Das Wichtigste in Kürze
- Bitcoin geriet mit dem US-Angriff auf den Iran unter Druck.
- Risiko-Aufschläge bei Rohöl belasten Krypto.
- Bärenmarkt-Muster wie 2018 und 2022 treffen auf eine neue Makro-Situation.
Am Wochenende hat das US-Militär den Iran angegriffen. Wochenlange Verhandlungen um einen Atomdeal sind offenbar gescheitert. US-Präsident Donald Trump wartete mit den Militärschlägen wie gewohnt bis nach Börsenschluss und erwischte den Kryptomarkt, der auch am Wochenende geöffnet sind, wieder mal eiskalt. Bitcoin fiel zurück in Richtung 60 000 Dollar und es könnte noch sehr viel düsterer werden. Denn ein entscheidender Faktor, der BTC bereits in die Bärenmärkte 2018 und 2022 stürzte, ist zurück: unkontrolliert ansteigende Ölpreise.
Als die Militärschläge der USA und Israels am Wochenende begannen, stürzte Bitcoin zurück auf 63 000 Dollar. Eine kurze Erholung wurde schon am Sonntag wieder abverkauft, die Woche startete für den Kryptomarkt schwerfällig. Ein großes Problem ist der Energiesektor. Iran kontrolliert die Straße von Hormuz – eine Meerenge, durch die tagtäglich rund 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls fließen – und droht wie auch schon in früheren Konflikten damit, diese Meerenge zu schließen. Für Bitcoin und Aktien drohen fatale Folgen. Und das hat gleich mehrere Gründe.
Warum Rohöl für Bitcoin so gefährlich ist
Sollte der Iran seine Drohungen wahrmachen und die Straße von Hormuz tatsächlich blockieren, so läge die erste unmittelbare Folge auf der Hand: eine drastische Verknappung des weltweit verfügbaren Rohöls. Etwa 20 bis 21 Millionen Barrel Öl pro Tag fließen durch die Straße von Hormuz, was rund 20 bis 25 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs und etwa einem Drittel des globalen seebasierten Ölhandels entspricht. Zudem attackiert der Iran Ölfelder in den Golfstaaten. Kein Wunder, dass der Ölpreis aktuell steil ansteigt.
Bitcoin gerät dadurch zusätzlich unter Druck. Steigende Ölpreise bedeuten nicht nur an der Börse höhere Preise. Auch Brennstoffe, Heizmaterialien und Energie im Allgemeinen werden teurer. Dadurch steigt die Inflation und das können die Vereinigten Staaten gerade gar nicht gebrauchen. Schließlich ist die US-Notenbank Fed schon jetzt gefangen zwischen einem schwachen Arbeitsmarkt und hartnäckiger Inflation. Donald Trump fordert offensiv Zinskürzungen, aber Fed-Chef Jerome Powell will keinen Inflationsschock durch ultralockere Geldpolitik riskieren.
Als der stochastische RSI des Bitcoin-Rohöl-Paares im Jahr 2018 in den extrem überverkauften Bereich (< 10) eintrat, notierte Bitcoin bei gut 9000 Dollar. Das Bärenmarkttief wurde erst ein Dreivierteljahr später bei gut 3500 Dollar erreicht. Im Frühling 2022 fiel der stochastische RSI bei BTC/Rohöl erstmals unter 10 Punkte, als Bitcoin noch bei gut 40 000 Dollar notierte. Das Bärenmarktief folgte im vierten Quartal des Jahres bei rund 15 000 Dollar.
In beiden Fällen stand Bitcoin nach dem Sturz auf extrem überverkaufte Bereiche im Verhältnis zum Rohöl-Preis noch eine monatelange Korrektur bevor, die 2018 und 2022 jeweils zu mehr als 50 Prozent Kursverlust führte. Anfang Januar stürzte Bitcoin relativ zu Rohöl zum ersten Mal im aktuellen Zyklus auf ein extrem überverkauftes Niveau. Wiederholt sich jetzt das bärische Spiel von 2018 und 2022? Noch mehrere Monate Bärenmarkt und eine weitere Korrektur um Dutzende Prozent?
Wird der Bitcoin-Bärenmarkt jetzt noch härter?
Infolge der iranischen Drohungen, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz zu beschränken oder vollständig zu blockieren, stieg nicht nur der Rohöl-Preis deutlich, sondern auch dessen Volatilität. Im unteren Chart ist das anhand der roten Momentumsbalken im unteren Abschnitt zu sehen. Starke Ausschläge im CBOE Crude Oil Volatility Index (OVX) deuten auf wachsende geopolitische Unsicherheit hin und stehen für gewöhnlich in negativem Zusammenhang mit Bitcoin.
Beide Kurven im unteren Abschnitt (also das jeweilige Momentum von OVX und Bitcoin) werden mathematisch als Z-Score dargestellt. Das bedeutet vereinfacht, dass nur Abweichungen vom langfristigen Durchschnitt sichtbar sind, nicht die absoluten Preise. Im oberen Abschnitt sind die tatsächliche Preiskurve von Bitcoin (orange) und der klassische OVX (hellrot) zu sehen. Steigt die geopolitische Unsicherheit im Ölmarkt (gleichbedeutend mit hohen OVX-Werten), sinkt der Risiko-Appetit im Finanzmarkt, wodurch Bitcoin für gewöhnlich unter Druck gerät.
