Ethereum-ETFs starten heute – China wettet gegen Bitcoin
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Ethereum-ETFs starten heute – China wettet gegen Bitcoin

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Simeon Koch

Wochen des sehnlichen Wartens nehmen für den Altcoin-Sektor heute ein Ende: Gestern wurde bekannt, dass die nordamerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) den Antragsstellern auf einen Ethereum-ETF die Genehmigung für einen Handelsstart am Dienstag erteilt hat. Um Spot-ETFs für den größten Altcoin hat sich eine Reihe großer Vermögensverwalter beworben, darunter die Branche-Riesen BlackRock und VanEck. Laut offiziellen Mitteilungen werden die Technologie-Börse Nasdaq, die New York Stock Exchange und die Chicagoer Optionsbörse Cboe die Ethereum-ETFs listen. Trotz dieser positiven Nachricht bleibt der Kryptomarkt vorsichtig – und das hat mal wieder mit Grayscale zu tun. Ähnlich wie für den Bitcoin unterhält der Krypto-Vermögensverwalter auch für Ethereum seit Jahren einen eigenen Fonds, dessen Bestände bisher aber für eine gewisse Zeit nach dem Kauf gesperrt waren. Mit der Umwandlung in einen Spot-ETF werden auf einen Schlag rund drei Millionen ETH im Wert von etwa $10 Milliarden freigesetzt. Befürchtet wird nun, dass Grayscales Ethereum-Trust, ähnlich wie der hauseigene GBTC beim Bitcoin, nun für wochenlangen Verkaufsdruck sorgt. Für eine Korrektur bereitet sich offenbar der chinesische Markt vor: In Hongkong kann man Bitcoin nämlich jetzt an traditionellen Börsen shorten – also auf fallende Preise spekulieren.

Wird der Ethereum-ETF eine große Enttäuschung?

Wer hätte das erwartet: Noch im Mai schien eine Zulassung von Ethereum-ETFs so gut wie ausgeschlossen. Dann aber wurde die Sache offenbar zum Politikum, weil Donald Trump dem amtierenden Präsidenten Joe Biden mit Bitcoin-freundlichen Aussagen Druck machte. Über Nacht genehmigte die SEC eine ganze Reihe von Anträgen auf Ethereum-ETFs und überraschte damit den ganzen Kryptomarkt. Anders als bei den Bitcoin-ETFs, die im Januar zugelassen wurden, gab die Börsenaufsicht mit ihrer vorläufigen Genehmigung aber nicht sofort ein Startdatum für den öffentlichen Handel der neuen Anlageprodukte heraus. Experten spekulierten, es könne noch Monate dauern, bis die offizielle Freigabe für die Listung an großen Börsen käme, die Enttäuschung im Markt war während der folgenden wochenlangen Korrektur zu spüren. Ebenso plötzlich wie die vorläufige Genehmigung der Ethereum-ETFs im Mai kam in den letzten Stunden die finale Handelszulassung für sämtliche neun ETH-Spot-ETFs, die von acht großen Vermögensverwaltern an den Start gebracht werden. Neun ETFs sind es, weil Grayscale gleich zwei Fonds veröffentlicht: Zunächst wird der schon seit 2017 bestehende Grayscale Ethereum Trust (ETHE) in einen Spot-ETF umgewandelt. Zusätzlich soll es einen Mini Trust mit reduzierten Gebühren geben.

Bloombergs ETF-Experte James Seyffart twitterte gestern erste Informationen zu den ETH-ETFs.  Verwahrer ist (wie schon bei den BTC-ETFs) in den meisten Fällen Coinbase.

Damit verfolgt Grayscale dasselbe Ziel wie bei seinem Bitcoin-ETF: Anleger, deren Mittel aus dem ehemals geschlossenen ETHE (Grayscale-Trusts) freigesetzt werden, sollen nicht aus dem Fonds flüchten, sondern in den günstigeren Mini Trust umschichten und bei Grayscale bleiben. Die akute Gefahr einer massenhaften Liquidation von ETHE-Beständen liegt einerseits daran, dass Grayscales ETH-Trust jahrelang mit einem Abschlag gehandelt wurde, weil man ETHE-Bestände nicht spontan verkaufen konnte und sich der Marktpreis daher nicht anpasste. Viele ETHE-Investoren sitzen also auf großen unrealisierten Gewinnen und könnten nun die erste Chance nutzen, um ihre Profite zu realisieren – ebenso wie bei Grayscales Bitcoin-Trust GBTC. Andererseits dürfte Grayscale viele Bestandskunden des ETHE durch seine hohen Gebühren verscheuchen, eine weitere Parallele zum GBTC. Mit kolportierten 2.5 Prozent Gebühren pro Jahr nimmt Grayscale für seinen geplanten Spot-Ethereum-ETF nämlich zehnmal so viel wie der zweitteuerste Fonds von Invesco, der (ebenso wie BlackRock und Fidelity) bei 0.25 Prozent liegt. Ironischerweise ist Grayscales Ethereum Mini Trust mit 0.15 Prozent Gebühren pro Jahr wiederum der günstigste aller neun beantragten ETFs. Ähnlich wie bei den BTC-ETFs geben einige Anbieter für die ersten Monate oder bis zu einer gewissen Zufluss-Grenze Gebühren-Rabatte. In der obigen Abbbildung geben die Spalten 'Waiver Length' und 'Waiver Amount' an, wie lange oder bis zu welcher Zufluss-Marke die verringerten Gebühren ('Starting Fee') gelten.

