Nie mehr Altcoin-Season? Was zuletzt steigt, steigt am stärksten!
#Kryptowährungen

Nie mehr Altcoin-Season? Was zuletzt steigt, steigt am stärksten!

Author

Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze

  • Dass Altcoins bisher so enttäuschen, zeigt uns: Die Kapitalrotation ist intakt!
  • In geldpolitischen Lockerungszyklen wandert Geld die Risikoleiter aufwärts.
  • Altcoins kommen zum Schluss und steigen umso stärker.

Es ist einfach undankbar. So verdammt undankbar. Wenn Bitcoin steigt, kommen Altcoins nicht hinterher. Läuft Bitcoin seitwärts, bluten Altcoins aus. Korrigiert Bitcoin, fallen Altcoins umso stärker. Man freut sich als Altcoin-Halter schon gar nicht mehr über Bitcoin-Anstiege, weil dadurch nur das Abwärtspotenzial im nächsten BTC-Rücksetzer wächst. So läuft es jetzt seit vier Jahren. Macht das Spaß? Nein. Heißt das, dass der Markt kaputt ist? Auch nein.


Nie mehr Altcoin-Season? Ethereum vs. Bitcoin erzählt eine andere Geschichte. Das ist keine Garantie, aber die Kapitalrotation scheint intakt.



Dass Gold, Silber, Rohstoffe und Aktien gleichzeitig Rekorde jagen, macht alles noch schlimmer. Es fühlt sich absurd an, in Altcoins zu investieren. Und das ist gut so. Ohne jahrelangen Schmerz wären absurde Preisanstiege gar nicht möglich. Die scheinbar hoffnungslose Lage kleiner Kryptos zeigt, dass die Logik der globalen Kapitalrotation intakt ist: Altcoins kommen ganz zum Schluss dran und steigen dafür umso stärker. Aber warum ist das eigentlich so?

Warum Altcoins immer die Letzten sind

Das Prinzip der Kapitalrotation ist so alt wie die Börse selbst: Haben Anleger in einem Sektor Geld verdient, werden die Gewinne (in der Regel) reinvestiert. Sind die Anleger clever genug (was auf die finanzstärksten Akteure des Marktes gemeinhin zutrifft), schichten sie ihr Geld in Sektoren um, die zwar hohes Potenzial besitzen, aber (noch) nicht so stark performt haben wie die Assets, mit denen das umzuschichtende Geld verdient wurde.


Wenn die Zinsen fallen, profitiert in der Regel zuerst der Goldpreis. Riskantere Assets folgen später. Diese Rotation folgt einer mathematischen Logik.


Das ergibt Sinn: Je länger ein Sektor steigt, desto größer ist die Gefahr, dass ihm die Nachfrage ausgeht. Gleichzeitig haben fundamental starke Assets, die preislich hinterherhinken, Potenzial. Also ist eine Rotation sinnvoll. Diese Dynamik wurde durch die aggressivere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve nach der Weltwirtschaftskrise 2008 verstärkt. Seither bestimmen geldpolitische Straffung und Lockerung die Zyklen im Finanzmarkt wie nie zuvor. Mehr noch als fundamentale Unternehmensdaten.

Die intrinsische Logik ist einfach: Beginnt ein Zinssenkungszyklus, fließt frisches Kapital in den Finanzmarkt. Große Fische nutzen harte Assets, um sich gegen die Inflation abzusichern, die durch Ausweitung der Geldmenge und wirtschaftliche Expansion befeuert wird. Das Geld rotiert dabei die berühmte Risikoleiter aufwärts. Erst kommen defensive Assets wie Gold dran, danach große Aktien und schließlich riskante Anlagen wie Kryptowährungen.


Erst steigt Gold, dann wird es von Silber überholt (1). Anschließend folgen (kleine) Aktien (2) und Kupfer (3; in Relation zu Gold), am Ende Bitcoin/Krypto (oben).


Altcoins profitieren davon ganz zum Schluss. Sie sind der am wenigsten regulierte, illiquideste und deshalb volatilste Sektor des Finanzmarkts. Es braucht überschüssige Liquidität im System und breite Gier, damit nennenswerte Summen in diesen Sektor fließen. Die Kombination aus überschüssiger Liquidität und breiter Gier kommt erst in der Spätphase von Lockerungszyklen zustande. Und auch das ist kein Zufall.

Von Gold zu Bitcoin: So funktioniert die Rotation

In frühen Phasen der geldpolitischen Lockerung (in diesem Zyklus die Jahre 2023 bis 2025) ist die Verunsicherung noch groß. Der Markt verdaut die wirtschaftliche Schwächung durch restriktive Geldpolitik (zuletzt 2022 und 2023), die Risikofreude ist minimal. Gold ist dank seines Rufs als sicherer Hafen und der großen Liquidität am besten dafür geeignet, in dieser frühen Phase große Kapitalmengen gegen zurückkehrende Inflation abzusichern.


Zu Beginn eines Lockerungszyklus ist die Skepsis groß: Risk-off-Anlagen wie Geldmarktfonds (blau) sind beliebt, Bitcoin und Altcoins bleiben vorerst schwach.


