Tesla steckt in der Zwickmühle: Einerseits will man mit den ersten selbstfahrenden Modellen die nächste große Wachstumswelle anstoßen und dafür die Werbetrommel rühren. Andererseits vergrault die unerwartet offensive Trump-Kampagne von Geschäftsführer Elon Musk nicht nur Kunden, sondern auch eine ganze Reihe potenzieller Werbepartner. Vor der lang erwarteten Präsentation des ersten autonomen Tesla-Taxis hat Musk bei den Machern des Blockbusters Blade Runner 2049 angefragt, um Filmmaterial in seine Show bei Warner in Los Angeles einbinden zu dürfen. Obwohl die Produzenten ablehnten, soll Musk das Copyright des Films verletzt haben. Jetzt hat Tesla nicht nur ein unverblümtes Statement der Filmemacher, sondern auch noch eine Schadenersatz-Klage an der Backe. Nervös dürfte Elon Musk deshalb nicht werden – schließlich sind die jüngsten Quartalszahlen endlich wieder formidabel. Sind Musks Trump-Avancen doch kein so großes Problem für Tesla?
Musk spendet $72 Millionen an Trump
Bis vor einem halben Jahr war Elon Musk eigentlich nicht für politischen Opportunismus bekannt – dass er sprunghaft ist, stellte er allerdings schon öfter unter Beweis. Noch im Juli fragten ihn die Medien, ob es stimme, dass er Trump mit $45 Millionen unterstützen wolle, wie Insider von ihm persönlich erfahren haben wollten. Musk dementierte die Gerüchte und wies darauf hin, dass sein Geld an eine Organisation fließe, die republikanische Werte vertrete – nicht aber an Donald Trump direkt: „Ich würde nicht sagen, dass ich ein MAGA-Anhänger bin“, erklärte Musk und spielte dabei auf Trumps Slogan Make America Great Again (MAGA) und die zugehörige Bewegung an. „Ich glaube, Amerika ist schon groß. Ich bin eher so der MAG-Typ, also Macht Amerika Größer.“
Musks Behauptung, mit seinen großzügigen Spenden gar nicht im Sinn zu haben, Trump unmittelbar zu finanzieren, ist spätestens seit einer Woche nicht mehr ganz so glaubwürdig. Laut Unterlagen der nordamerikanischen Wahlkommission spendete die von Musk gegründete und alimentierte Organisation America PAC im zurückliegenden dritten Quartal zwischen Juli und September stolze $72 Millionen an Donald Trump. Elon Musk wird laut Medienberichten als einziger Spender von America PAC geführt. Auch auf X, vormals Twitter, hat sich Musks Zurückhaltung bei Wahlfragen ins Gegenteil verkehrt: Fast täglich veröffentlicht Musk Trump-freundliche Tweets und Provokationen in Richtung der Demokratischen Kandidatin Kamala Harris, wobei Musks Äußerungen in der Regel weder besonders sachlich noch wahrheitsgetreu sind.
„Elon Musks Hassrede“: Filmstudio verklagt Tesla
Das scheint auch den Machern des 2017 erschienenen Blockbusters Blade Runner 2049 sauer aufzustoßen. Blade Runner spielt vor der dystopischen Kulisse eines durch Klimawandel und industrielle Katastrophen zerstörten Los Angeles des Jahres 2049. Eine zentrale Rolle nehmen dabei futuristische Technologien ein, unter anderem ein selbstfahrendes, KI-gesteuertes Auto. Wenig überraschend hat Elon Musk eine Schwäche für den Film und soll laut Alcon, der Produktionsfirma hinter Blade Runner, Filmmaterial für die Präsentation seines Cybercabs in den Warner Brothers Studios in Los Angeles angefragt haben. Alcon aber lehnte ab und schrieb in einem Statement, dass man nicht mit Tesla und noch weniger mit Musk in Verbindung gebracht werden wolle.
