Das Wichtigste in Kürze:
- Gerüchte um eine baldige Cannabis-Neubewertung sorgen für Kaufdruck
- Canopy Growth und Tilray stehen trotz starker Anstiege vor Herausforderungen
- Psychedelika profitieren ebenfalls und werden für Cannabis-Riesen interessant
Kommt in dieser Woche die lang ersehnte Neubewertung von Cannabis? Durchgesickerte Infos aus der US-Justizbehörde (Department of Justice) könnten darauf hindeuten. Gleichzeitig mischt eine Executive Order von Donald Trump den Markt für Alternativmedizin auf: Psychedelika sollen besser erforscht und reguliert werden.
Canopy Growth und Tilray profitieren vom Hype um ein mögliches Rescheduling, bleiben geschäftlich aber unter Druck. Psychedelika-Aktien rückten Mitte der Woche ins Rampenlicht und könnten für den Cannabis-Sektor wichtiger werden als gedacht.
Cannabis-Legalisierung: Geht die Tür jetzt auf?
Mitte der Woche berichteten mehrere US-Medien über durchgesickerte Behörden-Informationen über eine mögliche zeitnahe Neubewertung von Cannabis. Das Fundament dafür legte ein Dekret von Präsident Donald Trump bereits im Dezember. Darin wurde die zuständige Generalstaatsanwaltschaft zur Beschleunigung des Verfahrens angewiesen. Die Prüfung durch die Drug Enforcement Administration läuft weiterhin. Konkreter als die jüngsten Gerüchte wurde es bisher nicht.
Matt Gaetz, Trump-Supporter und Cannabis-Fan, sollte Justizminister werden, ein Sex-Skandal brachte in zu Fall. Die Regulierung soll trotzdem lockerer werden.
Eine Einstufung in Schedule III würde Cannabis nicht legalisieren, aber als Substanz mit moderatem bis geringem Abhängigkeitspotenzial einordnen. Damit würde es in eine Gruppe mit Substanzen wie Anabolika, Ketamin oder codeinhaltigen Medikamenten fallen. Trump strebt dieses Ziel schon länger an, zwischenzeitlich gab es aber herbe Rückschläge. Vor allem das Aus von Cannabis-Fan Matt Gaetz im Rennen ums Justizministerium schlugen negativ ins Kontor.
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Für die Branche entscheidend: Forschungshürden würden ebenso sinken wie aktuell sehr hohe Steuern für Cannabis-Unternehmen. Gleichzeitig wäre Cannabis damit erstmals offiziell als medizinisch nutzbar anerkannt, was die Wahrnehmung des gesamten Sektors verändern könnte.
Bereits unter Präsident Joe Biden wurde 2022 eine wissenschaftliche Überprüfung angestoßen, deren Ergebnisse 2023 eine Einstufung als Schedule III empfahlen. Grundlage war unter anderem die Tatsache, dass zahlreiche US-Bundesstaaten Cannabis bereits medizinisch nutzen. Dennoch blieb der Prozess im föderalen System stecken.
Canopy und Tilray springen an: Das steckt dahinter
Nach Jahren anhaltender Abverkäufe sorgten die Berichte über eine mögliche zeitnahe Neueinstufung für Erleichterung im Cannabis-Sektor: Canopy Growth legte in den letzten Stunden zeitweise um rund 30 Prozent zu, Konkurrenten wie Tilray zeigten ebenfalls Stärke. In ruhiges Fahrwasser gelangen die Cannabis-Riesen deshalb aber noch nicht.
Bei Canopy bleibt die fundamentale Lage angespannt. Zwar hat sich der operative Cashflow-Verlust deutlich reduziert – von 132.6 Millionen auf 45.5 Millionen kanadische Dollar über neun Monate –, dennoch schreibt das Unternehmen weiterhin Verluste. Der Quartalsumsatz lag zuletzt stabil bei rund 74.5 Millionen Dollar. In der Bilanz stehen 371 Millionen Dollar Cash rund 225 Millionen Dollar Schulden gegenüber.
Tilray wiederum setzt stärker auf Expansion außerhalb des klassischen Cannabisgeschäfts. Mit der Übernahme von Teilen der insolventen Brauerei BrewDog für rund 33 Millionen Pfund sichert sich das Unternehmen Produktionsstandorte und über 700 Arbeitsplätze in Großbritannien. Im vergangenen Quartal legte Tilray Rekordzahlen vor.
Pilze, Pillen, LSD: Was der Psychedelika-Boom für Cannabis bedeutet
Parallel zur Cannabis-Debatte hat die US-Regierung eine neue Richtung bei Psychedelika eingeschlagen. Am Montag unterschrieb Donald Trump eine Executive Order, um Forschung und klinische Studien mit Substanzen wie Psilocybin, MDMA und Ibogaine zu beschleunigen. Auch Programme wie Right to Try sollen ausgeweitet werden. Dieses Gesetz erlaubt schwerkranken Patienten, noch nicht vollständig zugelassene Medikamente auszuprobieren.
Am Montag unterschrieb Donald Trump eine Executive Order, um die Forschung an Psychedelika voranzutreiben. Aktien des Sektors stiegen deutlich.
Die Märkte reagierten dennoch deutlich: Psychedelika-nahe Unternehmen wie ATAI Life Sciences oder Compass Pathways stiegen deutlich, verkauften einen Teil der Gewinne aber rasch wieder ab. Laut der Executive Order von Donald Trump sollen unter anderem 50 Millionen Dollar in die Psychedelika-Forschung fließen und Zulassungshürden gesenkt werden. Gleichzeitig bleibt die wissenschaftliche Basis begrenzt, insbesondere bei Substanzen wie Ibogaine. Sicherheitsbedenken bleiben eine Hürde.
Während Psychedelika noch keinen kommerziellen Massenmarkt besitzen, ist Cannabis bereits ein Milliarden-Sektor mit etablierten Strukturen in zahlreichen US-Bundesstaaten. Einige Cannabis-Unternehmen prüfen allerdings schon jetzt eine mögliche Expansion in Richtung Psychedelika, um ihr Produktportfolio zu erweitern und von regulatorischen Lockerungen zu profitieren. In einem Interview kündigte etwa Tilray-Chef Irwin Simons diese Woche an, psychedelische Substanzen künftige Medizinprodukte zu evaluieren.
Cannabis und Psychedelika: Zwei Sektoren, gleiche Kinderkrankheit
Während Cannabis weiterhin auf die Neubwertung wartet, entsteht im Psychedelika-Sektor ein ähnlicher, aber stärker forschungsgetriebener Regulierungspfad. Experten sprechen von einem science-first-Ansatz, der Forschung priorisiert und langfristig auch für Cannabis relevant sein könnte. Gleichzeitig zeigt sich, dass politische und regulatorische Prozesse in beiden Bereichen langsam verlaufen und stark von Behördenverfahren geprägt sind.
Trotz der positiven Signale bleibt die Unsicherheit hoch. Branchenbeobachter warnen vor Verzögerungen durch Klagen und langwierige Verwaltungsprozesse, die mögliche steuerliche Entlastungen für Cannabis-Unternehmen bis ins Jahr 2027 verschieben könnten. Zudem bedeutet eine Umstufung keine vollständige Legalisierung. Für Investoren bleibt der Markt weiterhin stark von regulatorischen Entscheidungen auf US-Bundesebene abhängig.
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Canopy Growth (gelb) und Tilray (blau) stiegen deutlich, haben aber einen harten Jahresstart hinter sich.

