Willkommen im Gold-Bärenmarkt! (Bitcoin gefällt das)
#Kryptowährungen

Willkommen im Gold-Bärenmarkt! (Bitcoin gefällt das)

Author

Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit Beginn des Iran-Kriegs ist Gold stark gefallen, Bitcoin steigt
  • Starker US-Dollar und steigende Anleihezinsen belasten Gold
  • BTC-Stärke gegen Gold könnte weiter anhalten

Ein Bärenmarkt wird im klassischen Finanzjargon als ein Kursrückgang von mindestens 20 Prozent vom letzten Hoch definiert. Genau das ist gerade im Edelmetall-Sektor zu beobachten: Gold ist von seinem Allzeithoch bei rund 5600 US-Dollar Ende Januar innerhalb von zwei Monaten um etwa 25 Prozent auf rund 4100 Dollar gefallen. Damit befindet sich das Edelmetall technisch im Bärenmarkt.


Verkehrte Welt? Seit Beginn des Iran-Kriegs ging es für Gold steil bergab, während Bitcoin sich von seiner Korrektur erholte. Geht das jetzt so weiter?


Was auf dem Chart klar erscheint, wirft bei Marktbeobachtern gerade viele Fragen auf: Warum ist Gold so schwach, obwohl die Unsicherheit an den globalen Börsen wegen Iran-Krieg, drohender US-Rezession und Zinssenkungspause der Fed maximal ist? Warum um alles in der Welt performt Bitcoin seit Beginn des Iran-Krieg stärker als Gold? Und wie geht es jetzt weiter für Edelmetalle und den Kryptomarkt?

Krisen überall: vier Gründe, warum Gold trotzdem fällt

Eigentlich gilt Gold als klassischer Krisengewinner. Doch aktuell zeigt sich ein scheinbarer Widerspruch: Trotz geopolitischer Spannungen rund um die Straße von Hormus und steigender Ölpreise fällt der Goldpreis deutlich. Der erste Grund liegt darin, dass nicht jede Krise automatisch bullisch für Gold ist – entscheidend ist, welche Art von Unsicherheit dominiert und wie die Finanzmärkte darauf reagieren.

Im aktuellen Umfeld sorgt der Konflikt vor allem für Inflationsängste. Höhere Energiepreise treiben die Teuerung. Ist das nicht eigentlich die perfekte Voraussetzung für die Inflationsabsicherung, die Gold bietet? Nicht ganz, denn hier liegt der Knackpunkt: Die Erwartung langfristig höherer Inflation verstärkt die Erwartung, dass Zinsen länger hoch bleiben oder sogar steigen könnten. Diese Perspektive belastet Gold, da es selbst keine Zinsen abwirft.


Wenn Anleihezinsen steigen, fällt Gold in der Regel: Höhere Leitzinsen und steigende Renditen auf Staatsanleihen machen Gold weniger attraktiv.


Steigt der Leitzins, werden andere Anlagen attraktiver, die den Leitzins abbilden – etwa Geldmarktfonds oder Staatsanleihen, weil sie direkte Rendite abwerfen. Daher Grund zwei für die aktuelle Gold-Schwäche: Anleger achten zurzeit weniger auf den sicheren Hafen-Status von Gold und mehr auf reale Renditen. Diese realen Renditen steigen gerade vor allem bei Staatsanleihen, die mit Leitzins-Erwartungen eng zusammenhängen.

Leseempfehlung: Warum die USA Bitcoin zum Überleben brauchen!

Die Logik ist einfach: Will der Staat neue Schulden machen (und diese neuen Schulden brauchen die USA regelmäßig), muss er Käufer für seine Anleihen finden. Um die Käufer davon zu überzeugen, dem Staat Geld zu geben, müssen die Konditionen mindestens so gut sein wie die Zinsen, die Anleger woanders erhalten würden (also der allgemeine Leitzins). Deshalb steigen die Renditen länger laufender Staatsanleihen, wenn der Markt mittel- bis langfristig höhere Zinsen erwartet.


