Ende Oktober sagte Elon Musk, dass Trumps Zollpläne kurzfristig schmerzhaft würden für Konsumenten und Anleger. Ob er dabei auch an seine eigene Firma Tesla dachte, wird sein Geheimnis bleiben. Fakt ist, der Schmerz ist da. Bilder geistern durch Social Media von Eierkartons, die zwölf Dollar kosten. Die großen US-Indizes haben in den vergangenen Tagen die schärfsten Korrekturen seit vielen Monaten hingelegt. Anleger sind zutiefst verängstigt, Rezessionsprognosen haben wieder Hochkonjunktur. Und auch Tesla bleibt von der Panik nicht verschont: Rund 55 Prozent fiel Tesla von der Spitze kurz nach Weihnachten bis zum Tief Anfang dieser Woche. Ein Grund dafür ist die breite Angst im Aktienmarkt. Aber auch die Geschäftszahlen von Tesla waren zuletzt schwach, Elon Musk vergrault Kunden. Ist das eine historische Einstiegschance? Oder nur ein Griff ins fallende Messer?
Tesla schwächster Mag-7-Wert
Um die staatliche Unterstützung muss Tesla sich schon mal keine Sorgen machen. Vor wenigen Stunden ließ sich Trump von seinem zahlungskräftigen Edelfan Musk ein Tesla-Modell empfehlen. Dafür veranstaltete Trump eine Art öffentliche Verkaufsshow vor dem Weißen Haus und ließ gleich mehrere Wagen vorfahren, von denen er sich schließlich ein rot lackiertes Model S aussuchte. „Alles Computer, das ist schön. Wow“, schwärmte Trump beim Blick ins Cockpit seiner Neuerwerbung und erklärte, dass er seiner Enkelin schon im vergangenen Jahr einen Cybertruck gekauft habe. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Trump bei seiner Antrittsrede die Rückkehr zum Verbrenner forderte und ankündigte, Förderungen für Elektroautos zu streichen.
Heute hört sich das alles schon ganz anders an: „Ich liebe Tesla“, flötete Trump und verwies auf die Preise der günstigeren Modelle ab 35 000 US-Dollar, was „ziemlich wenig ist“. Elon Musk lobte der US-Präsident bei dieser Gelegenheit für seinen Pioniergeist und ausgeprägten Patriotismus. Außerdem stufte er Angriffe auf Teslas Infrastruktur als „inländischen Terrorismus“ ein – folglich gibt es für Störaktionen von Tesla-Werken künftig deutlich härtere Strafen. Und dann ist da ja noch Elon Musks Behörde für Regierungseffizienz mit dem fantasievollen Namen DOGE (engl.: Department of Government Efficiency), die seit Trumps Angelobung ein deutliches Wörtchen bei Staatsausgaben mitzureden hat. Kritiker vermuten, Musk könnte über diese Verbindung ins Weiße Haus Staatsgelder für Tesla bekommen.
Ob man das jetzt gut findet oder nicht – objektiv gesehen kann es dem Unternehmen kaum schaden, wenn ihm die unmittelbare Unterstützung der weltgrößten Wirtschaftsmacht zuteilwird. Man sollte meinen, die ostentative Fürsprache von höchster Stelle müsste Anlegern Sicherheit und Zuversicht vermitteln. Genau das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein. Seit Jahresbeginn wurde der massive Tesla-Anstieg nach Trumps Wiederwahl im November wieder vollständig abverkauft, Tesla notierte Anfang der Woche so tief wie im Oktober letzten Jahres. Und dazwischen lag immerhin eine Rallye von 130 Prozent. Natürlich war Tesla mit seiner scharfen Korrektur in den letzten Wochen nicht allein. Bei Elon Musks E-Auto-Giganten fiel sie aber deutlich stärker aus als beim Rest der Magnificent Seven.
Die Tesla-Aktie hat seit dem Top im Dezember mehr als 50 Prozent an Kurswert verloren. Die Korrektur dürfte sich weiter fortsetzen.
