Iran-Krise: Warum steigt Bitcoin, während Aktien und Gold fallen?
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Iran-Krise: Warum steigt Bitcoin, während Aktien und Gold fallen?

Author

Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Iran-Spannungen drücken Gold und Aktien, aber Bitcoin steigt
  • Krypto-ETFs stehlen Gold-Fonds die Show
  • Nachfrage nach Bitcoin und Altcoins könnte Rsiko-Wende andeuten

Der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormuz haben die Finanzwelt in Schieflage gebracht. Rund zwanzig Millionen Barrel Öl passieren normalerweise täglich die Meerenge, aktuell fehlen laut Internationaler Energieagentur acht Millionen Barrel pro Tag. Ein Schock für die Weltwirtschaft, die wegen steigender Ölpreise nun schwaches Wachstum und hohe Inflation erwartet.


Ende Februar begann der Krieg im Iran. Seitdem ist Bitcoin deutlich gestiegen, während Gold und der S&P 500 korrigieren.


Entsprechend reagieren die klassischen Märkte: Aktienindizes wie der S&P 500, der Nasdaq-100 und der DAX befinden sich in einer Korrektur. Top-Aktien wie Nvidia, Microsoft oder Apple verloren in den letzten Tagen Milliarden an Börsenwert und selbst Gold und Silber leiden deutlich. Der US-Dollar-Index (DXY) ist gleichzeitig deutlich gestiegen – ein klassisches Signal für Kapitalflucht aus Risiko-Anlagen.

Umso erstaunlicher ist die Entwicklung bei Bitcoin und Altcoins. Vom Tief bei rund 60 000 Dollar Anfang Februar ist BTC fast 25 Prozent gestiegen. Die Rallye begann ausgerechnet mit der Eskalation im Iran vor zwei Wochen. Während Aktien und Edelmetalle fallen, steigen die Kurse digitaler Assets. Und diese Entkopplung könnte sich fortsetzen. Dafür gibt es vier gute Gründe.

Grund 1: Lockere Geldpolitik im Krieg

Der Krieg im Iran kostet die USA täglich rund 1.5 Milliarden Dollar. Und irgendwo muss das Geld herkommen. Steigende Staatsausgaben treffen auf bereits hohe Defizite, was den Druck auf die Notenbanken erhöht. Die Federal Reserve steht vor einem Dilemma: Einerseits treibt der Ölpreisschock die Inflation, andererseits droht eine wirtschaftliche Abkühlung. Das können sich die USA bei all den militärischen Abenteuern aktuell und dem KI-Wettrennen mit China aber nicht leisten.


Steigt die globale Liquidität (Mitte), performt der Kryptomarkt (oben) am besten. Wichtig dafür: lockere Geldpolitik (Quantitative Easing) der Fed (unten).


Je länger der Iran-Krieg dauert, desto wahrscheinlicher werden Finanzspritzen, um das System am Laufen zu halten. Schließlich droht schon jetzt ein großes Loch in der Kriegskasse. Genau hier setzt das sogenannte Debasement-Narrativ an. Anleger rechnen damit, dass die Geldmenge perspektivisch ausgeweitet wird, um die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts abzufedern. Bitcoin wird in diesem Kontext zunehmend als Absicherung gegen eine schleichende Entwertung staatlicher Währungen betrachtet – eine Rolle, die früher primär Gold innehatte.

Verstärkt wird dieser Effekt durch bereits sichtbare Liquiditätssignale. Auch ohne klassisches Quantitative Easing gibt es Hinweise auf versteckte geldpolitische Unterstützung, etwa durch kurzfristige Anleihekäufe. Im Dezember kündigte die Fed monatliche Käufe in Höhe von rund 40 Milliarden Dollar bis Mai an. Bitcoin reagiert sensibel auf diese Erwartungen. Wie ein Seismograf, der kleinste Erschütterungen in der Geldpolitik früh erkennt und mit Kursbewegungen anzeigt.

Grund 2: Der Clarity Act als institutioneller Türöffner

Parallel zur geopolitischen Krise rückt die Regulierung des Kryptomarkts erneut in den Fokus. Der sogenannte Clarity Act in den USA könnte erstmals verbindliche Regeln für den Umgang mit digitalen Assets schaffen. Besonders die Klassifizierung von Token sowie die Regulierung von Stablecoins gelten als zentrale Bausteine für institutionelle Investoren. Neben dem Genius Act, der Stablecoins an Staatsanleihen binden und so die US-Schuldenkrise besiegen soll, gehört der Clarity Act zur Krypto-Offensive der Trump-Regierung, der Gesetzgebungsprozess verläuft jedoch schleppend.