Historisches Muster: Ist der Übergang der Fed zu lockerer Geldpolitik (Fed-Pivot) absehbar, startet Gold durch. Steigen die Zinsen wieder an, wird die Rallye abgewürgt.


Und hier kommt das nächste (dritte) Problem ins Spiel: Gold ist besonders in Zeiten (erwarteter) geldpolitischer Lockerung gefragt. Dann rechnet der Markt nämlich mit niedrigen Zinsen und viel frischem neuem Geld. In solchen Phasen werfen Anleihen weniger Zinsen ab (der Markt rechnet mit fallenden Leitzinsen), während Gold als Absicherung gegen erwartete Inflation stärker nachgefragt wird und als zinsloses Asset glänzen kann (auch, weil verzinste Assets in Niedrigzinsphasen keine Konkurrenz darstellen).

Diese Erwartung verhalf Gold in den letzten Monaten zu seinen starken Anstiegen, hat sich nun aber abrupt ins Gegenteil verkehrt – schlecht für Gold.  Und schließlich Grund vier für die Gold-Schwäche: Wenn der Markt gleichzeitig wirtschaftliche Stagnation und Inflation (die berüchtigte Stagflation) erwartet, wird Liquidität besonders wichtig. Investoren parken Kapital eher in leicht handelbaren, verzinsten Anlagen statt in Gold.

Krisendollar und Anleihe-Boom: Deshalb ist Gold im Bärenmarkt

Für Edelmetalle wirken gerade also vier Faktoren belastend: attraktivere Anleihe-Zinsen, der abrupte Wechsel in der geldpolitischen Markterwartung (Straffung statt Lockerung) sowie der Anleger-Fokus auf reale Renditen und verfügbare Liquidität bei möglicher Stagflation. Die Märkte preisen inzwischen verzögerte Zinssenkungen ein – teilweise werden sogar wieder Zinserhöhungen diskutiert.

Zusätzlich sorgt die Unsicherheit über die Geldpolitik für Zurückhaltung. Anleger warten ab, statt in Gold zu investieren. Die Hoffnung auf schnelle Lockerungen weicht der Realität einer restriktiveren Geldpolitik. Damit wird Gold erneut doppelt belastet: durch womöglich bald höhere Zinsen und durch fehlende neue Liquidität im Markt. Hinzu kommt eine sehr ungewöhnliche Kombination aus einem starken US-Dollar-Index (DXY) und gleichzeitig steigenden Anleiherenditen.


Ein starker US-Dollar macht Gold für ausländische Anleger teurer (fremde Währungen sind schwächer). Deshalb entwickeln sich DXY und Goldpreis gegenläufig.


Der Mechanismus dahinter ist einfach: Steigende Renditen machen Anleihen attraktiver, ein starker Dollar verteuert Gold für internationale Käufer. Gleichzeitig erhöht der Dollar als sicherer Hafen die Konkurrenz zu Gold. Vor der Corona-Krise war die Korrelation zwischen dem US-Dollar-Index (DXY) und den Zinsen der 10-jährigen US-Anleihen meist negativ.

Steigende Renditen deuteten auf eine straffere Geldpolitik bei guter Konjunktur hin, was den Dollar tendenziell belastete, weil Wachstum und Risikoappetit Kapital auch in andere Währungen lenkten. Seit der Corona-Pandemie hat sich dieses Muster verändert. Der US-Dollar korreliert seitdem auffällig häufig mit den Anleihezinsen. Früher kauften Anleger in unsicheren Zeiten gleichermaßen US-Dollar (DXY steigt) und US-Anleihen (Zinsen fallen wegen hoher Nachfrage).

Dieser Mechanismus ist aber nicht mehr so selbstverständlich: Die expansive Geldpolitik der Fed hat das Vertrauen in den US-Haushalt belastet. Der Dollar gilt weiterhin als sicheres Asset und wird in Krisen gekauft, US-Anleihen allerdings nicht unbedingt. Aktuell ist die Nachfrage gering (Anleihezinsen steigen).