Die Übergangsphase ist fragil. Restriktive Geldpolitik (hohe Zinsen, geldpolitische Straffung) dienen dem Zweck, die Inflation wieder einzufangen (etwa nach der Corona-Krise). In Zeiten hoher Zinsen sind Anleihen attraktiv, während Risiko-Assets wie Aktien und Kryptowährungen unter Liquiditätsmangel und Risikoaversion leiden.

Deshalb bleibt das meiste Kapital in defensiven Assets (Bankeinlagen, Geldmarktfonds, Anleihen profitieren kollektiv von hohen Zinsen). Wird die Geldpolitik gelockert, hat das zweierlei Folgen: Defensive Anlagen verlieren an Attraktivität (Zinsen sinken), während die Inflation zurückkommt (durch expansive Geldpolitik).

Leseempfehlung: Bitcoin ist tot! Lang lebe die Altcoin-Season!

Der Markt steht vor einem Dilemma: Der Safety-Trade (Anleihen oder Geldmärkte) bringt nicht mehr genug Rendite, um die Inflation zu schlagen. Also werden volatilere Assets mit größerem Aufwärtspotenzial gebraucht. Genau hier kommt Gold ins Spiel. Das ist aber nur der erste Schritt. Denn je weiter gelockert wird, desto höher steigt die Inflation (vereinfacht gesagt) und desto volatilere Assets werden gebraucht, um sie zu überflügeln.


Die finale Phase der letzten Lockerungszyklen begann, als die Fed zu QE (aktive Ausdehnung ihrer Bilanz; türkis) überging. Altcoins folgten explosiv.


Der Kapitalrotation entlang der Risikoleiter liegt also eine einfache mathematische Logik zugrunde. Während restriktive Geldpolitik (Anleihezinsen steigen und Inflation sinkt) dem Safety-Trade entgegenkommt, passiert bei lockerer Geldpolitik (Anleihezinsen sinken, Inflation steigt) das Gegenteil. Sichere Anlagen werden immer defizitärer, der Markt sucht das Risiko (ergo die Volatilität), um die Inflationssteigerung zu kompensieren.

Daraus wird eine selbsterfüllende Prophezeiung: Lockere Geldpolitik wird gemeinhin mit starker Performance bei Risiko-Assets assoziiert; deshalb setzt der Markt auf Risiko, sobald die Notenbanken in Expansionsmodus gehen. Das geht Schritt für Schritt und von Sektor zu Sektor. Erst Gold, dann Silber und Kupfer. Erst große Aktien, dann immer kleinere. Erst Bitcoin, dann Altcoins. Dass nicht sofort die riskantesten Assets gekauft werden, liegt an zwei Dingen: Liquidität und Psychologie.

Was zuletzt steigt, steigt am stärksten. Aber warum?

Zunächst zur Liquidität: Kapital fließt in Lockerungszyklen sukzessive von einer Assetklasse zur nächsten – je riskanter, desto später kommt ein Sektor dran. Vor allem für große Marktteilnehmer wäre es in Frühphasen der geldpolitischen Lockerung viel zu riskant, in volatilere Assets zu investieren, die im restriktiven Umfeld zuvor quasi ausgetrocknet sind. Das Fundament muss erst wieder wachsen, indem Anleger langsam Vertrauen zurückgewinnen und investieren.

Das dauert Monate und leitet direkt über zur psychologischen Komponente. Nach langen Phasen restriktiver Geldpolitik, die für gewöhnlich zu schmerzhaften Korrekturen oder sogar Bärenmärkten im Finanzmarkt führen, dauert es lange, bis das breite Vertrauen in (Risiko-) Assets zurückkehrt. Viele haben sich in der Euphorie des letzten Zyklus die Finger verbrannt und halten Abstand – bis die Märkte wieder gesund und stark erscheinen. Natürlich ist es da in der Regel schon zu spät.


Weltweit standen Menschen Schlange, um Gold zu kaufen. Sehen wir dasselbe bald im Kryptomarkt?


Aber so läuft es nun mal an der Börse: Der Otto-Normalverbraucher will erst kaufen, wenn alles sicher und stark aussieht. Paradoxerweise ist das erst gegen Ende der Kapitalrotation in einem Sektor der Fall. Als Gold kürzlich über 5000 Dollar galoppierte, standen weltweit Menschen vor Goldgeschäften Schlange. Ähnliches passiert im Aktienmarkt. Kaum jemand wollte Nvidia kaufen, als die Aktie bei ein paar Dollar herumdümpelte. Jetzt, als wertvollste Aktie der Welt, ist NVDA begehrt wie nie.

Leseempfehlung: "Wir haben Satoshi!": Diese zwei Männer sollen Bitcoin entwickelt haben

Die Massenpsychologie folgt der Kapitalrotation: Smart Money schiebt großes Kapital von einem (schon überhitzten) Sektor zum nächsten. Verspätet stoßen Kleinanleger hinzu: Schritt für Schritt gewöhnt sich die Masse an immer riskantere Anlagen und vergisst das Trauma des letzten Bärenmarktes – einfach, weil die Preise steigen. Je weiter die Kapitalrotation voranschreitet und je mehr Sektoren nacheinander profitieren, desto mehr Kapital sammelt sich in den Händen der (smarten) Anleger.