Wie wahrscheinlich ist es, dass der Clarity Act 2026 wirksam wird? Der Wettmarkt Polymarket geht von 60 Prozent aus.


Streitpunkte wie die Frage, ob Stablecoin-Anbieter Zinsen zahlen dürfen, blockieren Fortschritte. Zuletzt stellte sich ausgerechnet die führende US-Kryptobörse Coinbase quer und protestierte gegen Privilegien großer Banken, die ihr Monopol auf Zinszahlungen nicht an Stablecoins abtreten wollen. Dennoch zeigt sich am Markt eine klare Erwartungshaltung: Prognoseplattformen sehen die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung bis 2026 bei gut 60 Prozent. Diese Perspektive reicht offenbar aus, um Kapital anzuziehen.

Regulatorische Klarheit wirkt dabei wie ein Hebel. Große Vermögensverwalter und Pensionsfonds benötigen Rechtssicherheit, bevor sie signifikante Investments vornehmen – vor allem in einer bisher kaum regulierten Asset-Klasse wie dem Kryptomarkt. Der Clarity Act fungiert somit als Brücke zwischen traditionellem Finanzsystem und Krypto-Markt. Je näher eine Einigung rückt, desto stärker dürfte dieser Effekt werden. Erste konkrete Signale liefert der ETF-Markt.

Grund 3: Der ETF-Markt rotiert von Gold zu Bitcoin

Die Bitcoin-Erholung inmitten der Iran-Krise steht auf dem starken Fundament zurückkehrender Nachfrage im ETF-Markt. Allein in den vergangenen drei Wochen flossen laut Daten von CoinShares rund 2.2 Milliarden Dollar in digitale Anlageprodukte, davon über eine Milliarde in der letzten Handelswoche. Bemerkenswert ist dabei die Herkunft: Rund 96 Prozent der Zuflüsse stammen aus den USA – dem Zentrum des ETF-Marktes.


Während der Gold-ETF GLD nach langer Rallye stagniert, sehen Krypto-ETFs starkes Handelsvolumen.


Bitcoin dominiert diese Entwicklung klar. Etwa 75 Prozent der Zuflüsse entfallen auf BTC, während auch Ethereum von neuen ETF-Produkten profitiert – etwa vom ersten Ethereum-Staking-ETF des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, der sich selbst aktiv im Altcoin-Sektor positioniert.  Gleichzeitig zeigt sich eine auffällige Gegenbewegung bei Gold.

Der größte Gold-ETF, SPDR Gold Shares (GLD), verzeichnete zuletzt Abflüsse von fast drei Prozent seines verwalteten Vermögens. Demgegenüber konnte der Bitcoin-ETF iShares Bitcoin Trust (IBIT) Zuflüsse von etwa 1.5 Prozent verbuchen. Anleger betrachten Bitcoin offenbar zunehmend als Alternative zu Gold, nicht mehr nur als spekulatives Asset. Die ETF-Infrastruktur ermöglicht es erstmals, diese Entscheidung schnell und in großem Umfang umzusetzen.

Grund 4: Der Krisen-Dollar und die technische Erholung

Ein Teil der aktuellen Bewegung lässt sich auch technisch erklären. Bitcoin hat in den vergangenen Monaten eine deutliche Korrektur durchlaufen, mit Kursverlusten von bis zu 50 Prozent. Solche Rückgänge sind im historischen Kontext nicht ungewöhnlich und werden häufig von kräftigen Gegenbewegungen gefolgt. Das ist typisch für volatile Assetklassen wie den Kryptomarkt.


Seit Kriegsbeginn im Iran sind Rohöl und der US-Dollar (DXY-Index im Vergleich zu anderen Währungen) gestiegen. Für Bitcoin ist das normalerweise nicht gut.


Hinzu kommt die besondere Dynamik des Dollars. Der US Dollar Index (DXY) ist in kurzer Zeit stark gestiegen. Eigentlich ist das negativ für Bitcoin und Altcoins, weil ein starker Dollar auf ein strafferes Liquiditätsumfeld hindeutet, was Risiko-Anlagen traditionell belastet. Doch nicht jede Dollar-Stärke hat die gleiche Bedeutung. In diesem Fall handelt es sich weniger um einen hawkischen Dollar, der durch steigende Zinsen getrieben wird, sondern um einen Krisen-Dollar – eine Folge globaler Unsicherheit und Kapitalflucht.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Ein klassisch restriktiver Dollar entzieht den Märkten Liquidität und belastet Risikoassets. Ein Krisen-Dollar hingegen signalisiert Stress im System – und genau dieser Stress nährt die Erwartung zukünftiger geldpolitischer Unterstützung. Bitcoin und Altcoins reagieren stärker auf diese Erwartung als auf den aktuellen Zustand. Die starken ETF-Zuflüsse verstärken die Bewegung zusätzlich. Selbst in einem Umfeld steigender Ölpreise und eines starken Dollars sorgen konstante Kapitalzuflüsse für Nachfrage.

