EU vs. China: Kampf um die Vorherrschaft bei (E-)Autos
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EU vs. China: Kampf um die Vorherrschaft bei (E-)Autos

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Florian Winter

China und die Europäische Union arbeiten seit Jahrzehnten wirtschaftlich eng zusammen, für die EU ist das ostasiatische Land nach den USA der zweitwichtigste Handelspartner. Im Jahr 2023 erreichte das Handelsvolumen zwischen der Union und China mehr als 700€ Milliarden. Obwohl die ökonomischen Bande für beide Seiten von großer Bedeutung sind, kommt es immer wieder zu weitreichenden Spannungen. So auch im Automobilsektor, welcher im Fokus beider Wirtschaftsmächte steht. Während die Europäische Union, allen voran Deutschland mit seinen diversen Autobauern rund um Volkswagen, Mercedes-Benz und Co., hier lange Zeit die Vorherrschaft innehatte, stürmen in den vergangenen Jahren aufstrebende chinesische Unternehmen die Branche.

Chinas aufstrebender Automobilmarkt

China hat sich in den letzten Jahren nicht nur zum weltweit größten Absatzmarkt für Automobile, sondern sich auch zu einem immer wichtigeren Player in der globalen Automobilindustrie aufgeschwungen. Chinesische Automobilhersteller wie BYD, NIO und Geely haben massiv in Technologie und Innovation investiert, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Elektrofahrzeuge stehen dabei im Zentrum der chinesischen Strategie, unterstützt durch umfangreiche staatliche Subventionen und eine ambitionierte Industriepolitik. „China hat es verstanden, durch gezielte staatliche Unterstützung und Investitionen seine Position im Automobilsektor zu stärken“, sagte Li Shufu, CEO von Geely, kürzlich in einem Statement.

Europäische Autoindustrie unter Druck

Die europäische Autoindustrie, die von deutschen Giganten wie Volkswagen, BMW und Daimler dominiert wird, sieht sich durch den wachsenden Einfluss Chinas herausgefordert. Europäische Hersteller sind auf den chinesischen Markt angewiesen, sowohl als Absatzmarkt für ihre Fahrzeuge als auch für die Beschaffung von wichtigen Komponenten und Rohstoffen, insbesondere für die Produktion von Elektrofahrzeugen. Doch die aggressive Expansion chinesischer Hersteller in Europa sorgt für wirtschaftliche und politische Spannungen. Allen voran BYD-Konzern, der inzwischen seine Fahrzeuge mit eigenen Frachtern nach Europa schippert, in Ungarn ein neues Werk aus dem Boden stampft und in Deutschland mehr als 100 Autohäuser bauen möchte, macht den europäischen Schwergewichten viel Druck. Herbert Diess, im Sommer 2022 als VW-CEO zurückgetreten, betonte bereits vor Jahren, dass der chinesische Markt für die europäischen Automobilproduzenten „von entscheidender Bedeutung“ ist. Bereits damals beobachteten die Konzerne besorgt, „wie chinesische Hersteller in Europa expandieren“. Man müsse deshalb „wettbewerbsfähig bleiben“ und die eigene „Innovationskraft nutzen.“

Staatliche Subventionen führen zu Marktverzerrungen

Ein zentraler Streitpunkt zwischen China und der EU sind die umfangreichen Subventionen, die chinesische Automobilhersteller von ihrer Regierung erhalten. Diese Subventionen ermöglichen es chinesischen Unternehmen, ihre Produkte zu Preisen auf den globalen Märkten anzubieten, mit denen die Konkurrenz nur schwerlich mithalten kann. Europäische Hersteller beklagen deshalb, dass diese Praxis zu Preis-Dumping und Wettbewerbsverzerrung führt. Die EU hat wiederholt Maßnahmen gegen solche Subventionen gefordert und untersucht mögliche Verstöße gegen internationale Handelsabkommen. „Die unfaire Wettbewerbslandschaft, die durch staatliche Subventionen geschaffen wird, muss dringend angegangen werden“, sagt Valdis Dombrovskis, EU-Kommissar für Handel. Man müsse sich „für einen fairen Wettbewerb“ einsetzen und „Maßnahmen ergreifen, um die eigene Industrie zu schützen.“ Derzeit wird diskutiert, ob die Importe chinesischer (Elektro-)Fahrzeuge mit bis zu 20 Prozent besteuert werden sollten – Berechnungen des Kieler Institut für Weltwirtschaft (kurz IfW) zufolge könnte dies die chinesischen Importe um ein Viertel reduzieren. Betrachtet man die rund 500 000 Fahrzeuge, die 2023 aus dem ostasiatischen Land in die EU importiert wurden, würde dies etwa 125 000 weniger eingeführte Autos bedeuten.

