Es ist Freitag und somit lassen wir eine weitere spannende Handelswoche hinter uns. Was so alles in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns in unserem Wochenrückblick an.
Montag – Nach Spotify-Beschwerde: Milliarden-Strafe für Apple
Weil Apple nach Ansicht der Behörden den Wettbewerb von Musik-Streaming-Diensten behinderte, hat die EU-Kommission den iPhone-Konzern nun mit einer Geldstrafe in Höhe von 1.8€ Milliarden belegt. Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte am Montag, dass Apple im letzten Jahrzehnt seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt habe, indem man Entwicklern untersagt habe, Verbraucher über günstigere Musikdienste außerhalb des Apple-Ökosystems zu informieren. Die Strafe wurde aufgrund falscher Angaben von Apple während des Verfahrens erhöht und beläuft sich auf 0.5 Prozent des weltweiten Umsatzes des Unternehmens. Die Kommission verbot Apple außerdem, Apps daran zu hindern, ihre Dienste außerhalb von Apples iOS-Software anzubieten. Bereits im Jahr 2020 wurde Apple in Frankreich aufgrund von wettbewerbswidrigem Verhalten zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.1€ Milliarden verdonnert. Eingeleitet wurde die Untersuchung infolge einer Beschwerde seitens des schwedischen Streamingdienstes Spotify.
Dienstag – Ist das der Tiefpunkt? Bayer mit knapp 3€ Milliarden Verlust in 2023
Nachdem wir im letzten Wochenrückblick über das Fahrt aufnehmende Führungskräfte-Karussell beim Pharmariesen berichteten, blicken wir nun erneut in die Bayer-Firmenzentrale nach Leverkusen. Wie die Führungsriege um CEO Bill Anderson am Dienstag bekanntgab, liegt wie erwartet ein nach Zahlen absolutes Horrorjahr hinter dem DAX-Konzern – wenngleich die Schätzungen der Analysten sogar übertroffen wurden. Nach einem Gewinn in Höhe von 4.15€ Milliarden im Jahr 2022 stand im vergangenen Jahr nun ein Verlust von sage und schreibe 2.9€ Milliarden zu Buche. Der operative Ertrag sackte um 13.4 Prozent auf etwa 11.7€ Milliarden ein, auch der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 1.2 Prozent auf rund 47.63€ Milliarden zurück. Und auch die Prognosen für das Jahr 2024 lassen die Anleger wohl keine Luftsprünge machen: So rechnet der Konzern mit einem weiter rückläufigen operativen Gewinn, der Ebitda (engl.: Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization; dt.: Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände) soll nach den besagten 11.7€ Milliarden in 2023 auf eine Spanne zwischen 10.7€ und 11.3€ Milliarden zurückgehen. Alles andere als begeistert dürften die Investoren auch darüber sein, dass die Dividende je Anteilsschein um 95 Prozent gekürzt wird. Seit der Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto sieht sich der Bayer-Konzern in den Vereinigten Staaten mit einer regelrechten Klagewelle konfrontiert, im Rahmen welcher bereits Schadensersatz in Milliardenhöhe gezahlt wurde. Ein Ende ist hier bislang nicht in Sicht.
Mittwoch – Mails geleakt: OpenAI-CEO Altman schlägt gegen Elon Musk zurück
Wie wir in diesem Artikel bereits am letzten Freitag berichtet hatten, reichte Tech-Milliardär Elon Musk vergangene Woche Klage gegen den nordamerikanischen KI-Pionier OpenAI ein, den er einst selbst als früher Investor unterstützt hatte. Bis 2018 saß Musk zudem im Vorstand des Unternehmens, ehe er dem ChatGPT-Entwickler aufgrund möglicher Interessenkonflikte im Hinblick auf seine anderen Firmen den Rücken kehrte. Nachdem er in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder Kritik an OpenAI geäußert hatte, scheint Musk nun endgültig mit dem unter anderem von Sam Altman, Greg Brockman und John Schulman gegründeten Unternehmen gebrochen zu haben: Der Südafrikaner wirft OpenAI im Zuge seiner Klage vor, dass die KI-Firma nicht mehr den ursprünglichen, in der Gründungsvereinbarung festgelegten Weg verfolge. Dieser sieht vor, dass die Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz nicht auf Profit ausgelegt werden, sondern der Menschheit zugutekommen soll. Vor allen Dingen der OpenAI-Großinvestor Microsoft würde finanziell massiv von der Arbeit des Unternehmens profitieren, so Musk. Sam Altman will das aber nicht auf sich sitzen lassen und hat die Musk-Offensive Mitte der Woche gekontert. Mit geleakten Mails zeigte er auf, dass Musk vor dem Verlassen des Unternehmens die Position des CEOs sowie die „volle Kontrolle” eingefordert hatte. Darüber hinaus soll Musk verlangt haben, dass OpenAI mit Tesla fusioniert und sich „als seinen Goldesel“ an den E-Auto-Riesen bindet, wie Musk in einer seiner Mails geschrieben haben soll.
