Was ist das eigentlich für eine seltsame makroökonomische Situation? Seit Monaten geht in der Weltwirtschaft die Rezessionsangst um, Ende 2022 beschworen Crash-Propheten ein Jahrhundert-Desaster herauf. Dann aber wendete sich das Blatt, die nordamerikanische Zentralbank stellte Zinskürzungen in Aussicht und die Märkte kannten nur noch eine Richtung: In den zurückliegenden Monaten erreichten die nordamerikanischen Leitindizes laufend neue Rekordstände, obwohl sich die Inflation bis heute als zäh erweist und die Schuldenlast der Vereinigten Staaten mit bedenklicher Rasanz wächst. Auch in Staaten wie Deutschland oder Japan, die sich per Definition bereits in einer Rezession befinden, brachen die Aktienmärkte Rekorde – der japanische Nikkei erreichte zum ersten Mal seit 35 Jahren ein neues Allzeithoch. Während die traditionellen Märkte boomten, konnte der Bitcoin lange Zeit nicht mitziehen und krebste im vergangenen Herbst im Bereich der $30 000 Dollar herum. Ende Januar dann explodierte der Kurs förmlich und schoss auf ein neues Allzeithoch. So verwundert Experten zuvor von seiner Trägheit waren, so verblüfft waren nun selbst Krypto-Enthusiasten von der jüngsten Dynamik. Schließlich vollbrachte der Bitcoin in den letzten Wochen ein Novum: Nie zuvor hatte er vor dem Halving-Event, bei dem die Belohnungen für Bitcoin-Miner halbiert werden, ein Allzeithoch erreicht. Dass dieser Nimbus nun gebrochen wurde, zeigt, dass der Bitcoin im Begriff ist, seine eigene Geschichte neu zu schreiben. Und das könnte nachhaltige Auswirkungen auf den Bullenmarkt haben.
Gold und Bitcoin steigen – das ist ein Problem
Paradox – das ist wohl das richtige Wort, um die aktuelle Marktsituation zu beschreiben. Auf der einen Seite feiern die größten Aktienmärkte Rekorde – die wohl kaum berechtigte Panik in der chinesischen Wirtschaft mal ausgenommen –, auf der anderen Seite stehen mehrere Regionalbanken in den Vereinigten Staaten nach Ende des Regierungsprogramms zur Unterstützung kriselnder Geldhäuser kurz vor dem Kollaps. In einem Interview sagte Jerome Powell, Präsident der nordamerikanischen Notenbank FED (engl.: Federal Reserve), dass man sich um die großen und systemrelevanten Banken keine Sorgen machen müsse, kleine und mittelgroße Kreditinstitute aber nicht vor Pleiten gefeit seien. Prompt sackte die Aktie der New York Community Bancorp um 41 Prozent ein, die auch schon beim nordamerikanischen Bankenbeben im Frühjahr letzten Jahres eine Rolle gespielt hatte, als innerhalb weniger Tage erst die Silicon Valley Bank, dann die Signature Bank und schließlich auch die First Republic Bank zusammenbrachen. Um den Markt zu beruhigen, leitete die Regierung der Vereinigten Staaten das Bank Term Funding Program in die Wege, das Banken ermöglichte, Geld zu günstigeren Konditionen als den hohen Leitzinsen bei der Zentralbank zu leihen und damit ihre Bilanzen aufzubessern. Weil einige Banken diese Begünstigung aber zur eigenen Bereicherung nutzten, wird das Programm Anfang dieser Woche nach genau einem Jahr eingestellt. Die reißerischen Warnungen einiger Medien vor einem Bankenkollaps wegen des abrupt zugedrehten Geldhahns sind zwar nicht ganz richtig – schließlich haben die belehnten Banken noch einige Monate Zeit, um ihre günstigen Schulden zurückzuzahlen – die Stimmung am Markt ist aber vorsichtig.