Was zuletzt steigt, steigt am stärksten: Wenn immer mehr Liquidität auf immer kleinere Sektoren trifft, wird es explosiv.


Und hier passiert die Magie: Je weiter die Kapitalrotation auf der Risikoleiter emporklettert, desto größer wird die Diskrepanz zwischen der Menge des akkumulierten Kapitals und der Größe des nächsten Sektors, den es erreicht. Oder einfacher: Immer mehr verfügbares Kapital (durch geldpolitische Lockerung und Börsengewinne) trifft auf immer weniger liquide Sektoren (die an der Spitze der Risikoleiter stehen).

Am Ende ist die Rechnung einfach. Wenn immer größere Mengen Kapital auf immer kleinere Assets (etwa Smallcap-Aktien oder Altcoins) treffen, wird die (bullische) Volatilität immer heftiger. Bis dieses Stadium erreicht ist, bleibt die Lage bei Risiko-Assets prekär. Erst, wenn der breite Markt auf der Risikoleiter weit genug ist, vermengen sich Liquidität und Psychologie zur explosiven (Altcoin-) Mischung: Was zuletzt steigt, steigt am stärksten.

Kommt jemals wieder eine Altcoin-Season?

Natürlich sieht es gerade nicht danach aus, als würde jemals wieder eine Krypto-Rallye stattfinden, die den Namen Altcoin-Season auch nur annähernd verdient hätte. Aber so war es auch 2017 und 2021. So funktioniert die Logik der Kapitalrotation. Das ist die Psychologie hinter dem langsamen Klettern auf der Risikoleiter. Bis ein Sektor dran ist, passiert so gut wie gar nichts. Wenn es aber so weit ist und das angestaute Kapital der unteren Risikoleitersprossen auf illiquide Assets trifft, kann es rasch von null auf hundert gehen.


Das Muster der letzten Altcoin-Seasons: Smallcap-Aktien (Russell 2000) brechen aus, etwas später rotiert Kapital in den Kryptomarkt. Auch dieses Mal?


Diese Logik kommt denjenigen zugute, die sich vorher positionieren, und schadet den anderen, die erst in den Markt kommen, wenn er sich sicher anfühlt. Die notorischen Zuspätkommer (also die breite Masse der Anleger, die der Kapitalrotation mit Verspätung folgt) sorgen dafür, was man landläufig als Blowoff-Top bezeichnet: Sie kaufen in die Spitze der Euphorie hinein. Weil die breite Masse über eine ganze Menge Kapital verfügt, sorgt das häufig nochmal für steile Anstiege. Dann aber ist die letzte große Kaufkraft ausgeschöpft.


Straffe Geldpolitik stärkt den 'Safety-Trade' (im Kryptomarkt die Bitcoin-Dominanz). Bei Lockerung profitieren Altcoins (allerdings erst zum Schluss).


Was darauf folgt, ist mathematisch wieder logisch: Wenn die letzte Kaufkraft abgeschöpft ist, wer kauft dann noch? Also fällt der Preis nach dem finalen Blowoff-Top umso stärker. In solchen Phasen wendet sich die geringe Liquidität im Kryptomarkt, die zunächst noch die steilen Anstiege ermöglichte, gegen die Anleger. Denn nun trifft massive Verkaufswucht auf einen Markt, der durch die Kapitalrotation zwar gewachsen ist, relativ zu Gold oder Aktien aber sehr illiquide bleibt. So stark wie die Anstiege fällt auch der Crash aus.

Eine Garantie für eine künftige Altcoin-Season gibt es nicht. Die Kapitalrotation entwickelt sich aktuell aber sehr ähnlich zu vergangenen Zyklen. Verzögerte Zinssenkungen durch den Irankrieg lasten auf Risiko-Assets, aber die geldpolitische Lockerung dürfte weitergehen – vor allem, weil die USA Billionen an Schulden bedienen müssen und dafür niedrige Anleihezinsen (gleichbedeutend mit niedrigen Leitzinsen) brauchen. Investments in kleine Kryptowährungen bleiben hochriskant, ein Totalverlust ist in unregulierten Märkten möglich.

Wer die Kapitalrotation versteht, ist strategisch aber besser aufgestellt als diejenigen, die zu spät kommen. Nicht nur im Kryptomarkt. Wichtig zu verstehen ist an dieser Stelle: Die Kapitalrotation durch verschiedene Sektoren lässt sich historisch beobachten, bleibt aber ein idealtypisches Modell. Es ist nicht garantiert, dass sie sich genauso wiederholt wie in vergangenen Zyklen. Schlüssel zum Erfolg bleiben kontinuierliche eigene Recherche und kritische Marktbeobachtung.

Leseempfehlung: So sieht das (Krypto-Portfolio) des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh aus!

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.