Donnerstag – Einigung: betrügerische Krypto-Börse FTX zahlt BlockFi bis zu $874 Millionen
Falls Sie im Krypto-Space unterwegs sind, erinnern Sie sich sicherlich noch an Sam Bankman-Fried. Einst war Bankman-Fried der absolute Shootingstar in diesem Sektor, innerhalb kürzester Zeit schwang sich die von ihm gegründete Krypto-Handelsplattform FTX zum nach Umsatz stärksten Krypto-Marktplatz auf und galt als am strengsten regulierte Börse der Welt. Bankman-Fried avancierte gar zum zweitwichtigsten Wahlkampfspender des damaligen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden. Im November 2022 dann aber das böse Erwachen: Bankman-Fried und Konsorten hatten mindestens $8 Milliarden an Kundengeldern veruntreut, derzeit sitzt der inzwischen 32-Jährige im Gefängnis und wartet auf sein Urteil – im (für ihn) schlimmsten Fall drohen ihm bis zu 110 Jahren Haft. Der Zusammenbruch der FTX-Plattform und des ebenfalls von Bankman-Fried geführten Hedgefonds Alameda Research zog jedenfalls zahlreiche weitere Krypto-Firmen mit in den Abgrund. Unter anderem geriet in diesem Kontext auch die Krypto-Bank BlockFi massiv in finanzielle Bredouille und rutschte in die Pleite, nachdem die Bank millionenschwere Kredite an Alameda Research vergeben und (Kunden-) Gelder in Höhe von mehr als $100 Millionen auf FTX geparkt hatte. Nach einem langen Rechtsstreit haben sich BlockFi und die Insolvenzverwalter von FTX nun darauf geeinigt, dass die Krypto-Bank aus der FTX-Insolvenzmasse bis zu $874 Millionen erhält. Die Einigung wurde unter Vorbehalt getroffen und muss noch vom zuständigen Konkursrichter abgesegnet werden.
Freitag – Einkassierte Ziele: Hellofresh-Aktie sackt um 45 Prozent ab
Während der Coronapandemie erlebte der Kochboxen-Versender Hellofresh einen massiven Aufschwung, Restaurants waren geschlossen, die veranlassten Lockdowns zwangen die Menschen an den eigenen Herd. Das Hellofresh-Wertpapier zählte damals zu den absoluten Lieblingen der Anleger, im Spätsommer 2021 zog das Unternehmen im Zuge der DAX-Erweiterung auf 40 Unternehmen gar in den deutschen Leitindex ein. Die Aktie stieg innerhalb von wenigen Monaten von 10€ auf rund 100€. Ein knappes Jahr später flog Hellofresh jedoch schon wieder aus der ersten Börsenliga. So wirklich auf die Beine gekommen ist das Berliner Unternehmen seit dem Ende der Pandemie nicht mehr – und das spiegelte sich auch deutlich in den jüngsten Zahlen wider: Wie am Donnerstagabend bekannt wurde, rechnet das Management um CEO Dominik Richter nicht damit, dass die ursprünglich für das Jahr 2024 ausgerufenen Ziele tatsächlich erreicht werden können. So hatte man einen Umsatz in Höhe von 10€ Milliarden prognostiziert, zehn Prozent – also 1€ Milliarde – davon sollten als operativer Gewinn unterm Strich stehen bleiben. Wie Geschäftsführer Richter aber nun verlauten ließ, rechnet man nur noch mit einem operativen Ergebnis in Höhe von 350€ bis 400€ Millionen. Die Anleger reagierten enttäuscht, die Aktie des Unternehmens ratterte am heutigen Freitag um rund 45 Prozent nach unten.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







