MicroStrategy, einer der größten institutionellen Bitcoin-Besitzer der Welt, und der Software-Shootingstar Palantir stehen offenbar kurz vor einer Aufnahme in den Top-100-Index der US-Technologiebörse Nasdaq. Das geht aus einer Bekanntmachung der Bloomberg-Analysten Eric Balchunas und James Seyffart hervor. Seyffart und Balchunas hatten Ende letzten Jahres die Zulassung der Bitcoin-Spot-ETFs vorhergesagt und lagen auch bei ihrer Prognose für den Ethereum-ETF im Mai richtig.
Bereits am 23. Dezember sollen MicroStrategy und Palantir in die elitäre Tech-Riege des Nasdaq aufrücken, wo sich bereits Granden wie Nvidia, Microsoft oder Apple tummeln. Ausscheiden sollen dafür der Pharma-Riese Moderna und der skandalumwitterte Chip-Hersteller Super Micro Computer. Die offizielle Bekanntgabe erwartet Eric Balchunas schon am kommenden Freitag. Für Palantir und MicroStrategy ist die Aufnahme ein Meilenstein – und der Garant hoher Aktien-Nachfrage in naher Zukunft.
Ritterschlag für Michael Saylor und Alex Karp?
MicroStrategy machte in den letzten Wochen vor allem mit seiner ebenso ambitionierten wie waghalsigen Bitcoin-Strategie auf sich aufmerksam: Von Jahresbeginn bis Mitte November verzehnfachte sich der Kurswert des MSTR-Papiers, weil das Software-Unternehmen unter der Ägide von Geschäftsführer Michael Saylor seit dem ersten BTC-Kauf im Sommer 2020 zu einem der größten Bitcoin-Besitzer überhaupt aufstieg. Institutionelle Anleger können häufig wegen regulatorischer Einschränkungen nicht direkt in Bitcoin investieren und weichen deshalb auf MicroStrategy aus, dessen Unternehmenswert sich wegen der großen BTC-Bestände sehr ähnlich wie der Bitcoin bewegt.
Während Michael Saylor auf X (vormals Twitter) immer neue BTC-Käufe ankündigt und dafür sogar Wandelanleihen ausgibt, die externen Anlegern Aktien-Optionen versprechen, werfen Kritiker dem Unternehmen vor, ein Schneeballsystem aufzuziehen. Saylor selbst zeigt sich von diesen Bezichtigungen unbeeindruckt und dürfte die absehbare Aufnahme in den Nasdaq als weitere Bestätigung seines kühnen Krypto-Coups verstehen.
Auch um den zweiten großen Nasdaq-Aspiranten Palantir war es in den letzten Wochen alles andere als ruhig. Ende Oktober präsentierte der Software-Entwickler verblüffend starke Geschäftszahlen, steigerte seinen Quartalsumsatz um 30 Prozent und den Nettogewinn sogar um mehr als die Hälfte. Palantir-CEO Alex Karp warnte Anfang November: „Die Welt spaltet sich immer weiter zwischen denjenigen, die KI sinnvoll einsetzen und denen, die es nicht tun“ und fügte selbstbewusst an: „Palantir ist für Gewinner“.
Ein weiterer kleiner Sieg für Palantir ist die von Eric Balchunas und James Seyffart prognostizierte Zulassung zum Nasdaq-100-Index. Schon Mitte November hatte Palantir bekannt gegeben, die New Yorker Börse (NYSE) zu verlassen, um an die Technologie-Börse Nasdaq zu wechseln, an der die PLTR-Aktie seit dem 26. November gehandelt wird – bisher aber eben noch nicht im prestigeträchtigen Nasdaq-100-Index.
Schneeballsystem und Kriegsgewinnler: Kontroversen im Nasdaq
Obwohl das rasante Wachstum der Aktien von Palantir und Microstrategy deren Aufnahme in den Technolgie-Index rechtfertigen, bleiben beide Unternehmen umstritten. Während MicroStrategy nachgesagt wird, mithilfe von Fremdkapital den Bitcoin-Preis zu manipulieren und damit den Kurswert der eigenen Aktie künstlich in die Höhe zu treiben, steht Palantir wegen des Einsatzes seiner Technologie in Kriegsgebieten in der Kritik.
