Microsoft und Meta mit starken Quartalszahlen – und KI-Dilemma
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Microsoft und Meta mit starken Quartalszahlen – und KI-Dilemma

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Simeon Koch

Gestern stieg die Aktie von Nvidia um fast 13 Prozent und gewann beinahe $330 Milliarden an Marktkapitalisierung hinzu – das entspricht in etwa dem Gesamtwert der zweitgrößten Kryptowährung Ethereum. Noch nie zuvor in der Börsengeschichte hat eine einzelne Aktie innerhalb eines Tages ein derartiges Wachstum in ihrer Gesamtbewertung erreicht. Kurz zuvor hatte Jerome Powell, Vorsitzender der nordamerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed), bekanntgegeben, dass der Leitzins weiterhin unverändert bleibt. Etwas aufgehellt hat sich die Lage für Risiko-Anlagen dann aber doch: Powell erklärte, dass Zinssenkungen bereits im September möglich seien, sofern die Entwicklung von Wirtschaftsdaten und Inflation diesen Schritt zulasse.

Der Aktienmarkt und vor allem Tech-Anleger reagierten euphorisch, neben Nvidia konnte auch Meta kräftig zulegen und stieg seit gestern Vormittag in der Spitze um zwölf Prozent an. Befeuert wurde diese Rallye durch ausgezeichnete Quartalszahlen, die Meta am gestrigen Mittwoch vorlegte: Der Umsatz wuchs um mehr als 20 Prozent, der Nettogewinn schoss im Jahresvergleich um fast 75 Prozent nach oben. Ein deutliches Plus stand auch vor den Geschäftszahlen von Microsoft, die schon am Dienstag kamen. Dennoch fiel die Aktie des nach Marktkapitalisierung weltgrößten Börsenunternehmens anschließend um fast fünf Prozent. Verunsichert wurden die Microsoft-Aktionäre besonders von hohen Ausgaben für Künstliche Intelligenz.

Drei Viertel mehr Gewinn für Meta

$1.4 Milliarden muss Meta wegen Datenschutz-Verstößen berappen. Darauf einigte sich der Konzern bei einem gerichtlichen Vergleich Mitte der Woche in Texas. Das war dann aber auch schon die schlechteste Nachricht in dieser Woche voller Aufbruchsstimmung. Das florierende Geschäft mit Werbung auf den unternehmenseigenen Plattformen Facebook und Instagram ließ den Umsatz in den drei Monaten von April bis Juni um beachtliche 22 Prozent auf $39.1 Milliarden anwachsen, der Nettogewinn legte um verblüffende 73 Prozent auf $13.5 Milliarden zu. Damit stellt Meta das zweite Quartal des Vorjahres deutlich in den Schatten. Damals hatte man von $32 Milliarden Umsatz gerade mal $7.8 als Überschuss behalten. Im Gleichschritt mit dem Nettogewinn stieg auch der Gewinn pro Aktie auf $5.16 nach mageren $2.98 im Vorjahresquartal. Deutlich übertroffen wurde damit auch die Analystenschätzung von $4.78 pro Aktie. Meta kann also auch zur Jahresmitte das starke Wachstum aus dem Frühling bestätigen. Schon im ersten Quartal hatte Meta die Erwartungen der Wall Street übertroffen und den Umsatz um rund 30 Prozent gesteigert, während sich der Gewinn sogar verdoppelte. Beglückt hatte Meta seine Aktionäre damals mit der Ankündigung, erstmals Dividende auszuschütten.