Ist der Bitcoin-Bärenmarkt zu Ende?

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und eine starke Bitcoin-Woche noch keinen Krypto-Bullenmarkt. Bitcoin hat mit dem gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt zuletzt ein Level erreicht, das schon in früheren Zyklen für tiefe Bärenmärkte stand. 2016 und 2020 erreichte BTC auf dieser Linie seine Zyklustiefs, 2022 ging es deutlich darunter. Die erste kräftigere Antwort auf die harten Abverkäufe der letzten Wochen gelang nun erneut auf dem gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt. Ob das Schlimmste für diesen Bitcoin-Bärenmarkt nun überstanden ist, bleibt allerdings fraglich.


Bitcoin hüpft vom gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt (gelbe Linie). Geht es nochmal (deutlich) tiefer?


Um zurück in übergeordnet bullisches Fahrwasser zu gelangen und den mittelfristigen Abwärtstrend zu brechen, müsste BTC einige Preislevels zurückerobern, die aktuell noch über dem Kurs liegen. Außerdem bleiben die nächsten Wochen geprägt von Unsicherheit: Im morgigen FOMC-Meeting dürfte die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins nicht senken, das zumindest erwartet der Markt. Je länger der Krieg im Iran anhält, desto höher zwar die Wahrscheinlichkeit für Finanzspritzen, aber umso länger hält auch die Unsicherheit an, die den Finanzmarkt aktuell bedrückt.

Bitcoin mag den Aktienmarkt und Edelmetalle gerade überflügeln, die Rallye muss sich aber erst beweisen. Von zeitlich begrenzten Anstiegen, die nur in den nächsten Abverkauf übergehen (wie bereits im Dezember und Januar), kann sich der Kryptomarkt nichts kaufen – schon gar keine Rückkehr von Zuversicht und Kaufkraft. Der Kryptomarkt hat also einiges an Arbeit vor der Brust, damit die relative Stärke gegen Gold und Aktien kein Strohfeuer bleibt. Abonnenten unseres  Bitcoin/Ethereum-Pakets erhalten exklusive Preisziele für die nächsten signifikanten Bewegungen im Blockchain-Sektor.

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Bitcoin

Wie viel wird Bitcoin 2030 wert sein?

Eine konkrete Preisprognose für Bitcoin über mehrere Jahre hinweg ist schwer und kaum seriös. Seit seiner Entstehung befindet BTC sich aber in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Setzen sich die (prozentuell zwar wegen immer höherer Bewertung immer kleiner werdenden) Anstiege fort, bleibt Bitcoin auch über die kommenden Jahre ein gutes Investment.

Lohnt es sich, 50 Euro in Bitcoin zu investieren?

Der Kryptomarkt ist einer der volatilsten und riskantesten Sektoren der Finanzwelt. Setzt Bitcoin sein steiles Wachstum der letzten Jahre durch weitere Anerkennung an der traditionellen Börse fort, bleibt der Krypto-Marktführer ein gutes Investment. Kleine Beträge sind vor allem für Anleger ratsam, die sich mit dem Kryptomarkt noch nicht so gut auskennen oder ohne großes Risiko experimentieren wollen.

Kann Bitcoin auf 0 fallen?

Dass Bitcoin seinen vollständigen Wert verliert, also praktisch auf 0 fällt, ist zum aktuellen Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich. Durch die zunehmende Adaption in der klassischen Finanzwelt dank sehr erfolgreicher Krypto-ETFs hat sich Bitcoins Stellung als global akzeptiertes Anlage-Asset gestärkt. Als digitale Gold-Alternative und Absicherung gegen Geldentwertung scheint BTC immer erfolgreicher auftrumpfen zu können. Entsprechend gering sind die Chancen für einen totalen Wertverlust. Starke Volatilität ist weiterhin möglich.

Was kostete 1 Bitcoin vor zehn Jahren?

Im Jahr 2016 schwankte Bitcoins Preis zwischen knapp 500 und 1000 US-Dollar. Bis zum letzten Allzeithoch im Oktober gerechnet (126 000 Dollar) hat sich der BTC-Preis mehr als verhundertfacht. Besonders starke Anstiege erlebte der breite Kryptomarkt in den Jahren 2017 und 2021.

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