"Wir haben Satoshi Nakamoto": Diese zwei Männer sollen Bitcoin entwickelt haben
#Kryptowährungen

"Wir haben Satoshi Nakamoto": Diese zwei Männer sollen Bitcoin entwickelt haben

Author

Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Doku Finding Satoshi zeigt die wahrscheinliche Identität des Bitcoin-Gründers
  • Satoshi Nakamoto soll demnach keine Einzelperson gewesen sein
  • Die beiden vermutlichen Bitcoin-Entwickler sind tot

„Ich kümmere mich jetzt um andere Dinge. Das Projekt ist in guten Händen.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich der Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto vor genau 15 Jahren und einem Tag von der Weltöffentlichkeit, die damals noch keine war. Denn kaum jemand kannte zu diesem Zeitpunkt die neue Form des dezentralen Geldes, die Satoshi als Bitcoin vorstellte. Nur eine kleine Gruppe von Entwicklern (die sogenannten Cypherpunks) umgab damals den bis heute unbekannten Satoshi.

Auch 15 Jahre nach Satoshi Nakamotos Verschwinden ist die Frage nach seiner Identität nicht letztgültig geklärt. Satoshi kommunizierte nur über Foren, verschleierte seine Herkunft. Nun wurden die Ergebnisse einer jahrelangen Recherche namhafter Journalisten und Experten bekannt. Sie wollen das Geheimnis um Satoshi gelüftet haben. Eine Reihe bisheriger Verdächtiger wurde ausgeschlossen. Am Ende bleiben zwei Personen übrig, die sich gemeinsam als Satoshi getarnt haben sollen. Vor allem ein Aspekt verriet sie: ihr Schlafrhythmus.

„Ich denke, wir haben ihn“

Im Oktober 2008 veröffentlichte Satoshi Nakamoto seine Idee für ein dezentrales Zahlungssystem namens Bitcoin. Zwei Jahre später verschwand er für immer. Seither ranken sich Mythen um seine Person. Über die Jahre geriet eine Reihe möglicher Kandidaten in den Fokus. Mal waren es verwirrte Ingenieure, die zufällig auf denselben Namen hörten, mal waren es schrullige Entwickler, die Satoshi gekannt haben sollen, mal waren es Scharlatane. Sogar über den US-Geheimdienst CIA wurde gemutmaßt. Eine finale Antwort aber gab es nie auf die Frage: Wer ist Satoshi?


2014 wurde der amerikanisch-japanische Software-Entwickler Dorian Prentice Satoshi Nakamoto fälschlicherweise als Bitcoin-Gründer identifiziert und von Journalisten belagert.


Genau das soll sich jetzt geändert haben, zumindest wenn es nach dem New-York-Times-Autor und ehemaligen Investmentbanker William Cohan geht. Gemeinsam mit einem Ermittlerteam aus Experten für Kryptographie, Coding und Linguistik suchte Cohan vier Jahre lang nach der wahren Identität des Bitcoin-Vaters. In der vor wenigen Stunden erschienenen Dokumentation Finding Satoshi wird das Ergebnis präsentiert: Hinter Satoshi sollen zwei Programmierer aus den USA stecken.

Bis zu dieser Erkenntnis mussten sich Cohan und sein Team durch einen ganzen Haufen Verdächtiger durcharbeiten. Dabei befragte Cohan ehemals führende Figuren bei Coinbase und Binance, Ermittler des US-Justizministeriums, die in den Krypto-Krimis um die Drogenplattform Silk Road und die gehackte Bitcoin-Börse Mt. Gox ermittelt hatten, und sogar Mitgründer großer Blockchain-Projekte wie Ethereum. So richtig kamen die Satoshi-Jäger dabei aber nicht weiter. Gegenüber dem Branchenmedium The Block erklärte William Cohan auch, warum.

