China druckt Milliarden: Finaler Impuls für den Bitcoin-Bullrun?
#Global Markets

China druckt Milliarden: Finaler Impuls für den Bitcoin-Bullrun?

Author

Simeon Koch

Seit Monaten ging es im chinesischen Aktienmarkt nur noch abwärts – bis vor gut einer Woche. Wie aus dem Nichts schoss Chinas Leitindex Hang Seng Ende September um 25 Prozent nach oben. Der Shanghai Composite Index, der die wichtigsten Unternehmen des chinesischen Marktes mit Ausnahme von Hongkong abbildet, erlebte den besten Handelstag seit 16 Jahren. Der Industrie-Index Beijing 50, vergleichbar mit dem nordamerikanischen Dow Jones, verzeichnete gleich die höchsten Tagesgewinne seiner Geschichte. Laut Medienberichten brachen chinesische Broker-Plattformen wegen immenser Nachfrage zusammen. Noch vor wenigen Monaten flüchteten Anleger in Scharen aus dem Reich der Mitte. Nun scheint das internationale Kapital wieder massenhaft in den chinesischen Aktienmarkt zu fließen. Und das hat einen bestimmten Grund: Ende September legte China ein Konjunkturpaket in Höhe von zwei Billionen Yuan auf, umgerechnet etwa $284 Milliarden. Das Programm ist Teil von Präsident Xi Jinpings ehrgeizigem Plan, China zu einer globalen Finanzmacht aufzumotzen. Dazu lockert die chinesische Zentralbank ihre Geldpolitik so stark wie seit der Corona-Krise nicht mehr – und lässt Investoren von historischen Gewinnen träumen.

Xi will den Yuan stärken – und Investoren anlocken

Die chinesische Zentralbank hat ihr bislang größtes Konjunkturpaket seit der Corona-Pandemie angekündigt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Maßnahmen umfassen Zinssenkungen und eine Reduzierung der Mindestreserveanforderungen für Banken um 50 Basispunkte. Das bedeutet, dass Banken weniger Geld als Reserve zurückhalten müssen und dadurch etwa eine Billion Yuan ($142 Milliarden) für neue Kredite bereitstehen. Zudem sollen die Zinsen für bestehende Hypotheken um 50 Basispunkte gesenkt werden, was Haushalte entlasten und den Konsum stärken soll. Das damit freigesetzte Kapital soll das Wirtschaftswachstum ankurbeln und helfen, das für 2024 gesteckte Ziel von etwa fünf Prozent Zunahme im Bruttoinlandsprodukt zu erreichen. Das vergangene Jahr hatte China mit einem soliden, aber ernüchternden Wirtschaftswachstum von 5.2 Prozent abgeschlossen – das schwächste Ergebnis seit 30 Jahren. Der vehement kriselnde Immobiliensektor belastet immer noch die gesamte Wirtschaft; in den vergangenen Monaten büßte die lange rasant wachsende chinesische Wirtschaft nicht nur an Dynamik, sondern auch an globalem Anleger-Vertrauen ein.

In der zweiten Septemberhälfte stieg der chinesische Leitindex Hang Seng in der Spitze um knapp 30 Prozent. Die Rallye dürfte laut unserer Analyse vorerst weitergehen.

Das Steuer will Chinas Präsident Xi Jinping nun mit einem historischen Konjunkturpaket herumreißen, das China zurück auf den früher so steilen Wachstumskurs bringen soll. Xis Plan umfasst sowohl fiskalische als auch monetäre Maßnahmen, um die zuletzt spürbare Stagnation und die drohende Deflation zu bekämpfen. Ein großer Teil der freigegebenen Milliarden soll direkt an die Bevölkerung fließen, etwa in Form von Zuschüssen für Familien mit mehreren Kindern, um die Geburtenrate zu steigern und den Konsum zu beleben. Parallel dazu hat die chinesische Zentralbank die Zinssätze gesenkt, was den Yuan gegenüber dem US-Dollar stärken soll. Trotz ehrgeiziger Pläne der BRICS-Staaten zu einer De-Dollarisierung der Weltwirtschaft strebt China kurzfristig nicht danach, den US-Dollar als globale Leitwährung anzugreifen, sondern möchte den Yuan international stärker etablieren. Ziel ist es, den Renminbi als Reservewährung und für internationale Zahlungen attraktiver zu machen. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die USA: China könnte die US-Notenbank durch seine Politik nämlich zwingen, ihre Zinsen schneller zu senken.

Beschleunigt China den Bullenmarkt – oder eine globale Rezession?