Um die gegenläufige Korrelation zwischen OVX und Bitcoin besser sichtbar zu machen, wurde das OVX-Momentum in der Ansicht umgekehrt: Rote Balken stehen im unteren Abschnitt des Charts für wachsende Unsicherheit im Ölmarkt (steigender OVX) und fallen historisch gesehen mit negativem Bitcoin-Momentum zusammen (unruhige Ölmärkte, schwacher Kryptomarkt). Gehen geopolitische Unsicherheit und OVX hingegen zurück (grüne Balken), so erholt sich die Risikofreude im Markt und Bitcoin profitiert (ruhige Ölmärkte, starker Kryptomarkt).
Seit Anfang 2025 sorgten die Interventionen der USA, ihrer europäischen Partner und Israels im Nahen Osten sowie die Vergeltungsmaßnahmen des Iran und seiner Verbündeten für regelmäßige Unsicherheit im Ölmarkt. Der große Anstieg im OVX, vergleichbar mit dem Corona-Schock 2020 oder der Energiekrise 2022 nach Beginn des Ukrainekriegs blieb bisher aus. Aktuell notiert der OVX allerdings wieder auf einem Niveau, das seit der erwähnten Krise 2022 nicht mehr erreicht worden war. Damals läutete dieser OVX-Ausbruch die härteste Phase im Bitcoin-Bärenmarkt ein.
Wie tief kann Bitcoin fallen?
Ob und inwieweit sich die Muster von 2022 wiederholen, wird auch davon abhängen, wie rasch die Risikofreude in den breiten Finanzmarkt zurückkehrt. Geht es nach dem klassischen Vierjahreszyklus, steht Bitcoin bis zum vierten Quartal 2026 noch ein harter Bärenmarkt bevor. Alle drei vorherigen Zyklen erreichten ihr finales Hoch im Herbst des Post-Halving-Jahres und ihr anschließendes Bärenmarkttief im vierten Quartal des darauffolgenden Jahres. Das (vorläufige) Bullrun-Top im Herbst 2025 (also des jüngsten Post-Halving-Jahres) hat Bitcoin schon mal im Sinne des klassischen Vierjahreszyklus hinter sich gebracht.
Im Vergleich zum Bärenmarkt 2022 gibt es aber einen wichtigen Unterschied, der den Bitcoin-Bullen in den kommenden Monaten Schützenhilfe leisten könnte. 2018 und 2021 kamen die Vereinigten Staaten aus geldpolitischen Lockerungszyklen. Wirtschaft und Inflation waren heißgelaufen, die steigenden Ölpreise beendeten die industrielle Expansion. Diesmal ist das anders: Der wichtige Konjunkturindikator PMI (Purchase Manager Index), der die ökonomische Zuversicht der breiten Wirtschaft widerspiegelt, deutet zum ersten Mal seit 2022 auf Expansion, der Zinssenkungszyklus ist im Gange.
Gleichzeitig befindet sich die Inflation über die letzten Monate nicht in einem Aufwärts-, sondern eher in einem Seitwärts- bis Abwärtstrend. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen des Rohöl-Preisanstiegs könnten also weniger gravierend ausfallen als 2018 und 2022, als steigende Energiepreise die ohnehin hohe Inflation zusätzlich befeuerten. Ob der Iran die Straße von Hormuz überhaupt für längere Zeit sperrt, ist zudem unklar. Schließlich exportiert das Regime selbst sein Öl durch diese Meerenge, etwa nach China. Mit einer Schließung würde der Iran sich selbst und seinen Verbündeten schaden.
Der historische Zusammenhang zwischen Bitcoin-Bärenmärkten und Rohöl-Rallies verunsichert. 2018 und 2022 folgte auf den Eintritt der Bitcoin-Rohöl-Relation in die überverkaufte Zone eine monatelange Korrektur um mehr als 50 Prozent. Aktuell wären das 30 000 bis 40 000 Dollar. Ob die stabilere geldpolitische Situation in den USA diese Herausforderung besser abfedern kann als 2018 oder 2022, bleibt abzuwarten. Laut unserer technischen Elliott-Wellen-Analyse (exklusiv für Abonnenten) steht BTCnoch ein längerer Abverkauf bevor. Zwischenzeitliche Bärenmarkt-Rallies sind nicht ausgeschlossen. Konkrete Ein- und Ausstiegszonen finden sich in unseren Analysepaketen zu Bitcoin/Ethereum und Altcoins.


Zeichen der Zeit: Bitcoin fällt seit Wochen, der Rohöl-Preis explodiert. Ähnlich sah das vor den tiefen Bärenmärkten 2018 und 2022 aus.
Unsicherheit im Energiesektor begleitet den aktuellen Kryptozyklus seit dem Bärenmarkt 2022. Nun droht der Rohöl-Preis, auf Mehrjahreshochs auszubrechen.
Gegenüber Rohöl ist Bitcoin im tiefsten Bärenmarkt. Entwickelt sich der stochastische RSI (unten) wie 2018 und 2022, könnten weitere Korrekturen folgen.
Wird der Rohöl-Markt unruhig, leidet Bitcoin: Das BTC-Momentum (orange Linie, unten) korreliert eng mit der Stimmung im Volatilitätsindex OVX.
Folgt Bitcoin dem Vierjahreszyklus zu einem Bärenmarkt-Tief Ende 2026? Ein wichtiger Faktor könnte den Bullen im Kampf gegen diese düstere Prognose helfen.

