Der Cannabis-Sektor erlebt gerade seinen zweiten Frühling. Erst die lang ersehnte Legalisierung in Deutschland, dann setzte sich US-Präsident Joe Biden in der wichtigsten Rede seiner Amtszeit für eine Entkriminalisierung in den Vereinigten Staaten ein. Auch Bidens Vizepräsidentin Kamala Harris soll ausdrücklich gefordert haben: „Wir müssen Marihuana legalisieren!“ Und dann war es endlich so weit: Nach Jahrzehnten unverhältnismäßig harter Drogenpolitik wurde das Rauschmittel von der nordamerikanischen Lebensmittelbehörde Anfang Mai neu bewertet. Hatte man Cannabis zuvor auf eine Stufe mit Heroin und Kokain gestellt, wurde auf Bundesebene nun die Tür für medizinischen und Freizeitgebrauch geöffnet. Einen erheblichen Anteil daran dürften intensive Lobby-Aktivitäten von großen US-Unternehmen um Amazon, American Express, PayPal und Uber haben, die sich im Hintergrund für eine Legalisierung und wirtschaftliche Begünstigungen des Sektors stark machen. Die hochrangige Senatorin Elizabeth Warren aber kritisierte vor wenigen Tagen dieses Lobbying, obgleich es im Sinne der Cannabispolitik ihrer Demokratischen Partei geschieht. Warren warnte vor Monopolbildung und der Übernahme des Sektors durch Tech-Giganten. Das wiederum könnte Unternehmen wie Canopy Growth, Curaleaf oder SynBiotic zugutekommen.
US-Senat gegen Cannabis-Monopole
„Bei der Legalisierung von Marihuana geht es um mehr als nur um den Freizeitkonsum, um das Geld, das mit diesem neuen Markt verdient werden kann, oder um den möglichen medizinischen Nutzen“, sagte Elizabeth Warren kürzlich im nordamerikanischen Parlament. Warren vertritt seit 2013 den US-Bundesstaat Massachusetts im Senat, lehrt als Expertin für Wirtschaftsrecht an der Harvard-Universität und war unter Präsident Barack Obama Leiterin einer Regierungsstelle für Konsumentenschutz. „Die Legalisierung ist nicht genug“, betonte Warren in einer Diskussionsrunde, die an Strategien gegen Monopolbildung arbeitet. Schließlich stehe die junge Branche vor der Herausforderung, selbstständig zu wachsen, ohne von etablierten Wirtschaftsriesen unterwandert zu werden: „Industrie-Giganten werden ihr Bestes tun, um auf den Markt zu drängen, bevor kleine Unternehmen eine Chance haben, in den Markt einzutreten“, warnte die Demokratin und verwies dabei implizit auf große Konzerne wie Amazon oder Uber, die sich schon länger im Hintergrund für eine Cannabis-Legalisierung einsetzen.
Diese Lobby-Arbeit geschehe bestimmt nicht aus gutem Willen oder Sympathie für Cannabis-Freunde, warnte Warren: „Das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir sehen, wie Unternehmen wie Amazon für die Legalisierung von Cannabis lobbyieren“. Auch American Express soll seinen Hut in den Cannabis-Ring geworfen haben. Entsprechend zeigte sich Warren „zutiefst skeptisch, dass diese Lobby-Arbeit mehr ist als ein eigennütziger Versuch, einen weiteren Markt zu monopolisieren“. Primär ging es Warren bei ihrem Plädoyer um „schwarze und lateinamerikanische Unternehmer“, die „am meisten unter den politischen Kampagnen gegen Drogen gelitten haben“ und nun „eine Chance haben“ sollen, „in den Markt einzutreten“. Man müsse aber auch generell „sicherstellen, dass die Legalisierung nicht einfach den Weg für große Tabak- und Alkoholkonzerne oder Einzelhandelsriesen ebnet, die den Cannabismarkt dann beherrschen“.
Profitieren Canopy Growth, Green Thumb und Co.?
Die Förderung kleiner Cannabis-Unternehmen könnte den aktuellen Marktführern des Sektors zugutekommen, die im Verhältnis zu globalen Börsenriesen wie Amazon doch noch ziemlich klein daherkommen. Cannabis-Marktführer Innovative Industrial Properties etwa bringt eine Marktkapitalisierung von rund $3.3 Milliarden auf die Waage, gefolgt von Curaleaf mit $3.2 Milliarden und Green Thumb Industries mit $2.76 Milliarden. Der New Yorker Pharmaspezialist Tilray folgt mit gut $1.5 Milliarden auf Platz fünf, noch immer deutlich vor Canopy Growth ($0.7 Milliarden, Platz acht). Zum Vergleich: Allein Kreditkarten-Riese American Express kommt auf fast $180 Milliarden Marktkapitalisierung, Uber liegt mit rund $140 Milliarden nur knapp dahinter. Amazon gehört mit fast $2 Billionen Börsenwert zu den größten Unternehmen der Welt und ist mehr als 100-mal so viel wert wie die Top-10 des Cannabis-Marktes. Rein wirtschaftlich hätten die bisher etablierten Cannabis-Unternehmen also kaum eine Chance im direkten Vergleich mit branchenfremden Schwergewichten. Die Anti-Monopolkampagne unter Elizabeth Warren dürfte dem Markt also guttun.
