Nach dem Ausscheiden von Joe Biden aus dem Wahlkampf um die US-Präsidentschaft scheint Kamala Harris die designierte Nachfolgerin zu sein. Das steht zwar noch nicht fest, es gibt aber einige gute Gründe, die für ihre Nominierung auf dem Parteitag der Demokraten im August sprechen. So steht Harris als Vizepräsidentin in der hierarchischen Reihenfolge direkt hinter Biden und verkörpert die Politik der Biden-Regierung wie kein anderer Kandidat, der aktuell infrage kommt. Außerdem könnte Harris die Wahlkampfspenden von Biden übernehmen, was bei einem neuen Kandidaten aus rechtlichen Gründen nicht so einfach wäre. Ob Harris eine realistische Chance gegen Donald Trump hätte, würde sich erst in den nächsten Monaten zeigen müssen. Bei Cannabis-Freunden könnte Harris die Nase aber schon jetzt vorn haben. Während Trump in Sachen Cannabis bei seiner letzten Präsidentschaft wenig vorwärts brachte und sein aktueller Vize-Kandidat J.D. Vance das grüne Kraut eher konservativ beäugt, gelangen Kamala Harris gemeinsam mit Joe Biden historische Schritte zur Entkriminalisierung von Cannabis in den Vereinigten Staaten. Würde sie Präsidentin, dürften dies gute Nachrichten für die ganze Cannabis-Branche sein.
Cannabis-Legalisierung unter Kamala Harris?
Kamala Harris hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung in ihrer Haltung zu Cannabis durchgemacht. In den frühen 2010er Jahren war Harris, damals Generalstaatsanwältin von Kalifornien, noch gegen eine Legalisierungsinitiative von 2010. Obwohl sie schon im Jahr 2015 das Ende des bundesweiten Verbots von medizinischem Marihuana forderte, blieb sie bei der Abstimmung über die Legalisierung von Freizeitmarihuana in Kalifornien im Jahr 2016 neutral. Während ihrer Amtszeit als Bezirksstaatsanwältin von San Francisco wurden über 1900 Personen wegen Cannabisvergehen verurteilt, allerdings wurden die meisten wegen kleinerer Verstöße nicht inhaftiert. Ihre Haltung änderte sich deutlich, als Harris in eine bundesweit prominente politische Rolle wechselte. Dies könnte auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, wie das zunehmende öffentliche Bewusstsein für die Vorteile der Legalisierung und die wachsende Unterstützung in der Bevölkerung. 38 Bundesstaaten erlauben die medizinische Nutzung von Cannabis bereits, 24 davon den Freizeitgebrauch. Auf Bundesebene gibt es solche Gesetze noch nicht. Regelmäßig ergeben Umfragen deutliche Mehrheiten für eine Cannabis-Legalisierung. Laut Studien konsumieren mehr Amerikaner täglich Cannabis als Alkohol.
Harris hat sich in den letzten Jahren aktiv für die Legalisierung von Marihuana eingesetzt und mehrere Reformen unterstützt, darunter auch die Erleichterung für Cannabis-Unternehmen, an Finanzspritzen von Banken zu gelangen, den Trumps Vizekandidat J.D. Vance öffentlichkeitswirksam ablehnte. In einem Interview 2019 sagte Harris: „Niemand sollte ins Gefängnis gehen müssen, weil er Gras raucht“. Diese Aussage wiederholte Harris im März, unisono mit Präsident Joe Biden, der ein nahezu gleichklingendes Statement in seine Rede zur Lage der Nation einfließen ließ und damit den Cannabis-Markt in Euphorie versetzte. Wenige Wochen später stuften die Gesundheitsbehörden der Vereinigten Staaten Cannabis tatsächlich neu ein und öffneten medizinischer Nutzung und auch möglichen Zulassungen für den Freizeitgebrauch auf Bundesebene die ersten juristischen Türen. Bei seiner Rede zur Lage der Nation hatte Biden im März betont, dass die überzogene Drogenpolitik der letzten Jahrzehnte besonders bei Menschen, die für mindere Cannabis-Delikte verurteilt wurden, große soziale Schäden angerichtet habe: „Zu viele Leben sind wegen unserer falschen Herangehensweise zerstört worden. Es ist Zeit, diese Fehler richtigzustellen.“ Kamala Harris teilte mit, diese Ansicht ausdrücklich zu unterstützen und weiter an einer Legalisierung arbeiten zu wollen.
Harris hat selbst gekifft – und dürfte den Markt beleben
Schon 2019 veröffentlichte Harris ein Buch, in dem sie die Legalisierung von Marihuana und die Löschung von nicht gewalttätigen Marihuana-Delikten befürwortete. In einem Interview gab sie augenzwinkernd zu, in ihrer Schulzeit auch hin und wieder mal gekifft zu haben. Vor der jüngsten Neubewertung von Marihuana durch Präsident Biden und die nordamerikanischen Behörden hat Harris die Gesundheits- und Justizministerien dazu gedrängt, Marihuana als weniger gefährlich als Heroin einzustufen, und bezeichnete die ehemalige Klassifizierung als „absurd und unfair“. In einer internen Debatte soll Harris im Weißen Haus ausdrücklich gefordert haben: „Wir müssen Marihuana legalisieren“. Präsident Biden hat bereits vor Wochen frühere bundesstaatlichen Vergehen wegen einfacher Cannabis-Delikte begnadigt und die Gouverneure aufgefordert, dasselbe auf staatlicher Ebene zu tun. Gemeinsam mit seiner Vizepräsidentin hatte Biden diesen ersten Schritt der Entkriminalisierung schon im Wahlkampf und bei Amtsantritt vor vier Jahren versprochen. Kamala Harris avancierte in den letzten Monaten zur Speerspitze der zunehmend toleranten Cannabispolitik Joe Bidens und dürfte diese Marschroute bei einer eigenen Wahl zur US-Präsidentin fortführen.
Mittlerweile wurde wegen ihrer Verdienste um die Entkriminalisierung sogar eine Marihuana-Sorte nach Kamala Harris benannt das sogenannte Kamala Kush. Das Wort Kush ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben des Ausdrucks Keep us so high, was wiederum aus dem Song Kush stammt, den der Hip-Hop-Künstler Dr. Dre 2010 veröffentlichte. Als der bekannte Late-Night-Host Jimmy Kimmel die US-Vizepräsidentin darauf hinwies, reagierte Harris überrascht, meinte aber, sie werde trotz ihrer Cannabis-Vorliebe zu High-School-Zeiten nichts davon probieren. Trotz ihrer Zurückhaltung halte sie Cannabis aber nicht für eine Einstiegsdroge. Schon vor einiger Zeit hatte sich Harris in einem Interview gegen die Theorie ausgesprochen, dass Suchtkranke erst über Cannabis an härtere Drogen geraten. Kamala Harris' Haltung zu Cannabis hat sich also von anfänglicher Skepsis hin zu einer starken Befürwortung der Legalisierung entwickelt. Setzt sie dort an, wo sie als Vizepräsidentin aufgehört hat, dürfte das der Cannabis-Industrie zugutekommen. Am meisten profitieren dürften im Idealfall die Marktführer um Innovative Industrial Properties, Green Thumb, Tilray oder auch Canopy Growth. Die besten Cannabis-Aktien analysieren wir regelmäßig für Sie – und kommunizieren in Echtzeit lukrative Einstiegs- und Handelsmöglichkeiten für Anleger jeder Größenklasse.



