Stimmen zählen, Bilanzen öffnen: Die große US-Datenwoche
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Stimmen zählen, Bilanzen öffnen: Die große US-Datenwoche

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Arcan Askin

US-Zwischenwahlen, Arbeitsmarktdaten und europäische Inflation prägen die Wirtschaftstermine der KW 45 vom 2. bis 8. November 2026. Hinzu kommen Einkaufsmanagerindizes aus China und den USA.

Montag: China-PMI, deutscher Handel und US-Industrie

Chinas RatingDog-Einkaufsmanagerindex (EMI) für das verarbeitende Gewerbe liegt aktuell bei 52.00 Punkten, nach 52.10 Punkten zuvor und einer Prognose von 51.60 Punkten. Solche Unternehmensbefragungen messen Veränderungen der Geschäftsaktivität. Werte über 50 Punkten zeigen üblicherweise eine Ausweitung gegenüber dem Vormonat, Werte darunter einen Rückgang. Der neue Wert liegt unter dem Vorwert, aber über der Prognose.

Befragt werden Unternehmen beispielsweise zu Aufträgen, Produktion und Beschäftigung. Ein Wert von 50 Punkten markiert die Grenze zwischen zunehmender und rückläufiger Aktivität. Die Punkte sind keine prozentuale Wachstumsrate: 52.00 Punkte bedeuten nicht, dass die Wirtschaft um 2.00 Prozent wächst. Ein sinkender Index oberhalb von 50 signalisiert weiterhin Expansion, aber ein schwächeres Befragungsergebnis. Die Prognose ist eine vorab erwartete Zahl; der aktuelle Wert ist das veröffentlichte Ergebnis.

Deutschlands Einzelhandelsumsätze auf Jahresbasis gingen aktuell um 2.30 Prozent zurück, nach minus 0.40 Prozent zuvor. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich damit verstärkt; eine Prognose fehlt. Die Kennzahl liefert Hinweise auf den Warenkonsum. In den USA soll der Industrie-EMI des Institute for Supply Management (ISM) von 54.50 auf 54.60 Punkte steigen.

Einzelhandelsumsätze erfassen Verkäufe an Endkunden, bilden aber nicht sämtliche Konsumausgaben ab, etwa für Dienstleistungen. Eine positive Jahresrate zeigt einen Anstieg gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat, eine negative einen Rückgang. Weniger negative Werte bedeuten einen kleineren Rückgang, nicht bereits Wachstum. Für den ISM-Industrieindex gilt ebenfalls die 50-Punkte-Schwelle; die Prognose liegt darüber.

Bei den Unternehmenszahlen berichtet Estée Lauder vor Börsenöffnung. Nach Börsenschluss folgen Apple und Palantir.

Dienstag: US-Zwischenwahlen und Schweizer Inflation

Am Dienstag finden die US-Zwischenwahlen statt. Dabei wird das Repräsentantenhaus vollständig und rund ein Drittel des Senats neu gewählt. Der Kongress wirkt unter anderem an Haushalts- und Steuergesetzen mit. Der Kalender enthält hierfür keine numerischen Vergleichswerte.

Die Wahlen heißen Zwischenwahlen, weil sie zur Mitte der vierjährigen Amtszeit des US-Präsidenten stattfinden. Die Präsidentschaft selbst steht dabei nicht zur Wahl. Repräsentantenhaus und Senat bilden gemeinsam den Kongress. Ihre Zusammensetzung bestimmt, welche Mehrheiten für Gesetzesvorhaben vorhanden sind.

Der Schweizer Verbraucherpreisindex (VPI) soll auf Jahresbasis von 1.00 auf 1.30 Prozent steigen. Er misst die Preisentwicklung eines typischen Waren- und Dienstleistungskorbs privater Haushalte. Höhere Raten bedeuten stärkeren Preisauftrieb, niedrigere schwächeren. Zudem spricht Tiff Macklem, Gouverneur der kanadischen Zentralbank Bank of Canada (BoC).

Im Warenkorb werden Ausgaben etwa für Lebensmittel, Wohnen und Verkehr nach ihrer Bedeutung für die Haushalte gewichtet. Eine Jahresrate von 1.30 Prozent bedeutet ein entsprechend höheres durchschnittliches Preisniveau als ein Jahr zuvor. Sinkt eine weiterhin positive Inflationsrate, steigen die Preise lediglich langsamer. Das ist nicht mit einem allgemeinen Preisrückgang gleichzusetzen.

Shopify und Fiserv veröffentlichen ihre Unternehmenszahlen vor Börsenöffnung. AMD und Booking Holdings folgen nach Börsenschluss.

Mittwoch: Eurozonen-Inflation und US-Privatbeschäftigung

Chinas RatingDog-Dienstleistungs-EMI hatte zuletzt 51.60 Punkte erreicht; eine Prognose ist nicht angegeben. Für die Eurozone folgen mehrere Preisindizes. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ermöglicht durch einheitliche Regeln den europäischen Inflationsvergleich. Die Jahresrate soll von 3.80 auf 3.90 Prozent steigen, die Kernjahresrate bei 2.50 Prozent bleiben. Die Kernrate klammert Energie sowie Lebensmittel, Alkohol und Tabak aus. Die monatlichen Vorwerte betragen 0.60 Prozent für den HVPI und 0.20 Prozent für die Kernrate; Prognosen fehlen. Jahresraten vergleichen mit dem Vorjahresmonat, Monatsraten mit dem unmittelbaren Vormonat.

