Die hohen Strompreise sind ein Problem. Das bekommen nicht nur private Haushalte, sondern auch große Industriekonzerne schmerzlich zu spüren. In Deutschland sorgen hohe Energiepreise für Insolvenzwellen, zuletzt wurde in der Bundesregierung hitzig über mögliche Steuervergünstigungen diskutiert, um heimische Firmen gegen existenzbedrohende Energiekosten abzusichern. Auf einen grünen Zweig kam man dabei bisher nicht, zumal Steuervergünstigungen höchstens die Symptome bekämpfen, das eigentliche Problem aber gar nicht lösen würden. Um die Strompreise nachhaltig zu senken, bräuchte es schlagkräftige Alternativen aus dem erneuerbaren Sektor – in den internationalen Fokus rückte deshalb zuletzt immer mehr die Nuklear-Energie. Während Deutschland eisern an seiner Anti-Atom-Politik festhält, gehen einige der weltweit größten Industrienationen in die Offensive und bauen ihre Atomkraft-Kapazitäten aus. Die zwei ambitioniertesten Akteure im nuklearen Spielfeld könnten sich dabei ernstlich in die Quere kommen: Die Vereinigten Staaten und China konkurrieren schon jetzt um immer knapperes Uran, um ihre nukleare Infrastruktur am Leben zu halten. Abhängig von der Suche nach günstigen Energie-Alternativen ist auch die Elektromobilität – eine der wohl wichtigsten technologischen Zukunftsbranchen, in denen sich China und die USA ebenfalls erbittert um die globale Vorherrschaft streiten.
Was haben Silber, Kupfer und Uran gemeinsam?
Dass sich die Vereinigten Staaten und China bei Rohstoffen ins Gehege kommen, die für die Energiewende unverzichtbar sind, ist nichts Neues. Seit Monaten konkurrieren die zwei größten Volkswirtschaften der Welt um Industriemetalle wie Kupfer und Silber, um die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie Photovoltaik voranzutreiben und sich einen Vorteil gegenüber der mächtigen Konkurrenz auf der jeweils anderen Seite des Pazifiks zu erarbeiten. Kupfer, Silber und Uran haben zwei wichtige Dinge gemeinsam: Alle drei spielen eine Hauptrolle bei den Plänen großer Industrienationen zur erneuerbaren Energiewende – und ebenso wie die Märkte für Silber und Kupfer auf historische Knappheit zusteuern, gehen auch globale Uran-Vorräte immer schneller zur Neige. Für Europa und die USA mündet diese Situation aktuell in ein politisches Dilemma: Entweder die eigenen Atom-Pläne zurechtstutzen und China die Führungsrolle in der nuklearen Renaissance überlassen – oder trotz strenger wirtschaftlicher Sanktionen Uran aus Russland importieren und damit die Kriegsmaschinerie des Kremls mitfinanzieren. Denn dass China nichts anderes im Sinn hat als in Sachen erneuerbare Energien zum weltweiten Marktführer zu werden, steht außer Frage. Schon jetzt kommen 90 Prozent der weltweiten Lieferungen von Solarpanels aus der Volksrepublik, die Atom-Pläne sind mindestens genauso groß.
Seit Jahren gibt China beim Bau von neuen Atomkraftwerken das Tempo vor, von den aktuell aktiven 55 Reaktoren wurden 18 in den letzten sechs Jahren in Betrieb genommen. Das ist aber nichts im Vergleich zu den Projekten der kommenden Jahre: Bis 2040 sollen weitere 80 AKWs aus dem chinesischen Boden gestampft werden, zehn Jahre später sollen es dann insgesamt 250 neue Anlagen sein. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten führen aktuell mit 94 in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken, in der ganzen EU werden 100 unterhalten. Seit Anfang 2023 wuchs die weltweite Reaktoren-Flotte um sieben neue Kraftwerke, zwei davon wurden in Europa eingeweiht, ebenfalls zwei in den USA. Mit dem höchsten Stromverbrauch pro Kopf bleibt der größten Volkswirtschaft der Welt auch kaum etwas anderes übrig, als in das Rennen um die nukleare Vorherrschaft im Energiesektor einzusteigen. In den letzten Jahren wurde für 60 Kernreaktoren in den USA eine Laufzeitverlängerung auf mindestens 60 Jahre Gesamtbetriebszeit beantragt und der Bau von 40 neuen Anlagen in Auftrag gegeben. Konkret in Planung sind aktuell etwa 20 Kraftwerke. Abhilfe für den wachsenden Bedarf an Atomenergie sollen kleinere, modulare Kernkraftanlagen schaffen, deren Einzelteile in Fabriken hergestellt werden können. Als Vorbild gelten hierbei Flugzeugträger oder U-Boote, die schon in den 1950er-Jahren von kleinen nuklearen Zellen betrieben wurden.
