Man sagt, der Fußball sei ein undankbares Geschäft. Die besten Spieler der Welt sind so lange Topstars, bis die Leistung nicht mehr stimmt. Dann verschwinden viele in der Versenkung, werden von ihren Vereinen unsentimental verabschiedet. Der letzte Vertrag läuft aus und frühere Weltkarrieren enden in der Versenkung – der Medienrummel schmeißt sich derweil den neuen heißen Namen an den Hals. Für die altgedienten Recken hat die schnelllebige Sportwelt nicht mehr viel übrig. Cristiano Ronaldo kickt jetzt in der Wüste, Messi lässt die Karriere an den sonnigen Stränden von Los Angeles ausklingen – und auch Neymar, der lange als rechtmäßiger Nachfolger der beiden galt, steht mittlerweile bei einem No-Name-Klub aus Saudi-Arabien unter Vertrag. Aus den weltweiten Schlagzeilen, die sie mehr als ein Jahrzehnt dominierten, sind alle drei verschwunden. Wenn sie überhaupt mal Erwähnung finden, dann trauern nostalgische Kommentatoren ihren großen Zeiten nach – oder machen sich über ihr Karriereende in der fußballerischen Bedeutungslosigkeit lustig. Im Rampenlicht stehen stattdessen die jungen Haalands, Bellinghams und Musialas dieser Welt.
Warum beginnt ein Text über drei Top-Altcoins mit einem Exkurs über die Undankbarkeit des Spitzenfußballs? Ganz einfach: Weil es den alten Helden des letzten Bullenmarktes um Cardano, Quant und Polkadot, aber auch Polygon und Decentraland gerade ganz genauso geht: Sie alle blieben in der letzten großen Rallye im Frühjahr weit unter ihren Rekordständen von 2021. Als alle damit rechneten, dass nach dem Bitcoin-Lauf auf ein neues Allzeithoch jetzt auch diese etablierten Altcoin-Projekte nachziehen würden, wurde bitter enttäuscht. In rund fünf Monaten gaben viele der größten Kryptowährungen ihre Gewinne seit Jahresbeginn wieder vollständig ab. Manche taumelten immer weiter und unterboten sogar ihre Tiefstände aus dem vergangenen Bärenmarkt. Ein bisschen geht es diesen alten Recken wie den Fußballstars vergangener Tage. Sie sind nicht mehr frisch und spannend, die Erwartungen waren wegen ihrer früheren Performance aber ungleich höher als an die Newcomer. Das ist eine Situation, in der man nur verlieren kann – und so kam es dann auch: Cardano, Quant und Polkadot blieben hinter den überzogenen Erwartungen zurück, wurden von neuen Coins überflügelt und rutschten nicht nur immer weiter ab, sondern auch vollends von der medialen Bühne. Kaum jemand spricht mehr über sie – und genau das könnte zu ihrer großen Stärke werden.
Polkadot vor größtem Update seiner Geschichte
Aber blicken wir zunächst auf die Projekte selbst. Während sich beim Preis von Polkadot zumindest in Richtung Norden seit Monaten nichts tut, erzielt das Projekt hinter den Kulissen kontinuierlich Fortschritt. In diesem Sommer etwa erscheint Polkadot 2.0 – ein Update, das nötig ist, um die Effizienz und Anwendbarkeit der Blockchain zu verbessern. Ein großes Problem von Polkadot ist das aktuelle System der Slot-Auktionen, bei dem Nutzer einen Parachain-Slot mieten müssen, um das Netzwerk zu nutzen. Dieses System aber schränkt die Teilnahme durch hohe Preise ein und nimmt Entwicklern die Flexibilität, indem es seine Kunden an die gekauften Parachains bindet. Zudem sind die Transaktionszeiten langsamer als bei vielen Wettbewerbern, was die Nutzung erschwert. Aktuell sind Projekte nur auf Parachains beschränkt, was die Entwicklung anderer Anwendungen wie Smart Contracts behindert. Das Update Polkadot 2.0 wird sich all dieser Punkte annehmen: Transaktionszeiten werden beschleunigt, indem mehrere Parachain-Blöcke gleichzeitig verarbeitet werden können. Dies erhöht die Geschwindigkeit und die Menge der speicherbaren Daten. Außerdem wird das Auktionsmodell revolutioniert, sodass Nutzer nur die Ressourcen kaufen müssen, die sie tatsächlich benötigen, was flexibler und kostengünstiger ist.
