Tech-Earnings: Tesla und Google enttäuschen, Palantir explodiert
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Tech-Earnings: Tesla und Google enttäuschen, Palantir explodiert

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Simeon Koch

Ein Gewinneinbruch von 70 Prozent würde die allermeisten Unternehmen schlagartig das Vertrauen ihrer Anleger kosten. Nicht so bei Elon Musks E-Auto-Weltmarktführer Tesla: Zwar kollabierte der Nettogewinn im vierten Quartal regelrecht auf 2.3 Milliarden US-Dollar, die Tesla-Aktie sprang zur gestrigen Marktöffnung dennoch aufwärts. Da wunderten sich sogar Analysten, die Wallstreet-Bank JPMorgan schrieb: „Uns ist nicht ganz klar, warum die Tesla-Aktie im nachbörslichen Handel am Mittwoch fünf Prozent höher gehandelt wurde“. Eine Theorie hatten die Banker dann aber doch – und versuchten etwas hölzern, das zusammenzufassen, was Elon Musk bei der Präsentation am Mittwochabend von sich gegeben hatte: „Vielleicht liegt es am Ausblick auf 2026 (es gab keine finanziellen Ziele, aber man meinte, es werde ‚episch‘) sowie für 2027 und 2028 (‚lächerlich gut‘).“


Im Wahlkampf unterstützte Musk seinen Favoriten Trump tatkräftig, hadert nun aber mit Trumps ersten Entscheidungen. Trotzdem verspricht er ein "episches" Jahr für Tesla.
Trotz schwacher Bilanz und ungünstigen politischen Entscheidungen von Donald Trump will Tesla schon in diesem Jahr „zum Wachstum zurückkehren“, wie Musk versicherte. An der Börse hatten Musks Worte ähnlich positive Auswirkungen wie die Ankündigungen von Palantir-Geschäftsführer Alex Karp, der angesichts starker Quartalszahlen mal wieder alles andere als bescheiden war: „Unsere Ergebnisse verblüffen immer wieder und belegen unseren festen Platz im Zentrum der KI-Revolution!“ Die Palantir-Aktie schoss daraufhin über zwanzig Prozent aufwärts und erreichte neue Rekordstände jenseits der 100 US-Dollar. In die entgegengesetzte Richtung ging es gestern für das Google-Wertpapier: Beim Suchmaschinen-Riesen schrumpft der Umsatz, das Cloud-Wachstum enttäuscht und teure Investitionen stehen an. Einmal mehr heißt die große Hoffnung: Künstliche Intelligenz.

Trump grätscht Musk in die Stromer-Parade

Die Annahme ist wohl nicht allzu gewagt, dass Elon Musk gerade ziemlich genervt ist von Donald Trump, den er gerade erst mit aggressiver Wahlwerbung ins Weiße Haus befördert hat. Mitte Januar kündigte Trump großspurig ein 500 Milliarden Dollar schweres KI-Förderprogramm an – ließ dabei aber ausgerechnet seinen Günstling außen vor und nominierte stattdessen Musks Lieblingsfeind Sam Altman von OpenAI. Musk reagierte gekränkt und warf den Investoren um Softbank und Oracle vor, das versprochene Geld gar nicht zu haben. Trump ließ sich von Musks Stichelei nicht beeindrucken. Eine Woche zuvor hatte Trump in seiner Antrittsrede angekündigt, staatliche Förderungen für Elektro-Autos zu streichen. Musk ließ sich nichts anmerken und applaudierte artig. Für Tesla ist das trotzdem alles andere als erfreulich.


Dickes Minus beim Gewinn, zwartes Plus beim Umsatz: Tesla hängt zahlentechnisch durch, verzeichnete dank Elon Musks Versprechen aber Zugewinne an der Börse.
Die nächste Hiobsbotschaft folgte Mitte letzter Woche mit der Präsentation der Geschäftszahlen für das vierte Quartal. In den letzten drei Monaten des Vorjahres brach Teslas Gewinn um rund 70 Prozent auf nur noch 2.3 Milliarden US-Dollar ein. Der Preiskampf mit der chinesischen Konkurrenz zwingt Tesla dazu, seine Margen drastisch zu kürzen. Deshalb fiel der Profit so deutlich, während der Umsatz mit einem zarten Plus von zwei Prozent sogar leicht in den grünen Zahlen landete. Rückläufig sind mit einem Minus von sieben Prozent auch die Auslieferungen, mehr als 30 000 Autos weniger brachte Tesla im vierten Quartal an den Mann als noch ein Jahr zuvor. Auch deshalb verfehlte Tesla sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn je Aktie die Erwartungen der Analysten. Mit dem dicken Minus beim Gewinn hatte die Wallstreet schon gerechnet.

Trotzdem stieg die Tesla-Aktie kurz nach Bekanntwerden der Quartalszahlen deutlich – ein Muster, das auch im Frühling des letzten Jahres zu beobachten gewesen war. Damals hatte Elon Musk den stärksten Umsatz-Rückgang seit 2012 bekanntgegeben, der Aktienkurs stieg dennoch. Grund für die paradoxe Euphorie waren damals wie heute große Ankündigungen von Elon Musk, der bei seiner Präsentation vergangene Woche neue und günstigere Modelle versprach, mit denen man wieder profitabler werden wolle. Laut dem Datendienstleister FactSet erwarten gesammelte Analystenprognosen in diesem Jahr Tesla-Verkäufe von 2.07 Millionen Fahrzeugen. Das würde ein Wachstum von 16 Prozent bedeuten. 2022 und 2023 hatte Teslas Wachstumsrate jeweils noch an der 40-Prozent-Marke gekratzt.

