Kaum stand gestern fest, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen hat, da wurden die wichtigsten Cannabis-Aktien heftig abgestraft. Canopy Growth verlor allein am Mittwochvormittag ein Viertel an Kurswert, Tilray setzte gute 15 Prozent zurück, der deutsche Lokalmatador SynBiotic hielt sich mit einem Minus von sieben Prozent noch ganz gut.
Haben die Anleger Angst vor Donald Trump, der dem Markt in seiner letzten Amtszeit große Steine in den Weg gelegt hatte? Oder lag es daran, dass in Florida eine richtungsweisende Abstimmung über die mögliche Cannabis-Legalisierung zum Freizeitgebrauch ausgerechnet am Wahltag scheiterte? Fest steht: Trump hat seine Meinung zum grünen Kraut in den letzten Jahren grundlegend geändert und könnte dem Markt damit neue Höhen bescheren – wenn er seine Wahlversprechen hält.
Knackpunkt Florida: Negative Abstimmung enttäuscht
Noch vor zwei Wochen sah es ziemlich gut aus für den Cannabis-Sektor. Pläne zu einer Neueinstufung des Rauschmittels in den USA steigerten die internationale Nachfrage nach Cannabis-Aktien. Solide Quartalszahlen der Marktführer sorgten im Sommer für Aufbruchsstimmung, im Herbst traten Aurora, Synbiotic und Canopy eine Expansionswelle nach Europa und Australien los. Dennoch bleiben die Vereinigten Staaten der wohl wichtigste Absatzmarkt. Läuft es hier nicht rund, kippt die Stimmung an der Börse – und genau das passierte am Mittwoch.
Auslöser war eine gespannt erwartete Abstimmung in Florida über die Cannabis-Legalisierung zum privaten Konsum für Bürger über 21 Jahren. Anfang April hatte ein bundesstaatliches Gericht entschieden, die Abstimmung in die Präsidentschaftswahl zu integrieren. Diese prominente Platzierung sorgte im Frühling für Euphorie um Cannabis-Aktien, hatte nun aber umso größere Enttäuschung zur Folge, als das Votum der Bürger Floridas negativ ausfiel.
60 Prozent Zustimmung wären nötig gewesen, um die bundesstaatlichen Gesetze zugunsten einer Freizeit-Legalisierung von Marihuana zu ändern. Noch 2016 stimmte in Florida eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent für die Freigabe von Cannabis zum medizinischen Gebrauch. Für den Freizeit-Gebrauch kamen nicht genügend Stimmen zusammen. Dabei hatte sich der angehende Präsident Donald Trump im September für eine Legalisierung ausgesprochen: „Als wahlberechtigter Bürger Floridas werde ich bei der Abstimmung mit JA stimmen“, schrieb Trump auf seine Social-Media-Plattform Truth Social und fügte an: „Als Präsident werde ich dafür sorgen, dass die Forschung an medizinischem Cannabis gefördert wird und der Markt steuerliche Erleichterungen erhält“. Das waren ungewohnt positive Töne vom ehemaligen Cannabis-Kritiker Trump.
Trump hat seine Cannabis-Meinung geändert
Noch im Jahr 2020 positionierte sich Donald Trump in seiner ersten Amtszeit als Präsident ausdrücklich gegen eine Legalisierung von Marihuana. Sogar eine Lockerung der Drogengesetze lehnte Trumps Regierung ab. Während des Wahlkampfs gegen Hillary Clinton versicherte Trump, die Cannabis-Gesetzgebung den Bundesstaaten zu überlassen. Sein Haushaltsvorschlag 2021 beinhaltete dann aber die Aufhebung des Schutzes unabhängiger bundesstaatlicher Cannabis-Gesetzgebung. Der damalige Justizminister Jeff Sessions setzte harte Maßnahmen gegen die Cannabis-Industrie durch und hob eine Richtlinie aus der Obama-Ära auf, die die Branche vor Bundesverfolgung schützte.
„Ich bezweifle, dass Trump damals Cannabis bei der Auswahl seiner Generalstaatsanwälte bedacht hat“, kommentierte Cory Gardner, ehemaliger republikanischer Senator aus Colorado, der sich damals für Cannabis-Reformen stark gemacht hatte. Mit dem aktuellen Wahlkampf aber scheint der Wind gedreht zu haben. Anders als 2016 scheint Trump konkrete Ideen und Richtlinien für seine Cannabis-Politik zu haben – und die gefallen der Branche deutlich besser als noch vor acht Jahren.
