Wird Schokolade zum Luxus? Teurer Kakao und Zucker gefährden Industrie
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Wird Schokolade zum Luxus? Teurer Kakao und Zucker gefährden Industrie

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Simeon Koch

Saure Zeiten für die deutsche Süßwaren-Industrie: Letzten Herbst stiegen die Preise für Kakaobohnen um mehr als 50 Prozent, rund um Weihnachten zogen die Zuckerpreise um mehr als ein Viertel an, nicht nur die Herstellung von Schoko-Nikoläusen wurde deutlich teurer. Im Februar dann der erste große Knall: Die drei traditionsreichen Süßwarenhändler Hussel, Eilles und Arko beantragten Insolvenz. 300 Filialen stehen allein in Deutschland auf der Kippe, für drei Monate sind die Gehälter der Belegschaft zumindest gesichert. Laut offiziellen Angaben sind den Unternehmen die Preissteigerungen für die Grundzutaten ihrer süßen Produkte zum Verhängnis geworden, die vorerst letzte Hoffnung richtet sich nun auf das Ostergeschäft. Viel einfacher dürfte der Markt für die Confiserie-Größen aber auch in den nächsten Wochen nicht werden. Ernte-Ausfälle in wichtigen Erzeugerstaaten sorgen für Kaffee- und Kakao-Engpässe, der Zuckerpreis hat sich nach seinen Rekordständen im letzten November zwar wieder abgekühlt, stieg seit Jahresbeginn aber wieder deutlich. Auch internationale Schwergewichte der Süßwaren-Branche geraten zunehmend unter Druck.

Historische Preise und Goldsuche verknappen Märkte

Von einer „Periode historisch hoher Kakao- und Zuckerpreise“ sprach Michele Buck, Geschäftsführerin des $40 Milliarden schweren nordamerikanischen Konzerns Hershey vor wenigen Tagen. Die hohen Kosten für die unverzichtbaren Agrarrohstoffe zwingen Hershey laut Buck, drastische Sparmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören neben Preissteigerungen der eigenen Produkte auch der Abbau von Hunderten Arbeitsplätzen. Auch der milliardenschwere nordamerikanische Donut-Produzent Krispy Kreme rechnet laut einer offiziellen Stellungnahme mit Preissteigerungen von 20 Prozent allein für Zucker und will den Gürtel künftig ebenfalls enger schnallen. Und tatsächlich war Zucker im vergangenen Jahr so teuer wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Schlechte Ernten der größten Erzeugerländer Indien und Brasilien führen schon seit drei Jahren zu sprunghafter Teuerung auf den Märkten, von 2020 bis Ende 2023 stieg der Preis für Rohrzucker um satte 54 Prozent. Zwar fiel der Zuckerkurs nach dem großen Handelsvolumen im Weihnachtsgeschäft markant ab, seit Jahresbeginn stehen aber erneut zweistellige prozentuelle Zuwachsraten zu Buche.

Hinzu kommen Schutzzölle der Europäischen Union, die ihre Zuckerproduzenten vor dem Wettbewerbsdruck aus Niedriglohn-Regionen schützen will. Das könnte sich mit dem Freihandelsabkommen Mercosur ändern – bis zum finalen Beschluss der seit Jahren diskutierten Zollgemeinschaft, unter anderem mit dem Zucker-Giganten Brasilien, dürfte es aber noch einige Zeit dauern. Ungünstige Wetterbedingungen sind auch für die Kakao-Krise verantwortlich. Laut Schätzungen fiel die Ernte in den weltweit wichtigsten kakaoproduzierenden Ländern Elfenbeinküste und Ghana um teils über 50 Prozent schwächer aus als im Vorjahr. Verantwortlich waren aber nicht nur starke Regenfälle, Fäulnis an den Kakaobohnen und Schädlingsbefall, sondern auch der Goldrausch im globalen Süden: Immer mehr illegale Goldschürfer kaufen Plantagenland in Kakaoregionen, wodurch die Anbaufläche stark zurückgeht. Die Goldsuche führt außerdem zur Verunreinigung des Grundwassers und dezimiert Waldbestände, wodurch die landwirtschaftlichen Flächen auch für den Kakao-Anbau langfristig unbrauchbar werden.

