Nvidia und Bitcoin rauschen ab: Aktien-Stress nach Schwächesignal der Wirtschaft in den USA
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Nvidia und Bitcoin rauschen ab: Aktien-Stress nach Schwächesignal der Wirtschaft in den USA

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Simeon Koch

Am Dienstag hat die Aktie von Nvidia knapp $280 Milliarden an Marktkapitalisierung verloren. Das entspricht dem Gesamtwert der zweitgrößten Kryptowährung Ethereum und bedeutete den größten Marktwertverlust, den der Chip-Gigant jemals innerhalb eines Tages hinnehmen musste. Dass ein Abverkauf von rund zwölf Prozent derart massive Schwankungen in der Marktkapitalisierung hervorrufen kann, liegt an Nvidias kometenhaftem Aufstieg der letzten Monate: Allein von Jahresbeginn bis Mitte Juni verdreifachte sich der Aktienwert des KI-Chip-Marktführers. Das hatte Folgen für den gesamten Aktienmarkt: Aktuell werden die Top-Indizes der Vereinigten Staaten so stark von den Tech-Giganten um Nvidia, Microsoft und Apple dominiert, wie sie es nur vor historischen Zusammenbrüchen waren – etwa vor der Dotcom-Bubble 2001. Folgerichtig reagierte der Aktienmarkt in den USA deutlich auf Nvidias Einbruch und büßte dabei eine Marktkapitalisierung von knapp über $1 Billion ein – also den aktuellen Gesamtwert des Bitcoin. Die Angst an den Märkten wurde dabei von schlechten Daten aus der Industrie befeuert. Und auch Nvidia selbst sorgte für Unruhe – oder besser gesagt: das Justizministerium der Vereinigten Staaten, das nun gegen Nvidia ermittelt.

Industrie schwächelt: Kommt die Rezession?

Die Stimmung an den Finanzmärkten ist so labil wie selten. Die verheerende Angst vor der drohenden Rezession wechselt sich regelmäßig mit der Hoffnung ab, dass es doch eine weiche Landung geben könnte, wenn die nordamerikanische Zentralbank Federal Reserve (kurz: Fed) die Zinswende vernünftig hinbekommt. Da kann eine schlechte Nachricht schon mal für absurde Volatilität sorgen – und so eine Hiobsbotschaft taten am Dienstag die Behörden in den USA kund: Der industrielle Produktionsindex (engl.: Purchasing Manager Index; kurz: PMI) lag im zurückliegenden August bei enttäuschenden 47.2 Punkten und bewegt sich damit schon seit fünf Monaten unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Für die Industrie bedeutet das anhaltende Stagnation oder sogar Rückgänge bei Auftragseingängen, Beschäftigung oder auch Fertigung von Produkten. Liegt der Wert oberhalb der 50-Punkte-Marke, so wächst die Industrie, ein Wert darunter deutet auf Probleme hin. Laut den Daten der Marktbeobachter von ISM (International Supply Management) schrumpften in den letzten vier Wochen fünf von 17 Industriezweigen in den USA, darunter etwa die Sparte der Elektronikprodukte. Laut ISM haben viele große Konzerne und mittelständische Firmen derzeit mit schwachen Gewinnmargen zu kämpfen: „Das niedrige Produktionsniveau erhöht den Druck auf die Rentabilität“, hieß es im Bericht.

Der Index-Wert von 47.2 Punkten aus dem August bedeutet zwar eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vormonat Juni, der mit 46.8 Punkten zu Buche geschlagen hatte – der Anstieg blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Auch das Beschäftigungsniveau im Industriesektor sank, Hoffnung macht einzig die Verlangsamung dieses Abwärtstrends. Sorge bereiten wiederum der Rückgang von Investitionen in den Wohnungsbau und eine klare Schwäche der Fabrik-Aktivität: Aufträge bleiben vielerorts aus, Waren stapeln sich in den Lagern und die Kosten vieler Unternehmen steigen bei gleichzeitig schwindenden Profiten. Derartige Abschwünge in der Industrieproduktion gelten als Frühindikator einer Rezession. Schließlich ist der fertigende Sektor für fast 20 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten verantwortlich. Stolpert die die Industrie, so gerät die gesamte Wirtschaft aus dem Tritt. Die heftige Reaktion der Märkte am Dienstag war angesichts der beunruhigenden Zahlen aus der Industrie wenig überraschend. Während Aktien und Kryptowährungen deutlich korrigierten, stieg der US-Dollar-Index (DXY) – ein Zeichen für Risikoaversion im Markt und die mangelnde Bereitschaft, in volatilere Assets zu investieren.

Hat Nvidia sein Monopol missbraucht?

Für zusätzlichen Abgabedruck sorgte starke Verunsicherung um Nvidia. Anfang der Woche wurde bekannt, dass das Justizministerium der USA kartellrechtlich gegen den Chipgiganten ermittelt. Im Zentrum des Verfahrens steht der Verdacht, dass Nvidia seine Kunden regelwidrig daran gehindert haben könnte, auf Konkurrenzprodukte umzusteigen. Das würde bedeuten, dass Nvidia seine Monopolstellung in der Chip-Industrie widerrechtlich missbraucht und Käufer unter Druck gesetzt haben könnte. In einem Bericht des Justizministeriums heißt es dazu: „Es bestehen Bedenken, dass Nvidia seinen Kunden den Wechsel zu anderen Anbietern erschwert und Käufer sanktioniert hat, die nicht ausschließlich die hauseigenen KI-Chips nutzen“. Ein Sprecher von Nvidia wies die Vorwürfe entschieden zurück und betonte, dass die starke Nachfrage einzig in der Qualität der eigenen Produkte begründet liege. Das Justizministerium hatte seine Untersuchungen gegen Nvidia bereits im vergangenen Monat eingeleitet, nun allerdings nimmt das Verfahren konkrete Formen an. Nvidia ist dabei nicht das einzige Unternehmen, das von den Gesetzeshütern zu einer Befragung vorgeladen wurde.

Gemeinsam mit der augenscheinlichen Stagnation in der Industrie in den USA sorgt die Kartell-Affäre um Nvidia bei Investoren marktweit für Verunsicherung. Über Monate galt Nvidia als wichtigstes Zugpferd der nordamerikanischen Märkte und sorgte ein ums andere Mal mit astronomischen Geschäftszahlen für Verblüffung. Nicht einmal das Exportverbot der Biden-Regierung für KI-Chips nach China ließ Nvidias Erfolgssträhne im Frühjahr reißen. Trotz erneut starker Zahlen im zweiten Quartal wachsen aktuell die Zweifel an der Nachhaltigkeit dieses Wachstums. Auch, weil Nvidia ausgerechnet mit seinem Flaggschiff-Chip Blackwell hartnäckige Produktionsprobleme hat. Neuen Schwung erhofft sich Nvidia-CEO Jensen Huang offensichtlich von einem Einstieg bei ChatGPT-Entwickler OpenAI, der in einer neuen Finanzierungsrunde eine Bewertung von $100 Milliarden erreichen will. Auch Microsoft und Apple wollen ihre Anteile am KI-Marktführer von Sam Altman erhöhen, obwohl OpenAI gerade von Elon Musk wegen vermeintlichen Betrugs verklagt wird. Laut unserer Analyse dürfte die Nvidia-Aktie vorerst weiter abverkaufen und bald neue Einstiegsmöglichkeiten deutlich unterhalb der $100 bieten. Unsere Prognosen zur Entwicklung der größten Tech-Aktien um Nvidia, Microsoft, Google oder auch Apple erhalten Sie im TECH33-Paket.

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Simeon Koch

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