Es ist Freitag und wir lassen eine weitere spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im Wochenrückblick an.
Montag: Siemens spricht sich gegen Vier-Tage-Woche aus
Der DAX-Konzern Siemens hat sich in der Streitfrage rund um eine systematische Verkürzung der Arbeitszeit klar positioniert. „Eine Diskussion über kürzere Arbeitszeiten können wir uns volkswirtschaftliche ganz klar nicht leisten“, warnte Siemens-Personalchefin Judith Wiese Anfang der Woche im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Ein wachsender Fachkräftemangel verschärfe Deutschlands Problem der raschen Überalterung, die erwerbstätige Bevölkerung müsse durch lebenslanges Lernen beschäftigungsfähig bleiben, betonte Wiese. Kürzere Arbeitszeiten seien keine Option, vielmehr müsse man auf lebenslanges Lernen setzen und Arbeitnehmern bessere Konditionen bieten – „idealerweise in Vollzeit und mit ausreichender Flexibilität“. Während über die Vier-Tage-Woche debattiert wird, wächst die Sorge um Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung. Im April stiegen die Firmenpleiten auf einen historischen Höchstwert. Angesichts steigender Regelinsolvenzen und schwachen Wachstums warnte Bundeswirtschaftsminister Christian Lindner schon Ende Februar: „Wenn wir nichts tun, wird unser Land zurückfallen“.
Dienstag: Disney will weniger Marvel machen
Pro Jahr wollte der nordamerikanische Entertainment-Riese Disney ursprünglich zwei bis drei Filme und zwei TV-Serien aus dem Marvel-Universum veröffentlichen. Zuletzt erhöhte sich die Schlagzahl aber deutlich, Fans klagten über Verwässerung. Mit den beliebten Marvel-Gesichtern hatte Disney versucht, Aufmerksamkeit auf den Start seines Streaming-Dienstes Disney+ zu ziehen, die Zuschauerzahlen aber litten zuletzt. Laut Konzernchef Bob Iger plant man nun, die Frequenz wieder zurückzufahren. Künftig wolle man weniger, dafür aber bessere Superhelden-Streifen produzieren. Zwar schlägt Disney sich auf dem hart umkämpften Streaming-Markt seit einiger Zeit mit roten Zahlen herum, dennoch entwickelt sich die On Demand-Sparte in die gewünschte Richtung. Gemeinsam mit dem Sportangebot ESPN+ verzeichnete die Flaggschiff-Plattform Disney+ im zurückliegenden zweiten Quartal nur noch einen operativen Verlust von $18 Millionen. Im Vergleichsquartal des Vorjahres war man noch mit $659 Millionen ins Minus gerasselt. Der Gesamtkonzern erwirtschaftete nach einem Plus von $1.3 Milliarden im Frühjahr 2023 nunmehr einen Verlust von $20 Millionen. Schuld daran waren milliardenschwere Abschreibungen. Für dieses Geschäftsjahr soll der Gewinn pro Aktie laut Disney-Chef Iger aber um kräftige 25 Prozent steigen.
Mittwoch: Macht die EZB ihr eigenes Zins-Ding
Mitte der Woche sind Spekulationen publik geworden, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinspolitik von den Plänen der nordamerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) abkoppeln könnte. Traditionell folgte die EZB den Entscheidungen der US-Währungshüter, weil sich die konjunkturellen Entwicklungen hüben wie drüben weitgehend deckten. In Sachen Inflation entwickelt sich die Eurozone aber schon seit einiger Zeit besser als die Vereinigten Staaten, wo die seit Monaten hartnäckige Kerninflation kürzlich wieder leicht auf 3.8 Prozent gestiegen ist. Die aktuelle Teuerungsrate in der EU liegt laut der Statistikbehörde Eurostat bei 2.4 Prozent. Damit ist man dem Ziel einer konstanten Inflation bei rund zwei Prozent deutlich näher. Anfang des Jahres war in den USA noch mit vier bis sechs Zinskürzungen bis 2025 gerechnet worden. Konservative Äußerungen und Insider-Informationen der Fed drückten diese Prognosen aber deutlich. Mittlerweile erwägt die US-Notenbank sogar, im laufenden Jahr vollständig von Zinskürzungen abzusehen, um nicht in den Verdacht politischer Einflussnahme auf die Präsidentenwahl im November zu geraten. In Europa könnte es mit den Zinskürzungen wegen der niedrigen Inflation schneller gehen. In den Vereinigten Staaten liegen die Zinsen zwischen 5.25 und 5.5 Prozent, in Europa unverändert bei 4.5 Prozent.
