Das Wichtigste in Kürze:
- Große Bitcoin-Miner dumpen BTC und verlassen die Blockchain.
- Miner-Kapitulationen geschahen in früheren Zyklen nahe dem Bärenmarkt-Boden.
- Der Puell-Multiple könnte eine BTC-Bodenbildung signalisieren.
Sagt Ihnen der Name Jihan Wu etwas? Nein? Wu ist ein Krypto-Milliardär aus Singapur, gilt als einer der ersten prominenten Krypto-Befürworter in China und übersetzte einst Satoshi Nakamotos Bitcoin-Whitepaper ins Chinesische. Das ist aber noch lange nicht alles.
Wu gründete im Jahr 2013 den Mining-Hardware-Hersteller Bitmain, der mit seinen Antminer-Geräten bis heute Weltmarktführer ist. 2021 ging Jihan Wu mit dem Bitmain-Spin-off Bitdeer an die US-Techbörse Nasdaq. Bitdeer ist einer der weltweit führenden Bitcoin-Miner. Oder besser gesagt: Bitdeer war es.
Denn Bitdeer hat Ende Februar bekanntgegeben, seine vollständigen Bitcoin-Bestände verkauft zu haben. Knapp 1000 BTC wurden innerhalb weniger Wochen liquidiert. Als Gründe führte Bitdeer die sinkende Profitabilität wegen niedriger Kryptopreise an – und den geplanten Umstieg auf KI, bei dem die Einnahmen aus den Bitcoin-Massenverkäufen helfen sollen.
Einen ähnlichen Weg gehen die Mining-Giganten Riot und MARA (Marathon Digital). Bitcoin-Milliardenwerte sollen abgestoßen werden, um auf KI umzusteigen. Das Signal ist fatal: Die wichtigsten Miner dumpen ihre BTC-Bestände zu Schleuderpreisen und verlassen den Sektor. Was bedeutet das für Bitcoins Zukunft?
Warum Riot und MARA ihre Bitcoin verschleudern
Wie in jedem Bitcoin-Bärenmarkt wird es für Miner auch diesmal ungemütlich. Riot Platforms, mit rund 18 000 Bitcoin in der Bilanz einer der größten börsennotierten Bitcoin-Halter überhaupt, meldete im vierten Quartal einen Verlust von 2.03 US-Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 152.8 Millionen US-Dollar und verfehlte damit die Erwartungen deutlich. Auf Jahressicht stieg der Umsatz auf 647.4 Millionen US-Dollar – ein deutliches Plus im Vergleich zu den 376.7 Millionen Dollar 2024.
Trotzdem verkauft Riot große Mengen an Bitcoin zur Finanzierung von Betrieb und Wachstum. Laut Management werden sowohl die laufende monatliche Produktion als auch Bestände aus der Bilanz verkauft, um operative Kosten und Investitionen zu decken. So wurde etwa ein neuer Standort in der US-Stadt Rockdale für 96 Millionen US-Dollar vollständig durch den Verkauf von rund 1100 BTC finanziert. Mit der Entscheidung, bilanzielle Lücken mit Bitcoin-Verkäufen zu stopfen, ist Riot derzeit nicht allein.
Denn beim großen Konkurrenten MARA ist die Lage gerade sehr ähnlich: MARA schloss das vierte Quartal mit einem Umsatz von 202.3 Millionen Dollar Umsatz ab, was einem Minus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Ähnlich wie bei Riot stieg der Jahresumsatz bei MARA zwar deutlich – von 656.4 Millionen im Jahr 2024 ging es 38 Prozent aufwärts auf nun 907.1 Millionen Dollar –, unter dem Strich erwirtschaftete aber auch MARA einen Nettoverlust.
Mit satten 1.7 Milliarden rutschte der zweitgrößte börsennotierte Bitcoin-Halter (MARA hat gut 50 000 BTC in der Bilanz) in die roten Zahlen. Und auch die KI-Neuausrichtung ähnelt dem Konkurrenten Riot: Kürzlich gab das Management bekannt, dass man die Krypto-Strategie anpasse: Neben Teilen der laufenden Bitcoin-Produktion könnten künftig auch Bestände aus der Bilanz verkauft werden, um operative Kosten und Investitionen – insbesondere im KI-Bereich – zu finanzieren.
Bitcoin-Kapitulation der Miner: Unerwartet bullish für Bitcoin?
Der Rückzug wichtiger Miner wie Bitdeer, Riot oder MARA deuten auf Stress im Bitcoin-System hin: Es ist deutlich weniger profitabel, Bitcoin zu schürfen und Alternativen wie KI stehlen BTC die Show – ähnlich wie in den letzten Monaten am Finanzmarkt. Kurzfristig verstärken die bereits erfolgten oder geplanten Bitcoin-Verkäufe aus den Miner-Bilanzen den Abwärtsdruck auf den Kurs. Mittel- bis langfristig ist eine Miner-Kapitulation aber sehr positiv für Bitcoin.