Der Uran-Markt braucht frische Ideen – Bill Gates ist dabei!
Microsoft-Gründer Bill Gates arbeitet mit Nachdruck an der Entwicklung und dem Bau solcher Kleinreaktoren, in mehreren EU-Staaten werden Förderungen in Höhe von mehreren $100 Millionen für die darum entstehende Industrie ausgelobt. Die Führungsrolle auf diesem Gebiet will Frankreich übernehmen: Präsident Emmanuel Macron hat Subventionen in Milliardenhöhe zugesichert, in Serienproduktion wollen französische Startups ab 2030 gehen. Bei Anbruch des nächsten Jahrzehnts dürfte China die Marke der 100 Reaktoren deutlich geknackt und die USA als AKW-Spitzenreiter abgelöst haben. Indien will bis 2050 seine bisherige AKW-Kapazität von 20 auf ganze 70 Kraftwerke mehr als verdreifachen, Russland strebt mit zusätzlichen 40 Anlagen eine gute Verdopplung der aktuell 37 an. Japan hatte nach der Fukushima-Katastrophe zwar den Gutteil seiner vormals 50 Reaktoren vom Netz genommen, nahm zuletzt aber wieder zwölf davon in Betrieb und gehört neben Kanada, Frankreich, dem Vereinigte Königreich oder auch Südkorea zu den mehr als 20 Nationen, die auf der Weltklimakonferenz in Dubai im vergangenen Dezember eine Verdreifachung ihrer Kernkraft-Kapazität zusicherten. Die weltweit aktuell aktiven Kernkraftwerke benötigen dieses Jahr fast 200 Millionen Pfund Uran, die globalen Förderstätten und Produktionseinrichtungen können aber lediglich 155 Millionen Pfund in der benötigten Qualität zur Verfügung stellen.
Allein in den letzten fünf Jahren wurde durch konstante Knappheit ein kumuliertes Defizit von 230 Millionen Pfund angehäuft. Zwar ist der Uranpreis in den vergangenen Wochen wieder etwas abgekühlt, Hochrechnungen von internationalen Experten sprechen aber eine klare Sprache: Bei einem Marktpreis von $80 je Pfund – also auf dem aktuellen Level – könnten weltweit noch etwa 1.28 Millionen Tonnen Uran rentabel abgebaut werden. Das würde laut aktuellen Prognosen noch für etwa 18 Jahre reichen – zu diesem Zeitpunkt hat China sein Ziel von 250 neuen AKWs allerdings noch gar nicht erreicht. Dass sich der internationale Markt damit zufriedengibt, scheint also ausgeschlossen. Bezieht man Förderstätten mit ein, wo die Produktion komplizierter und damit teurer ist, könnten die weltweiten Uranvorkommen noch gute 50 Jahre reichen. Dafür müsste der Uran-Preis laut übereinstimmenden Kalkulationen auf zumindest $130 pro Pfund steigen, was einem Wachstum von weiteren rund 50 Prozent vom aktuellen Kurs entspricht. Allerdings arbeiten Wissenschaftler schon länger an Uran-Recycling-Strategien, die Atommüll wiederverwertbar machen und für eine Entlastung der weltweiten Kontingente sorgen könnte. Diese neuen Möglichkeiten beleuchten wir in einem Folgeartikel, der bald erscheint. Für alle, die vom Uran-Boom profitieren, die besten Einstiegsmöglichkeiten nutzen und dabei einen kalten Kopf bewahren wollen, ist unsere technische Analyse des Uranpreises genau das Richtige – die fundamentalen Turbulenzen auf dem Rohstoffmarkt werden dabei nämlich ausgeblendet. Sie können diese Analyse entweder als Einzelmarkt oder im Rahmen unseres Industriemetall-Komplettpaket buchen, welches neben Uran auch die Werte Palladium, Platin und Kupfer beinhaltet.



