachen Solarenergie punktet. Im vergangenen Jahr stieg die Verwendung für Photovoltaik-Anlagen weltweit um beeindruckende 64 Prozent, der gesamte industrielle Silberbedarf legte um elf Prozent auf den Rekordwert von knapp 655 Millionen Unzen zu. Das dritte Jahr in Folge übertraf die Nachfrage somit das globale Angebot. Allein China kaufte um 44 Prozent mehr Silber als noch im Jahr zuvor, 90 Prozent der weltweiten Lieferungen von Solarpanels kamen aus China. Superzyklen, also nachhaltige Preisanstiege über mehrere Jahre hinweg, scheinen angesichts der starken Nachfrage aus der Industrie bei Silber und Kupfer kein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Die private Nachfrage allerdings schwächelt.

Zentralbanken horten Gold: Was macht der Preis?

Während der industrielle Bedarf deutlich anstieg, ging die Nachfrage nach Silberware nämlich um rund ein Viertel zurück, die Herstellung von Silberschmuck fiel um 13 Prozent. Gründe dafür sind erhöhter Bedarf an Bargeld wegen steigender Lebenshaltungskosten im Westen und besonders in Deutschland gestiegene Steuersätze. Die allgemeinen Aussichten für den Silberpreis sind schon länger sehr optimistisch – der industrielle Verbrauch soll um weitere neun Prozent steigen, der Photovoltaik-Sektor gar um 20 Prozent. Gleichzeitig dürfte das Angebot durch reduzierte Förderkapazitäten um etwa ein Prozent zurückgehen, was in einem gesamten Defizit von fast 220 Millionen Unzen resultieren dürfte. An das jüngste Wachstum des Goldmarktes, befeuert durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten, kommen Silber und Kupfer aber wohl nicht heran. Besonders starke Nachfrage war zuletzt von Zentralbanken zu spüren, China kaufte im dritten Quartal des letzten Jahres fast 44 Tonnen neues Gold, die Türkei sogar mehr als 60. Gerade in den BRICS-Staaten spielt Gold als Alternative zu Devisen-Reserven in US-Dollar eine immer größere Rolle – motiviert durch das Ziel, die Dollar-Hegemonie zu unterwandern. Laut unserer Analyse dürfte der Goldpreis dennoch alsbald in eine ausgedehnte Korrektur gehen – alles, was Sie zur Preisentwicklung der Industrie- und Edelmetalle wissen müssen, erfahren Sie in unseren Analysepaketen zu Silber, Kupfer und Gold.

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Simeon Koch

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