Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Kryptomarkt crasht kurz vor der Wahl
Die traditionelle Nervosität vor Wahlen in den Vereinigten Staaten kochte am Montag an den internationalen Börsen hoch und drückte die großen Indizes der USA einige Prozente gen Süden. Besonders heftig traf es hierbei auch Risiko-Anlagen, allen voran Kryptowährungen. Nach dem Vorstoß in Richtung $73 000 Ende Oktober fiel der Bitcoin am Montag unter $67 000 zurück. Deutlich stärker wurden Altcoins abverkauft: Ethereum knickte unter $2400, Solana notierte kurzzeitig unter $160, kleinere Kryptowährungen verloren teils mehrere Dutzend Prozent an Kurswert. Getrieben war der Abgabedruck von zahlreichen Anlegern, die vor der erwartbaren Volatilität rund um die Wahl das Risiko ihrer Positionen verringern wollten.
Zusätzlich schien den Kryptomarkt zu belasten, dass wenige Stunden vor der Wahl die Prognosen für einen Wahlsieg der Demokratischen Kandidatin Kamala Harris auf der Krypto-Plattform Polymarket anstiegen, nachdem Trump wochenlang deutlich geführt hatte. Zwar versicherte Harris während ihres Wahlkampfes, auf Krypto-Unternehmen zugehen zu wollen. Dennoch unterstützten viele Marktteilnehmer Trump, der in den letzten Monaten gleich mehrfach mit vollmundigen Bitcoin-Versprechen aufgefallen war. Kurz nach Trumps Wahlsieg erholten sich die Kurse: Bitcoin sprang auf ein neues Rekordhoch, die meisten Altcoins warten noch auf einen überzeugenden Ausbruch.
Dienstag – Alibaba-KI revolutioniert medizinische Forschung
Forscher aus China, Hongkong und Australien haben mithilfe einer KI-Lösung von Alibaba Cloud mehr als 160 000 neue RNA-Virusarten entdeckt. Die im Fachjournal Cell veröffentlichte Studie zeigt, wie das KI-Modell LucaProt genetische Daten analysiert und dadurch neue Virusarten in Sekundenschnelle identifiziert. Die KI beschleunigt so die Entdeckung bislang unerkannter Viren in Umgebungen von der Atmosphäre bis hin zu Tiefseequellen erheblich.
„Dieses KI-gesteuerte Vorgehen erhöhte unsere Effizienz und erweiterte die Vielfalt der identifizierten Viren erheblich und deutet darauf hin, dass Millionen weitere Viren auf ihre Entdeckung warten“, erklärte das Forschungsteam. Alibaba Cloud stärkt mit dieser Entwicklung seine Position als Vorreiter für den Einsatz von KI in der Biologie. „Der Erfolg dieses Modells setzt einen neuen Standard für datengetriebene Entdeckungen in den Biowissenschaften“, sagte Yong He, Algorithmus-Experte bei Alibaba.
Mittwoch – 20-Jahreshoch bei deutschen Firmenpleiten
Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland hat im Oktober mit 1530 Fällen einen 20-Jahres-Höchststand für diesen Monat erreicht. Dies entspricht einem Anstieg von 17 Prozent im Vergleich zum September und 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilte. IWH-Experte Steffen Müller sieht die Entwicklung als Folge der verheerenden Kombination „aus langanhaltender konjunktureller Schwäche und drastisch gestiegenen Kosten.“ Besonders betroffen sind Unternehmen aus dem Baugewerbe, dem Handel und dem Dienstleistungssektor.
Ein Großteil der Insolvenzen entfällt auf kleinere Betriebe, sodass die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bislang begrenzt sind. Große Insolvenzen blieben im Oktober aus, was die Zahl betroffener Arbeitsplätze relativ gering hielt. Für November und Dezember erwarten die IWH-Frühindikatoren eine leichte Entspannung, allerdings „weiterhin deutlich über dem Niveau von vor der Doppelkrise aus Pandemie und Kostenschocks,“ schloss Müller.
Donnerstag – BTC-Allzeithoch nach Zinssenkung und ETF-Rekord
Am Donnerstag haben die nordamerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs mit rund 18 000 BTC im Gesamtwert von $1.36 Milliarden den größten Zufluss ihrer Geschichte verzeichnet. Erst zum zweiten Mal nach den $1.04 Milliarden am 12. März überstiegen die Inflows die magische Milliardengrenze. Zum ersten Mal überhaupt verzeichnete ein einzelner ETF einen zehnstelligen Tageszufluss: Ganze $1.11 Milliarden oder 14 600 BTC entfielen auf BlackRocks IBIT. Der ETF-Rekord kam am selben Tag wie die lang erwartete zweite Zinssenkung der nordamerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed).
Nach der ersten Zinskürzung um 50 Basispunkte (0.5 Prozentpunkte auf 4.75 bis 5 Prozent) Mitte September wurde die Interest Rate nun um 25 Basispunkte auf 4.5 bis 4.75 Basispunkte reduziert. Die Märkte hatten eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bereits erwartet und weitgehend eingepreist. Dennoch erreichte der Bitcoin in der Nacht auf Freitag ein neues Allzeithoch über $76 600. Die Euphorie um Kryptowährungen wird aktuell von den Aussichten auf geldpolitische Lockerung befeuert. Risiko-Anlagen profitieren von einer Ausweitung der globalen Geldmenge, die wiederum durch eine Senkung des Zinsniveaus vorangetrieben wird.
Freitag – Solide Zahlen bei Aurora, Green Thumb, Curaleaf und Jazz
Die führenden Cannabis-Unternehmen Green Thumb, Jazz Pharmaceuticals und Curaleaf haben diese Woche ihre Zahlen für das dritte Quartal präsentiert. Der zweitgrößte US-Cannabisproduzent Curaleaf verzeichnete einen Umsatz von $331 Millionen, musste jedoch einem Nettoverlust von $44 Millionen hinnehmen. Geschäftsführer Boris Jordan beruhigte die Anleger, schließlich liege der „Fokus auf nachhaltigem, organischem Wachstum“, dabei seien kurzfristige rote Zahlen kein Beinbruch.
Der drittgrößte Player des nordamerikanischen Cannabis-Sektors, Green Thumb, meldete einen Umsatz von $287 Millionen, einen Nettogewinn von $9 Millionen und einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 31 Prozent des Umsatzes. CEO Ben Kovler zeigte sich zuversichtlich, trotz der guten Zahlen sei man mit dem eigenen Geschäftsmodell „noch immer am Anfang“. Gute Zahlen legte auch Jazz Pharmaceuticals vor, wo im dritten Quartal ein Umsatz von $1.05 Milliarden und ein Nettogewinn von $75 Millionen zu Buche standen. Das Unternehmen hob im Statement zum Quartalsergebnis das internationale Geschäft hervor, das mit einem Plus von 82 Prozent bestach.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!


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