„Krasses Jahr für Silber“: Wird Gold überflügelt?
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„Krasses Jahr für Silber“: Wird Gold überflügelt?

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Simeon Koch

Dass Silbermedaillen immer nur für den zweiten Platz vergeben werden, könnte der Dynamik im Edelmetall-Markt bald eklatant widersprechen. So dürfte der globale Silberbedarf zeitnah deutlich ansteigen, Silber könnte laut Experten gar seinen großen Bruder und ewigen “Konkurrenten” Gold überflügeln. Überhaupt gilt Silber seit einiger Zeit als unterbewertet, übersteigt die weltweite Nachfrage doch schon länger das verfügbare Angebot internationaler Produzenten. Ähnlich gefragt ist der Industrie-Allrounder Kupfer, dessen Markt nach Unsicherheiten in den letzten Wochen neuen Mut schöpft – und zwar dank des mittlerweile goldhungrigsten Staates der Welt: Dass die Gold-Nachfrage in China weiter steigt und das Reich der Mitte damit zum größten Markt für Goldschmuck avanciert, könnte auch die Märkte für Kupfer und Silber beflügeln – und das hat laut Marktkennern einen sehr einfachen Grund.

Gold-Nachfrage auf Allzeithoch

Die internationale Gold-Nachfrage hat im vergangenen Jahr ein Allzeithoch erreicht. Ganze 4899 Tonnen des Edelmetalls wechselten in den letzten zwölf Monaten den Besitzer, 2022 waren es noch rund 4700 Tonnen gewesen. An vorderster Front ist China für diesen Goldrausch verantwortlich. Zwei Jahre in Folge haben die Goldkäufe internationaler Zentralbanken die 1000-Tonnen-Marke überschritten, allein auf das staatliche Kreditinstitut Chinas entfielen 225 Tonnen, womit die People’s Bank of China nun auf ganzen 2235 Tonnen Gold sitzt. Neben der wirtschaftlichen Unsicherheit und den kürzlichen Kapriolen auf dem Aktienmarkt hatte laut Marktbeobachtern auch der Goldhunger der chinesischen Zentralbank einen starken Einfluss auf die private Nachfrage. So stiegen die Investitionen in Goldbarren und Münzen vergangenes Jahr um nahezu ein Drittel auf rund 280 Tonnen. Außerdem wurden in China zuletzt über 600 Tonnen Goldschmuck gekauft, was die Volksrepublik zum größten Absatzmarkt der Welt avancieren ließ – noch vor dem bisherigen Spitzenreiter Indien.

Anhaltende geopolitische Unsicherheit, eine Verzögerung der Zinskürzung durch die nordamerikanische Zentralbank und auch die nach wie vor unsichere wirtschaftliche Situation in China dürften die Gold-Nachfrage vorerst auf hohem Niveau halten. Und doch könnte Silber dieses Jahr das schnellere Pferd haben. Ein sehr einfacher Grund dafür liegt in der historischen Marktdynamik unter Edelmetallen, wie Randy Smallwood, Präsident des börsennotierten kanadischen Edelmetall-Konzerns Wheaton Precious Metals bemerkt: „Genau das ist es, was Silber normalerweise macht – es bewegt sich gemeinsam mit Gold, aber eben mit etwas Verspätung“. Das Silver Institute, eine internationale Nonprofit-Organisation mit zahlreichen Mitgliedern aus der gesamten Silber-Industrie, sieht aber weitere Auslöser für einen Boom um das Metall – mit Blick auf absehbare wirtschaftliche Erholung wichtiger Industriestandorte: „Eine stärkere industrielle Abnahme ist ein Hauptkatalysator für die steigende weltweite Nachfrage nach dem weißen Metall. Wir denken, dass Silber ein krasses Jahr haben wird, besonders hinsichtlich der internationalen Nachfrage!“

Knappheit auf dem Silbermarkt – und bald Rekordpreise?