Normalerweise fallen Anleihezinsen, wenn der Dollar-Index steigt (und umgekehrt). Seit Corona ist das anders – mit starken Auswirkungen auf den Goldmarkt.


Für Gold ist das eine explosive Mischung: Fallen der Dollar und Anleihezinsen gemeinsam, bekommt das Edelmetall doppelten Rückenwind: Durch den schwachen Dollar wird Gold für ausländische Käufer günstiger, die niedrigen Anleihezinsen machen Gold im Vergleich attraktiver – beides steigert die Nachfrage nach dem wertvollsten Edelmetall. Dreht sich diese Logik um (starker Dollar, hohe Anleihezinsen), wirkt jedoch beides negativ auf Gold – eine Dynamik, die gerade zu beobachten ist.

Warum Bitcoin jetzt profitieren kann

Auffällig ist, dass Bitcoin seit Beginn des Iran-Konflikts vor rund vier Wochen besser performt hat als Gold – nachdem das Edelmetall zuvor monatelang vorne lag. Das deutet auf eine Rotation im Markt hin: Kapital fließt aus defensiven in chancenreichere Anlagen.

Ein wichtiger Faktor ist die konjunkturelle Entwicklung. Frühindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex (PMI) liegen seit zwei Monaten über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das spricht für wirtschaftliche Expansion – und stützt industrielle Rohstoffe wie Kupfer, das als Konjunkturbarometer gilt. Sofern die expansive Tendenz anhält und nicht von hoher Inflation und neuerlicher geldpolitischer Straffung eingebremst wird.


Seit Dezember 2024 befindet sich Bitcoin relativ zu Gold in einem zyklischen Bärenmarkt. Seit dem Iran-Krieg geht es wieder aufwärts. Warum ist das so?


Gleichzeitig setzen Anleger auf zukünftige Liquidität. Politische Signale wie mögliche Stimulus-Schecks aus dem Weißen Haus wie zur Corona-Zeit und der ab Mai neue Fed-Chef Kevin Warsh, der als Vertrauter von Donald Trump gilt und offener für Zinssenkungen sein dürfte als sein noch amtierender Vorgänger Jerome Powell, nähren trotz aktueller Turbulenzen die Erwartungen an lockerere Geldpolitik. Kryptowährungen profitieren besonders stark von solchen Liquiditätsschüben.


Stieg der PMI nachhaltig, ging Bitcoin stets in einen starken Bullenmarkt. Wiederholt sich das Muster nach dem PMI-Ausbruch über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten?


Ein zusätzlicher, oft übersehener Faktor ist die neue eSLR-Regel. Vereinfacht gesagt, müssen große Banken künftig weniger Kapital für sichere Geschäfte wie den Handel mit Staatsanleihen zurückhalten. Dadurch wird mehr Geld im System beweglich. Die Trump-Regierung will mit dieser Änderung das Monopol der Fed auf geldpolitische Regelung schwächen.

Leseempfehlung: Was die jüngste Fed-Zinsentscheidung für BTC und ETH verändert

Gerade in einem Umfeld hoher US-Staatsschulden (zuletzt rund 39 Billionen Dollar, was das Volumen neuer Staatsanleihen steigert, die von Banken aufgekauft werden können) erhöht das die Marktliquidität. Davon würden risikoreichere Assets erneut profitieren, während Gold relativ an Attraktivität verliert.

Bitcoin stärker als Gold: Krypto-Boom dank Trump?

Bisher hat Donald Trump dem Kryptomarkt in seiner aktuellen Amtszeit wenig geholfen. Bitcoin hatte ein schwaches Jahr 2025; Altcoins fielen seit Trumps Amtsübernahme kontinuierlich. Und selbst die Krypto-Gesetze, die Trump groß ankündigte – etwa der Clarity Act gegen Marktmanipulation oder der Genius Act für Stablecoins – lassen noch auf sich warten.

