Fuß in der Tür: chinesische Unternehmer wollen Audi-Werk kaufen
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Fuß in der Tür: chinesische Unternehmer wollen Audi-Werk kaufen

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Manuel Gottschalk

Die deutschen Autobauer sind angeschlagen und müssen sich neu ausrichten. Die Mercedes-Benz AG verlor in den vergangenen sechs Monaten annähernd 30 Prozent an Börsenwert, die Bayerischen Motorenwerke (BMW) noch etwas mehr. Und sogar für Porsche lief es zuletzt alles andere als rosig. Der Spitzenreiter in dieser traurigen Reihe bleibt aber Volkswagen. Seit dem April 2021 sank der Aktienwert des Unternehmens sukzessive um über 60 Prozent. Wirtschaftsminister Robert Habeck organisierte am Montag sogar einen Autogipfel, auf welchem mit Vertretern der Autoindustrie über verschiedene Möglichkeiten einer staatlichen Unterstützung gesprochen wurde.

Audi will Werk in Brüssel abstoßen

Von den Problemen, unter denen derzeit gerade die deutschen Automobilhersteller leiden, bleibt natürlich auch der inzwischen vollständig zu VW gehörende Audi-Konzern nicht verschont. Die Ingolstädter wollen jetzt ihr Werk in Brüssel abstoßen, an dem verschiedenen Medienberichten zufolge der chinesische E-Autohersteller Nio interessiert ist. Unternehmensvertreter sollen auch schon vor Ort gewesen sein, um das Werk zu begutachten. Nio-Gründer William Li hat ein solches Interesse jedoch dementiert und entsprechende Berichte zurückgewiesen. Tatsache aber ist, dass Audi das wenig rentable Werk verkaufen möchte und es auch mehr als ein Dutzend Interessenten dafür geben soll, vor allem aus China. Bislang wurde in der Fabrik in Belgien der Audi Q8 e-tron produziert, dessen Nachfrage aber immer weiter zurück geht, weswegen das Modell zunehmend unprofitabler wird. Zudem kommen spezifische Schwierigkeiten des Werks hinzu, wie beispielsweise die ungünstige Lage, die es aufgrund der Stadtnähe unmöglich macht, auf dem Gelände einen Erweiterungsbau für eine Presswerk-Anlage zu fertigen. Eine solche könnte die Produktionskosten deutlich senken. Aber auch durch die nicht in ausreichender Zahl vorhandenen Zulieferer werden die Kapitalausgaben in die Höhe getrieben, vor allem im Logistikbereich.

Strategisches Interesse der Chinesen am europäischen Markt

Die chinesischen Autobauer möchten in Europa zunehmend Fuß fassen: So plant BYD eine Montagefabriken in Ungarn und der Türkei, wo Fahrzeuge für den europäischen Markt hergestellt werden und auch in Spanien sowie Polen sollen bald chinesische Elektrofahrzeuge vom Band rollen. Aus chinesischer Sicht ist es aus mehreren Gründen strategisch sinnvoll, einen Fuß in der europäischen Tür zu haben. So können die Chinesen zum einen die von der EU geplanten Zölle umgehen, wenn die Fahrzeuge in der EU produziert werden, und zwar auch dann, wenn vor Ort lediglich die in China produzierten Einzelteile zusammengesetzt werden. Zum anderen können die Chinesen den Druck auf die europäischen Autobauer weiter erhöhen, indem sie ihre Präsenz auf dem ohnehin schon umkämpften Fahrzeugmarkt weiter ausbauen. Im ungünstigsten Fall könnte der europäische Markt mit preislich attraktiven und dennoch wettbewerbsfähigen Elektroautos überschwemmt werden. Zumal die Unternehmen aus dem Reich der Mitte in Sachen Software und Konnektivität einen deutlichen Vorsprung haben. Außer Acht lassen sollte man auch nicht, dass die Chinesen ihren Heimatmarkt zurückerobert haben, der über viele Jahre hinweg gerade für VW, BMW und Mercedes eine regelrechte Goldgrube war.

Die Politik muss handeln

Es ist notwendiger denn je, dass sich die deutsche Politik dem Ernst der Lage bewusst wird und die Rahmenbedingungen schafft, um den deutschen Autobauern wieder auf die Beine zu verhelfen. Wenn es wirtschaftlich hart auf hart kommt, dürften die Chinesen ohnehin den längeren Atem haben, zumal sie sich global immer besser aufstellen, in den Schwellenländern strategische Allianzen geknüpft haben und in Sachen Geschäftsmodelle anpassungsfähiger sind. Ohne den Abbau von bürokratischen Bremsklötzen, erdrückenden Energiepreisen und wahnwitzigen Produktionsvorschriften wird seitens der deutschen Unternehmen gegen den drohenden Fahrzeugtsunami aus China kaum eine adäquate Antwort zu finden sein.

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Manuel Gottschalk

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