Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag: OpenAI prognostiziert KI-Zukunft
Anfang der Woche machte ein Level-System für Künstliche Intelligenz die Runde, das OpenAI auf einem Firmen-Meeting präsentiert hat. Damit will das ehemalige KI-Startup prognostizieren, welche Fähigkeiten autonome Algorithmen in den nächsten Jahren erreichen. Der hauseigene Chatbot ChatGPT befindet sich laut OpenAI auf der ersten Stufe des neuen Entwicklungssystems, auf der KI-Anwendungen selbstständig mit Menschen kommunizieren können. Auf der zweiten Stufe, die neue Modelle bald erklimmen sollen, wird Künstliche Intelligenz in der Lage sein, autonom Aufgaben zu lösen, denen ansonsten nur noch Menschen mit wissenschaftlichem Doktorgrad gewachsen sind. Das dritte Entwicklungslevel erreichen Maschinen, die selbstständig und über mehrere Tage hinweg komplexe Aufträge ihrer Nutzer ausführen können – etwa die eigenständige Entwicklung und Testung von Computerprogrammen ohne menschliche Unterstützung. Level vier und fünf schließlich würden KI-Systeme dazu befähigen, aus eigener Kraft neue Erfindungen zu kreieren und Aufgaben für ganze Gruppen von Menschen zu übernehmen. Gleichzusetzen wäre das mit sogenannter Artificial General Intelligence (AGI), also einer KI, die in allen Belangen besser ist als der Mensch.
Dienstag: Bitcoin-"Irrtum" von BlackRock CEO Larry Fink
Schon länger befindet sich der einst verbitterte Bitcoin-Gegner Larry Fink auf einem medienwirksamen Kuschelkurs mit der größten Kryptowährung. Spätestens seit der weltweit führende Vermögensverwalter BlackRock im vergangenen Jahr einen Bitcoin-ETF beantragte, sind die Aussagen des Geschäftsführers Fink mit Blick auf Kryptowährungen kaum wiederzuerkennen. 2017 noch bezeichnete er den Bitcoin als „Index für Geldwäsche“. Am Dienstag räumte Fink im Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC ein, dass er sich beim Bitcoin jahrelang „geirrt“ habe: „Ich war Skeptiker, stolzer Skeptiker“, gab Fink zu Protokoll. Dann aber habe er sich näher mit dem Krypto-Marktführer auseinandergesetzt und sei zu dem Schluss gekommen: „Bitcoin ist ein legitimes Finanzinstrument.“ In dieser Funktion helfe Satoshi Nakamotos Erfindung vor allem „Menschen aus Ländern, deren Währung durch übermäßige Defizite entwerten“ – auf Deutsch: Bitcoin ist in schwachen Wirtschaften ein Schutz gegen Hyperinflation. Für Larry Finks bemerkenswerten Sinneswandel dürften wohl vor allem geschäftliche Kalküle verantwortlich sein: Mit Zuflüssen von gut $18 Milliarden ist der IBIT von BlackRock schnell zum erfolgreichsten Bitcoin-ETF der USA aufgestiegen. Beim Bitcoin und im Altcoin-Sektor sorgten Finks Aussagen dennoch für Euphorie.
Mittwoch: Sorgen bei Nvidia wegen China-Bann
Mitte der Woche wurde bekannt, dass die US-Regierung weitere Verschärfungen im Chip-Geschäft mit China plant. Die Ausfuhr hochleistungsfähiger Halbleitertechnologie soll weiter beschränkt werden, was den Umsatz von Hardware-Herstellern wie Nvidia auf dem wichtigen Absatzmarkt in Fernost weiter drosseln dürfte. An den deutlich fallenden Aktienkursen von Nvidia und namhaften Konkurrenten wie der Taiwan Semiconductor Manifacturing Company (TSMC) war die Verunsicherung an der Börse in den letzten Tagen deutlich zu erkennen. Schon im Herbst hatte die Biden-Regierung ein Embargo für gewisse Chip-Typen ausgesprochen. Nvidia reagierte mit einem angepassten neuen Modell, das im Vergleich zum besten Produkt der Firma einige absichtlich eingebaute Schwächen aufwies. Auf diese Weise versuchte der Weltmarktführer, zumindest Teile seiner Handelsbeziehungen zum milliardenschweren chinesischen Chipmarkt aufrecht zu erhalten. Kurz darauf wurde bekannt, dass nordamerikanische Chips trotz des Embargos nach China geschmuggelt werden. Ein weiteres Leck im China-Bann wurde erst diese Woche bekannt: Offenbar können chinesische Firmen Über Cloud-Lösungen von Microsoft und Google auf Nvidia-Chips in Rechenzentren außerhalb Chinas zugreifen. Diese Schlupflöcher sollen nun geschlossen werden – möglicherweise zum Nachteil der US-Chipindustrie.
