Mit KI generiert
Das Wichtigste in Kürze
The Trade Desk flog nach 82 Prozent Kursverlust aus dem S&P 500, zuvor bereits aus dem Nasdaq-100.
Das Wachstum ist eingebrochen, doch das Unternehmen bleibt profitabel und hat mehr Barmittel als Schulden.
HKCM hat für das Investmentdepot ein langfristiges Einstiegssignal erhalten.
Juli 2025. Vor dem exklusiven S&P-500-Club an der New Yorker Wall Street stehen die Fotografen Schlange. Roter Teppich, Blitzlichter, Champagner. Alle sind geladen: Meta, NVIDIA, Apple und Co. Nach Jahren voller Rekordzahlen ist The Trade Desk (TTD) nun endlich angekommen im Kreis der Großen. Doch nach 430 Tagen ist die Party wieder vorbei. TTD fliegt aus dem S&P 500 und alle fragen sich: Was ist im Club vorgefallen?
Hat sich der Neue daneben benommen? Gab es Streit mit den anderen Gästen? Oder konnte TTD am Ende schlicht die Champagner-Rechnung nicht mehr bezahlen? Die Antworten fallen anders aus, als viele denken. Während die Wall Street die Aktie vor die Tür setzt, holen wir sie auf unsere Afterparty: Für unser TECH33 Aktien-Paket haben wir ein langfristiges Einstiegssignal erhalten.
Wer ist der Gast eigentlich?
Bevor wir klären, was im Club passiert ist, ein kurzer Blick auf den Gast: The Trade Desk betreibt eine Technologieplattform, über die Werbetreibende digitale Werbung automatisiert einkaufen. Ob eine Marke ihre Anzeige im Streaming-Fernsehen, in einer App oder in einem Podcast platzieren will, über TTD bietet sie in Echtzeit auf passende Werbeplätze. Besonders wichtig ist dabei das Streaming-Fernsehen, das sogenannte Connected TV. TTD verdient an jedem Werbebudget, das über diese Plattformen ausgestrahlt wird.
Der Clou: The Trade Desk steht ausschließlich auf der Seite der Käufer und betreibt kein eigenes Medienangebot. Bei Google oder Meta ist das anders, denn sie verkaufen Werbeplätze und vermitteln sie zugleich. Genau diese Neutralität war jahrelang das stärkste Argument für TTD. Unter den unabhängigen Werbeplattformen ist das Unternehmen trotz Krise weiterhin der mit Abstand größte Player. Konkurrenten wie Magnite oder PubMatic kommen beim Umsatz nicht annähernd heran.

Der Fernseher als Werbefläche: Connected TV ist der wichtigste Markt von The Trade Desk.
Gab es Streit?
Ja, und zwar mit mehreren Gästen. Die wichtigsten Kunden von TTD sind große Werbeagenturen, die im Auftrag von Marken die Werbebudgets verteilen. Einige von ihnen fordern seit Längerem mehr Transparenz darüber, welche Gebühren auf der Plattform anfallen. Wer nicht genau weiß, was von seinem Budget bei der Werbung ankommt, schaut sich nach Alternativen um.
Eine solche Alternative sitzt im VIP-Bereich nebenan und ist deutlich größer: Amazon. Der Konzern betreibt inzwischen eine eigene Plattform für den Werbeeinkauf und hat dabei zwei Trümpfe, die TTD fehlen. Amazon verfügt über eigene Werbeplätze, etwa bei Prime Video, und über die Einkaufsdaten von Millionen Kunden. Dazu lockt der Konzern mit niedrigen Gebühren. Analysten sehen inzwischen klare Anzeichen dafür, dass Budgets von TTD zu Amazon wandern.
Das hinterlässt Spuren in den Zahlen. 33 Quartale in Folge hatte The Trade Desk gehalten, was das Management versprochen hatte. Anfang 2025 riss diese Serie, inzwischen hat das Unternehmen seine eigene Prognose zum zweiten Mal innerhalb von sieben Quartalen verfehlt. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz nur noch um 3 Prozent auf 715 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: 2021 lag das Wachstum noch bei über 40 Prozent.
Auch in der Chefetage wird es unruhig. Der aktuelle Finanzchef ist bereits der vierte innerhalb von 14 Monaten und rund 15 Prozent der Belegschaft mussten mittlerweile gehen. Ausgerechnet am selben Tag, an dem der Rauswurf aus dem Index verkündet wurde, verließen rund 575 Mitarbeiter das Unternehmen.
Wurde die Champagner-Rechnung nicht bezahlt?
