Bitcoin ist tot. Lang lebe die Altcoin-Season!
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Bitcoin ist tot. Lang lebe die Altcoin-Season!

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Simeon Koch

Der Tod gehört zum Leben. Er gibt unserem Leben Sinn, da sind sich viele Philosophen einig. Ohne Dunkel kein Licht. Ohne Kälte keine Wärme. Ohne Dürre keine Blüte. Physik und Biologie lassen grüßen. Gleichzeitig ist der Tod etwas Absolutes. Gibt es eine Steigerung? Kann man toter sein als jemand anders? Hier gerät die Naturwissenschaft an ihre Grenzen. Nicht aber die Börse.

Software-Aktien sind klinisch tot, das sagen uns die jüngsten Schlagzeilen. Bitcoin ist mindestens doppelt so tot, wenn man Preise Stimmung im Kryptomarkt berücksichtigt. Und Altcoins? Da sucht man vergeblich nach immer neuen Superlativen des Totseins. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Lasst uns das erklären.


Bitcoin ist auf ein Preislevel gefallen, das in der Vergangenheit tiefste Bärenmärkte signalisierte: Der gleitende 200-Wochen-Durchschnittspreis (gelbe Linie).


„Bitcoin ist tot!“ – Wer dieser Überzeugung ist, hat gute Gründe. Bitcoin erlebte 2025 das schlechteste vierte Quartal (-23 Prozent) seit 2018 (-42 Prozent). Das laufende Q1 ist mit derzeit -25 Prozent noch schwächer. Einen so tiefroten Jahresbeginn legte Bitcoin zuletzt 2014 (-37 Prozent) hin, also vor mehr als zehn Jahren. Zwei Quartale mit zweistelligem Minus reihte Bitcoin zum letzten Mal im tiefsten Bärenmarkt 2019 aneinander. Von Ethereum (aktuell -35 Prozent in Q1 und -28 Prozent in Q4) fangen wir besser gar nicht erst an.

Mit halsbrecherischer Geschwindigkeit hat Bitcoin ein Preisniveau erreicht, das in früheren Zyklen tiefste Bärenmärkte signalisiert hat: den gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt (200W SMA). An eine Altcoin-Season denkt da niemand mehr. Dabei könnte der breite Kryptomarkt kurz vor der explosivsten Phase dieses Bullruns stehen. Dafür spricht nicht nur, dass der Finanzmarkt nach Jahren der Angst gerade seine Risikofreude wiederfindet. Auch einer der wichtigsten Zyklus-Indikatoren im Kryptomarkt deutet auf baldige Expansion.

Ist dieser Krypto-Bullrun noch gar nicht zu Ende?

Erlebt der Krypto-Markt einen ganz klassischen Vierjahreszyklus? Bullrun-Tops erreichte Bitcoin immer im Vierjahres-Takt: 2013, 2017, 2021 – und nun 2025? Gleiches gilt für Bärenmärkte: 2014, 2018, 2022 – und jetzt wieder 2026? Auf den ersten Blick scheint alles im gewohnten vierjährigen Rhythmus zu laufen.

Auf den zweiten Blick bleiben Fragen: Warum schloss Bitcoin das Post-Halving-Jahr (die traditionell stärkste Periode im ganzen Zyklus) negativ ab? Warum hat Ethereum kein überzeugendes neues Allzeithoch erreicht? Warum gab es keine Altcoin-Season? Eine deutliche Antwort liefert der vielleicht wichtigste Zyklus-Indikator: Laut dieser Metrik hat der Kryptomarkt seinen aktuellen Bullen-Zyklus noch gar nicht abgeschlossen.


Unten in Gelb: Die Korrelation zwischen Bitcoin (oben, orange) und der Altcoin-Stärke vs. BTC (Mitte, weiß). Wo stehen wir im aktuellen Krypto-Bullrun?


Gemeint ist die Korrelation zwischen Bitcoin und der Altcoin-Stärke. Die Korrelation misst, ob sich zwei Datenreihen – in diesem Fall die Preisentwicklung von Bitcoin selbst und jene der Altcoins im Verhältnis zu BTC – ähnlich oder unterschiedlich bewegen. Ist die Korrelation hoch (zwischen 0 und dem positiven Maximum von 1), so bewegen sich Bitcoin und Altcoins in dieselbe Richtung.

Das gilt im positiven wie im negativen Sinne: Steigen oder korrigieren Bitcoin und Altcoins gemeinsam, ist die Korrelation hoch. Im Gegensatz dazu signalisieren niedrige Korrelationswerte (unter 0 und bis zum negativen Maximum von -1) eine gegenläufige Bewegung. Bei negativer Korrelation laufen Bitcoin und Altcoins in entgegengesetzte Richtungen. Das war über weite Strecken in diesem Zyklus der Fall: Bitcoin stieg und Altcoins verloren an Wert – vor allem relativ zu Bitcoin (Bitcoin-Dominanz stieg).