Donnerstag: Apple tritt mit iPad-Werbung ins Fettnäpfchen
Gut schien die Woche für Apple zu starten, als Medienberichte über einen selbst entwickelten KI-Chip die Runde machten. Die öffentliche Euphorie schlug in der zweiten Wochenhälfte aber schlagartig in Kritik und Häme um, als Apple ein heiß umstrittenes Werbevideo für das neue iPad-Modell vorstellte. Das Video zeigt eine überdimensionale Schrottpresse, die eine Lastwagenladung Musikinstrumente und andere analoge Hilfsmittel für Künstler zermalmt. Neben einem Klavier und einem Schlagzeug werden auch Farbtöpfe, Kameras und eine Skulptur plattgemacht. Als die Presse sich wieder hebt, liegt unter ihr ein iPad. Die Botschaft sollte wohl lauten: Im iPad steckt all das drin. Für Kritiker war die Kernaussage eher: Das iPad stampft all diese Quellen analoger Kreativität ein. So twitterte der Schauspieler Hugh Grant, der etwa im kürzlich erschienenen Kinofilm Wonka mitwirkte: „Die Zerstörung der menschlichen Erfahrung. Danke an das Silicon Valley.“ Apple schien mit dem öffentlichen Eklat nicht gerechnet zu haben und entschuldigte sich postwendend. Beim Versuch, die Leistungsstärke des neuen iPad Pro-Modells zu demonstrieren, habe man „das Ziel verfehlt und es tut uns leid“, sagte Apples stellvertretender Marketing-Leiter Tor Myhren in einem Interview kurz nach Veröffentlichung des Videos. Apple teilte mit, den Werbeclip nicht ins Fernsehen zu bringen, hofft aber darauf, mit dem neuen iPad den wichtigen Absatzmarkt China wieder zurückzuerobern.
Freitag: Bitcoin laut Twitter-Gründer Jack Dorsey bis 2030 auf $1 Million
Scheinbar absurde Preisprognosen für den Bitcoin und die Altcoins sind in Krypto-Bullenmärkten keine Seltenheit. Besonders beliebt scheint in den letzten Wochen die magische Millionenmarke, wenn es um die Entwicklung der wichtigsten Blockchain-Währung im aktuellen Jahrzehnt geht. Am Donnerstag hat Twitter-Gründer Jack Dorsey dieser Saga ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Laut Dorsey werde der Preis bis 2030 „mindestens $1 Million“ erreichen, könne diese Marke aber auch deutlich überschreiten und in ferner Zukunft noch weitaus stärker steigen. Für Dorsey ist der Bitcoin als abgeschlossener und autarker Kosmos einzigartig und ein „faszinierendes Ökosystem“. Demnach sei „das Erstaunlichste an Bitcoin, abgesehen von der Entstehungsgeschichte, dass jeder, der daran arbeitet, damit bezahlt wird oder es für sich selbst kauft“. Auch Cathie Wood, Geschäftsführerin beim Vermögensverwalter Ark Invest, der seinen eigenen Bitcoin-Spot-ETF anbietet, setzte dem Bitcoin kürzlich ein millionenschweres Preisziel bis zum Anbruch des nächsten Jahrzehnts. Aktuell durchläuft der Krypto-Primus eine zähe Korrekturphase, der nächste bullische Ausbruch sollte laut unserer Analyse aber bald erfolgen – möglicherweise befeuert durch Kaufdruck aus China.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen guten Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