Zum Vergleich: Microsoft setzte seit dem Top Anfang Dezember rund 17 Prozent zurück, ebenso wie Apple seit dem Allzeithoch Anfang Januar. Meta verlor seit dem jüngsten Allzeithoch Anfang Februar rund 20 Prozent, rund einen Prozentpunkt setzte Amazon im selben Zeitraum zurück. Nvidia büßte seit Mitte November immerhin 30 Prozent ein, bei der Google-Mutter Alphabet waren es seit dem letzten Rekordhoch Anfang Februar ebenfalls gut 20 Prozent. Dass die Tesla-Aktie mit Abstand am heftigsten litt, könnte man charttechnisch daraus herleiten, dass sie rund um Trumps Amtseinführung auch am stärksten angestiegen war – erneut mit deutlichem Abstand. Es gibt aber auch einige fundamentale Probleme, die aktuell auf dem Wertpapier des weltgrößten E-Fahrzeug-Herstellers lasten. Etwa die schwachen Quartalszahlen oder globale Umsatzrückgänge.
Ist Elon Musk das Problem?
Schon das Jahr 2024 hatte für Tesla nicht besonders gut begonnen. Im ersten Quartal verzeichnete man den größten Umsatz-Rückgang seit 2012, das zweite lief nicht viel besser: Der Nettogewinn brach um satte 42 Prozent ein, der Umsatz mit Fahrzeugen war ebenfalls rückläufig. Schon damals zeichnete sich ab, dass Elon Musks offensive und millionenschwere Wahlkampfhilfe für Donald Trump weite Teile der Tesla-Kundschaft gar nicht gefallen würde. Zum ersten Mal seit Jahren fiel Teslas Marktanteil in den Vereinigten Staaten bei Elektroautos unter 50 Prozent, noch 2023 war man bei rund 60 Prozent gelegen. Nach Trumps Wiederwahl und seinen ersten streitbaren Entscheidungen verschärfte sich die Kontroverse um Tesla rasant, die Marke wurde für Kritiker zum Symbol für Trumps Obrigkeitspolitik zugunsten mächtiger Tech-Milliardäre.
Auf Social Media kursieren Bilder von fingierten Straßenschildern in US-amerikanischen Großstädten, die Hundehaltern nahelegen, die Exkremente ihrer Haustiere in Tesla-Modellen zu entsorgen. Fotos geistern durchs Internet von Cybertrucks, die mit Hakenkreuzen beschmiert werden. Während diese Art des Protests den E-Auto-Giganten kaum beeindrucken dürfte, scheint sich die wachsende Tesla-Abneigung in Europa bereits auf die Nachfrage auszuwirken. Im Auftrag des deutschen Auto-Magazins Automobilwoche wurde im Januar eine Umfrage durchgeführt, bei der zwei Drittel der Befragten in Deutschland angaben, dass Elon Musks politische Äußerungen für sie dagegensprächen, ein Tesla-Modell zu kaufen.
Autoexperte Christian Riedl von der Marktforschungsagentur Civey, die die Umfrage durchgeführt hatte, erklärte der Automobilwoche: „Kaum ein anderes Unternehmen ist so eng mit seinem CEO verbunden, wie Tesla mit Elon Musk – eine Verbindung, die Fluch und Segen zugleich ist“. Diese Polarisierung berge „erhebliche Risiken für die Marke, da sie das Produkt – in diesem Fall die Fahrzeuge – in den Hintergrund rückt“. Einfach gesagt: Solange Musk ein gutes Image hat, läuft der Laden. Wenn sich das aber ändert, kommen die Verkäufe ins Stocken. Und genau das ist gerade vor allem in Europa zu beobachten, wo Trumps aggressive Zoll- und Außenpolitik, die Elon Musk mit markigen Worten auf seiner Kurznachrichten-Plattform X unterstützt, für Unmut sorgt.
Morgan Stanley: Tesla-Aktie auf 800 Dollar?
