„Das zweite Quartal brachte starke Fortschritte für Coinbase und die ganze Krypto-Industrie“, schrieb die führende nordamerikanische Krypto-Börse in der gestrigen Präsentation ihrer Geschäftszahlen. Und tatsächlich: Während sich die Kurse der größten Kryptowährungen durch eine quälende Konsolidierungsphase arbeiten, geschahen auf politischer Ebene Dinge, von denen der Krypto-Markt noch vor wenigen Jahren kaum zu träumen wagte. Nach den Bitcoin-ETFs zu Jahresbeginn wurden Ende Mai die ersten Ethereum-ETFs in den Vereinigten Staaten genehmigt. Zwar fielen die ersten Handelstage der neuen ETH-Fonds nach einem starken Start eher bescheiden aus – dennoch spielen Kryptowährungen um Bitcoin und Co. plötzlich eine zentrale Rolle im Wahlkampf um die Präsidentschaft in den USA. Auf dem Markt ist diese Euphorie noch nicht zu spüren, viele unerfahrene Anleger verlieren die Geduld. Das verringerte Krypto-Interesse von Retail-Investoren in diesem Sommerloch zeigt sich auch an den Handels-Statistiken von Coinbase. Trotz saisonaler Flaute verzeichnete die Börse Steigerungen bei Umsatz und Gewinn. Und auch das Handelsvolumen zeigt eine gesunde Entwicklung.
Coinbase spürt das Sommerloch
Coinbase entwickelt sich immer mehr zur Lieblingsbörse der großen institutionellen Anleger. Ähnlich wie schon beim Bitcoin-ETF, haben sich die meisten großen Vermögensverwalter auch mit ihren Ethereum-Fonds an die wichtigste Krypto-Handelsplattform der Vereinigten Staaten gewandt. Sieben der neun erfolgreichen Antragssteller auf einen Ethereum-Spot-ETF nutzen Coinbase als Verwahrer – allen voran der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock. Für Coinbase bedeutet das nicht nur zusätzliche Einnahmen und illustre Kundschaft, sondern auch einen immensen Image-Gewinn unter Kleinanlegern. Trotz dieser starken Entwicklung hinter den geschäftlichen Kulissen ging das seit Monaten im Kryptomarkt spürbare Sommerloch auch an Coinbase nicht spurlos vorbei. Zwar konnte das Handelsvolumen auf der Plattform im Jahresvergleich um starke 146 Prozent auf $226 Milliarden gesteigert werden – im Vergleich zum beeindruckenden ersten Quartal und den damals erreichten $312 Milliarden bedeutete das Ergebnis der letzten drei Monate allerdings ein Minus von 28 Prozent.
Coinbase-Zahlen Q2 nebst Vorgänger- und Vorjahresquartal sowie Analystenschätzung
Auch beim Umsatz konnte Coinbase nur bedingt an den fulminanten Jahresstart anknüpfen und blieb mit den erwirtschafteten $1.38 Milliarden rund 13 Prozent unter den $1.59 Milliarden, die man von Januar bis März eingenommen hatte. Verglichen mit den schmalen $700 Millionen des zweiten Quartals 2023 fiel die Umsatzentwicklung mit einem Plus von 97 Prozent dann aber doch beachtlich aus, zumal auch die Analysten-Erwartung von $1.36 Milliarden übertroffen wurde. Etwas enttäuschend war hingegen der Nettogewinn mit gerade einmal knapp $40 Millionen. Nach dem Verlust in Höhe von rund $100 Millionen im Vorjahresquartal ist das zwar solide, an die astronomischen $1.18 Milliarden aus dem Frühling kommt Coinbase damit aber nicht heran. Entsprechend gering fiel mit $0.15 auch der Gewinn pro Aktie aus, nachdem sich die Anleger im ersten Quartal des Jahres noch über stolze $4.40 pro Anteilsschein hatten freuen können. Auch hier aber tröstet der Jahresvergleich mit einem Gewinn-Zuwachs von rund 140 Prozent über den eher durchwachsenen Quartalswechsel hinweg.
Handelsvolumen: Wie weit ist der Bullenmarkt?