Trumps Politik könnte dem Kryptomarkt aber schon bald auf anderem Wege sehr entgegenkommen. Stichwort Liquidität. Mit Kevin Warsh, den Stimulus-Schecks und der neuen eSLR-Regelung will die Trump-Regierung die geldpolitischen Zügel selbst wieder stärker in die Hand nehmen. Die Botschaft scheint klar: Wenn die Fed nicht lockern will, macht es die Regierung eben selbst – nur eben auf anderem Wege.

Das bedeutet nicht, dass die Geldschleusen sofort geöffnet werden wie zu Corona-Zeiten. Und auch nicht, dass umgehend ein fulminanter Krypto-Bullenmarkt beginnt. Ebenso wie Gold steckt BTC schließlich immer noch in einer korrektiven Bewegung fest. Aber die Vorzeichen beginnen, sich zu verändern. Und das spüren sowohl Gold als auch Bitcoin. Jedes Asset auf seine Weise.

Leseempfehlung: Warum steigt Bitcoin, während Gold und Aktien fallen?

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Gold & Bitcoin

Warum fällt der Goldpreis so stark?

Gold ist nach der steilen Rallye der letzten Monate in eine technisch absehbare Korrektur übergegangen. Fundamental wird die Nachfrage von Gold von mehreren Faktoren belastet: Staatsanleihen werden wegen steigender Anleihezinsen attraktiver, mögliche wirtschaftliche Expansion kann industriell genutzte Metalle wie Kupfer oder auch Risiko-Anlagen wie Bitcoin und Kryptowährungen spannender machen.

Was kostet 1g Gold aktuell?

Ein Gramm Feingold (999.9 Reinheit) kostet aktuell knapp 125 Euro (145 US-Dollar). Eine Unze (31.1 Gramm Feingold) liegt derzeit bei gut 3860 Euro (4500 US-Dollar). Beim physischen An- und Verkauf können sich wegen Gewinnspannen der beteiligten Händler für Privatpersonen andere Preise ergeben. So liegen aktuelle Verkaufspreise pro Gramm Feingold häufig zwischen 140 und 170 Euro.

Was ist die Prognose für den Goldpreis 2026?

Der Goldpreis dürfte Ende Januar bei rund 5600 US-Dollar pro Feinunze ein zyklisches Hoch erreicht haben und nun in eine längere Korrektur übergehen. Dabei kann es im ersten Schritt deutlich unter 4000 Dollar gehen, mittel- bis langfristig erwarten wir sogar eine Rückkehr in Richtung der 2000-Dollar-Marke (keine Anlageberatung!) Nähere Informationen zu unserer technischen Elliott-Wellen-Analyse sowie zu möglichen Einstiegszonen finden sich in unserem Gold-Analysepaket.

Was ist Bitcoin genau?

Bitcoin (Ticker BTC) ist die erste global akzeptierte und gehandelte Kryptowährung. Bitcoin entstand im Jahr 2009 und geht auf den anonymen Entwickler Satoshi Nakamoto zurück. Die Idee hinter Bitcoin ist, Knappheit und monetären Wert im digitalen Raum abbilden zu können. Bitcoin basiert auf der Blockchain-Technologie, was jede Transaktion überprüfbar und nachvollziehbar macht. Zu Beginn kostete ein BTC wenige Cent, heute handelt Bitcoin bei rund 70 000 US-Dollar.

Wie viel wird Bitcoin 2026 wert sein?

Bitcoin hat seit seiner Entstehung eine fulminante Wertentwicklung hingelegt. Scharfe Korrekturen und hohe Volatilität gehören dabei seit den ersten Handelstagen dazu. Auch aktuell durchläuft Bitcoin eine längere Korrektur, die seit dem letzten Allzeithoch bei rund 126 000 US-Dollar Ende September 2025 anhält. Laut unserer technischen Analyse kann BTC kurzfristig noch weiter fallen, Preislevels rund um 30 000 US-Dollar bleiben möglich.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.