China treibt die Edel- und Industriemetall-Märkte vor sich her. Am stärksten betroffen sind in den letzten Wochen und Monaten Kupfer und Gold. Seit den Rekordhöhen im Mai, als die Kupferpreise auf ein Allzeithoch stiegen, hat sich der Markt stark verändert. Jahrelang importierte China rund 300 000 Tonnen pro Monat mehr als es verkaufte. Ende 2023 kratzte man bei diesem Saldo sogar an der 400 000-Tonnen-Marke. Seit Anfang des Jahres sind Chinas Exporte von Kupfer allerdings in die Höhe geschossen. In den Vorjahren hatten die Kupfer-Exporte aus dem Reich der Mitte stets deutlich unter der monatlichen 50 000-Tonnen-Marke gelegen. Im Juni exportierte China rekordverdächtige 158 000 Tonnen raffiniertes Kupfer, ein Anstieg, der die vorherrschenden Bullen-Narrative im Kupfermarkt für viele Fundamentalanalysten in Frage stellte. Der Anstieg der chinesischen Kupfer-Exporte ist nicht nur Ausdruck einer schwachen Inlandsnachfrage, sondern auch eine Reaktion auf das überbordende Angebot auf dem Binnenmarkt. Die starken Exporte sind eine direkte Folge der gesättigten chinesischen Märkte und könnten zu einem akuten Überangebot auf den Weltmärkten führen.
Hat Kupfer-Gigant China keinen Hunger mehr?
Chinas Dominanz auf dem Kupfermarkt ist unbestritten. Das Land produziert etwa 5.9 Millionen Tonnen raffiniertes Kupfer pro Jahr, war auf der anderen Seite aber auch stets für seinen global unübertroffenen Kupfer-Hunger bekannt. In den letzten Jahren entbrannte ein regelrechtes Wettrennen mit den Vereinigten Staaten um das bronzene Industriemetall, hochrangige Politiker in den USA fordern immer wieder, China im Kampf um kritische Rohstoffe entschlossener die Stirn zu bieten. Zumindest bei Kupfer könnte sich dieses Problem nun vorerst in Wohlgefallen auflösen. Denn die chinesische Überproduktion, gepaart mit dem Ziel Pekings, übermäßige Bestände abzubauen, hat das weltweite Marktgleichgewicht durcheinandergebracht. Ungebrochen ist derweil die enorme Marktmacht Chinas, da der Rest der Welt trotz umfassender Investitionen und Bemühungen nicht in der Lage ist, die gleiche Verarbeitungs- und Fertigungskapazität zu erreichen. Laut einem kürzlich erschienenen Bericht der weltweit operierenden Marktanalyse-Firma Wood Mackenzie würde es „Hunderte von Milliarden Dollar an neuen Kapazitäten erfordern, um China zu ersetzen.“ Entsprechend einflussreich sind Chinas Export-Entscheidungen auf den Industriemetall-Sektor.
Rekord-Exporte von fast 160 000 Tonnen drückten Chinas Kupfer-SaldoChinas neue Zurückhaltung auf dem Kupfermarkt dürfte auch mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zusammenhängen, mit denen der fernöstliche Wachstumsmarkt schon seit dem Frühjahr konfrontiert ist. Vor allem der kriselnde Immobilien-Sektor macht der chinesischen Wirtschaft immer noch zu schaffen, zuletzt sah es aber danach aus, als würde man sich in Peking mithilfe erneuerbarer Energien aus dieser Misere retten. Mittlerweile ist China im Innovations-Wettrennen bei Windkraft, Solaranlagen und Elektro-Mobilität ganz vorne dabei. Im vergangenen Jahr dürften die zugehörigen Wirtschaftssektoren laut Schätzungen rund 40 Prozent des gesamten chinesischen Wirtschaftswachstums ausgemacht haben. Die chinesischen Boom-Sektoren sind angewiesen auf industriell unverzichtbare Metalle wie Silber oder eben Kupfer. Noch im März kürzte China seine Kupfer-Produktion und befeuerte damit weltweite Sorgen vor einer möglichen Verknappung. Nun schlägt das Pendel in die andere Richtung aus, der breite Markt bangt nun um die Kaufbereitschaft seines besten Kunden. Um Chinas Kupfer-Appetit wieder anzuregen, braucht es aber wohl erst wieder bessere ökonomische Zahlen.