Donnerstag: Neue Strategie bringt Netflix-Boom
Netflix kann mit seiner neuen Werbestrategie erste Erfolge verzeichnen. Im jüngst abgeschlossenen zweiten Quartal gelang es dem Streaming-Riesen, seinen Umsatz um kräftige 17 Prozent auf rund $9.5 Milliarden zu steigern. Im Vorjahresquartal hatte dieser Wert noch bei $8.2 Milliarden gelegen. Der Gewinn stieg im selben Zeitraum um fast die Hälfte auf nun $2.1 Milliarden. Seit dem vergangenen Jahr geht die Plattform strenger gegen geteilte Accounts und die Weitergabe von Passwörtern vor. Dennoch stieg die Zahl der bezahlten Mitgliedschaften auf Netflix im zurückliegenden Quartal um beachtliche 16 Prozent auf nahezu 280 Millionen Konten an. Angekurbelt wurde dieses Wachstum durch ein neues Abo-Modell mit Werbe-Einschaltungen, das Netflix vor einiger Zeit implementierte. In den letzten drei Monaten nahm die Anzahl dieser Mitgliedschaften um ein Drittel zu. Auf jenen Märkten, wo das werbegestützte Programm verfügbar ist, soll beinahe jede zweite Anmeldung darauf entfallen sein. Ein positiver Nebeneffekt sind die generierten Einnahmen durch Werbung. In einem Presse-Statement schrieb Netflix am Donnerstag: „Unser Umsatz mit Werbeeinschaltungen steigt deutlich und wird zu einem wichtigen Standbein unseres Geschäfts“. Den deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz baut Netflix damit weiter aus.
Freitag: Weltweiter Microsoft-Blackout
Kurz vor dem Wochenende hat ein weltweiter Ausfall von Microsoft-Programmen zahlreiche Krankenhäuser, Flughäfen und Banken lahmgelegt. Dem Vernehmen nach war vor allem die Cloud-Lösung Azure betroffen. Weltweit sollen allein am Freitagvormittag rund 1400 Flüge ausgefallen sein, auch eine Reihe deutscher Flughäfen war betroffen. Verantwortlich dafür soll ein fehlerhaftes Update der Sicherheitssoftware Crowdstrike sein, mit der Microsoft eng zusammenarbeitet: „Wir sind uns eines Problems bewusst, das Windows-Geräte aufgrund eines Updates von einer Softwareplattform eines Drittanbieters betrifft“, teilte Microsoft bald nach Bekanntwerden der globalen IT-Aussetzer etwas kryptisch mit. Crowdstrike selbst stellte schnell klar, dass man keine Cyberattacke erlitten habe, sondern ein Update-Fehler das Chaos ausgelöst habe. Diese Erklärung bewahrte die hauseigene Aktie nicht vor einem zweistelligen Absturz, auch das Microsoft-Papier litt am Freitag merklich. Erste Berichte über den Kollaps der Windows-Systeme kamen aus Australien, wo Kartenzahlungen in Supermärkten plötzlich nicht mehr funktionierten. Am Freitagmorgen mussten nordamerikanische Flughäfen den Betrieb einstellen. Auch private Nutzer, die mit Windows-basierten Cloud-Computern arbeiten, konnten das System stundenlang nicht starten.







