Volkswagen durchlebt schwierige Zeiten. Seit Monaten krankt es beim größten europäischen Autobauer an allen Ecken und Enden: Letzten Sommer würgten europäische Einfuhr-Zölle für Autos aus China das VW-Geschäft in Fernost ab, im Herbst entbrannten interne Grabenkämpfe mit dem Betriebsrat – und schließlich sagte Donald Trump ausländischen Autobauern mit seinen Strafzöllen den Kampf an. Diese Querelen hinterlassen in der Konzernbilanz tiefe Spuren: Wie Volkswagen heute mitgeteilt hat, brach der Gewinn in den ersten drei Monaten des Jahres um 41 Prozent ein. In China läuft es nicht, das Batteriegeschäft lahmt. Und trotzdem gibt es einen Hoffnungsschimmer.
VW-Quartal: Gewinn fällt, Umsatz klettert
Auf den ersten Blick lesen sich die Quartalsergebnisse von Volkswagen niederschmetternd: Der Unternehmensgewinn fiel von 3.7 Milliarden Euro im ersten Quartal des letzten Jahres deutlich auf nur noch 2.2 Milliarden in diesem Frühjahr. Analysten hatten mit rund vier Milliarden gerechnet. Das operative Ergebnis, also der Gewinn oder Verlust der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit vor Steuern und Abgaben, sank um deutliche 37 Prozent auf 2.9 Milliarden Euro.
Mitverantwortlich dafür war eine hohe Rückstellung für Strafzahlungen im Dieselskandal von satten 1.1 Milliarden Euro und die deutlich geschrumpfte Marge, die von sechs auf 3.7 Prozent zurückging. Bedeutet: Volkswagen verdient an den einzelnen Fahrzeugen deutlich weniger als noch vor einem
Jahr. Die große Hiobsbotschaft blieb aber aus – denn an anderer Stelle verzeichnete Volkswagen erste Erfolge im Kampf gegen die Dauerkrise. Nicht nur, weil der Gewinn pro Aktie mit 2.88 Euro knapp über den Erwartungen von 2.60 Euro lag.
Der Umsatz etwa stieg um solide drei Prozent auf nun 77.6 Milliarden Euro, im ersten Quartal des Vorjahres waren es 75.5 Milliarden gewesen. Auch die globalen Auto-Verkäufe legten um dezente 0.9 Prozent zu und beliefen sich in den zurückliegenden drei Monaten auf 2.1 Millionen abgesetzte Fahrzeuge nach 2.08 im Vorjahresquartal. Positiv fielen dabei besonders die wachsenden PKW-Auslieferungen in Europa (+5.3 Prozent) und Nordamerika (+6.1 Prozent) auf.
Boom bei E-Autos und Lamborghini
Deutlich rückläufig war im zurückliegenden ersten Quartal der PKW-Absatz auf dem chinesischen Markt mit einem saftigen Minus von 7.1 Prozent. Mit nach wie vor gut 643 000 ausgelieferten Modellen bleibt China dennoch der wichtigste Absatzmarkt in der Region Asien-Pazifik, wo insgesamt 719 000 VW-Modelle an den Mann gebracht wurden. Deutliches Wachstum verzeichnete Volkswagen in Indien (+36.3 Prozent) und Japan (+16.1 Prozent), die gemeinsam mit rund 45 000 ausgelieferten Fahrzeugen aber nicht einmal zehn Prozent des chinesischen Marktvolumens ausmachen.
Die Volkswagen-Aktie hat sich seit dem Tief bei rund 80 Euro erholt, dürfte die Korrektur der blauen Welle (II) aber noch deutlich nach unten ausdehnen.
Insgesamt stiegen die weltweiten PKW-Auslieferungen im ersten Quartal um 1.9 Prozent auf 2.06 Millionen. Die meisten davon entfielen mit rund 1.1 Millionen auf die Kernmarke VW (+5.1 Prozent), gefolgt von Audi mit gut 383 000 (-3.4 Prozent) und Skoda mit rund 239 000 Fahrzeugen (+8.2 Prozent). Unter allen Konzernmarken, zu denen auch Bentley (2388 Auslieferungen) und Porsche (71 470 Auslieferungen) zählen, zeigte ausgerechnet die Luxus-Sportwagenlinie Lamborghini das stärkste Wachstum: Von Januar bis März wurden 2967 Stück der italienischen Flitzer ausgeliefert – ein deutliches Plus von 12.8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.
Zu knabbern hat Volkswagen derweil an schwächelnder Nachfrage im Bereich der Nutzfahrzeuge. Weltweit ging der Absatz von Bussen, Trucks und LKWs um deutliche 9.9 Prozent zurück. Negativ schlugen dabei vor allem Europa (-16.3 Prozent), Nordamerika (-12.2 Prozent) und Asien (-19.4 Prozent) ins Kontor. Wachstum erzielte die Nutzfahrzeug-Sparte einzig in Südamerika (+10.3 Prozent). Trösten kann sich der Konzern mit dem deutlichen Plus bei vollelektrischen Fahrzeugen, deren Auslieferungen um kräftige 58.9 Prozent auf rund 217 000 stiegen.
VW-Aktie fällt – aber bleibt im Rennen
Schlechte Nachrichten sind Volkswagen-Aktionäre mittlerweile gewohnt: In den letzten zwölf Monaten verlor die VW-Aktie rund ein Drittel ihres Kurswerts, seit dem Allzeithoch 2021 sind es sogar mehr als 60 Prozent. Zweifelsohne durchläuft der Konzern aktuell eine Findungs- und Transformationsphase. So stieg zwar der Fahrzeugverkauf im abgelaufenen Quartal – die Produktion (-3.2 Prozent auf 2.2 Millionen Fahrzeuge) und auch die Belegschaft (-1.2 Prozent auf 672 000 Angestellte) waren jedoch rückläufig.
Mittelfristig dürfte es für Volkswagen noch einmal in Richtung der 50 Euro gehen, bevor der nächste übergeordnete Aufwärts-Impuls starten kann.
Und auch für die Aktie dürfte der Weg vorerst steinig bleiben. Zwar kletterte der Kurs seit dem Tief vom 7. April bei rund 80 Euro um kräftige 20 Prozent, die 100-Euro-Marke erwies sich aber als zu hohe Hürde. In den letzten Handelstagen verkaufte das Papier wieder leicht ab und bleibt damit im kurzfristigen Abwärtstrend. Laut unserem Primärszenario kann Volkswagen in der aktuellen Korrekturbewegung noch einmal deutlich unter 80 Euro fallen und womöglich noch einmal das Preislevel um 50 Euro testen. Abonnenten unseres DAX40-Analysepakets erhalten regelmäßige Updates über alle DAX-Titel inklusive konkreter Zielzonen für mögliche Ein- und Ausstiege.