Beitragen soll dazu eine Zunahme der Silbernutzung für Haushalts- und Industrieelektronik, laut dem Silver Institute soll der Silberbedarf „um ein Prozent steigen, gefördert durch anhaltende Stärke industrieller Endverbraucher und einer Erholung bei privaten Käufen“. In der industriellen Silberproduktion werde „für 2024 einen Anstieg um vier Prozent auf den Rekordwert von 690 Millionen Unzen prognostiziert“. Als wichtigste Wachstumstreiber gelten „auch in diesem Jahr die Photovoltaik- und die Automobilindustrie“. In absoluten Zahlen bedeute das einen Bedarf an 1.2 Milliarden Unzen, das globale Angebot liege mit rund einer Milliarde Unzen allerdings deutlich darunter – beste Voraussetzungen also für ansteigende Preise: „Der Silbermarkt wird den Prognosen zufolge auch 2024 einen Nachfrageüberschuss und damit das vierte Jahr in Folge ein strukturelles Marktdefizit aufweisen.“ Obwohl das diesjährige Defizit dem Bericht zufolge leicht zurückgehen und nunmehr 176 Millionen Unzen betragen dürfte (nach 194 Millionen ‚fehlenden‘ Unzen im Jahr 2023), werde die Nachfrage das Angebot in einem Ausmaß übersteigen, das „im historischen Vergleich immer noch außergewöhnlich hoch“ sei.

Infolge potenzieller Zinskürzungen, die Jerome Powell als Präsident der nordamerikanischen Zentralbank für die nächsten Monate angekündigt hat, könnte sich einmal mehr eine negative Korrelation zwischen Gold und Silber zeigen: Während Gold in wirtschaftlich sicheren Zeiten weniger Aufmerksamkeit bekommt, weil es in konjunkturellen Aufschwüngen verglichen zu Anleihen oder vielen Aktien geringere Wachstumsraten und keine laufende Rendite erzielt, wächst der Silberbedarf, wenn sich Makroökonomie und die Industrie erholen. Dasselbe gilt für Kupfer. Auch hier könnte es laut Analysten zu einer angespannten Versorgungslage kommen, weil Kupferbestände in wichtigen internationalen Lagerstätten zur Neige gehen. Hält die jüngste Erholung der chinesischen Wirtschaft an, dürfte auch Kupfer in diesem Jahr rekordverdächtig nachgefragt werden, schließlich braucht das Reich der Mitte Unmengen des Industriemetalls für Militär- und Sicherheitszwecke sowie für den Ausbau erneuerbarer Energien, der künftig ebenso forciert werden soll. Ohnehin gilt Chinas energie- und materialhungrige Wirtschaft seit Jahren als Treiber der Rohstoffmärkte.

China und die Zukunft brauchen Kupfer

Der Kupferverbrauch stieg in China im letzten Jahr um deutliche neun Prozent, während die Förderung in einigen der größten Kupferminen in Chile, Indonesien und China selbst stockte. Bereits in der Vergangenheit zeichnete China für beachtliche 54 Prozent des weltweiten Kupferverbrauchs verantwortlich, künftig will man ganze 40 Prozent der nationalen Stromerzeugungskapazitäten mit Wind- und Solarenergie decken. Angesichts dieser Zahlen ist es verständlich, dass der Kupfermarkt mit Argusaugen nach China blickt, wo der angeschlagene Aktienmarkt am Dienstag den größten Tagesgewinn seit zwei Jahren verzeichnete. Auch milliardenschwere Konjunkturmaßnahmen der chinesischen Regierung, die der heimischen Wirtschaft nach dem verhaltenen Wachstum der letzten Monate wieder Leben einhauchen sollen, sorgen für Optimismus unter Kupferkäufern. An diesem aufstrebenden Markt wollen natürlich auch die reichsten Männer der Welt partizipieren: Anfang der Woche verkündete das Minen-Startup KoBold, an dem unter anderem Bill Gates und Jeff Bezos beteiligt sind, dass man in Sambia eines der größten Kupfervorkommen der Landesgeschichte aufgetan habe. Mithilfe Künstlicher Intelligenz will die Firma ab 2030 Hunderttausende Tonnen Kupfer fördern. Während Gates und Bezos bei ihrer Mine noch warten müssen, können unsere Abonnenten jetzt schon die optimalen Einstiege in die Kupfer-, Silber- und Goldmärkte finden. Unsere täglichen Analysen beinhalten rechtzeitige Signale für lukrative Käufe.

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Simeon Koch

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