Die gelbe Korrelationskurve im obigen Chart fiel deshalb seit Ende 2023 stetig: Bitcoin (oben in Orange) stieg von seinem Bärenmarktboden 2022 bis über 100 000 US-Dollar. Gleichzeitig verloren Altcoins (weiß) immer mehr Marktanteile. Diese Entwicklung in unterschiedliche Richtungen drückte die Korrelation ins Negative. Unterbrochen von der Mini-Altcoin-Season Anfang 2024, als Altcoins für ein paar Monate mit Bitcoins Rallye mitzogen.

Die vier Zyklus-Phasen: Wann kommt die Altcoin-Season?

Betrachtet man die Korrelation zwischen Bitcoin und der relativen Altcoin-Stärke genauer, offenbart sie eine klare zyklische Logik. Dieses Muster gliedert sich in vier Phasen:

  • Transition (gelb): Korrelation nimmt stetig ab, startend am letzten Bullrun-Top
  • Mid-Cycle (rot): Korrelation erreicht ihren Tiefpunkt
  • Late Cycle (lila): Korrelation steigt an und wird wieder positiv
  • Peak (grün): Korrelation maximal, in der Regel am Bullrun-Top

Was aber sagen diese Korrelationsphasen über Bitcoin und vor allem Altcoins aus? Und wie helfen sie dabei, den aktuellen Stand des Bullruns festzustellen?


Die Korrelation zwischen Bitcoin und der Altcoin-Stärke entwickelt sich zyklisch. Die Logik wiederholt sich – und sagt viel aus über den Stand des aktuellen Bullruns.


Beginnen wir mit der ersten Phase, der Transition (gelb). Sie zieht sich über den gesamten Bärenmarkt und bis tief in den neuen Bullenzyklus hinein. Nehmen wir 2022: Zum Start des Bärenmarktes korrigierten Bitcoin und Altcoins gemeinsam, bewegten sich also in dieselbe Richtung. Deshalb blieb die Korrelation zunächst hoch.

Als Bitcoin seinen Bärenmarkt-Boden erreicht hatte, bluteten Altcoins weiter aus. Ebenso, als BTC bereits den nächsten Aufwärtstrend gestartet hatte. Während Bitcoin sich 2019 und 2020 schon langsam erholte, fielen Altcoins weiter. Die Preisbewegungen klafften auseinander, weshalb die Korrelation immer stärker fiel.


Während Bitcoin sich nach Bärenmarkt-Tiefs erholte, bluteten Altcoins 2016 und 2020 weiter aus. Deshalb fällt die Korrelation in der Transition sukzessive.


Ihren Mid-Cycle-Tiefpunkt erreicht die Korrelation, wenn die Preisbewegungen von Bitcoin und Altcoins maximal auseinanderklaffen. Das geschah Ende 2015, Anfang 2020 und erneut Mitte 2025. Besonders eindrücklich war diese Phase im vergangenen Jahr: Bitcoin erreichte 120 000 US-Dollar und Altcoins kamen nicht hinterher. BTC stieg gemeinsam mit der Bitcoin-Dominanz und kleinere Kryptos werteten im Vergleich ab.

In den vorherigen beiden Zyklen markierte dieser Tiefpunkt in der Korrelation gleichzeitig das absolute Tief der Stimmung im Altcoin-Sektor: Anleger sahen Bitcoin steigen und Altcoins gleichzeitig fallen. „Altcoins sind tot“, hörte man an jeder Ecke, die Frustration erreichte ihr Maximum. Das ist kaum verwunderlich: Wer auf defizitären Altcoin-Positionen sitzt und darauf spekuliert hat, Bitcoin im Bullrun so zu übertrumpfen, ist maximal enttäuscht, wenn dann ausgerechnet BTC besser performt als der breite Altcoin-Sektor.


Das Mid-Cycle-Tief der Korrelation (rot) markiert das Maximum der Altcoin-Frustration. Bitcoin steigt, kleine Kryptos fallen. „Altcoins sind tot“, hört man allenthalben.


Kommt uns diese Situation bekannt vor? Ja? Vielleicht liegt es daran, dass der Markt sie gerade genauso erlebt wie schon 2015 und 2020. Wiederholt sich die Geschichte, haben Altcoins das Schlimmste aber überstanden. Denn das Mid-Cycle-Tief der Korrelation scheint hinter uns zu liegen. Die Korrelation ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen und das bemerkt man an den Preisen: Bitcoin ist seit Anfang Oktober zwar rund 50 Prozent abgestürzt und auch Altcoins korrigieren stark. Aber im Kollektiv eben nicht mehr stärker als Bitcoin.


