Vor einer Woche erreichte der Goldpreis ein neues Allzeithoch bei rund 3500 US-Dollar, seitdem hat das Edelmetall gute sechs Prozent korrigiert. Zuvor war der Goldpreis seit Dezember steile 35 Prozent in die Höhe geschossen. Diese ungewöhnlich hohe Volatilität der war von Unsicherheiten um Donald Trumps Zollpolitik und einen drohenden globalen Handelskonflikt befeuert worden. Risiko-Assets wie Tech-Aktien, Bitcoin und Altcoins fielen deutlich, während das weithin als Rezessionsschutz geltende Gold so rasch an Wert gewann wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Selbst Zentralbanken erhöhten ihre Goldreserven massiv, allen voran die chinesische. Nun aber scheint sich der Zollstreit zwischen China und den USA zu entspannen. Für den Goldpreis könnte damit ein langer Abverkauf beginnen.
Trumps China-Chaos: Gold überhitzt
Wenn die internationalen Finanzmärkte eine Sache nicht leiden können, dann ist es anhaltende Unsicherheit. Wenn Unternehmen ihre Investitionen wegen geopolitischer oder wirtschaftlicher Spannungen nicht planen können, verlieren Anleger das Vertrauen in ihre Aktien. Wenn die Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft stagniert, reduzieren Börsianer das Risiko und verkaufen volatile Wertpapiere. In Zeiten der Unsicherheit ist Risk-Off die Devise, also die gezielte Reduktion des Risikos im eigenen Portfolio, indem schwankungsanfälligere Assets wie etwa Tech-Aktien oder Kryptowährungen abgestoßen und dafür vermeintlich sichere Anlageklassen wie Gold, Staatsanleihen oder reine Cash-Reserven akkumuliert werden.
Der Volatilitäts-Index VIX, der Unsicherheit am Markt anzeigt, erreichte Höhen wie zur Corona-Krise. Der S&P500 (blau) korrigierte stark.
Genau das ist seit Anfang des Jahres zu beobachten. Einer der wichtigsten Auslöser für diese Verschiebung in der allgemeinen Börsenstimmung ist Trumps Hin und Her im Zollkrieg mit China. Erst verkündete Trump am selbst ausgerufenen Liberation Day Anfang des Monats massive Zollerhöhungen für den Handelspartner in Fernost. Zwar verhängte der US-Präsident gegen nahezu alle Länder der Welt exorbitante Einfuhrgebühren; China aber nahm er besonders hart an die Kandare – und verschärfte seine Gangart in den folgenden Wochen. Bis auf rund 150 Prozent schraubten Trump und der chinesische Staatschef Xi im Zoll-Pingpong die wechselseitigen Einfuhrkosten nach oben, ein Ende schien lange nicht in Sicht.
Während große Aktien-Indizes in den Vereinigten Staaten vor lauter Unsicherheit und Pessimismus auf Bärenmarkt-Niveaus zurücksetzten, zog der Goldpreis in dieser Phase kräftig an. Der steile Anstieg allerdings erscheint rein technisch gesehen nicht nachhaltig, eine preisliche Abkühlung war bereits vor dem jüngsten Abverkauf zu erwarten. Darauf ließen auch Indikatoren wie etwa der Relative-Stärke-Index RSI oder der Momentum-Indikator MACD schließen, die mit der Rallye im ersten Quartal in deutlich überhitztes Territorium vorstießen. Für gewöhnlich folgt im Goldpreis auf derart steile Anstiege eine längere Konsolidierung oder sogar Korrektur. Katalysatoren dafür könnten China und die USA schon bald liefern.
Chinas Memes: Bitcoin-Rallye?
Seit etwa einer Woche scheint sich Donald Trump um Entspannung im Zollstreit mit China zu bemühen. In öffentlichen Statements vor Medienvertretern und auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social betonte Trump mehrfach, dass Verhandlungen mit Chinas Präsident Xi Jinping eingeleitet worden seien und die Gespräche konstruktiv verliefen. Etwas peinlich war für das Weiße Haus die sofortige Riposte des chinesischen Außenministeriums, das Mitte vergangener Woche ausdrücklich darauf hinwies, dass es keinerlei Austausch, geschweige denn Annäherungen zwischen beiden Staaten gebe gebe.
