„Die Welt spaltet sich“: Palantir-Drohung nach starken Zahlen
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„Die Welt spaltet sich“: Palantir-Drohung nach starken Zahlen

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Simeon Koch

Kaum waren die Märkte am Dienstag geöffnet, da schoss die Palantir-Aktie auch schon senkrecht nach oben und verzeichnete innerhalb eines halben Tages Zugewinne von fast 20 Prozent. Die Euphorie um das PLTR-Papier war bereits am Montagabend entfacht worden, als CEO Alex Karp nicht nur formidable Quartalszahlen präsentierte, sondern sich auch gewohnt angriffslustig zur offenbar rosigen Zukunft des Unternehmens äußerte. So hob Palantir die Profiterwartung für das aktuelle Geschäftsjahr einmal mehr deutlich an – kein Wunder bei Zuwächsen von mehreren Dutzend Prozent bei Umsatz und Nettogewinn allein im dritten Quartal. Nach der Aufnahme in den S&P500 Ende September hat Palantir auch mit Blick auf die nächsten Monate ausgezeichnete Nachrichten für seine Aktionäre.

„Palantir ist für Gewinner!“

„Wir haben aus diesem Quartal alles rausgeholt“, konstatierte Alex Karp am Montagabend stolz im Statement des Unternehmens zu den jüngsten Geschäftsergebnissen. Die Kritik am Geschäftsmodell und der Überwachungstechnologie von Palantir, die etwa vom israelischen und ukrainischen Militär verwendet wird, schmetterte Karp ab – und ließ wieder einmal keinen Zweifel an seinem ausgeprägten US-Patriotismus. Schon Anfang Oktober hatte der Tech-Tycoon medienwirksam betont, es sei für ihn „kein Problem, wenn unsere Feinde sterben“ und meinte damit die geopolitischen Widersacher der Vereinigten Staaten. Aber auch in Sachen Innovation hält Karp große Stücke auf sein Heimatland. Schließlich habe Palantir seine hervorragenden Quartalszahlen vor allem einer „KI-Revolution“ zu verdanken, die „von den USA ausgeht und sich voll entfaltet hat“.

Für die Palantir-Aktie war der sprunghafte Anstieg ein gebührender Start in die grüne Impulswelle [iii]. In nächster Zeit dürfte es weiter aufwärts gehen.

Karps Lobeshymnen auf die Vereinigten Staaten sind wenig überraschend und geschäftlich durchaus clever. Immerhin ist die US-Regierung der wichtigste Kunde von Palantir: Von $726 Millionen Umsatz kamen allein $320 Millionen aus dem Weißen Haus, eine Zunahme von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Seine Freude über die nordamerikanische Vorreiterrolle in Sachen Künstliche Intelligenz kann man Karp also durchaus abnehmen. Und auch künftig werde sich der US-Vorsprung nur noch vergrößern, ist sich Karp sicher: „Die Welt spaltet sich immer weiter zwischen denjenigen, die KI sinnvoll einsetzen und denen, die es nicht tun. Palantir ist für die Gewinner!“

Palantir mit starkem Quartal – und großen Plänen

Was aber begeisterte die Anleger bei Palantir so sehr, dass am Dienstag ein kurzzeitiger Kaufrausch um das PLTR-Papier entbrannte? Anders als die Branchenkollegen Microsoft und Meta, die trotz guter Geschäftsergebnisse nachbörslich absackten, legte Palantir nicht nur starke Quartalszahlen hin, sondern bestach am Montag auch mit optimistischen Aussichten für die nähere Zukunft. In den drei Monaten von Juli bis September erwirtschaftete Palantir einen Umsatz von $726 Millionen und damit ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres. Im vierten Quartal plant man laut der neusten Prognose vom Montag sogar mit Umsätzen zwischen $767 und $771 Millionen. Bislang hatten Analysten für die anstehenden Wintermonate mit $741 Millionen gerechnet.

30 Prozent mehr Umsatz, 56 Prozent mehr Gewinn: Q3 lief rund für Palantir. Einziger Wermutstropfen: Umsätze mit Regierungs- und Privatkunden gehen auseinander.

Nicht nur mit den Aussichten fürs vierte, sondern auch mit den bereits feststehenden Zahlen im dritten Quartal übertraf Palantir durchweg die Erwartungen. Für den Gewinn je Aktie hatte die Wallstreet mit $0.09 gerechnet, Palantir erreichte sogar $0.10 und damit eine 43-prozentige Steigerung im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Nettogewinn stieg sogar um 56 Prozent auf $242 Millionen und lag ebenfalls über den Analystenschätzungen, die sich auf rund $222 Millionen belaufen hatten.

Ein kleiner Wermutstropfen ist für Palantir trotz steigender Einnahmen sowohl im privaten als auch im kommerziellen Sektor, dass diese beiden Standbeine wieder weiter auseinanderdriften. So wuchs das bei Palantir seit jeher starke Regierungsgeschäft um ein Drittel auf $408 Millionen, während der private Bereich mit einem Plus von 27 Prozent auf nun $317 Millionen leicht hinterherhinkt. Eine wichtige Ursache dafür dürfte auch sein, dass Palantirs internationale Umsätze im kommerziellen Bereich zuletzt wegen Absatzproblemen in Europa um sieben Prozent zurückgingen.

„Riesige KI-Nachfrage“: S&P500-Aufnahme erst der Anfang?

Nachdem Palantir im Frühjahr zum ersten Mal bereinigten Gewinn schreiben konnte, erfüllt das Unternehmen nun die Kriterien für eine Aufnahme in den S&P500, die Listung erfolgte am 23. September. Auch diesen Erfolg feiert der Software-Konzern vor allem wegen der starken Entwicklung auf dem US-Markt, die auch Alex Karp an seiner Heimat schätzt: „Die Geschwindigkeit, mit der Institutionen in den Vereinigten Staaten unsere Plattformen und Künstliche Intelligenz im Allgemeinen angenommen haben, war und ist auch weiterhin der Motor unseres Wachstums“, schrieb der Geschäftsführer in seinem Brief an die Anleger. Und tatsächlich scheint der Wachstumsmotor bei Palantir kräftig zu brummen: Für das aktuelle Jahr prognostiziert man ein bereinigtes operatives Ergebnis von gut $1.05 Milliarden. Analysten waren bisher von rund $980 Millionen ausgegangen.

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Simeon Koch

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