Zentraler Bestandteil von Polkadot 2.0 ist das bisher größte Update für die Polkadot-Blockchain namens Join-Accumulate Machine (JAM), das im April dieses Jahres angekündigt wurde. Dieses Update bringt wichtige Änderungen für die Relay Chain, also das zentrale Element von Polkadot, das alle unabhängigen Parachains miteinander verbindet. JAM soll die Relay Chain durch ein einfacheres und flexibleres Design ersetzen. Dadurch wird Entwicklern ermöglicht, direkt Programme auf der Relay Chain zu erstellen, ohne vorher an teuren Versteigerungen teilnehmen zu müssen. Das bisherige Auktionssystem wird durch ein neues Modell ersetzt, bei dem Nutzer Rechenleistung monatlich kaufen und weiterverkaufen können. So soll die Nutzung flexibler und das gesamte Ökosystem leichter zugänglich werden. Die Bezahlung für solche Leistungen der Blockchain wird mit DOT, dem nativen Token von Polkadot, abgewickelt. Polkadot 2.0 und JAM sind also gemeinsam darauf ausgerichtet, künftiges starkes Wachstum im gesamten Netzwerk möglich zu machen und trotz hoher Auslastung die Funktionalität zu garantieren.
Cardano will wachsen – und die Community stärken
Effizienz ist auch ein Grundproblem der Cardano-Blockchain, die Konkurrenten wie Solana in nahezu allen relevanten Kennzahlen deutlich unterlegen ist. Während die Zahl der Cardano-Adressen seit fast einem Jahr bei etwa 4.45 Millionen stagniert, zieht Solana kontinuierlich neue Nutzer an. Solana verzeichnet beeindruckende 1.6 Millionen täglich aktive Adressen im Vergleich zu lediglich 25 500 bei Cardano. Auch bei den täglichen Transaktionen hat Solana mit 37.7 Millionen einen klaren Vorsprung gegenüber Cardano, das nur 39 200 Transaktionen verarbeitet. Im Bereich des Total Value Locked (TVL) dominiert Solana ebenfalls – mit $4.8 Milliarden USD im Vergleich zu den $200 Millionen von Cardano. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Großteil der Solana-Transaktionen laut Experten von Bots durchgeführt und die Zahl der aktiven Adressen künstlich für die Statistik aufgeblasen werden soll. Demnach dürfte die Zahl der aktiven menschlichen Nutzer auf Solana eher zwischen 20 000 und 150 000 liegen, anstatt in die Millionen zu gehen. Außerdem verwendet Cardano einen Mechanismus, der viele Blockchain-Operationen zu einer Transaktion zusammenführt, um Ressourcen zu sparen. Dass auf Cardano auf den ersten Blick so viel weniger Transaktionen getätigt werden, liegt also auch daran, dass die Messung ganz anders funktioniert als etwa bei Solana.
Es gibt aber auch sehr gute Nachrichten bei Cardano: Die Entwickleraktivität ist zuletzt stark gestiegen. Cardano gehört in dieser Kategorie zu den stärksten Layer-One-Blockchains und übertrifft in diesem Bereich sogar Ethereum. Und dann ist da noch das aktuell laufende Chang-Update, das die Blockchain grundlegend modifiziert. Chang führt auf Cardano eine dezentrale Governance ein, was bedeutet, dass die Kontrolle von der Entwicklungsfirma Input Output Hongkong (IOHK) unter der Führung von Cardano-Gründer Charles Hoskinson auf die Community des Projekts übergeht. ADA-Inhaber können nun direkt an Entscheidungen über das Netzwerk mitwirken, indem sie an Abstimmungen teilnehmen. Ein weiteres zentrales Ziel des Upgrades ist die Verbesserung der Skalierbarkeit. Cardano wird seine Transaktionsgeschwindigkeit erhöhen und neue Sicherheitsprotokolle einführen, um das Netzwerk besser vor Angriffen zu schützen und Transaktionen zu sichern. Insgesamt zielt das Chang-Update also darauf ab, Cardano sicherer, effizienter und benutzerfreundlicher zu machen, während die Rolle der Community gestärkt wird.