Deshalb ist kaum verwunderlich, dass der Goldpreis erneut stark steigt. Gold gilt als krisensicher und sogenanntes Risk-Off-Asset, also eine Anlageklasse, der sich Anleger in Zeiten bedrohlicher Wirtschaftsphasen zuwenden. Dass Kryptowährungen und die traditionellen Märkte Korrelationen in ihrer Kursentwicklung aufweisen, ist historisch gesehen nichts Neues. Denn beide hängen eng mit der international verfügbaren Liquidität und Geldmenge zusammen, die wiederum von der Zinspolitik der Zentralbanken beeinflusst wird. Die Formel ist einfach: Je mehr Geld die Leute für Spekulation übrighaben, desto besser performen sogenannte Risk-On-Assets, also Anlagen, die hohes Risiko und erhebliche Volatilität aufweisen. Keine Branche ist so sehr von Zukunftsvisionen dominiert wie Tech und Krypto, Narrative aber sind kurzlebig – und entsprechend volatil die Kurse. Damit stehen diese Sektoren im krassen Widerspruch zum Edelmetall Gold, das im Finanzmarkt einen unantastbaren Status als sicherer Hafen genießt, der – anders als bei Kryptowährungen oder Tech-Giganten wie Tesla oder Microsoft – nicht von der Entwicklung neuer Ideen und Innovationen abhängt. Und deshalb entwickeln sich Risk-On- und Risk-Off-Assets oftmals auch gegengleich: Ist die wirtschaftliche Lage gut, kommt viel Geld in den Markt, spekulative Anlageklassen verzeichnen Gewinne. Ist die ökonomische Gesamtsituation unsicher und die Inflation hoch, steigen die Zinsen, das Geld im Umlauf wird reduziert und Anleger flüchten aus volatilen Risikoanlagen in sichere Produkte wie eben Gold. Das Problem an der aktuellen Situation ist nun: Paradoxerweise vermischen sich diese beiden Emotionen. Der Markt kann sich also noch nicht so richtig zwischen Rezession und Expansion entscheiden – eine gefährliche Mischung.
Allzeithoch vor dem Halving: viel mehr als ETF-Milliarden
Trotz der jüngsten Index-Rekorde überraschte der Bitcoin, als er in den vergangenen Tagen zum ersten Mal in seiner Geschichte vor dem vierjährig stattfindenden Halving ein neues Allzeithoch erreichte. In den bisherigen Bullenmärkten hatte Bitcoin vor dem jeweiligen Halving zwar deutliche Kursgewinne verzeichnet, zu einem neuen Rekordstand kam es jedoch stets erst danach. Aktuell gibt der Bitcoin aber deutliche Anzeichen, dass dieser Bullenmarkt anders werden könnte als alle bisher gesehenen Aufschwung-Phasen. Das erste Indiz dafür ist, dass selbst zu dieser frühen Phase des Bullenmarktes bereits sehr viel Kapital von eher traditionell orientierten Anlegern in den Krypto-Markt fließt – ermöglicht durch die im Januar zugelassenen Bitcoin-Spot-ETFs. Allein der Bitcoin-ETF von BlackRock knackte kürzlich die Grenze von $10 Milliarden Einlagen, was ihn zu einem der weltweit erfolgreichsten ETFs überhaupt macht. Die neu aufgelegten neun Spot-ETFs halten mittlerweile knapp $20 Milliarden an Bitcoin und damit mehr als der zum Spot-ETF umgewandelte Grayscale Bitcoin Trust (GBTC), der zuletzt für die stärksten Abflüsse aus BTC-Anlageprodukten verantwortlich war. Nach wie vor handelt es sich dabei aber eher um erfahrene Käufer; die Masse an Kleinanlegern, die in früheren Hype-Phasen zu parabolischen Preisanstiegen führte, ist größtenteils noch nicht wieder auf den Krypto-Markt aufmerksam geworden. Die Renditechancen dürften also auch jetzt noch immens sein – mit unserem Bitcoin/Ethereum- und Altcoin-Paket verpassen Sie keine lukrativen Einstiege mehr! Denn technisch waren die Anstiege vorhersehbar. Es brauchte nur fundamentalen Auslöser für prognostizierte Preisbewegungen. Und die treten nun ein.