In Deutschland sank der Tesla-Absatz im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent auf gut 37 000 Fahrzeuge. 2023 waren noch mehr als 63 000 Teslas in der Bundesrepublik verkauft worden. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden im vergangenen Monat Februar gut 76 Prozent weniger Teslas in Deutschland zugelassen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, bereits im Januar war diese Statistik um fast 60 Prozent gesunken. Aber auch international stottert der Motor gehörig: 2024 verzeichnete Tesla den ersten Rückgang seit Jahren beim Verkauf seiner Modelle, wenn auch einen kleinen. Rund 1.79 Millionen Fahrzeuge verkaufte man letzte Jahr und damit gut 19 000 weniger als 2023. Im selben Zeitraum steigerte der große chinesische Konkurrent BYD seine Verkäufe reiner Elektroautos um satte 41 Prozent auf 1.76 Millionen Stück.
Ist das nun ernsthafter Grund zur Sorge? Nun, Elon Musks politische Kapriolen dürften dem Absatz auch weiterhin nicht unbedingt zuträglich sein, rein technisch aber überzeugt Tesla weiterhin. Mit 1.09 Millionen verkauften Einheiten war das Model Y 2024 das weltweit meistverkaufte Auto und wiederholte damit seine Spitzenposition von 2023, als man allerdings noch mehr als 1.2 Millionen Model Y abgesetzt hatte. Trotz dieser durchwachsenen Statistiken müssen sich Anleger vorerst keine Sorgen machen – zumindest, wenn es nach der Investmentbank Morgan Stanley geht. Deren Analyst Adam Jonas hält Tesla laut einem jüngst veröffentlichten Bericht weiterhin für die „beste Wahl“ im US-Autosektor. Laut Jonas‘ Bericht sieht Morgan Stanley „Spielraum für die Aktien, um unseren Bear Case von 200 US-Dollar und unseren Bull Case von 800 US-Dollar innerhalb der nächsten zwölf Monate zu testen.“
Laut unserer Analyse steht Tesla nach der kleinen Gegenbewegung den vergangenen Handelsstunden schon bald der nächste größere Abverkauf bevor. Dabei dürfte es bis hinab zum avisierten Tief der türkisen Abwärtswelle 3 gehen, das wir unterhalb der Unterstützung bei $212.85 erwarten. Nach dem darauffolgenden, korrektiven Anstieg der gleichfarbigen Welle 4 sollte die Aktie in der finalen Korrekturbewegung dieses türkisen Fünfteilers zum übergeordneten Tief der magentafarbenen (3) fallen. Übergeordnet wähnen wir Tesla laut Tageschart in der blauen Korrekturwelle (II), die mittelfristig noch Platz nach unten hat. Nach deren Tief dürfte der impulsive Anstieg der blauen (III) auf neue Rekordstände führen. Unsere Abonnenten erhalten sowohl für das Welle-(II)-Tief als auch für das avisierte Welle-(III)-Top konkrete Zielzonen mit genauen Preiskoordinaten für etwaige Ein- und Ausstiege. Nachdem wir vergangene Woche mehrere Handelspositionen im Profit geschlossen haben, sind wir aktuell nicht mehr in Tesla investiert.


Trump ließ vor dem Weißen Haus mehrere Tesla-Modelle vorfahren, kaufte gleich ein rotes Model S und lobte Musk als großen Patrioten.
Tesla genießt nun staatlichen Schutz: Aktivistische Angriffe stufte Trump als Terrorismus ein, Elon Musks DOGE-Behörde kontrolliert Staatsgelder.
2022 weihte Bundeskanzler Olaf Scholz mit Elon Musk die Tesla-Fabrik in Grünheide ein. Jetzt brechen die deutschen Tesla-Käufe ein.
Aktuell durchläuft die Tesla-Aktie die lange Korrekturbewegung der blauen Welle (II). Anschließend kann die Impulswelle (III) neue Allzeithochs erreichen. 