Kaffee und Kakao so teuer wie seit Jahren nicht

Ghanas Ernte-Aussichten waren vergangenen Sommer so gering wie zuletzt vor 13 Jahren. Anfang Februar sind die globalen Kakaopreise um satte 65 Prozent höher als noch im Vorjahr, im Vergleich zu 2020 sind sie um fast 90 Prozent gestiegen. Die finanzielle Bürde für die Industrie wird damit nicht geringer, im Gegenteil: Billy Roberts, Lebensmittelökonom bei der milliardenschweren nordamerikanischen Agrarbank CoBank bemerkte erst vergangene Woche: „Die Kakao-Probleme kommen zu einer besonders herausfordernden Zeit für Hersteller – besonders mit Blick auf die immens gestiegenen Zuckerpreise über die letzten drei Jahre“. Demnach hielte sich die Preise für Kakao-Futures „nahe absoluter Rekordmarken, der Markt zeigt kaum Zeichen nachhaltiger Korrekturen“. Erst die nächsten Ernten aus Westafrika im Spätsommer und Herbst könnten für Entspannung sorgen. Trotzdem bleibt die afrikanische Produktion sogar hinter bereits verringerten Schätzungen zurück, die Internationale Kakao-Organisation warnt vor einem weltweiten Rückgang der Bestände um fast 150 000 Tonnen in den nächsten Monaten. Auf die Nachfrage an den Handelsbörsen dürfte das starken Einfluss haben – ähnlich wie aktuell beim Kaffee.

Profitieren von Märkten, die jeder braucht

Historisch niedrige Lagerbestände und Lieferprobleme führten bei Robusta – mit 30 Prozent Marktanteil die zweitpopulärste Kaffeesorte der Welt – Ende Januar nach einem Preiszuwachs von knapp 60 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten zu den höchsten Exportpreisen seit 16 Jahren. Grund dafür sind anhaltende militärische Scharmützel im Roten Meer, wo die Huthi-Milizen seit Monaten Transportschiffe angreifen. Der Suezkanal ist nahezu blockiert, kürzlich eskalierte die Situation nach mehrfachen Bombardements des nordamerikanischen Militärs. Von den Lieferschwierigkeiten sind auch Brennstoffen wie Rohöl und Erdgas betroffen, deren Preise in den letzten Monaten ebenfalls starke Volatilität erlebten. Beim Arabica-Kaffee, der den Markt mit einem Anteil von gut 60 Prozent dominiert, dürften die Preise bis zur zweiten Jahreshälfte hoch bleiben, da internationale Lagerstände auch hierbei kritische Tiefstände vermelden.

Gute Wetteraussichten für die anstehende brasilianische Ernte-Saison ließen den Markt zwar aufatmen, laut dem nordamerikanischen Landwirtschaftsministerium liegt der globale Konsum derzeit bei knapp 170 Millionen 60-Kilogramm-Einheiten und kann damit gerade so von der weltweiten Produktion von gut 171 Millionen gedeckt werden. Dieses fragile Gleichgewicht gerät durch unvorhergesehene wirtschaftliche, politische oder klimatische Umwälzungen schnell aus dem Gleichgewicht – ähnlich wie bei Zucker und Kakao. Für Anleger sind die Agrarrohstoff-Märkte in diesen Zeiten der Knappheit besonders interessant – winken doch hohe Preise und lukrative Handelsmöglichkeiten durch anhaltende oder neu auftretende Verknappungen. In unserem Agrar-Paket analysieren wir die Zucker-, Kakao- und Kaffeemärkte täglich und geben Signale, sofern sich erträgliche Einstiegschancen ergeben. Komplettiert wird das Paket durch den globalen Weizenmarkt, der gerade ebenfalls am Scheideweg steht: Während die nordamerikanischen Exporte stagnieren, plant Russland, seine Ausfuhren aufzustocken. Laut unserer Analyse dürfte beim Weizen aus rein technischer Sicht eine impulsive Bewegung kurz bevorstehen. Spektakel ist auch weiter zu erwarten auf diesen Märkten, denen die konstante Nachfrage nie ausgeht – Lebensmittel braucht schließlich jeder. Abschließend sei hier noch angemerkt, dass wir die aufgeführten Werte anhand von CFDs (engl.: Contract for Difference; dt.: Differenzkontrakt) handeln. Somit setzen wir hier auf die Kursentwicklung, die Preise der jeweiligen Agrarstoffe werden auf diese Weise nicht beeinflusst. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über den Handel mit Rohstoffen.

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Simeon Koch

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