Schwache Industrie und rückläufige Gold-Käufe
Diese Zahlen waren in der chinesischen Industrie im Juli so schwach wie seit einem halben Jahr nicht mehr – und wenn die Industrie weniger produziert, braucht sie auch weniger Rohstoffe. Gleichzeitig läuft die Produktion trotz der geplanten Kürzungen in China heiß: In der ersten Hälfte dieses Jahres produzierte China stolze 5.9 Millionen Tonnen Kupfer, was im Jahresvergleich einem Wachstum um 6.5 Prozent oder fast 360 000 Tonnen entspricht. China warf zuletzt zwar deutlich mehr Kupfer auf den Markt als in der jüngeren Vergangenheit, steigerte gleichzeitig aber auch seine eigenen Importe. So stieg das Einfuhr-Volumen beim Kupfer um 16 Prozent auf fast zwei Millionen Tonnen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Es hätte also eine extreme Steigerung der Binnennachfrage im Reich der Mitte gebraucht, um sowohl die gesteigerte Produktion als auch die stetig wachsenden Importe absorbieren zu können. Und das gab die schwächelnde Industrie in letzter Zeit einfach nicht her. Der plötzliche Ausbruch der Export-Zahlen dürfte allerdings nicht von allzu langer Dauer sein, die Daten scheinen sich schon wieder einzupendeln. Außerdem soll der Kupferbedarf in China weiter stetig wachsen, dieses Jahr um deutliche 2.5 Prozent. Bis 2025 soll der chinesische Kupferbedarf um rund 230 000 Tonnen steigen, schon jetzt verbraucht China fast 60 Prozent der weltweit verfügbaren Bestände.
Chinas Gold-Importe fielen im Juni auf den niedrigsten Stand seit zwei JahrenChinas plötzliche Metall-Sättigung macht sich aber nicht nur beim Kupfer bemerkbar. Denn auch auf dem Goldmarkt kippte die Stimmung zuletzt wegen schlechter Nachrichten aus Fernost. China schwang sich in den letzten Monaten zum größten Goldkäufer des Planeten auf, drosselte seine Goldimporte im Sommer aber ebenso unvermittelt wie drastisch. Im Juli fielen die Importe um 24 Prozent auf rund 45 Tonnen, den niedrigsten Wert seit über zwei Jahren. Noch im Februar waren die chinesischen Netto-Goldimporte auf über 200 Tonnen gestiegen, seither ging es stetig bergab. Im Juni des Vorjahres gelangten noch fast 150 Tonnen Gold ins Reich der Mitte. Diese Rückkehr zu niedrigeren Importzahlen folgt einem massiven Rückgang von 58 Prozent im Juni. Bemerkenswert ist diese Kursänderung vor allem, weil China in den letzten Monaten historisch große Goldreserven angehäuft hatte. So hat die chinesische Zentralbank ihre Reserven in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und sitzt aktuell auf gut 2200 Tonnen Gold – unverändert seit fünf Monaten. Denn auch das wichtigste chinesische Kreditinstitut hält seit fast einem halben Jahr auf dem Goldmarkt die Füße still. Trotz dieser Verunsicherung präsentierten sich die Börsenpreise von Gold und Kupfer in den letzten Tagen und Wochen widerstandsfähig. Wie es mit den wichtigsten Industrie- und Edelmetallen kurz- und langfristig weitergeht, erfahren Sie in unseren täglichen Analysen!





