Mehreren Medienberichten zufolge dürfen chinesische Regierungsstellen künftig nur noch – aus Sicht der Regierung – „sichere und zuverlässige“ Prozessoren und Betriebssysteme einsetzen. Konkret werden damit die Chips der nordamerikanischen Anbieter AMD und Intel sowie das Betriebssystem Windows von Microsoft verbannt. Die Regelungen sind ein weiterer Schritt Chinas, heimische Substitute für bisher aus dem Ausland importierte Technologien zu fördern. Sie sind Teil des Regierungsprogramms Xinchuang (dt.: Innovation im IT-Bereich), welches den Umstieg auf heimische Hard- und Software bis 2027 vorgibt. Und die Regelungen fallen in eine Zeit, in der die Spannungen zwischen den USA und China stetig zunehmen. Zuletzt hatten die Vereinigten Staaten den Chip-Unternehmen im Land unter anderem verboten, ihre leistungsfähigsten Chips nach China zu verkaufen.
18 Prozessoren genehmigt – allesamt von chinesischen Unternehmen
Wie die Financial Times am Wochenende berichtete, wurde die Regelung bereits im vergangenen Dezember vom chinesischen Finanzministerium und dem Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (kurz: MIIT) vorgestellt, nun soll sie umgesetzt werden. Betroffen sind alle Behörden oberhalb der Stadtverwaltungen, jegliche Parteiorgane sowie staatliche Unternehmen. Diese dürfen zukünftig nur noch Prozessoren sowie Betriebs- und Datenbanksysteme nutzen, die vom China Information Technology Security Evaluation Center (kurz: ITSEC) als „sicher und zuverlässig“ zertifiziert wurden. Dabei handelt es sich ausschließlich um die Produkte chinesischer Unternehmen, wie Huawei und die staatlich geförderte Phytium Group; insgesamt wurden bisher 18 Prozessoren genehmigt. Ausnahmeregelungen sind laut der Regelung zwar möglich, dürften aber mit einem höheren Verwaltungsaufwand verbunden sein. Laut der Financial Times ist es zudem unwahrscheinlich, dass westliche Unternehmen die erforderliche Zertifizierung erhalten. Sie müssten die komplette Dokumentation der Entwicklung sowie die dazugehörige Software zur Begutachtung einreichen. Ein weiteres Bewertungskriterium für die Eignung der Soft- und Hardware ist darüber hinaus der Anteil der Entwicklung und Produktion in China.
China arbeitet seit Jahren daran, Schlüsseltechnologien aus dem Ausland aus “sensiblen” Bereichen zu entfernen. Dies geschieht vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen dem ostasiatischen Land und den USA, die sich jüngst in einer ganzen Reihe von (Beschränkungs-)Maßnahmen seitens der nordamerikanischen Regierung manifestieren. Hierzu zählen auch Sanktionen gegen eine steigende Zahl chinesischer Unternehmen aus Gründen der nationalen Sicherheit, die Verabschiedung von Gesetzen zur Förderung der inländischen Technologieproduktion sowie das Verbot des Exports hochentwickelter Chips sowie ähnlicher Produkte nach China. Die neusten chinesischen Regulierungen sind nun „die ersten landesweiten, detaillierten und klaren Anweisungen für die Förderung von Xinchuang", wie ein Beamter der lokalen Regierung erklärt, der für die Substitution von IT-Systemen zuständig ist. Damit einhergehen dürfte natürlich ein hoher Investitionsaufwand. Analysten von Zheshang Securities schätzen, dass das Land zwischen 2023 und 2027 etwa $91 Milliarden investieren muss, um die IT-Infrastruktur in der Regierung, den Parteiorganen und acht wichtigen Branchen zu ersetzen.
Die Anteilsscheine von Intel und AMD reagierten am Montag zunächst negativ auf diese Nachrichten. Im Laufe des Tages hellte sich die Stimmung jedoch wieder etwas auf. Die Aktie von Intel analysieren wir im Rahmen unseres US Titans-Pakets, Analysen zum AMD-Papier erhalten Sie in unserem TECH33-Paket. Die Microsoft-Aktie findet sich indes in beiden Produkten wieder. Und natürlich decken wir mit unserem China-Titans-Paket eine ganze Reihe chinesischer Unternehmen ab – auch solche aus dem Technologiebereich. Übrigens: Was sonst noch so derzeit in der chinesischen Wirtschaft los ist, erfahren Sie in diesem Artikel.