Der Dienstleistungsindex beschreibt die Geschäftslage etwa bei Transport-, Finanz- und anderen Dienstleistungsunternehmen, nicht die Industrieproduktion. Die Kerninflation hilft, Preisveränderungen außerhalb der ausgeschlossenen Gruppen einzuordnen. Sie bildet allerdings nicht die gesamte Teuerung ab, die Haushalte tatsächlich bezahlen. Monats- und Jahresrate können sich unterschiedlich entwickeln, weil sie andere Vergleichszeiträume verwenden. Aus einer Monatsrate lässt sich deshalb nicht unmittelbar die Jahresrate ablesen.

Die US-ADP-Beschäftigungsänderung schätzt den monatlichen Stellenaufbau im Privatsektor. Erwartet werden 65 000 zusätzliche Stellen nach 90 000 zuvor. Höhere Zuwächse zeigen stärkeren Beschäftigungsaufbau, niedrigere einen schwächeren. Der ISM-Dienstleistungs-EMI soll von 54.90 auf 54.80 Punkte zurückgehen und damit weiterhin über der 50-Punkte-Schwelle liegen.

ADP ist ein Anbieter von Personal- und Abrechnungsdienstleistungen. Sein Beschäftigungsbericht nutzt Abrechnungsdaten und ist vom amtlichen US-Arbeitsmarktbericht zu unterscheiden. Ein positiver Wert bedeutet einen Nettozuwachs: Es sind insgesamt mehr Stellen hinzugekommen als weggefallen. Eine niedrigere positive Zahl bedeutet daher weniger zusätzliche Stellen, nicht automatisch Stellenabbau. Beim ISM-Dienstleistungsindex gilt ebenso: Ein Rückgang oberhalb von 50 Punkten bedeutet nicht bereits schrumpfende Aktivität.

Vor Börsenöffnung stehen die Unternehmenszahlen von Uber, Riot Platforms, Novo Nordisk und McDonald’s an. Qualcomm berichtet nach Börsenschluss.

Donnerstag: Lagarde und Schlegel sprechen

Am Donnerstag sind zwei Auftritte von Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), vermerkt. Außerdem spricht Martin Schlegel, Vorsitzender der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die EZB verantwortet die Geldpolitik im Euroraum, die SNB jene der Schweiz. Reden können ihre wirtschaftlichen Einschätzungen erläutern; numerische Vorwerte und Prognosen sind nicht ausgewiesen.

Zentralbanken beeinflussen über Leitzinsen die Bedingungen, zu denen Banken Geld aufnehmen oder anlegen können. Dies wirkt auf Kreditkosten und die wirtschaftliche Nachfrage. Eine Rede ist jedoch nicht mit einer Zinsentscheidung gleichzusetzen. Sie kann Einschätzungen zu Inflation und Konjunktur erläutern, ohne dass damit ein neuer Beschluss verbunden ist. Diese Unterscheidung gilt auch für die Auftritte der BoC und der japanischen Zentralbank.

Nach Börsenschluss veröffentlichen Cloudflare und Atlassian ihre Unternehmenszahlen.

Freitag: US-Jobs, Kanada und Verbraucherstimmung

Die Einzelhandelsumsätze der Eurozone sollen gegenüber dem Vorjahr um 0.60 Prozent steigen, nach 0.80 Prozent zuvor. Eine niedrigere positive Rate bedeutet langsameres Umsatzwachstum. In den USA wird bei der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft ein Zuwachs von 65 000 Stellen nach 29 000 erwartet. Anders als ADP erfasst diese Kennzahl auch Beschäftigung im öffentlichen Sektor. Die durchschnittlichen Stundenlöhne sollen gegenüber dem Vorjahr um 2.90 Prozent steigen, nach 3.00 Prozent. Monatlich werden 0.30 Prozent nach 0.10 Prozent erwartet. Höhere Lohnraten bedeuten stärkere nominale Einkommenszuwächse, nicht automatisch höhere Kaufkraft.

Die Beschäftigungszahl zeigt die monatliche Veränderung der erfassten Stellen, nicht die Zahl der Arbeitslosen. Deshalb ist sie von der Arbeitslosenquote zu unterscheiden. Die Stundenlöhne messen den durchschnittlichen Verdienst je Arbeitsstunde, nicht das gesamte Monatseinkommen. „Nominal“ bedeutet, dass Preissteigerungen noch nicht herausgerechnet sind. Steigen die Lebenshaltungskosten schneller als der eigene Lohn, kann die Kaufkraft trotz höherer Bezahlung sinken.

Kanadas Nettobeschäftigungsänderung soll nach einem Verlust von 68 300 Stellen einen Zuwachs von 15 000 ausweisen. Sie beschreibt die Veränderung der Beschäftigtenzahl. Der Michigan-Verbraucherstimmungsindex soll von 48.00 auf 48.20 Punkte steigen. Er beruht auf Haushaltsbefragungen; höhere Werte zeigen mehr Zuversicht, niedrigere weniger. Abschließend spricht Kazuo Ueda, Gouverneur der japanischen Zentralbank Bank of Japan (BoJ).

Die kanadische Nettoveränderung ist der Saldo aus Beschäftigungszuwächsen und -verlusten. Ein positiver Wert bedeutet mehr Beschäftigte als im Vormonat, ein negativer weniger. Der Michigan-Index fragt nach der eigenen finanziellen Lage sowie wirtschaftlichen Erwartungen. Er misst damit Stimmung, nicht tatsächlich getätigte Käufe. Anders als bei Einkaufsmanagerindizes ist die Marke von 50 Punkten hier keine Grenze zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Rückgang.

Bei den Unternehmenszahlen berichten Moderna und Under Armour vor Börsenöffnung.

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Arcan Askin

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