Technologische Konkurrenz, Innovation und Handelsbarrieren 

Neben den wirtschaftlichen Spannungen spielt auch der technologische Wettbewerb eine bedeutende Rolle. China investiert stark in Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich der Elektromobilität und der Batterietechnologie. Europäische Hersteller, die ebenfalls stark auf Elektrofahrzeuge setzen, sehen sich daher einem intensiven Innovationsdruck ausgesetzt. Auch der E-Auto-Weltmarktführer Tesla spürt die chinesische Preispolitik empfindlich und verlor zwischenzeitlich sogar seinen globalen Spitzenplatz an den chinesischen Konkurrenten BYD. Die EU versucht, durch Förderprogramme und Partnerschaften die eigene Innovationskraft zu stärken und eine führende Rolle in der globalen Automobilindustrie zu behaupten. Ein weiterer Konfliktpunkt sind die Handelsbarrieren, die den Marktzugang europäischer Hersteller in China erschweren. Trotz der Bemühungen um Liberalisierung und Marktöffnung bleibt der chinesische Automobilmarkt stark reguliert. Europäische Unternehmen beklagen bürokratische Hürden, unfaire Handelspraktiken und den mangelnden Schutz geistigen Eigentums. Die EU fordert daher einen fairen und transparenten Marktzugang für ihre Unternehmen in China. „Der Zugang zum chinesischen Markt bleibt eine große Herausforderung“, sagt Ola Källenius, CEO von Daimler. „Wir fordern mehr Transparenz und Fairness im Handel.“

Zukunftsaussichten und Potenzial für Zusammenarbeit

Angesichts der zunehmenden Spannungen hat die EU bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um ihre Interessen zu schützen. Dazu gehören Handelsabkommen, die den Marktzugang verbessern und faire Wettbewerbsbedingungen sicherstellen sollen, sowie Investitionen in die Forschung und Entwicklung im Automobilsektor. Die EU arbeitet auch an der Stärkung ihrer strategischen Autonomie, insbesondere bei der Produktion von Batterien und kritischen Rohstoffen. Europäische Automobilhersteller reagieren auf die Herausforderungen durch Diversifikation und Innovation. Sie investieren in neue Technologien, erweitern ihre Produktionskapazitäten und suchen nach neuen Absatzmärkten. Kooperationen und Joint Ventures mit chinesischen Unternehmen sind ebenfalls Teil der Strategie, um von der dynamischen Entwicklung des chinesischen Marktes zu profitieren und gleichzeitig die eigenen Marktpositionen zu stärken.

Trotz der internationalen Konkurrenzsituation gibt es auch innerhalb des umkämpften Automobilsektors Potenzial für Zusammenarbeit. Der Übergang zur Elektromobilität und die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätslösungen bieten Chancen für gemeinsame Innovationsprojekte und den Austausch von Know-how. Eine konstruktive Zusammenarbeit könnte dazu beitragen, globale Herausforderungen wie den Klimawandel und die Sicherung der globalen Lieferketten zu bewältigen. Margrethe Vestager, EU-Kommissarin für Wettbewerb, betont: „Eine Zusammenarbeit mit China kann dazu beitragen, gemeinsame Lösungen für globale Herausforderungen zu finden. Es ist jedoch entscheidend, dass diese Zusammenarbeit auf fairen Wettbewerbsbedingungen basiert.“

Letztlich sind die Spannungen zwischen der EU und China im Automobilsektor Ausdruck eines komplexen Machtspiels zwischen zwei der größten Wirtschaftsmächte der Welt. Diese Konflikte bergen sowohl Risiken als auch Chancen für die beteiligten Akteure. Für die europäische Autoindustrie geht es darum, in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld zu bestehen und ihre Innovationskraft zu behaupten. Gleichzeitig müssen die politischen Entscheidungsträger in der EU einen ausgewogenen Ansatz finden, um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und gleichzeitig die Potenziale einer Zusammenarbeit zu nutzen. Die Zukunft der Handelsbeziehungen im Automobilsektor wird maßgeblich davon abhängen, wie gut es gelingt, diese Balance zu finden und die gemeinsamen Interessen zu fördern.

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