Quant arbeitet mit Finanzgiganten
Während Polkadot und Cardano an ihrer Technologie feilen, setzt Quant auf hochkarätige Partnerschaften. Schon jetzt arbeitet Quant mit der Bank of England, dem Zahlungsdienstleister Mastercard und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel zusammen. Erst im Februar bekam Quant ein wichtiges Patent der nordamerikanischen Behörden für eine selbst entwickelte Methode, um Transaktionen von verschiedenen Blockchains zusammenzuführen. Diese zusätzliche Stärkung der eigenen Interoperabilität trägt ebenso zur Attraktivität des Netzwerks bei wie eine ganze Reihe kürzlicher Blockchain-Updates, die Business-Kunden leichteren Zugang zum eigenen Service ermöglichen. Mitte April gab Quant dann bekannt, eine enge Zusammenarbeit mit UK Finance, dem Fachverband für den britischen Banken- und Dienstleistungssektor, einzugehen. UK Finance vertritt über 300 Unternehmen im Vereinigten Königreich, die Kredit-, Bank- und Zahlungsdienstleistungen anbieten. Quant soll für die Organisation nun eine gemeinsame Investitionsplattform konzipieren, auf der tokenisierte Assets abgebildet werden können. Mit von der Partie sind etwa Barclays, die Citibank, die Londoner Großbank HSBC, die spanische Großbank Santander, die Investmentbank Standard Chartered und der Kreditkartenriese Visa.
Bei keinem der drei Top-Altcoins ist man hinter den Kulissen also faul – auch, wenn die Preis-Performance der letzten Monate etwas anderes vermuten lässt. Technisch und geschäftlich expandieren Polkadot, Cardano und Quant gleichermaßen. Und auch auf eine starke Community können alle drei Projekte dank ihrer jahrelangen seriösen Arbeit vertrauen. Paradoxerweise wird genau diese Bekanntheit in der Frühphase eines Bullenmarktes zum Klotz am Bein dieser Coins. Ihre zweifelsfrei außergewöhnlichen technischen Attribute sind hinlänglich bekannt, große Überraschungen gibt es nicht mehr. Durch die vergleichsweise hohe Marktkapitalisierung von mehr als $11 Milliarden bei Cardano, gut $6 Milliarden bei Polkadot und immerhin $700 Millionen bei Quant sind die Kurse nicht so leicht zu bewegen wie bei Newcomer-Altcoins, die mit einem Fliegengewicht von wenigen Dutzend Millionen ins Rennen starten.
Quant, Polkadt und Cardano wie Messi und Ronaldo?
Wie in den letzten Zyklen auch dürften sich etablierte Altcoins erst auf Strecke durchsetzen – dafür aber umso fulminanter. Während in der letzten großen Rallye vor allem Meme Coins und die heißen Narrative um Künstliche Intelligenz und Real World Assets dominierten, dürften arrivierte Altcoin-Projekte mit einer soliden Community mit der nächsten großen Aufwärtsbewegung des Marktes deutlich aufholen. Schließlich handelt es sich bei ihnen nicht mehr um kurzlebige Hype-Projekte, sondern um große Player, die auf langfristiges Wachstum setzen. Und obwohl der Kryptomarkt oft undankbar mit seinen alten Helden umgeht, werden Quant, Cardano und Polkadot wohl kaum das Schicksal der vergessenen Altmeister des Weltfußballs teilen. Schließlich lassen ihre fundamentalen Fähigkeiten mit zunehmendem Alter nicht nach, wie es bei Messi und Ronaldo ganz natürlicherweise der Fall ist. Vielmehr werden die Blockchain-Netzwerke durch kontinuierliche Entwicklung und Expansion immer stärker. Wie sich dieser Fortschritt in der aktuellen und künftigen Preisentwicklung spiegelt, erfahren Sie in unseren regelmäßigen Updates zu den wichtigsten Altcoins. Cardano, Quant und Polkadot sind selbstverständlich Teil des Pakets!


Wenn sich das Muster der letzten beiden Bullenmärkte wiederholt, könnte die Bitcoin-Dominanz ab Dezember fallen. Etablierte Altcoins dürften davon profitieren.
Quant hat laut unserer Analyse das Tief der aktuellen Korrektur hinter sich gelassen und sollte alsbald über die Widerstände bei $154.05 und $228.30 ansteigen.