Die Märkte reagierten erneut verunsichert, die Volatilität aber hielt sich in Grenzen. Dennoch bleibt die Gold-Nachfrage hoch, denn weltweit diversifizieren Zentralbanken ihre Reserven zum Nachteil der US-Staatskasse: Der Anteil ausländischer Bestände an US-Staatsanleihen sank kürzlich auf 23 Prozent der US-Staatsverschuldung, den niedrigsten Stand seit 22 Jahren. Das bedeutet, dass immer weniger Geld für neue Schulden aus dem Ausland gewonnen werden kann.
Im letzten Zyklus erreichte der Gold-RSI dreimal überkaufte Niveaus, bevor das Kapital in Bitcoin floss. Wiederholt sich das Muster?
Gleichzeitig stieg der Goldanteil an globalen Währungsreserven auf 18 Prozent, ein 26-Jahres-Hoch. Besonders China stockt auf: Seit 2023 verdoppelte sich der Goldanteil seiner Reserven. Gleichzeitig soll China US-Dollar-Reserven in großem Stil abstoßen, was ein Grund für die aktuell rasante Abwertung des US-Dollars sein könnte. Der wirtschaftliche Konflitk zwischen China und den USA findet längst auch online statt: Während Trump betonte, dass sich die Zollverhandlungen „sehr gut“ entwickelten und die finalen Zölle „weit entfernt“ sein würden von den jüngst erreichten 145 Prozent, schoss China mit Provokationen über Social Media zurück.
Rasch nach Trumps Liberation Day kursierten im Netz KI-generierte Memes, die Amerikaner (unter anderem auch Donald Trump) dabei zeigen, wie sie in Massen-Fabriken an kleinen Nähmaschinen sitzen. Damit machten sich chinesische Online-Kanäle über Trumps Forderungen lustig, die Industrie in die Vereinigten Staaten zurückzubringen. In staatlichen chinesischen Medien wurde Trump als „Herr der ewigen Zölle“, „10 000-Zölle-Opa“ oder auch „König Naseweis“ verspottet.
Bessent: China-Deal „dauert Monate“
Trotz dieser Provokationen kündigte die Führung im Weißen Haus an, die Zölle bald senken zu wollen. Mitte der Woche sagte US-Finanzminister Scott Bessent, dass die hohen Zölle gegen China nicht nachhaltig seien und bald gesenkt werden sollten. Donald Trump selbst deutete kurz darauf in einer Aussendung des Weißen Hauses an, dass die Einfuhrabgaben zeitnah reduziert werden könnten. Sollten die USA tatsächlich zurückrudern und China so an den Verhandlungstisch bekommen, könnte sich auch die Stimmung an den Finanzmärkten erholen.
Der Goldpreis (gelb) steigt während Ethereum in seiner Bitcoin-Bewertung (weiß) stetig fällt: Anleger tendieren zu risikoarmen Assets.
Bereits in der vergangenen Woche sorgte die sich abzeichnende Entspannung im Zollkonflikt für deutlich gesteigerte Nachfrage im Kryptomarkt, Bitcoin stieg nach der Korrektur in Richtung 74 000 Dollar im März zurück in Richtung 95 000 Dollar. Setzt sich das wirtschaftspolitische Tauwetter zwischen Trump und Xi auch in den kommenden Wochen fort, könnte der Risiko-Appetit rasch an die Börsen zurückkehren. Profitieren dürften dann vor allem Tech-Aktien und Altcoins, die in der Unsicherheit der vergangenen Wochen besonders heftig abgestraft wurden. Voreiliger Optimismus aber scheint noch nicht angebracht. Laut US-Finanzminister Scott Bessent könnte es bis zu einem Handelsabkommen mit China „mehrere Monate dauern“.