In der Vergangenheit markierte eine Miner-Kapitulation häufig das Ende von Bärenmärkten: Die Preise waren so lange so niedrig, dass viele Miner kapitulieren mussten und ihre Bestände abstießen. In den Bärenmärkten 2015, 2018 und 2022 führte das zur letzten Verkaufswelle, bevor der nächste Bullrun starten konnte. Dieser Zusammenhang ist am Puell-Multiple-Indikator zu sehen.
Der Puell Multiple zeigt, ob Miner im historischen Vergleich viel oder wenig verdienen. Er setzt die aktuellen täglichen Mining-Einnahmen ins Verhältnis zum Durchschnitt der vergangenen 365 Tage. Liegt der Wert sehr hoch, verdienen Miner ungewöhnlich viel – das kann auf eine mögliche Überbewertung hindeuten und ging 2013, 2017 und 2021 mit den Bullrun-Tops einher. Ist der Puell Multiple sehr niedrig, verdienen sie deutlich weniger als üblich.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Miner-Kapitulation. Wenn Mining-Einnahmen wegen BTC-Korrekturen stark fallen, geraten ineffiziente Miner unter Druck und müssen Geräte abschalten oder Bitcoin verkaufen, um Kosten zu decken. Das erhöht kurzfristig den Verkaufsdruck am Markt. Historisch traten sehr niedrige Puell-Multiple-Werte oft in Phasen solcher Kapitulation auf – und markierten nicht selten langfristige Tiefpunkte im Bitcoin-Zyklus, etwa 2014, 2018 und 2022.
Tiefster Bitcoin-Bärenmarkt? Oder ist das Schlimmste vorbei?
Was beim Blick auf den Puell Multiple auffällt: In diesem Zyklus stiegen die Miner-Einnahmen nicht annähernd so stark wie in früheren Zyklen. Kein Wunder, dass Mara, Riot und Co. auf KI umsteigen: Bitcoin ist einfach nicht mehr so profitabel wie früher. Ist das eine Hiobsbotschaft für Bitcoins Zukunft? Eher nicht. Hält sich der Bitcoin-Kurs in künftigen Anstiegen wieder nachhaltig oberhalb der Kostengrenze, bleibt Bitcoin für Miner profitabel. Und selbst, wenn große Mining-Unternehmen den Kryptomarkt verlassen, ist das kein Todesurteil.
Schließlich ist die Bitcoin-Blockchain so programmiert, dass sich die Schwierigkeit beim Schürfen an die Mining-Power im Netzwerk anpasst. Verringert sich die Zahl und Power der aktiven Miner, wird es einfacher und günstiger, Bitcoin zu schürfen. Deshalb waren Miner-Kapitulationen in der Vergangenheit häufig der Auftakt zu neuen Bullen-Zyklen: Niedrigere Mining-Schwierigkeit lockte neue Miner an, die Netzwerk-Aktivität wuchs und die Blockchain-Stabilität war durchgehend gesichert.
Trotz dieser positiven Konsequenzen bleiben die (Teil-) Ausstiege von Riot, Mara und Bitdeer kurzfristige Risikofaktoren für den Bitcoin-Preis. Sowohl die Miner-Einnahmen (erster Chart im Text) als auch der Puell Multiple sind aktuell noch oberhalb der Bodenbereiche früherer Zyklen. Miner-Aktivität und deren Margen könnten also noch etwas schrumpfen – womöglich getrieben durch weitere Korrekturen im Bitcoin-Preis. Könnte Bitcoin dabei bis unter 40 000 Dollar zurückfallen? Konkrete Preisziele sowie Ein- und Ausstiegszonen finden Abonnenten in unserer technischen Bitcoin/Ethereum-Analyse auf Basis der Elliott-Wellen-Theorie.
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In Bärenmärkten fallen die Miner-Einnahmen (unten, hellblau) drastisch. Wie tief kann Bitcoin fallen, wenn große Miner jetzt kapitulieren?
Der Zyklus ist hart für Bitcoin-Miner: Seit dem Bärenmarkt-Tief Ende 2022 haben Riot und Mara deutlich schlechter performt als BTC. Jetzt soll ein KI-Umstieg helfen.
In diesem Zyklus kam vom Puell-Multiple noch kein finales Kapitulationssignal. Auffällig: Der Miner-Profit stieg in diesem Zyklus deutlich weniger stark als früher.