Eine weitere wichtige Zukunftsfrage für den Cannabis-Sektor wird bei der Präsidentschaftswahl im kommenden November entschieden. Beide Kandidaten sind keine offenen Cannabis-Unterstützer – und dennoch war die bald ablaufende erste Amtszeit Joe Bidens gut für den Markt. So hat Biden zwei Runden umfassender Marihuana-Begnadigungen erlassen und damit Tausenden Menschen, die wegen geringfügiger Cannabis-Vergehen verurteilt wurden, formelle Vergebung gewährt. Dennoch hat Biden Kritik für seine früheren übertriebenen Behauptungen über die praktische Wirkung der Reformen erhalten. Auch bestimmte Personengruppen, wie Einwanderer und Menschen mit Verurteilungen wegen gewaltfreier Marihuana-Verkäufe, wurden von der Begnadigung ausgeschlossen. Trotz seiner Aussage „Niemand sollte wegen der Nutzung oder des Besitzes von Marihuana im Gefängnis sein“ bleibt Biden in Bezug auf eine umfassendere Legalisierung hinter der Meinung der Wählermehrheit zurück, insbesondere innerhalb seiner eigenen Partei.
Biden entkriminalisiert – Trump legalisiert?
Die unter Biden erreichte Neueinstufung von Cannabis bedeutet keine bundesweite Legalisierung, würde jedoch einige Hindernisse für medizinische Forschung beseitigen und staatlich lizenzierten Cannabis-Unternehmen Steuervorteile verschaffen. Dafür bringt sich etwa Canopy Growth im nordamerikanischen Markt in Stellung – etwa durch eine Modifikation der eigenen Unternehmensstruktur oder auch Übernahmen kleinerer Konkurrenzunternehmen in den USA. Biden hat auch ein Gesetz unterzeichnet, das die Forschung zu Marihuana erleichtern soll, und seine Verwaltung hat Schritte zur Reform der Bundespolitik in Bezug auf Marihuana unternommen. Dennoch hat seine Regierung auch Maßnahmen verteidigt, die beispielsweise den Besitz von Waffen bei Cannabis-Konsumenten verbieten. Eine bundesweite Legalisierung könnte bei einer zweiten Amtszeit von Donald Trump deutlich stärker forciert werden. Während seiner Präsidentschaft vertrat Trump die Position, dass Marihuana-Gesetze auf staatlicher Ebene geregelt werden sollten. Trump unterstützte damals ein parteiübergreifendes Gesetz zur Anerkennung der staatlichen Legalisierung und setzte sich für die medizinische Cannabis-Legalisierung ein.
Trump war es auch, der das Right to Try-Gesetz unterzeichnete, das gewissen Patienten den Zugang zu nicht von der FDA zugelassenen Medikamenten, einschließlich Cannabis, ermöglichte. Auch wurde unter ihm eine landwirtschaftliche Regelung erlassen, die eine Legalisierung von Hanf beinhaltete. Gegenüber illegalem Drogenhandel zeigte Trump klare Kante. Im Wahlkampf aber kritisierte er seinen Widersacher Biden für dessen harte Drogenpolitik. Trumps designierter Vize J.D. Vance ist zwar gegen eine Regelung auf Bundesebene, lehnt aber auch harte Strafen für geringfügigen Cannabis-Besitz ab. Beeinträchtigen könnte den Cannabismarkt bei einer Trump-Wiederwahl, dass Vance gegen ein Gesetz ist, das Cannabis-Unternehmen den Zugang zu Bankdienstleistungen erleichtern würde. Für diese Regelung hatte sich sogar PayPal in die Lobby-Listen eintragen lassen. Trotz der Skrupel von Vance reagierten viele Cannabis-Aktien positiv auf die gesteigerten Wahlchancen Trumps nach dem fehlgeschlagenen Attentat. Wer von der künftigen Entwicklung des Sektors profitieren möchte, bekommt in unserem Cannabis-Paket regelmäßige Analysen zu den vielversprechendsten Unternehmen der Branche – unter anderem Canopy Growth, Innovative Industrial Properties und Green Tumb.