Die verstärkten chinesischen Stimulus-Maßnahmen und die Bemühungen, den Yuan zu stärken, haben globale Auswirkungen. Das spüren besonders die Vereinigten Staaten, die trotz eines drohenden Handelskriegs bei Einfuhren und Exporten eng mit dem chinesischen Markt verbunden sind. Während China seinen Währungskurs stabilisieren und die Konjunktur stützen will, gerät der US-Dollar unter Druck. Kurz nach Bekanntgabe der umfangreichen Stimulus-Pläne aus Peking stieg der Yuan im Vergleich zum US-Dollar auf den höchsten Stand seit 16 Monaten. Eigentlich ist ein starker Yuan gut für die US-Wirtschaft, weil Importe aus den Vereinigten Staaten für die chinesische Wirtschaft dadurch günstiger werden. Ganz so einfach ist die Rechnung aber nicht. Zwar strebt Chinas Regierungschef Xi Jinping aus geopolitischen Gründen einen starken Yuan als wichtige Institution im internationalen Zahlungsverkehr an, die geldpolitische Lockerung in China dürfte die dortige Währung aber mittelfristig eher schwächeln. Das wiederum würde chinesischen Exporteuren Vorteile verschaffen und Einfuhren vom internationalen Markt verteuern. Sollte der Yuan durch die gezielte Geldschwemme des chinesischen Wirtschaftssystems weiter abwerten, könnte das auch die US-Notenbank Fed unter Druck setzen, ihre Zinsen weiter zu senken.

Im Vergleich zum US-Dollar schoss der chinesische Yuan nach Bekanntwerden der geplanten Stimulus-Maßhnahmen auf ein neues Jahreshoch. Dadurch brach ein monatelanger Abwärstrend.

Die Fed hat bereits Mitte September eine überraschende Zinssenkung um 50 Basispunkte durchgeführt, um die heimische Wirtschaft zu beleben. Fed-Chef Jerome Powell kündigte bereits an, weitere Zinssenkungen folgen zu lassen. Voreilig will die US-Notenbank dabei aber nicht handeln, um eine Rückkehr der zuletzt hartnäckigen Inflation zu verhindern. Sollte China den Yuan durch weitere Zinssenkungen abwerten, könnte das aber den Druck auf die Fed erhöhen, die Zinsen ebenfalls zu senken, um den Dollar zu schwächen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exporteure zu sichern. Die Gefahr eines Race to the Bottom, also eines Wettkampfes um die niedrigsten Zinsen, würde in der globalen Zinspolitik dadurch steigen, da sowohl China als auch die USA versuchen, ihre Wirtschaften durch geldpolitische Maßnahmen zu stabilisieren. Kurzfristig würden solche Maßnahmen immense Kapitalströme freisetzen, die zu sprunghaft ansteigenden Investitionen in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten zu einer Rückkehr der Risiko-Affinität führen könnten. Langfristig allerdings dürfte durch eine beschleunigte Erhöhung der verfügbaren Geldmenge die besiegt geglaubte Inflation umso heftiger zurückkehren – und mit ihr eine globale Rezession.

Chinas Yuan-Plan: Clever oder fahrlässiger Größenwahn?

China hat zwar große Fortschritte gemacht, den Yuan in globalen Handels- und Zahlungssystemen zu etablieren, doch der Dollar bleibt dominant. Fast die Hälfte aller weltweiten Zahlungen wird in Dollar abgewickelt, während der Yuan nur einen Anteil von 4.7 Prozent hat. Diese Zahlen verdeutlichen, dass China trotz seines rasanten wirtschaftlichen Aufstiegs im globalen Finanzsystem noch weit hinter den USA liegt. Das aggressive Stimulus-Paket der chinesischen Regierung zielt laut Xi Jinping darauf ab, den Yuan auf internationaler Ebene zu stärken; laut Experten sollen die milliardenschweren Kapital-Spritzen aber vor allem den für die chinesische Wirtschaft so wichtigen, allerdings akut kriselnden Immobilienmarkt beleben und den Bürgern wieder frisches Vertrauen schenken. In den letzten Monaten war das Verbrauchervertrauen auf historische Tiefstände eingebrochen und hatte damit auch die Binnennachfrage eklatant verringert. Besonders bei Risiko-Anlagen wie Bitcoin, Altcoins oder Small-Cap-Aktien sorgten die Nachrichten der ratternden Gelddrucker in China Anfang der Woche für Euphorie. Langfristig allerdings vollzieht Peking mit seinem Yuan einen gefährlichen Drahtseilakt zwischen internationaler Stärkung und Abwertung. Ein Drahtseilakt, dessen Schwingungen mit jedem gedruckten Yuan für den Westen spürbarer werden.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.