Dass Kleinanleger Krypto bisher wenig beachten, bestätigen Suchtrends auf Google: Bei den letzten Bullenmarkt-Tops explodierten auch die Suchanfragen, die aktuell noch überraschend gering ausfallen. Dass dieser Bullenmarkt anders ist als bisherige Zyklen, verdeutlicht auch der frühe Hype um Meme Coins, der auf den ersten Blick im Widerspruch zu vergangenen Bull Runs steht, mit Blick auf veränderte Marktdynamik aber plausibel zu erklären ist. Dass bereits jetzt ein neues Allzeithoch erreicht wurde und der Bitcoin sich in den letzten Stunden über der $70 000-Marke festzusetzen scheint, hat auch mit neu gewonnener Sicherheit im Markt zu tun: Während über früheren Bullenmärkten das Damokles-Schwert der Börsenaufsicht (engl.: Securities and Exchange Commission; kurz: SEC) schwebte, die jahrelang versuchte, Bitcoin als Wertpapier zu deklarieren, ist dieser Zweifel nun ausgeräumt: Anlässlich der Zulassung der Bitcoin-Spot-ETFs unterstrich der SEC-Vorsitzende Gary Gensler, dass man Bitcoin nun wie einen Rohstoff behandle – eine Nachricht, die für Euphorie auf den Märkten sorgte, da eine Einstufung als Wertpapier für Kryptowährungen kaum stemmbare bürokratische Anforderungen mit sich bringt. Gleichzeitig betonten hochrangige Mitglieder der Börsenaufsicht, dass man Kryptowährungen auf dem Weg zu börsengelisteten Anlageprodukten künftig keine so großen Steine mehr in den Weg legen wolle, was die Chancen auf womöglich bald genehmigte Ethereum-Spot-ETFs steigert.
Verschiebt sich die Altcoin-Season? Oder fällt sie aus?
In früheren Bullenmärkten schritt der Bitcoin stets voran, erst dann erwachte auch der Altcoin-Sektor so richtig zum Leben. Da sich über institutionelle Kanäle gerade so viele Anleger auf den Bitcoin stürzen, könnte sich dessen Dominanz im Vergleich zu früheren Bull Runs verstärken, denn Altcoins sind vom klassischen Börsenparkett und den Milliardenströmen des traditionellen Aktienmarktes immer noch ausgeschlossen. Profitieren könnte die Altcoin-Season wiederum davon, dass der Finanzmarkt zuletzt so narrativgetrieben war wie selten zuvor: Die größten Tech-Werte sorgten durch astronomische Zugewinne bei ihrer Marktkapitalisierung für eine so starke Konzentration des Marktes wie seit 100 Jahren nicht mehr. Im Zentrum stand dabei das Narrativ der Künstlichen Intelligenz, das auch auf der Blockchain für massig Anleger-Fantasie sorgte, wie die (Kurs-) Entwicklung von KI-Coins wie Fetch.ai, Bittensor oder auch The Graph zeigten. Die Altcoin-Season wird also kaum ausfallen – könnte sich zeitlich aber verschieben und im Verhältnis zur Bitcoin-Dominanz nicht mehr so stark ausfallen wie in der Vergangenheit – was wegen immens gesteigerter Bitcoin-Marktkapitalisierung aber trotzdem kometenhafte Aufstiege unter Altcoins ermöglichen würde.
Führt der historisch schnelle Start des Bullenmarktes nun aber dazu, dass der gesamte Zyklus deutlich kürzer ausfällt? Das ist durchaus möglich, schließlich steht dem großen Hype-Potenzial durch die ETFs eine ebenso große Gefahr der noch viel breiteren Panik bei starken Kursverlusten unter unerfahrenen ETF-Investoren gegenüber als in vergangenen Bullenmärkten, die sich ohne unmittelbare Verbindung zur herkömmlichen Börse abspielten. Dass der Krypto-Bullenmarkt unvermittelt endet, muss aber nicht befürchtet werden – zu positiv gestalten sich die mittelfristigen Aussichten der gesamten Finanzmärkte im Moment: Die nordamerikanische FED will ihre Leitzinsen demnächst senken, die neue Liquidität durch frisches und günstiges Geld aus den Druckern der Zentralbanken dürfte für neue Aufschwünge sorgen. Außerdem steht im Herbst die Präsidentenwahl in den USA an, historisch ein Garant für starke Marktphasen. Denn um den amtierenden Präsidenten im Rennen um seine Wiederwahl zu stützen, wird die Wirtschaft gerne gestärkt – selbst, wenn das nicht besonders nachhaltig ist.