So stößt etwa die enge Zusammenarbeit mit dem israelischen Militär im schwelenden Nahost-Konflikt auf öffentlichen Widerstand. Der englische Gesundheitsdienst NHS erlebte heftigen medialen Gegenwind wegen einer geplanten Kooperation mit Palantir. Alex Karp kann diese ganze Aufregung offenbar nicht nachvollziehen. Schließlich sei es „kein Problem, wenn unsere Feinde sterben“, wie Karp im Oktober selbstbewusst verkündete.
Palantir-Kritikern dürften bei derart markigen Worten die Haare zu Berge stehen, Palantirs Popularität tut die Extravaganz des Geschäftsführers aber keinen Abbruch. Erst kürzlich gab Palantir eine Partnerschaft mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Shield AI bekannt, das mithilfe Künstlicher Intelligenz autonome Pilotensysteme für Flugzeuge und Drohnen baut. Kurz darauf sickerte durch, dass man auch mit dem KI-Unternehmen Anduril kooperiert, um gemeinsam die nationale KI-Infrastruktur der Vereinigten Staaten zu verbessern.
Beide Nachrichten sorgten bei Palantir-Anlegern für Euphorie, denn offenbar verzeichnet der streitbare Software-Shootingstar sowohl in der militärischen als auch in der zivilen Branche – also in den beiden Kernmärkten des Unternehmens – erhebliche Fortschritte. Die vielleicht beste Nachricht kam kurzfristig aber aus dem Verteidigungsministerium der USA.
Dort soll Shyam Sankar, der leitende Technologiedirektor bei Palantir, unter Donald Trump eine führende Rolle bei militärischer Forschung und Entwicklung spielen. Schon vor der Wahl war gemutmaßt worden, dass Palantir im Falle eines Trump-Sieges massiv von der neuen Regierung profitieren könnte.
Rallye bei Palantir und Microstrategy durch Nasdaq-Listung?
Die Aufnahme in den Nasdaq-100 erhöht nicht nur die Sichtbarkeit und Reputation der beiden Unternehmen. Auch steigt die Nachfrage durch Fonds, die den Index abbilden und dessen Zusammensetzung exakt wiedergeben müssen. Sobald eine Aktie in den Nasdaq-100 aufgenommen wird, sind diese Fonds gezwungen, die neue Aktie zu kaufen, um ihre Portfolios an den Index anzupassen. Im Fall von MicroStrategy rechnet Analyst James Seyffart mit Nettokäufen in Höhe von gut zwei Milliarden US-Dollar innerhalb kurzer Zeit. Das entspricht etwa 20 Prozent des täglichen Handelsvolumens der MSTR-Aktie.
Auch Daten der Vergangenheit legen nahe, dass eine Aufnahme in den Nasdaq-100 als Aktien-Booster wirken kann: Von 2014 bis 2023 wurden 85 neue Unternehmen in den Nasdaq-100 aufgenommen, im Durchschnitt standen die Kurse zwölf Monate nach dem Debüt um 17 Prozent höher. Palantir punktet zusätzlich durch seinen Platz im US-Leitindex S&P500, den die Aktie bereits Ende September eingenommen hat.
Für MicroStrategy dürfte der Traum vom S&P500 vorerst unerfüllt bleiben, obwohl schon Anfang des Jahres darüber spekuliert wurde. Laut James Seyffart wird es für MicroStrategy „aufgrund mangelnder Gewinne schwieriger“, in die Eliteklasse aufzusteigen. Ein Argument, dem Michael Saylors Kritiker nur zu gerne beipflichten dürften.


In der Nacht auf Mittwoch veröffentlichte Eric Balchunas auf X erste Informationen über die erwartete Nasdaq-100-Listung von MicroStrategy und Palantir.
Bloomberg führt MicroStrategy und Palantir als sichere Nasdaq-Neulinge. Bei MicroStrategy dürften initial Aktien im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar gekauft werden, bei Palantir sind es mehr als 3.7 Milliarden.