„Jede umsichtige Marke, die eine Partnerschaft mit Tesla in Erwägung zieht, muss das massiv überdrehte, hochgradig politisierte, launische und willkürliche Verhalten von Musk berücksichtigen, das manchmal in Hassreden ausartet“, schrieb Alcon in einem markigen Statement. So weit wäre es aber gar nicht gekommen, hätte Musk sich der Weigerung des Blade Runner-Produzenten nicht widersetzt und Inhalte des Films für seine Bühnenshow kopiert. Zwar stammt Teslas Darstellung von aus einem KI-Bildgenerator, Alcon aber erkennt offensichtliche Parallelen zur eigenen Blade Runner-Kulisse. Musks Präsentation sei „eindeutig ein vorsätzlich bösartiger Schachzug, um den ansonsten gestelzten und steifen Inhalt der Tesla-Veranstaltung attraktiver zu machen und die Marke Blade Runner zu missbrauchen, um den Verkauf zu fördern“.
Solider Umsatz, starker Gewinn: Tesla wieder in der Spur
Alcon fordert nun Schadenersatz und ein ausdrückliches Verbot für Tesla, Filminhalte aus Blade Runner oder ähnliche Darstellungen kommerziell zu verwenden. Das hollywoodreife Statement der Filmemacher ist nicht der erste Schuss vor den Bug, den Tesla wegen Musks Trump-Avancen kassiert. Schon die schwachen Verkaufszahlen im zweiten Quartal wurden von vielen Analysten damit erklärt, dass Elon Musks ideologische Entwicklung viele junge und linksliberale Kunden verschrecke. Zumindest für den Moment aber dürfte sich diese Sorge zerstreuen, nachdem Tesla gestern unerwartet starke Quartalszahlen veröffentlichte und seine Investoren damit überraschte.
Die ersten zwei Quartale dieses Jahres schloss Tesla negativ ab, von Mai bis Juni brach der Gewinn um alarmierende 42 Prozent im Jahresvergleich ein. Nun aber scheint der ehemalige E-Auto-Shootingstar zurück in der Erfolgsspur zu sein. Von Juli bis September stieg der Umsatz im Jahresvergleich um solide acht Prozent auf nun $25.2 Milliarden, was haarscharf unter der Analysten-Schätzung von $25.4 Milliarden lag. Eine deutliche Effizienz-Steigerung offenbart der Nettogewinn, der von $1.9 Milliarden vor einem Jahr auf $2.2 Milliarden anstieg und damit um 17 Prozent wuchs. Das schwache zweite Quartal wurde damit um fast 50 Prozent übertroffen.
Stärke beweist Tesla auch im Kerngeschäft: Obgleich Musk in letzter Zeit öfters dafür kritisiert wurde, seinen Fokus zu sehr auf Künstliche Intelligenz und Teslas autonomen Roboter Optimus zu legen, läuft die Autoproduktion wie am Schnürchen. Ganze 470 000 Fahrzeuge fertigte Tesla im dritten Quartal, 463 000 lieferte man aus. Auch der Blick in die Zukunft ist laut Elon Musk vielversprechend: Im nächsten Jahr werde die Zunahme der Autoproduktion 20 bis 30 Prozent betragen dank „günstigerer Fahrzeuge“ und „zunehmend autonomer Abläufe“, wie Musk bei der Präsentation der Quartalszahlen ankündigte. Selbst das bisherige Sorgenkind Cybertruck erzielt laut Tesla-Statement „zum ersten Mal positive Margen“. Und auch das aktuelle Jahr will man mit positiven Nachrichten abschließen, verkündete Tesla: „Trotz anhaltend schwieriger makroökonomischer Bedingungen erwarten wir leichtes Wachstum bei den Auslieferungen 2024“. Die Tesla-Aktie stieg vorbörslich um rund zwölf Prozent.


Seinen ersten großen Wahlkampf-Auftritt an Donald Trumps Seite hatte Elon Musk am 5. Oktober in Butler – dort, wo Trump im Juli fast Opfer eines Anschlags geworden wäre.
Oben ein Ausschnitt aus dem Film Blade Runner 2049, unten Teslas ‚Interpretation‘. Der Produzent Alcon Entertainment verklagt Tesla wegen Coypright-Verletzung auf Schadenersatz.
Endlich wieder auf Wachstumskurs? Teslas Umsatz und Gewinn wuchsen im Jahresvergleich deutlich. Die Produktion soll nächstes Jahr noch einmal deutlich wachsen.