Meta-Zahlen für Q2, nebst Vorgänger- und Vorjahresquartal sowie Analystenschätzung

Hinter der Erfolgssträhne aber steckt noch mehr: Metas glänzende Entwicklung der letzten Monate fußt auf wiederholten Erfolgsmeldungen bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der iPhone-Hersteller Apple gerne Metas fortschrittliche KI-Modelle für seine Geräte verwenden würde. Gleichzeitig schraubt die Facebook-Mutter an einer maßgeschneiderten KI für Europa, die mit besonderen Kenntnissen über europäische Kultur punkten soll. Und dabei ist Künstliche Intelligenz ja nur das neueste Steckenpferd des Social-Media-Giganten. Immer noch stammen die Einnahmen größtenteils aus Werbung auf den hauseigenen Plattformen, die langsam, aber stetig wachsen: Im zweiten Quartal stieg die Anzahl täglicher Nutzer auf den Meta-Apps um Facebook und Instagram um sieben Prozent auf rund 3.3 Milliarden. Enttäuschend läuft es hingegen für Metas Sparte Reality Labs, die für Virtual Reality-Produkte verantwortlich ist und seit Monaten nicht aus den roten Zahlen kommt. Vielleicht ist dafür auch Metas jüngster Sparkurs verantwortlich: Die Investitionsausgaben im zweiten Quartal lagen bei knapp $8.5 Milliarden, prognostiziert hatte der Markt rund $9.4 Milliarden. Die Erwartungen für die Gesamtausgaben im Jahr 2024 hält Meta konstant bei $96 bis $99 Milliarden. Allein $37 bis $40 Milliarden davon sollen in die KI-Entwicklung fließen.

Microsoft schlägt die Erwartungen knapp

Im Zwiespalt zwischen KI-Boom und horrenden Entwicklungskosten ist aktuell auch der globale Börsen-Primus Microsoft gefangen. Allein in den letzten drei Monaten beliefen sich Microsofts Investitionsausgaben auf $13.9 Milliarden – eine Steigerung von 55 Prozent im Jahresvergleich und $200 Millionen über den Erwartungen der Wall Street. Auch in Deutschland zeigte sich Microsoft Anfang des Jahres großzügig und will hierzulande in den nächsten zwei Jahren KI-Investitionen von 3.3€ Milliarden tätigen. Die immensen Investitionsausgaben überschatteten am Dienstag Microsofts gute Quartalszahlen. Geschäftsführer Satya Nadella versuchte zu beschwichtigen und versicherte, dass Microsoft „das KI-Zeitalter anführen“ werde, die Aktie rutschte nach seinem Statement dennoch deutlich ab. Nadella will Bedenken wegen der gesteigerten Ausgaben aber nicht gelten lassen: „Unsere starke Leistung in diesem Geschäftsjahr spricht sowohl für unsere Innovationskraft als auch für das Vertrauen, das die Kunden weiterhin in Microsoft setzen“.

Microsoft-Zahlen für Q2, nebst Vorgänger- und Vorjahresquartal sowie Analystenschätzung

Und tatsächlich läuft es ziemlich gut für den Windows-Erfinder: Im zurückliegenden zweiten Quartal konnte Microsoft seinen Umsatz um deutliche 15 Prozent auf $64.7 Milliarden steigern, der Gewinn stieg im Vergleich zum zweiten Quartal 2023 um zehn Prozent auf $22 Milliarden. Hauchzart konnte somit auch Microsoft die Analysten-Erwartungen übertreffen – die Wall Street hatte mit einem Umsatz von $64.4 Milliarden und einem Gewinn von $21.9 Milliarden gerechnet. Auch das Cloud-Geschäft konnte mit 19 Prozent Wachstum das ambitionierte Tempo der letzten Quartale beibehalten, in den letzten drei Monaten nahm Microsoft mit dieser Sparte stolze $28.5 Milliarden oder rund 44 Prozent des gesamten Umsatzes ein. Getrübt werden die Geschäftszahlen vom etwas enttäuschenden Vergleich mit dem Frühling dieses Jahres. Vom ersten aufs zweite Quartal gelang Microsoft beim Umsatz zwar noch eine Steigerung von knapp fünf Prozent, beim Nettogewinn waren es allerdings nur schmale 0.5 Prozent. Dennoch gilt Microsoft, wichtigster Mäzen von KI-Marktführer OpenAI, als Vorreiter im Bereich der Monetarisierung von Künstlicher Intelligenz. Für alle, die von der Entwicklung dieses Sektors profitieren möchten, analysieren wir die Aktien von Meta und Microsoft regelmäßig in unserem TECH33-Paket.

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Simeon Koch

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