Zunächst aber Cohans engere Auswahl der möglichen Satoshis:

  • Adam Back: britischer Erfinder von Hashcash (erwähnt im BTC-Whitepaper)
  • Nick Shzabo: Idee zum Bitcoin-Vorläufers Bit Gold (nie umgesetzt)
  • Paul Le Roux: Verschlüsselungs-Informatiker; Darknet-Krimineller
  • Wei Dai: Idee zum Bitcoin-Vorläufer B-money (erwähnt im BTC-Whitepaper)
  • Hal Finney: erhielt die erste Bitcoin-Transaktion von Satoshi
  • Len Sassaman: Vertrauter von Finney, systemischer Programmierer

Bei der Suche nach dem echten Satoshi halfen Cohan prominente Namen, die Bitcoin seit dessen Kindertagen verfolgen, wenig weiter. „Ich glaube, für viele war es einfach irrelevant, ein Jahrzehnt nachdem Satoshi das Bitcoin-Whitepaper veröffentlicht hat“, mutmaßte Cohan. „Andererseits – was, wenn wir herausgefunden hätten, dass Satoshi eine schlechte Person war? Das hätte viele Vermögen der Befragten zerstören können. Wie auch immer – es hat uns dazu angespornt, Satoshis Identität aufzudecken. Und ich denke, wir haben ihn gefunden.“

Die zwei Satoshis: Was die Nachtruhe verrät

Lange Zeit verlief die Suche ergebnislos. Stichhaltige Indizien, um die Liste der Verdächtigen einzugrenzen? Mangelware. Dann wandte sich Tyler Maroney, der Kopf von Cohans Expertenteam, an die Datenanalysten und frühe Bitcoin-Minerin Alyssa Blackburn vom Baylor College of Medicine in Houston (Texas). Blackburn hatte die Idee, Satoshi Nakamotos Mining- und Kommunikationszeiten zu analysieren. Das Ergebnis: Der ominöse Bitcoin-Gründer war stets in einem Tageszeitfenster tätig, das auf Nordamerika hinwies.


Das Expertenteam sprach mit einer Reihe früher Blockchain-Innovatoren. Zu Satoshis Identität wollten sie nicht viel verraten.


Damit konnte Blackburn sowohl Nick Szabo und Wei Dai als auch Nick Szabo ausschließen, den sogar Elon Musk für Satoshi Nakamoto hält, was der Tesla-Chef 2021 öffentlich kundgab. Adam Back, der kürzlich von der New York Times für Satoshi gehalten wurde, stritt entschieden ab. Linguisten aus Cohans Team stellten außerdem fest, dass Backs Schreibstil nicht mit dem aus Satoshis Forenbeiträgen und E-Mails übereinstimmt.

Blieben noch Hal Finney und der vielleicht unauffälligste Kandidat auf der Liste, Len Sassaman. Ebenjener Sassaman war 2010 und 2011 damit aufgefallen, wie er Bitcoin als „überbewertet“ und „irrational überhyped“ bezeichnete. Und auch bei Finney gab es Bedenken. Denn der kalifornische Entwickler, der auch Konsolenspiele entwarf, war Programmierer und kein Akademiker. Das Bitcoin-Whitepaper hätte seine akademischen Schreibfähigkeiten wohl überstiegen.

Und schließlich ist Bitcoin in der Programmiersprache C++ geschrieben, die Finney selbst nicht offiziell nutzte. Das allerdings könnte laut einem von Cohans Experten ein Ablenkungsmanöver gewesen sein. Ein langjähriger Wegbegleiter von Finney sagte außerdem, dass ein Programmierer seines Kalibers mühelos auf die andere Programmiersprache C++ hätte wechseln können. Außerdem habe Finney für ein damaliges gemeinsames Projekt plötzlich zwei Monate lang keine Updates mehr geschickt – exakt in den acht Wochen vor Veröffentlichung des Bitcoin-Whitepapers.

„Warum sollte ich leugnen, Satoshi zu sein?“

Je länger die Recherche dauerte, desto mehr sprach aber gegen Hal Finney. Nicht nur war er kein Akademiker; auch tätigte Satoshi Nakamoto nachweislich Transaktionen, während Finney nicht am Computer sein konnte, weil er gleichzeitig ein Rennen bestritt (Finney war passionierter Läufer). Zudem schrieb Satoshi in britischem Englisch, was ebenfalls nicht auf den Amerikaner Hal Finney passte.


Am 11. Januar 2009 postete der passionierte Läufer Hal Finney auf Twitter: "Running Bitcoin". Aber war er auch Satoshi Nakamoto?


