VW investiert Milliarden, Bayer enttäuscht: Licht und Schatten in Deutschlands Industrie
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VW investiert Milliarden, Bayer enttäuscht: Licht und Schatten in Deutschlands Industrie

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Simeon Koch

Schon vor Wochen wurde bekannt, dass der Leverkusener Pharma-Riese Bayer massiv Stellen abbauen will, um endlich den wirtschaftlichen Nachwehen der folgenreichen Monsanto-Übernahme Herr zu werden. Verschlankungen stehen auch bei Europas größtem Software-Unternehmen SAP an, hier soll der Fortschritt in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI) angekurbelt werden. Beim Chemie-Giganten BASF, dem Bosch-Konzern und dem Reifenhersteller Continental sind umfassende Entlassungen ähnlich wie bei Bayer dringende Sparmaßnahmen. Zwar nahm die Zahl der Industrie-Beschäftigten in Deutschland über das gesamte vergangene Jahr marginal um rund ein Prozent zu, im Dezember waren die Statistiken mit einem Minus von 0.4 Prozent aber bereits rückläufig. Und auch künftig dürfte die deutsche Industrie Arbeitsplätze abbauen, erwarten Experten des Instituts für Makroökonomie- und Konjunkturforschung (kurz: IMK) in Düsseldorf. Während Bayer auch deshalb die eigenen Dividenden auf das gesetzliche Mindestmaß kürzt, nimmt Volkswagen viele Milliarden in die Hand, um Innovation zu fördern – besonders im Bereich der E-Mobilität.

Bayer kürzt Dividende um 95 Prozent

Die deutsche Bundesregierung sucht händeringend nach Wegen, die schwächelnde Wirtschaft zu beleben, ergeht sich dabei aber allzu häufig in Kleinkriegen – etwa über Steuervergünstigungen für Unternehmen. Dabei hätten einige der größten und wichtigsten Konzerne Deutschlands dringenden Bedarf an finanzieller Hilfeleistung – gerade jetzt, wo Corona-Hilfen zurückgezahlt werden müssen, die Preise für Energie aber hoch sind, ebenso wie das allgemeine Zinsniveau. Im Fall des Leverkusener Pharma-Riesen Bayer kommen auch noch schwere finanzielle Verluste durch Klagewellen von geschädigten Kunden des ehemaligen nordamerikanischen Biotech-Unternehmens Monsanto hinzu, das Bayer 2018 für gut $60 Milliarden geschluckt hatte. Seitdem hat das Leverkusener Unternehmen wegen Rechtsstreitigkeiten um den möglicherweise krebserregenden Unkrautvernichter Glyphosat rund $10 Milliarden Strafe gezahlt und weitere $16 Milliarden für rund 50 000 ausstehende Gerichtsprozesse zurückgestellt. Der neue Vorstandsvorsitzende Bill Anderson kündigte „schmerzhafte“ Personalkürzungen an, die bis in die Führungsetage des Unternehmens reichen sollen, das zwischenzeitlich gar eine Aufspaltung in Erwägung zog.

Eine Aufspaltung scheint nun zwar erstmal vom Tisch zu sein, Bayer greift aber trotzdem zu drastischen Mitteln, um der internen Geldnot die Stirn zu bieten: Für drei Jahre reduziert der Konzern die ausgeschüttete Dividende auf das gesetzliche Minimum, künftig bekommen Aktionäre nur noch 0.11€ pro Aktie. Im vergangenen Jahr waren noch 2.40€ pro Anteilsschein ausgeschüttet worden, die Gutschriften für Anleger fallen damit um mehr als 95 Prozent geringer aus als bisher. Entschlossen habe man sich zu diesem Einschnitt nach einer „Überprüfung der Prioritäten bei der Kapitalallokation, um die Verschuldung des Unternehmens zu reduzieren“, vermeldete Bayer kürzlich in einer Stellungnahme. Der Aspirin-Entwickler sitzt demnach auf Verbindlichkeiten von rund 35€ Milliarden, laut eigenen Angaben konnte das Unternehmen auch im vergangenen Jahr keine frei verfügbaren finanziellen Mittel erwirtschaften, um Teile der Schuldenlast abzutragen. Dafür nimmt Bayer nun die Missgunst seiner Anleger in Kauf, ist sich seiner Sache aber sicher: „Die Schulden zu senken und die Flexibilität zu steigern, gehört zu den Top-Prioritäten des Unternehmens“, hieß es aus der Zentrale.