Die Late-Cycle-Phase war 2016 und 2020 die Startrampe zum Bullrun-Peak und der Altcoin-Season.


Das bedeutet: Die Bewegungen gehen in dieselbe Richtung und sind ähnlich stark. Mathematisch gesprochen: Die Korrelation kommt zurück. Verblüffend ähnlich verlief die Late-Cycle-Phase (lila) in früheren Zyklen. Auch 2020 brachte der maximale Schmerz des Corona-Crashs den Umschwung für die Korrelation. Altcoins fielen, waren aber nicht mehr schwächer als Bitcoin. Und die Korrelation stieg wieder. Nach Jahren der massiven Altcoin-Underperformance.

In den Peak-Phasen der letzten Zyklen stiegen Bitcoin und Altcoins gemeinsam explosiv – jeweils eine klassische Altcoin-Season. Wiederholt sich dieses Muster?


Die Late-Cycle-Phase bildete in früheren Zyklen den Anlauf zur finalen und euphorischsten Zyklusphase. Gleichbedeutend mit dem Peak (grün) in der Korrelation. 2017 und 2021 spielte sich diese Phase nahezu identisch ab: Bitcoin ging in seine finale, parabolische Bullrun-Rallye und Altcoins zogen explosiv nach. Beide bewegten sich in dieselbe Richtung: schnell und steil nach oben. Folglich war die Korrelation maximal.


Die zyklische Logik der Korrelation scheint sich zu wiederholen, auch bei der BTC-Dominanz. Großer Unterschied: die lange Dauer der Transition in diesem Zyklus.


Die Logik der einzelnen Phasen lässt sich anhand der Bitcoin-Dominanz zusammenfassen: In der Transition steigt die BTC.D, weil Altcoins unterperformen. Beim Mid-Cycle-Tief der Korrelation, also der maximalen Altcoin-Underperformance, erreicht die Bitcoin-Dominanz ihr Top. Während der Late-Cycle-Phase stagniert die BTC.D, weil Altcoins und Bitcoin sich in dieselbe Richtung bewegen. Und in der Peak-Phase stürzt Bitcoins Marktanteil ab, weil Altcoins explosiv aufholen und outperformen – eine klassische Altcoin-Season.

Warum Altcoins NICHT tot sind

Wiederholt sich die zyklische Logik der Korrelation zwischen Bitcoin und der Altcoin-Stärke (im Verhältnis zu BTC), so könnte der Markt gerade Anlauf nehmen für die explosive Peak-Phase. Freilich glaubt aktuell kaum jemand an eine derart bullische Entwicklung. Das war 2016 und 2020 aber auch nicht der Fall. Vielmehr hatten Jahre der Altcoin-Underperformance den Markt auch damals derart ausgelaugt, dass eine Altcoin-Season unmöglich erschien.


2016 und 2020 erreichten Altcoins vs. Bitcoin (beige) ein letztes Bärenmarkt-Tief, als der Russell 2000 (weiß) sein Allzeithoch brach. Stets hieß es: "Altcoins sind tot!"


Dabei sind die Voraussetzungen für eine mögliche Altcoin-Season im Moment so gut wie nie seit dem letzten Bullenmarkt-Top 2021 nicht mehr. Der breite Finanzmarkt findet nach Jahren der Unsicherheit durch Rezessionsangst, Zolltheater und KI-Kapriolen langsam seine Risikofreude wieder. Zu erkennen ist das am Smallcap-Index Russell 2000, der im November auf neue Allzeithochs ausgebrochen ist. Wenn kleine Aktien nachhaltig steigen, ist ein Krypto-Boom meist nur eine Frage der Zeit.

Auch hier zeigt sich eine spannende zyklische Gemeinsamkeit: 2016 und 2020 erreichten Altcoins beim Ausbruch des Russell 2000 ein höheres Tief gegenüber Bitcoin (siehe obigen Chart) und beendeten damit ihren Bärenmarkt. Kurz darauf startete 2017 und 2020 eine monatelange Altcoin-Season. Ein Freifahrtschein für große Gewinne war das nicht, denn auch während der damaligen Altcoin-Seasons gab es harte Korrekturen. Und nicht jeder Altcoin performte gut.

Ob sich die zyklische Logik der Korrelation auch in diesem Zyklus wiederholt, ist nicht gesichert. Die Muster der Vergangenheit deuten darauf hin, aber es bleibt ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Deshalb ist unsere Analyse auch nicht als Anlageberatung oder Empfehlung zu verstehen, bestimmte Assets zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen. Die nächste Altcoin-Season könnte sich abzeichnen. Dennoch bleibt der Kryptomarkt das herausforderndste Feld, das der Finanzmarkt zu bieten hat. Abonnenten unseres Altcoin-Pakets erhalten Signale für Handelsmöglichkeiten in Echtzeit.

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Simeon Koch

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