Auf Truth Social schrieb Trump Anfang September: „Ich glaube, es ist an der Zeit, unnötige Verhaftungen und Inhaftierungen von Erwachsenen für kleine Mengen Marihuana zu beenden“. Insbesondere die Aussicht, Marihuana auf eine niedrigere Gefahrenstufe herabzustufen, wie es das Gesundheitsministerium der USA schon während Joe Bidens Amtszeit empfohlen hat, sorgte für Zuversicht. Der Schritt soll Marihuana von der Liste der gefährlichsten Drogen entfernen, auf der es derzeit neben Heroin und Kokain steht. Das würde steuerliche Erleichterungen für die Branche bringen.
SAFE und 280E: Befreit Trump die Cannabis-Branche?
Neben der Neueinstufung von Cannabis unterstützte Trump auch die Einführung der SAFE Banking-Gesetze, die es Cannabis-Unternehmen erleichtern, Bankdienstleistungen zu nutzen und dadurch ihr Geschäft legal und sicherer abzuwickeln. Das Gesetz schützt Banken und andere Finanzdienstleister, die Geschäfte mit legalen Cannabis-Unternehmen in Bundesstaaten der Vereinigten Staaten machen, vor Bestrafung durch Bundesbehörden. Banken können demnach nicht dafür belangt werden, dass sie legalen Cannabis-Unternehmen Konten oder Kredite anbieten. Einnahmen aus solchen Geschäften gelten nicht mehr als illegal, obwohl Cannabis auf nationaler Ebene (noch) nicht legalisiert ist.
Ein weiterer Stolperstein für die Cannabis-Branche in den Vereinigten Staaten ist die sogenannte 280E-Rule. Dabei handelt es sich um eine Steuerregelung, die den gewerblichen Handel mit Substanzen sanktioniert, die auf der Drogenliste weit oben stehen – auch, wenn sie auf bundesstaatlicher Ebene legal sind. Händler können ihre geschäftlichen Ausgaben für Cannabis-Produkte aktuell nicht von der Steuer absetzen und haben erhebliche Mehrkosten, die die Rentabilität des gesamten Sektors gefährdet. Mit der geplanten Neubewertung würde Cannabis nicht mehr unter die 280E-Regel fallen, was die steuerliche Situation von Unternehmen, die mit entsprechenden Produkten handeln, maßgeblich verbessern würde.
Trump im Cannabis-Zwiespalt: Medizin hui, Freizeit pfui!
Würde Donald Trump allerdings Joe Bidens Pläne einer Cannabis-Neubewertung auf Bundesebene vollenden, würde die Anziehungskraft des nordamerikanischen Marktes wieder wachsen. Nachfrage gäbe es schließlich genug: In Umfragen positionierten sich zuletzt fast 90 Prozent der Bürger der USA für eine medizinische Cannabis-Legalisierung in den Vereinigten Staaten, 57 Prozent fordern zudem die Freigabe für den privaten Konsum. Ein Spaziergang wird eine mögliche Cannabis-Legalisierung unter Trump trotzdem nicht. Zwar ist der Republikaner mittlerweile „zu einhundert Prozent“ Befürworter von medizinischem Cannabis, wie er schon 2016 in einem Fernseh-Interview auf Fox News betonte – den Freizeitgebrauch will er auf Bundesebene aber vorerst nicht legalisieren – das bringe nur „eine ganze Menge Probleme“ mit sich.
Dass der designierte neue Präsident dazu aufrief, für die Legalisierung zum Freizeitgebrauch in Florida zu stimmen, lässt den Markt auf künftige Lockerungen hoffen. Fallen steuerliche und finanzielle Zugangsbeschränkungen im Markt in den USA, könnte das immense Zugewinne für den Cannabis-Sektor bedeuten. Schließlich ist der Cannabismarkt in den Vereinigten Staaten nach jährlichem Handelsvolumen rund $43 Milliarden schwer, bis 2029 soll der Sektor laut Analysten an den $50 Milliarden kratzen. Zum Vergleich: Der europäische Markt hat ein Volumen von rund $6 Milliarden und soll bis 2019 auf $7 Milliarden wachsen. Wie es mit den Aktien der großen Cannabis-Unternehmen rund um Canopy, Tilray und Curaleaf weitergeht, erfahren die Kunden unseres Cannabis-Aktienpakets in den täglichen Updates.

Canopy Growth verlor am Mittwoch 25 Prozent, hielt sich aber über dem Tief der grünen Korrekturwelle 2. Der nächste Impuls dürfte den Kurs deutlich über C$20.50 führen.
SynBiotic erlebte einen Rücksetzer um rund sieben Prozent und nähert sich dem Tief der türkisen Korrekturwelle 2. Die impulsive Folgewelle 3 dürfte in Richtung der 30€ laufen.
Tilray sollte in der türkisen Welle 4 die violette Trendlinie testen, bevor die türkise 5 auf aktuelle Preisnlevels zurückkehrt. Abonnenten erhalten konkrete Kaufzonen.