Besonders spannend ist auch in diesem Quartal die detaillierte Aufschlüsselung des Handelsvolumens auf der Plattform. Auch hier spiegelt sich die Dynamik des Krypto-Marktes in den letzten Monaten wider. Wegen der scharfen Abverkäufe im Altcoin-Sektor stieg die Bitcoin-Dominanz zuletzt stetig an, nur wenigen Altcoins gelang es, den Krypto-Primus über längere Phasen im Kurswachstum zu übertrumpfen. Wenig überraschend ist daher die leichte Zunahme des BItcoin-Handelsvolumens auf Coinbase, das vom ersten aufs zweite Quartal um einen Prozentpunkt auf 35 Prozent anwuchs. Beachtlich ist das vor allem, weil gerade die ersten drei Monate des Jahres von der Euphorie um die Bitcoin-Spot-ETFs geprägt waren und die Nachfrage dadurch zeitweise befeuert wurde. Auch der Handelsanteil von Ethereum stieg um zwei Prozentpunkte, während die zuletzt arg gebeutelten Altcoins drei Prozentpunkte abgaben. Während Bitcoin und Ethereum nun ganze 50 Prozent des Handelsvolumens auf Coinbase ausmachen, stehen Altcoins nur noch bei 40 Prozent. Das temporär sinkende Interesse an Altcoins zeigt sich also nicht nur am Ausbluten der Assets auf dem Markt, sondern auch an der sinkenden Nachfrage auf Coinbase.
Handelsvolumen auf Coinbase Q2, verglichen mit dem letzten Bullen- und Bärenmarkt
Die Statistiken über das Handelsvolumen geben darüber hinaus wertvolle Aufschlüsse über die aktuelle Marktphase. Aktuell ist der Anteil des Bitcoin am Coinbase-Volumen mehr als doppelt so groß wie zum Höhepunkt des letzten Bullenmarktes im vierten Quartal 2021. Ethereum und die Altcoins liegen derweil sechs respektive sogar mehr als 40 Prozent unter ihren Volumen-Werten des letzten Zyklustops. Klar ersichtlich ist auch hier die aktuell wachsende Bitcoin-Dominanz zulasten des Altcoin-Sektors. Und dennoch zeigt sich selbst bei den kleineren Kryptowährungen ein stetiger Aufwärtstrend: Während sich das Handelsvolumen des Bitcoin im Vergleich zum letzten Bärenmarkttief im Winter 2022 nur um drei Prozent aufwärts bewegte und Ethereum bei dieser Kennzahl sogar um 55 Prozent einbrach, können Altcoins abseits der beiden Marktführer ein beträchtliches Plus von 21 Prozent verbuchen. Zwar standen die Altcoins in dieser Kategorie nach dem ersten Quartal schon bei 30 Prozent, dennoch kann sich dieser Wert nach den schweren Sommermonaten immer noch sehen lassen.
Wann kommen die Kleinanleger zurück?
Dass der voll entfaltete Bullenmarkt noch nicht da ist, signalisiert derweil das Verhältnis von privater und institutioneller Nachfrage: Das Volumen von institutionellen Käufern in Höhe von $189 Milliarden lag im zweiten Quartal fast 50 Prozent unter jenem des letzten Bullruns, die $37 Milliarden der Retail-Investoren liegen deutliche 79 Prozent unter den Werten rund um das letzten Bullenmarkt-Top. Im Verhältnis zum Bärenmarkt bleibt das Interesse auf beiden Seiten aber hoch: Seit Winter 2022 wuchs das private Volumen auf Coinbase um 85 Prozent, die institutionelle Aktivität konnte immerhin um 51 Prozent zulegen. Was für ein starker Indikator Retail-Käufer für die heiße Phase eines Bullenmarktes sind, zeigt sich im Verhältnis ihres Volumens an der gesamten Handelsaktivität: Im vierten Quartal 2021, als die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen ihr letztes Allzeithoch erreichte, machten private Käufer fast ein Drittel des gesamten Handelsvolumens auf Coinbase aus. Aktuell sind es gerade einmal 16 Prozent und damit weniger als die Hälfte. Laut Statistiken der Google-Suche steigt das Interesse der breiten Masse aber wieder leicht an. Wer die aktuell ruhige Marktphase nutzen möchte, um sich im Krypto-Markt zu positionieren, kann dafür die Einstiegszonen aus unseren regelmäßigen Updates zu Bitcoin/Ethereum und den wichtigsten Altcoins nutzen.




