„Die Europäische Union ist nur erschaffen worden, um die Vereinigten Staaten zu betrügen“, ätzte Trump noch vor einigen Wochen in Richtung des ehemals wichtigsten westlichen Verbündeten. Vor allem das Handelsdefizit mit der EU stößt dem neuen US-Staatsoberhaupt sauer auf. Außerdem missfällt Trump laut eigener Aussage, dass US-amerikanische Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlegen und fertige Güter günstig importieren. Um beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, hat Trump gestern neue Strafzölle gegen die Europäische Union verhängt – und die bestehenden Einfuhrabgaben kurzerhand verzehnfacht. Kritiker warnen vor einer nachhaltigen Schwächung der US-Wirtschaft, von der China langfristig profitieren könnte.
EU-Zölle verzehnfacht – warum?
Trumps Kalkül hinter seiner aggressiven Zollpolitik liegt auf der Hand: Es soll für ausländische Produzenten unattraktiv werden, ihre Produkte in die USA zu liefern. Inländische Hersteller will Trump mithilfe der Zölle davon abbringen, ihre Fertigung ins Ausland zu verlegen. Viele US-Autobauer produzieren in Mexiko oder China, weil Lohnniveau, Rohstoffkosten und regulatorische Hürden dort niedriger sind. Auch deshalb verhängte Trump bereits Anfang Februar hohe Zölle gegen diese beiden Staaten.
Per Exekutivbefehl hat Donald Trump die Zölle auf europäische Autos von 2.5 auf 25 Prozent verzehnfacht. Die Branche macht sich große Sorgen.
Trump fürchtet durch die anhaltende Abwanderung von Produktionskapazitäten ins Ausland eine langfristige Schwächung der heimischen Industrie. Außerdem stört ihn, dass die Vereinigten Staaten mit ihren wichtigsten Partnern seit Jahren negative Handelsbilanzen aufgebaut haben. Beispiel Europäische Union: Im vergangenen Jahr kauften die Vereinigten Staaten Waren im Wert von gut 584 Milliarden US-Dollar aus EU-Staaten. Umgekehrt verkauften die USA aber nur Waren von rund 357 Milliarden Dollar in die Europäische Union.
Aufsummiert entsteht den USA daraus ein Handelsdefizit von deutlich mehr als 200 Milliarden Dollar. Ziemlich genau 227 Milliarden US-Dollar gaben die USA im Handel mit der EU mehr aus, als sie einnahmen. Ähnlich sieht es in der Beziehung zu Kanada aus: 2024 exportierten die USA Waren im Wert von knapp 350 Milliarden US-Dollar in ihr nördliches Nachbarland; in entgegengesetzter Richtung flossen gut 412 Milliarden Dollar. Auch hier war die Bilanz für die Vereinigten Staaten also negativ.
Der deutsche Auto-Marktführer Volkswagenbefindet sich nach dem Top der türkisen Welle B in einer Korrektur, die noch deutlich weiter abwärts führen dürfte.
Importiert ein Staat langfristig mehr als er exportiert, so entstehen Abhängigkeiten von ausländischen Produzenten, während heimische Industrie sukzessive verkümmert. Schleichenden Verfall fürchtet Trump vor allem in der Automobil-Industrie, deren Exporte in den letzten zehn Jahren deutlich gesunken sind. 2015 lieferten US-Konzerne monatlich zwischen 90 000 und 130 000 PKW ins Ausland, im vergangenen Dezember waren es nur noch rund 64 000, im November knapp 70 000 und im Oktober nur gut 55 000.
Mit den Strafzöllen gegen die wichtigen Lieferanten in Europa und China will Trump nun erreichen, dass heimische Produzenten zurück in die USA kommen, um die Zölle zu umgehen und ausländische Fahrzeuge für Konsumenten unattraktiv teuer werden. Auch deshalb betonte Trump bei der Unterzeichnung des Exekutivbefehls, der die neuen Strafzölle gegen die Europäische Union besiegelte, dass heimische Autobauer natürlich davon ausgenommen seien – sofern sie in den USA produzieren. Bisher waren die Zölle auf europäische Autos bei 2.5 Prozent gelegen, nun belaufen sie sich auf satte 25 Prozent.
Schaden sich die USA vor allem selbst?
In der ersten Aprilwoche treten die neuen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Autos aus Europa in Kraft. Betroffen sind Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge, die nicht in den Vereinigten Staaten produziert wurden. Spätestens Anfang Mai sollen dann ebenso hohe Zölle auf Autoteile in Kraft treten. Darunter fallen etwa Motoren, Getriebe oder elektrische Bauteile.