Hal Finney selbst konnte im Rahmen der Dokumentation nicht mehr befragt werden, er starb im Jahr 2014 an einer unheilbaren Nervenkrankheit. Auf seinem Sterbebett sagte er, angesprochen auf die Satoshi-Frage: „Warum sollte ich bestreiten, Satoshi zu sein, wenn ich es wäre – schließlich habe ich eine tödliche Krankheit. Es gäbe gar keinen Grund für mich, das abzustreiten, denn in zwei oder drei Jahren bin ich sowieso nicht mehr da. Nein, ich bin nicht Satoshi!“


Hätte Hal Finney das Bitcoin-Whitepaper schreiben können? Und warum ist es in britischem Englisch?


So leicht wollte sich das Expertenteam aber nicht geschlagen geben und sprach mit Meredith Patterson, der Witwe von Len Sassaman. Der US-Amerikaner, selbst schwer krank, beging 2011 im Alter von 31 Jahren Suizid. Als Satoshi Nakamoto aktiv war, lebte Sassaman in London, weshalb er gerne in britischem Englisch schrieb. Außerdem war Sassaman ein ausgewiesener Experte im akademischen Schreiben – und laut ehemaligen Bekannten ein Liebhaber von Pseudonymen.

War Sassaman beim Schreiben von Bitcoins Whitepaper rechte Hand und kongenialer Partner von Hal Finney? Postete er als Satoshi Nakamoto, während Finney ein Rennen lief? Stammt das britische Englisch in Satoshis Korrespondenzen von ihm? Zunächst schien simple Logik gegen die Zusammenarbeit der zwei Programmierer (die laut übereinstimmenden Berichten eng befreundet waren) zu sprechen: „Es ist eigentlich nicht möglich, so ein Geheimnis unter mehreren Leuten zu bewahren“, erklärte einer der befragten Experten. Dabei gibt es aber eine wichtige Einschränkung: „Außer natürlich, alle Beteiligten sind tot.“

Wer hat jetzt Satoshis Bitcoins?

Warum leugnete Hal Finney aber so offensiv, Bitcoin entwickelt zu haben? Und warum redete Len Sassaman das Projekt öffentlich schlecht? Bram Cohen, Entwickler von BitTorrent und ehemaliger Wegbegleiter von Sassaman, sagte dazu in der Dokumentation: „Wenn du eine Identität verstecken willst, dann würdest du als deine öffentliche Persönlichkeit eher nicht die Meinung deines Pseudonyms teilen, vor allem wenn es um ein kontroverses Thema wie Bitcoin geht!“


Die Wallets von Satoshi Nakamoto halten mehr als eine Million Bitcoin. Haben Satoshis Nachkommen noch Zugriff darauf?


Gibt es nun aber handfeste Beweise dafür, dass Sassaman und Finney gemeinsam Satoshi Nakamoto waren? Fran Finney, die Ehefrau von Hal, sagte, dass er auf ihre Nachfrage, ob er Bitcoin erschaffen habe, immer nur gelacht und Nein gesagt hätte. Im Film wird außerdem von einem Forbes-Interview kurz vor Hal Finneys Tod berichtet, in dem Finney auf die Frage, ob er einer der Bitcoin-Schöpfer sei, nur die Augenbrauen gehoben und gelächelt habe.

Für die verschollenen Bitcoin-Bestände von Satoshi Nakamoto würde es aber auch nichts ändern, wenn Satoshi damit enttarnt wäre. In der Dokumentation heißt es ausdrücklich: „Auf der Grundlage einer umfassenden Untersuchung bestätigen die Filmemacher, dass es keine Beweise oder begründeten Annahmen dafür gibt, dass Fran Finney oder Meredith Patterson direkten oder indirekten Zugriff auf die privaten Schlüssel von Satoshi Nakamoto haben.“

Will Price, ein alter Kompagnon von Finney, sagte dazu: „Ich denke, für Hal war es immer die Wahrheit, dass er Bitcoin nicht geschaffen hatte. Er war es nicht allein; es war ein Team.“ Und Price fügte an: „Diese Leute hatten die besten Absichten und haben es nicht für Geld gemacht.“ Hal Finney und Len Sassaman können darauf keine Antwort mehr geben – zumindest vorerst. Denn Finney, der sich nach seinem Tod kryokonservieren ließ, könnte dazu in ferner Zukunft noch Gelegenheit haben. Besonders wahrscheinlich scheint das angesichts seiner früheren Aussagen aber nicht.

Leseempfehlung: Aave-Hack: So traf Nordkorea ins Herz von Ethereum

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.