Google wächst, aber verfehlt Prognosen

Verlangsamtes Wachstum hat auch die Google-Mutter Alphabet zu beklagen. Der Kundenzustrom bei der hauseigenen Suchmaschine verliert an Dynamik, das Cloud-Wachstum liegt unter den Erwartungen. Vor wenigen Tagen legte Microsoft ähnliche Probleme bei seiner Cloud-Plattform Azure offen. 12.2 Milliarden Dollar Umsatz hatte die Wallstreet von Googles Cloud im vierten Quartal erwartet, geworden sind es mit 11.96 Milliarden etwas weniger. Auch mit dem Umsatz blieb Google hinter den Prognosen zurück, statt der avisierten 96.6 Milliarden Dollar erwirtschaftete man 96.5 Milliarden. Das waren zwar immer noch zwölf Prozent mehr als im vierten Quartal 2023, ausgerechnet aber das Kerngeschäft scheint zu schwächeln: Googles Werbeeinnahmen wuchsen um 10.6 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch elf Prozent gewesen.


Überall grüne Zahlen und doch keine Begeisterung: Google steigert Gewinn und Umsatz zwar deutlich, verfehlte in den wichtigen Bereichen aber die Prognosen.
Ähnliches gilt für die Einnahme aus Suchmaschinen-Diensten: Hier steht mit 12.5 Prozent ebenfalls ein geringeres Plus zu Buche als die 12.7 Prozent im Vorjahresquartal. Enttäuscht reagierten Anleger auch auf die neuen Investitionspläne, die mit 75 Milliarden Dollar deutlich mehr Ausgaben vorsehen als die 58.84 Milliarden, die an der Wallstreet erwartet worden waren. Hoffnung macht laut Finanzchef Anat Ashkenazi derweil die hauseigene KI-Entwicklung, die einen großen Teil der geplanten Investitionen abbekommen soll. Das letzte Jahr habe man „mit mehr Nachfrage abgeschlossen als wir verfügbare Kapazitäten hatten“, resümierte Ashkenazi. Man arbeite „sehr hart daran, deutlich mehr verfügbar zu machen“. Und eigentlich waren die Google-Zahlen mit einem Gewinn-Plus von 28 Prozent ja auch gar nicht übel. An der Börse sackte die Aktie kurz nach Bekanntgabe der Bilanzen dennoch um neun Prozent ab.

„Erst der Anfang“: Palantir auf Rekordjagd

Über zu langsames Wachstum kann man sich bei Palantir nicht beschweren. Rund 36 Prozent ging es für den Umsatz nach oben, die Aktie sprang um mehr als 20 Prozent auf neue Allzeithochs. Erwartet hatte die Wallstreet 776 Millionen Umsatz, Palantir lieferte 827.5 Millionen. Ein Jahr zuvor hatte diese Kennzahl noch 608.4 Millionen Dollar betragen. Auch der Gewinn pro Aktie lag mit 0.14 US-Dollar deutlich über den erwarteten 0.11 Dollar. Für das erste Quartal des aktuellen Jahres lagen die Prognosen bisher bei 799 Millionen Umsatz, Palantir selbst rechnet mittlerweile mit Einnahmen zwischen 858 und 862 Millionen – die nächste positive Überraschung. Aufs gesamte Jahr gerechnet nahmen Palantirs Verkäufe um 29 Prozent zu, der private Sektor bleibt mit einem Minus von 15 Prozent vorerst allerdings das Sorgenkind. Im Vergeich zu den 179 Millionen Dollar im dritten Quartal können sich die 214 Millionen aus dem vierten jedoch sehen lassen.


Palantir glänzt beim Umsatz, hatte zuletzt aber Probleme mit der Profitmarge. Private Aufträge wuchsen zwar im Quartlsvergleich, sind zum Vorjahr aber rückläufig.
Auch die enge Zusammenarbeit mit der US-Regierung bleibt für Palantir profitabel: Ganze 343 Millionen Dollar nahm der Software-Shootingstar mit Aufträgen aus dem Weißen Haus ein, elf Prozent mehr als noch vor einem Jahr. „Wir sind noch immer am Anfang, im ersten Akt einer Revolution, die sich über viele Jahre und Dekaden erstrecken wird.“ Die Geschwindigkeit des eigenen Wachstums stelle laut Karp „alles andere, was man je zuvor gesehen hat, in den Schatten“. Derart großspurigen Worte sind bei Alex Karp nichts Neues, Palantirs Erfolg gibt ihm zumindest vorerst recht. Ganze 340 Prozent stieg die unternehmenseigene Aktie im letzten Jahr und rückte nebenbei in den US-Leitindex S&P500 sowie (gemeinsam mit MicroStrategy) in den Top-100-Index der Tech-Börse Nasdaq auf.

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