Von den Zöllen verspricht Trump sich obendrein wachsende Staatseinnahmen, um Steuersenkungen zu finanzieren. Für den Endverbraucher geht diese Rechnung laut Experten aber nur bedingt auf. Denn obgleich Trump und sein Wirtschaftsminister Scott Bessent mehrfach betonten, dass die Zölle keine Steigerung der Inflation nach sich zögen, sind Preissteigerungen unausweichlich. Mehrere große Automobilhersteller aus Europa kündigten bereits an, zusätzliche Kosten durch neue Zölle zumindest teilweise an ihre Käufer weitergeben zu müssen.
Auch BMW setzte in den letzten Tagen deutlich zurück. Ein direkter Abverkauf unter die Unterstützung bei 65.26€ ist zu 30% wahrscheinlich.
Das könnte durchaus zu breiter Teuerung führen, schließlich sind ausländische Autos kein zu unterschätzender Faktor in der US-Industrie: Rund die Hälfte aller Autos, die im vergangenen Jahr in den USA verkauft wurden, waren aus dem Ausland importiert. Wichtigste Handelspartner waren unter anderem Mexiko, Kanada und Deutschland. Deutschland ist mit Auto-Exporten in Höhe von 34 Milliarden US-Dollar in die Vereinigten Staaten der größte Lieferer aus der EU. Ganze 13.1 Prozent aller von den USA importierten PKW und Leichtfahrzeuge stammten laut dem Statistischen Bundesamt von deutschen Unternehmen.
Zwar unterhalten die großen deutschen Autobauer bereits Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten – der Anteil dieser Werke am gesamten amerikanischen Absatz ist aber gering. Laut der Analyseplattform Global Data wurden zuletzt 81 Prozent aller in den USA verkauften Volkswagen-Modelle importiert. Bei Mercedes Benz und BMW sind es jeweils knapp zwei Drittel. Damit werden nicht nur ausländische Autos in den USA teurer – auch die US-Industrie dürfte Schaden nehmen. Der Automobildienstleister Cox Automotive erwartet laut Tagesschau bis Mitte April einen Produktionsrückgang von rund 30 Prozent respektive 20 000 Fahrzeugen pro Tag.
Trump hat Musk nicht gefragt
Auf den US-Marktführer Tesla würden sich die Zölle laut Trump „neutral“ bis „positiv“ auswirken, denn: „Jeder, der Werke in den Vereinigten Staaten hat, wird meiner Meinung nach gut dastehen“. Und bekanntlich unterhält Elon Musk steuerbegünstigte Fabriken in Texas und Kalifornien. Musk selbst habe ihn beim Zollbeschluss nicht beraten, betonte Trump. Etwas später ruderte der US-Präsident wieder zurück und räumte auf seinen Social-Media-Kanälen ein, dass sich die Zölle auf „Preise von Teilen für Tesla-Autos auswirken, die aus anderen Ländern stammen“. Die Kostenauswirkungen seien „nicht unerheblich“.
Tesla zeigt zunehmend Schwäche und dürfte bald unter $215.01 fallen. Abonnenten erhalten konkrete Zielzonen.
Die deutsche und europäische Gesamtwirtschaft dürfte Trumps Zölle laut Experten nur bedingt beeinträchtigen. Deutlich schwerwiegender sind die Folgen für die Branche selbst und die regionale Industrie. Entsprechend kämpferisch positioniert sich die noch amtierende deutsche Bundesregierung. Der scheidende Wirtschaftsminister Robert Habeck etwa sagte: „Es kommt jetzt darauf an, dass die EU eine entschlossene Antwort auf die Zölle gibt - es muss klar sein, dass wir gegenüber den USA nicht klein beigeben werden.“ Jetzt seien „Stärke und Selbstbewusstsein gefragt“.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, die „wirtschaftlichen Interessen“ der europäischen Staatenfamilie zu verteidigen. Als erste Maßnahme will die EU Mitte April die aktuell noch ausgesetzten Zölle auf US-Produkte wie Jeans, Whiskey oder Motorräder wieder einführen. Auch Kanada kündigte erneute Sanktionen an. Trump scheint das zumindest nicht kalt zu lassen. Vor wenigen Stunden drohte er, weitere Zölle zu verhängen, falls sich die EU und Kanada im Zollstreit mit den USA zusammenschließen sollten.