„Ethereum ist ein einzigartiger Fall“

Starke Abflüsse aus Grayscales ETHE sind also aus mehreren Gründen zu erwarten und könnten den Kryptomarkt – ähnlich wie beim wochenlangen GBTC-Abverkauf – erstmal unter Druck setzen. Den Bitcoin-ETFs gelang es, den Verkaufsdruck aus dem GBTC lange durch starke Zuflüsse auszugleichen. Ob das auch bei den Ethereum-ETFs funktioniert, wird stark vom Anlegerinteresse kurz nach Verkaufsstart abhängen, was angesichts der schwierigen Marktphase im Altcoin-Sektor noch in den Sternen steht. Eine vorläufige Prognose gab 21Shares, der Schweizer Anbieter des drittgrößten Bitcoin-ETFs in den Vereinigten Staaten ab. Demnach erscheinen etwa zehn bis 15 Prozent der Zuflüsse in den Bitcoin-ETFs für das Ethereum-Pendant realistisch. Innerhalb der ersten zwei Monate würde das gut $1 Milliarde an frischem Kapital bedeuten, das einem potenziellen Grayscale-Verkaufsdruck von rund $10 Milliarden gegenüberstünde. Zwar bleibt abzuwarten, wie groß der ETHE-Anteil ist, der initial liquidiert wird und wie schnell diese Abverkäufe vonstattengehen, dennoch dämpft das Damoklesschwert der Grayscale-Bestände die Vorfreude auf den ETF-Handelsstart merklich.

21Shares erwartet ebenfalls einen verhaltenen Start der Ethereum-ETFs, schließlich sei das Wertversprechen von Ethereum schwieriger zu verstehen und technisch anspruchsvoller als die These des reinen Wertspeichers bei Bitcoin. Gegenüber der Online-Plattform Crypto Valley Journal wies Adrian Fritz, Forschungschef bei 21Shares, aber auch auf mögliche Kapitalbewegungen hin, die das Wachstum der ETH-ETFs schnell steigern könnten: „Einige Investoren könnten in Erwägung ziehen, einen Teil ihres Kapitals von Bitcoin in Ethereum umzuschichten, um ihre digitalen Vermögenswerte zu diversifizieren“. Schließlich seien die Investment-Cases für beide Assets „grundlegend unterschiedlich: „Bitcoin wird oft als digitales Gold angesehen und typischerweise unter Rohstoffen kategorisiert. Im Gegensatz dazu stellt Ethereum einen einzigartigen Fall dar. Als Plattform, die Innovationen vorantreibt und die nächste Generation des Internets darstellt, ist Ethereum eher mit Technologieinvestitionen vergleichbar.“ Folglich sollte es laut Fritz „neben anderen Technologieaktien betrachtet werden, da es eine zentrale Rolle in der modernen technologischen Infrastruktur spielt“.

Hong Kong shortet Bitcoin

Während in den Vereinigten Staaten Spekulationen um die anfängliche Performance den Verkaufsstart der neuen Ethereum-ETFs dominieren, scheint man in China bereits von fallenden Kursen im Kryptomarkt auszugehen. Das zumindest lässt ein neues Anlageprodukt an den Hongkonger Börsen vermuten, das als erster inverser Bitcoin-ETF angepriesen wird. Was kompliziert klingt, ist eigentlich recht einfach: Anleger sollen auch an traditionellen Börsen von fallenden Bitcoin-Kursen und damit der starken Volatilität im Kryptomarkt profitieren können. Gehandelt wird der Short-ETF mit einfachem Hebel, bildet den Bitcoin-Kurs also direkt ab, funktioniert aber wie ein klassischer Leerverkauf. Der Geschäftsführer von COSP Management, dem chinesischen Vermögensverwalter hinter dem Short-ETF, erklärte zum Handelsstart: „Der Futures-basierte inverse Bitcoin-Fonds, den wir in Hongkong gelistet haben, ermöglicht es Investoren, von Abwärtsbewegungen des Bitcoins zu profitieren“. Ein Grund für den neuen Short-ETF könnte auch sein, dass der Bitcoin infolge der Spot-ETF-Zulassungen in Hongkong erst einmal wochenlang in den Korrekturmodus ging. Für all jene, die von der starken Volatilität im Kryptomarkt profitieren möchten – entweder durch gewinnbringendes Trading oder lukrative Spot-Einstiege –, sind unsere Analysepakete für Bitcoin/Ethereum und die wichtigsten Altcoins genau das Richtige.

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Simeon Koch

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