Im S&P 500 zählt vor allem die Größe und die fiel deutlich kleiner aus, nachdem TTD seinen Mantel an der Garderobe abgelegt hatte. Von einst rund 69 Milliarden Dollar Börsenwert waren zuletzt nur noch rund 6.7 Milliarden übrig. Damit reicht es nicht einmal mehr als Begleitung. Statt Leitindex heißt es nun S&P SmallCap 600, ein paar Straßen weiter. Schon im Dezember 2025 hatte die Aktie ihren Platz im Nasdaq-100 verloren. Es war also bereits der zweite Rauswurf und TTD avancierte allmählich zum Schmuddelkind der High Society.
Doch wer genauer hinschaut, entdeckt etwas Erstaunliches: So pleite ist der Gast gar nicht. The Trade Desk ist seit Jahren profitabel und hat seinen Umsatz zwischen 2020 und 2025 mehr als verdreifacht. In den vergangenen vier Quartalen erwirtschaftete das Unternehmen 849 Millionen Dollar freien Cashflow, sogar mehr als im Jahr zuvor. Dazu kommen 1.5 Milliarden Dollar an Barmitteln bei nur 434 Millionen Dollar Schulden. Die Rechnung könnte TTD also locker bezahlen.
Was an der Bar getuschelt wird
Im S&P-500-Club waren sich alle einig, doch draußen vor der Tür ist man geteilter Meinung. Das US-Analysehaus Morningstar, bekannt für seine Fonds- und Aktienbewertungen, hat TTD den sogenannten Burggraben aberkannt. Gemeint ist ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil, der ein Unternehmen auf Jahre vor der Konkurrenz schützt. Den fairen Wert der Aktie, also den Preis, den Morningstar auf Basis der künftigen Erträge für angemessen hält, senkte das Haus im August auf 16 Dollar. Noch skeptischer sind die Großbanken: Die Analysesparte der französischen BNP Paribas sieht die Aktie sogar nur bei 10 Dollar, die britische HSBC rät Anlegern, ihre Positionen zu reduzieren. Die Schweizer UBS bleibt zwar bei einer Kaufempfehlung, senkte ihr Kursziel Mitte Oktober aber auf 15 Dollar und verwies auf weitere Kundenabwanderung zu Amazon. Unter Privatanlegern im Online-Forum Reddit träumen manche bereits vom Tenbagger, also einer Verzehnfachung des Kurses. Andere warnen vor dem fallenden Messer, einer Aktie im freien Fall, in die man besser nicht hineingreift.
Einer hat sich längst entschieden: Gründer und CEO Jeff Green kaufte im Frühjahr 2026 eigene Aktien für rund 150 Millionen Dollar. Wer so viel Geld auf den Tresen legt, plant offensichtlich, über den Seiteneingang wieder in den Club zu kommen.
Unsere Analyse: Die Schlussphase des Abverkaufs
Seit dem Rekordhoch im Dezember 2024 bei rund 140 US-Dollar hat die Aktie von The Trade Desk mehr als 90 Prozent verloren. Der Tageschart zeigt, dass dieser Abverkauf in mehreren Wellen verlaufen ist und sich nun seinem Ende nähert. Wir rechnen damit, dass die Aktie in Kürze ihr übergeordnetes Tief ausbildet. Genau in dieser Phase haben wir am 13. Oktober 2026 für unser Investmentdepot ein weiteres langfristiges Einstiegssignal erhalten, bereits das dritte innerhalb von vier Monaten. Nach dem Ende der Abwärtsbewegung erwarten wir einen kräftigen Anstieg, der weit über den Widerstand bei 97.28 US-Dollar hinausführen und letztlich neue Allzeithochs bringen dürfte.
Tageschart The Trade Desk: Nach dem Abverkauf erwarten wir Anstiege weit über 97.28 Dollar.
Am 9. November legt The Trade Desk nach US-Börsenschluss die Zahlen zum dritten Quartal vor. Das Management rechnet mit mindestens 650 Millionen US-Dollar Umsatz, nach 739 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Die Messlatte liegt damit niedrig. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen erste Anzeichen einer Stabilisierung liefert, vor allem bei den großen Kunden und im Geschäft mit Streaming-Werbung.
Den S&P-500-Club musste The Trade Desk verlassen, in unserem TECH33-Club hat die Aktie dagegen längst ihren Platz gefunden. Dort gibt es zwar keinen roten Teppich, dafür aber einen klaren Plan. Ob TTD vor dem Comeback noch einmal stolpert oder direkt durchstartet, verfolgen wir für die Abonnenten des TECH33 Aktien-Pakets in unseren schriftlichen Updates. Sobald sich Neues ergibt, informieren wir alle Abonnenten per Kurznachricht.
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.
LESEEMPFEHLUNG: Nicht nur bei The Trade Desk steht die Bilanz-Saison im Fokus. Warum Starbucks vor den eigenen Zahlen den Chipotle-Schreck abschütteln konnte, lesen Sie hier: Starbucks vor den Zahlen: Kaffeeriese schüttelt Chipotle-Schreck ab