VW investiert 180€ Milliarden in Innovation

Mit dieser durchwachsenen Bilanz steht Bayer im deutschen Industriesektor nicht allein da. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung bemerkte kürzlich in einem Interview mit der Tagesschau: „Die Jahre, in denen die deutsche Industrie Job- und Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft war, sind vorerst vorbei“. Die chemische Industrie, angeführt vom Ludwigshafener Milliardenkonzern BASF, der erst kürzlich seine Öl- und Gastochter Wintershall Dea verkaufte, produzierte im vergangenen Jahr so schwach wie seit 1995 nicht mehr, die Neuaufträge der gesamten deutschen Industrie schrumpften in den zurückliegenden zwölf Monaten um ganze 5.9 Prozent. Auch auf EU-Ebene zeigt man sich angesichts der schwächelnden Exportnation Deutschland besorgt, Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni bezeichnete die kriselnde deutsche Industrie als „Herausforderung für uns alle“ – zumal man sich in Sachen Außenhandel eigentlich stärker von China abnabeln wollte. Gegenstand der Debatte waren etwa chinesische Dumping-Preise für Elektroautos oder Chip-Verkäufe aus den Vereinigten Staaten ins Reich der Mitte, die stark eingeschränkt wurden, um China den Bau von KI-Waffen zu erschweren. Laut Sebastian Dullien könnte sich die prekäre Situation der deutschen Industrie in der nächsten Zeit noch verschärfen: „Im laufenden Jahr ist mit keinem spürbaren Beschäftigungsaufbau im Verarbeitenden Gewerbe zu rechnen. Vielmehr besteht sogar das Risiko, dass angesichts der anhaltenden Produktions- und allgemeinen Konjunkturschwäche Stellen abgebaut werden“.

Während sich andere Industrie-Giganten in die Defensive zurückziehen, geht Volkswagen in den Angriffsmodus über und will in den nächsten fünf Jahren 180€ Milliarden in die Entwicklung wichtiger technischer Innovationen investieren. Laut Insider-Informationen hat der Aufsichtsrat diesem Investitionsplan erst vor wenigen Tagen zugestimmt, mehr als zwei Drittel des Geldes sind für Elektrifizierung der eigenen Antriebsmodelle und eine umfassende Digitalisierung eingeplant. Einen ersten Vorgeschmack auf die Zukunftspläne des Autobauers gab die Ankündigung Anfang des Jahres, dass VW seine neuen Modelle mit Künstlicher Intelligenz ausstatten will, um Assistenzfunktionen grundlegend zu verbessern. Mit Blick auf Elektromobilität hinkt der Brancheprimus jedoch abgeschlagen hinter den Marktführern BYD und Tesla hinterher, der Absatz lief zuletzt eher schleppend. Der geplante Innovationstopf soll aber nicht nur Entwicklung und Bau neuer Elektro-Modelle finanzieren, sondern auch deren breitenwirksame Vermarktung. Und trotzdem fährt Volkswagen weiterhin einen strikten Sparkurs: Laut Insidern soll VW-Markenchef Thomas Schäfer eine Erfüllung der Sparziele im Umfang von 80 Prozent für realistisch halten. Geplant sind Tausende Entlassungen und milliardenschwere Ausgabenkürzungen.

Was machen die deutschen Top-Aktien?

Erst Ende Januar war bekannt geworden, dass Volkswagen Lieferprobleme bei selbst hergestellten Elektromotoren hat, eine neue Anlage in Kassel liefert noch nicht die Ergebnisse, die man sich in der Konzernführung vorstellt. Schäfer warnte in einem internen Podcast angesichts der Unwägbarkeiten im Stromer-Segment vor dem Druck aufstrebender Wettbewerber aus Nordamerika und Fernost: „Wir sind zu langsam, zu träge, zu kompliziert – das ist nicht überlebensfähig“. Auf erneuerbare Energien setzt VW aber nicht nur beim Antrieb seiner Autos: Vergangene Woche wurde bekannt, dass rund $1 Milliarde in ein Fertigungswerk im mexikanischen Bundesstaat Puebla investiert werden soll. Dort werde laut offiziellen Angaben eine neue Produktionsstätte und Lackieranlage für VW-Fahrzeuge errichtet, die als erste ihrer Art auf saubere Energie setzen werde. Dem drohenden Stellenabbau in Deutschlands Industrie wirkt diese Maßnahme zwar nicht unmittelbar entgegen, dem Kurswert der VW-Aktie könnten die milliardenschweren Investitionen in Zukunftstechnologie besonders in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten zugutekommen. Neben Volkswagen und Bayer analysieren wir in unserem DAX40-Paket alle weiteren im Deutschen Aktienindex vertretenen Titel. Teil davon sind Echtzeit-Signale für lukrative Einstiege und Handelsmöglichkeiten, schließlich kann man im Finanzmarkt sowohl von fallenden als auch steigenden Kursen profitieren. Am wichtigsten ist hierbei die Volatilität – und die ist in der deutschen Industrie und Gesamtwirtschaft in diesen unsteten Zeiten garantiert.

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Simeon Koch

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