Handelsstreit: USA und China senken Zölle für 90 Tage
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Handelsstreit: USA und China senken Zölle für 90 Tage

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Carlo Schmid

Nach monatelanger Funkstille und eskalierenden Zollmaßnahmen setzen Washington und Peking wieder auf Dialog. In Genf trafen sich Vertreter beider Regierungen am Wochenende zu zweitägigen Handelsgesprächen, mit dem erklärten Ziel, den festgefahrenen Konflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu entschärfen. Am Montag meldeten beide Seiten substanzielle Fortschritte. Für rund drei Monate werden die zuletzt auf über 100 Prozent angestiegenen wechselseitigen Zölle deutlich reduziert. Trotz optimistischer Töne sind viele Einzelheiten offen. Die Börse bleibt vorsichtig.

USA und China senken Zölle

Die USA und China haben nach zweitägigen Gesprächen in Genf am Sonntag erste Fortschritte im festgefahrenen Handelskonflikt bekannt gegeben. Laut dem US-Handelsbeauftragtem Jamieson Greer wurde eine Vereinbarung zur Verringerung des Handelsdefizits erzielt. Gestern hatte US-Präsident Donald Trump bereits auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social durchblicken lassen, dass eine Einigung erzielt worden sei. Auch die chinesische Seite bestätigte, dass man „bedeutende Fortschritte“ gemacht habe, dementierte gestern aber noch eine abschließende Übereinkunft.



Der Nasdaq schoss nach Bekanntwerden der vorläufigen Zoll-Vereinbarung zwischen den USA und China aufwärts. Die Rally könnte vorerst weitergehen.
Am Montag dann folgte die erste konkrete Erfolgsmeldung, die auch von beiden Verhandlungspartnern bestätigt wurde: Für 90 Tage reduzieren die USA ihre Einfuhrzölle auf chinesische Güter von zuvor 145 auf vorübergehend 30 Prozent. China streicht die eigenen Zölle auf US-Produkte von 125 auf nunmehr zehn Prozent zusammen. Schon einige Stunden zuvor hatte das Weiße Haus eine offizielle Pressemeldung ausgeschickt, in der Finanzminister Scott Bessent die Annäherung an China lobte: “Ich freue mich, mitteilen zu können, dass wir große Fortschritte in den wichtigen Handelsgesprächen zwischen China und den USA erzielt haben.”

Der Handelsbeauftragte Jamieson Greer fügte an, dass China den USA “dabei helfen” werde, das massive Handelsdefizit von 1.2 Milliarden US-Dollar zu reduzieren”. Trumps Strafzölle seien erlassen worden, um diesen “nationalen Notstand” zu adressieren, der nun mithilfe der chinesischen Verhandlungspartner “gelöst” werden könne. In einem gemeinsamen Statement, das ebenfalls am Montag publiziert wurde, versprachen beide Seiten, “weitere Gespräche über wirtschaftliche und Zollbeziehungen zu führen”. Konkretere Pläne über die zunächst festgelegte Zollpause von 90 Tagen hinaus wurden zunächst nicht bekanntgegeben.

90 Tage Pause, und dann?

Konkret vereinbarten die USA und China im gemeinsamen Statement die Einrichtung eines Konsultationsmechanismus für regelmäßige Handelsgespräche. Dieser Mechanismus ist als feste Struktur für den künftigen Dialog gedacht und soll sicherstellen, dass Handelskonflikte frühzeitig erkannt und im Rahmen koordinierter Gespräche bearbeitet werden können. Geplant sind sowohl regelmäßige Treffen als auch flexible Gesprächsformate bei akuten Spannungen. Die Leitung übernehmen US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng. Laut Greer seien die Differenzen zwischen beiden Seiten „nicht so groß wie vielleicht gedacht“. Der chinesische Vizehandelsminister Li Chenggang bezeichnete die Gespräche als „guten ersten Schritt“ und sprach von einer künftig vertieften Zusammenarbeit.


Auch der chinesische Leitindex Hang Seng legte einen starken Wochenstart hin. Die nächste lange Korrektur dürfte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Die Reduktion der US-Zölle auf 30 Prozent und der chinesischen auf zehn Prozent war am Montagmorgen eine positive Überraschung. Im Vorfeld hatte US-Präsident Donald Trump Zölle von 80 Prozent auf chinesische Waren als „angemessen“ bezeichnet und damit für Verunsicherung gesorgt, ob eine nachhaltige Annäherung überhaupt möglich sein würde. Die chinesische Seite hatte zunächst Widerstand angekündigt, sollte Washington nicht zuerst Maßnahmen zurücknehmen. Offenbar wurden diese Differenzen nun ausgeräumt.

Die nun angekündigte Einigung folgt auf eine Phase verschärfter Handelsmaßnahmen. Noch im April hatte Präsident Trump zusätzliche Zölle mit Verweis auf Chinas Rolle im Fentanylhandel und dem anhaltenden Handelsüberschuss eingeführt. Peking hatte als Reaktion ebenfalls nachgezogen. Die Folge war ein dramatischer Rückgang des chinesischen Exports in die USA um mehr als 20 Prozent im letzten Monat. Die Fronten schienen verhärtet, bis vor etwa einer Woche erste Gespräche angekündigt wurden.

S&P konstant, Nasdaq und HSI steigen

Das vorläufige Ergebnis der 90-tägigen Zollpause dürfte an den Börsen vorerst für Erleichterung sorgen. Trotz des grundsätzlich positiven Signals reagierten die Märkte bislang verhalten. Schließlich sorgt das Fehlen konkreter Pläne über die 90-tägige Zollpause hinaus weiterhin für Unsicherheit. Der Future des US-Leitindexes S&P500 startete mit einem hauchzarten Minus in die Woche, deutlich besser lief es für den Tech-Index Nasdaq, der am Montagmorgen gute drei Prozent stieg. Beim chinesische Aktienindex Hang Seng waren es etwas mehr als zwei Prozent. Dennoch notieren alle drei Indizes immer noch deutlich unter ihren Hochs, von denen aus Anfang April die scharfen Abverkäufe infolge der globalen Zollpanik begonnen hatten.

Ausblick: WTO lobt, Analysten vorsichtig

Beobachter werten die Entwicklung als potenziellen Türöffner für ein erstes direktes Gespräch zwischen US-Präsident Trump und seinem chinesischen Amtskollegen seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus. Laut US-Regierung werde ein solches Telefonat geprüft – abhängig vom weiteren Verlauf der Gespräche. Die WTO begrüßte die Entwicklung und rief beide Länder dazu auf, die positive Dynamik zu nutzen, um das Vertrauen in das multilaterale Handelssystem zu stärken. Auch aus Wirtschaftskreisen kommt vorsichtiger Optimismus – solange konkrete Ergebnisse noch ausstehen, bleibt die Lage jedoch angespannt

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Carlo Schmid

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