Es sind die ersten guten Nachrichten im Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China seit US-Präsident Donald Trump Anfang April exorbitante Zölle gegen fast die ganze Welt verhängt hatte. Gestern gaben US-Finanzminister Scott Bessent und die chinesische Botschaft in Washington bekannt, am Wochenende Verhandlungen aufzunehmen. Stattfinden sollen die Gespräche offenbar in der neutralen Schweiz.
In den vergangenen Wochen hatten sich Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in ihrem Zoll- und Handelsstreit so weit hochgeschaukelt, dass die beidseitigen Einfuhrzölle auf die meisten Waren aktuell bei 145 Prozent liegen. Die Börsen reagierten auf die Ankündigung von Zollgesprächen erleichtert. Aber auch der Goldpreis steigt inmitten der allgemeinen Verunsicherung wieder.
Bessent: „Wir wollen freien Handel“
Was war das für ein Hin und Her in den letzten Wochen? Erst schossen sich die US-Regierung und die chinesische Staatsführung mit immer höheren Zöllen aufeinander ein, dann behauptete Trump Ende April, dass man erste Gespräche führe. Chinas Handelsministerium dementierte Trumps Aussagen öffentlich. Vor fünf Tagen war dann aus Peking zu vernehmen, dass man die Möglichkeit von Handelsgesprächen mit den USA evaluiere.
Der Goldpreis hat seit seinem Allzeithoch bei rund 3500 US-Dollar pro Unze deutlich korrigiert, stieg in den vergangenen Tagen aber wieder deutlich.
Diesmal grätschten die Vereinigten Staaten dazwischen und versicherten in Person von Finanzminister Scott Bessent, dass man bisher keine Verhandlungen mit China aufgenommen hatte. Die Sache drohte, zur Farce zu verkommen. Dann ging am gestrigen Dienstag alles ziemlich schnell: In einem Interview mit dem Trump-freundlichen Fernsehsender Fox News sagte Bessent: „Die Welt kommt in die USA und China war bisher das fehlende Puzzleteil – deshalb treffen wir uns am Samstag und Sonntag, um gemeinsame Interessen zu diskutieren.“
Der Grund dafür liege laut Bessent auf der Hand: „Die aktuellen Zölle und Handelsbarrieren sind nicht nachhaltig“ und man wolle die bilateralen Beziehungen nicht gefährden. Diesmal ist China auch ganz offiziell mit von der Partie: Parallel zu Bessents Statement bestätigte der chinesische Vize-Premierminister He Lifeng, dass er Bessent am Wochenende in der Schweiz treffen werde. Aus Chinas Handelsministerium hieß es dazu, dass jegliche Verhandlungen „gleichberechtigt und von wechselseitigem Nutzen“ sein müssten.
Bitcoin und Aktien: Zu früh gefreut?
An den internationalen Börsen sorgte die Bekanntgabe der geplanten Handelsgespräche für spürbare Erleichterung. Wochenlang hatte die Unsicherheit im zunehmend hitzigen Zollstreit zwischen den USA und China die Märkte unter Druck gesetzt. Anleger verkauften volatilere Assets wie Aktien oder Kryptowährungen und flüchteten mit ihrem Kapital in Krisen-Anlagen wie Gold. Deshalb schoss der Goldpreis zwischenzeitlich auf ein neues Allzeithoch bei rund 3500 US-Dollar pro Unze, fiel Ende letzter Woche dann aber deutlich, als langsam durchsickerte, dass sich China und die USA annähern.
Der Bitcoin dürfte kurzfristig eine korrektive Rallye hinlegen, danach aber in eine längere Korrekturphase übergehen. Allzeithochs sind zwischenzeitlich möglich.
Die aufkeimende Euphorie könnte allerdings verfrüht sein. Ende April hatte Scott Bessent noch gewarnt, dass es zwei bis drei Jahre dauern könnte, bis ein vollständiges Handelsabkommen mit China verhandelt und geschlossen sei. Und auch historische Daten zeigen, dass es eine ganze Weile dauern könnte, bis die zuletzt hochgezogenen Zoll-Barrieren fallen. Im Durchschnitt der letzten
Jahrzehnte dauerte es rund 18 Monate, also eineinhalb Jahre, bis die Vereinigten Staaten ein bilaterales Handelsabkommen schließen konnten. Etwas schneller ging es beim letzten Deal mit China im Jahr 2020, als man rund 14 Monate lange verhandelte.
Dass die USA nach Trumps globalem Zoll-Rundumschlag nun fast 200 Handelsvereinbarungen mit einzelnen Staaten treffen müssen, nährt die Skepsis um eine baldige Lösung der Zollprobleme. Zwar dringen aus dem Weißen Haus zuletzt immer wieder Informationen über fortschreitende Verhandlungen mit unterschiedlichen Staaten nach außen, die zuletzt angesetzte Zollpause von 90 Tagen dürfte historisch gesehen aber kaum reichen, um sich zumindest mit den wichtigsten Handelspartnern zu einigen. Der Zoll-Poker geht also vorerst weiter, die Unsicherheit am Aktienmarkt bleibt bestehen. Kein Wunder, dass der Goldkurs aktuell wieder Stärke zeigt.




