Der chinesische BYD-Konzern präsentierte Ende März seine Quartalszahlen. Überzeugend waren sie nicht, verzeichnete das Unternehmen doch das schwächste prozentuelle Umsatzwachstum seit mehr als zwei Jahren. In der letzten Woche zog der große E-Mobilitätskonkurrent und (Wieder-)Weltmarktführer Tesla nach, doch auch der blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück: Zum ersten Mal überhaupt seit Start der Corona-Pandemie waren die Auslieferungszahlen beim von Elon Musk geführten Unternehmen rückläufig. Nun öffneten in dieser Woche die deutschen Automobilgiganten VW, BMW und Mercedes-Benz ihre Bücher, die Gefühle sind gemischt. Der zweitgrößte Automobilproduzent der Welt, Volkswagen, konnte – trotz schwächelnder Geschäfte auf dem (europäischen) E-Automarkt und einbrechender Nachfrage bei Luxusfahrzeugen der Marke Porsche – seinen Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern, wohingegen sich das Stuttgarter Unternehmen Mercedes-Benz mit einem Absatzrückgang konfrontiert sieht. Gesteigerte Verkäufe von Elektrofahrzeugen und Luxusmodellen wiederum bescherten dem bayerischen BMW-Konzern ein Umsatzplus. In Deutschland respektive Europa geht die Nachfrage nach E-Autos deutlich zurück – und wirft Fragen zum geplanten Aus für Verbrenner ab 2040 auf.
VW: gut außerhalb der EU, eher mäßig auf den Heimatmarkt
Um drei Prozent konnte Volkswagen seine Absatzzahlen im Vergleich zum ersten Quartal 2023 steigern, insgesamt verkaufte der Wolfsburger Konzern weltweit etwa 2.1 Millionen Fahrzeuge. Geografisch betrachtet waren es vor allen Dingen die Regionen China sowie Nord- und Südamerika, wo VW die Absätze nach oben schrauben konnte. In Westeuropa und auf dem Heimatmarkt verzeichnete man einen Rückgang in Höhe von rund einem Prozent. Interessant gestaltet sich die Entwicklung der Zahlen unterschiedlicher Antriebsmodelle: Während der Absatz von vollelektrisch betriebenen Modellen um drei Prozent zurückging, legte VW bei den Verkäufen von Verbrennerfahrzeugen um rund vier Prozent zu. In Europa schwächelte der E-Auto-Absatz und sackte um 24 Prozent ab. Ein wichtiger Faktor sind dabei vor allem in Deutschland kürzlich ausgelaufene Bonusmodelle für Elektrofahrzeuge. Ein Blick auf die unter dem VW-Dach geführten Marken zeigt zudem: Der Zuffenhausener Sportwagenhersteller Porsche lieferte im ersten Quartal mit 77 640 Autos rund vier Prozent weniger aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Geschwächelt haben die Absätze der Luxuskarossen vor allen Dingen in China und Nordamerika, wo die Zahlen um fast 25 Prozent zurückgingen.
Mercedes-Benz verkauft deutlich weniger Fahrzeuge
Mercedes-Benz setzte in den Monaten Januar bis März 568 400 PKWs und Vans ab, was im Vergleich zum ersten Quartal 2023 einem Rückgang um etwa sechs Prozent entspricht. Hauptgrund für die schwachen Verkaufszahlen sind laut Management Probleme in der asiatischen Lieferkette sowie Modellwechsel. Man gehe aber davon aus, dass sich die Zahlen in den kommenden Quartalen wieder erholen, hieß es aus der Führungsetage. Gelitten hat das Mercedes-Geschäft besonders in China, wo der der Absatz um zwölf Prozent einbrach. Nichtsdestotrotz wurde jedes dritte von Mercedes produzierte Fahrzeug im Reich der Mitte verkauft, China bleibt einer der wichtigsten Absatzmärkte. Ähnlich wie bei VW gestalteten sich auch bei Mercedes die E-Autoverkäufe enttäuschend, das Minus betrug hier acht Prozent.
BMW: gute Zahlen bei Elektro- und Luxusfahrzeugen
Während die Konkurrenten Volkswagen und Mercedes-Benz bei E-Auto-Absätzen eher schlechte Zahlen schrieben, konnte BMW die Verkäufe von elektrisch betriebenen Fahrzeugen um 28 Prozent steigern. Insgesamt wurden im ersten Quartal 82 700 E-Vehikel abgesetzt. Ein weiterer Wachstumstreiber bei den Bayerischen Motoren-Werken waren Fahrzeuge aus dem Luxussegment, wo die Verkäufe um 22 Prozent anzogen. Insgesamt verkaufte das Unternehmen 595 000 Autos und somit 1.1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Betrachtet man die Zahlen aufgegliedert nach Regionen wird deutlich, dass auch bei BMW das China-Geschäft rückläufig war. Dort wurden 187 000 Automobile abgesetzt, gleichbedeutend mit einem Minus von rund 3.8 Prozent. Auf dem europäischen Kontinent steht derweil ein Plus in Höhe von 5.5 Prozent zu Buche (228 000 Autos), in den Vereinigten Staaten konnten 91 000 und somit 1.2 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft werden
Bleiben Verbrenner länger als gedacht auf deutschen Straßen?
Bis 2040 will die deutsche Bundesregierung 15 Millionen Elektroautos zulassen, dieses Ziel rückt aber in immer weitere Ferne. Laut offiziellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (kurz: KBA) wurden im März rund 264 000 Autos in Deutschland zugelassen, gerade mal 31 400 davon fahren elektrisch. Im Vergleich zum selben Monat im letzten Jahr bedeutet das einen Rückgang um fast ein Drittel. Mit 38 Prozent übertrumpften die Benzinmotoren ihre strombetriebenen Mitbewerber deutlich, Dieselantriebe lagen bei etwa 18 Prozent. Ein wichtiger Grund dafür ist das überraschende Aus der Förderung privater E-Autos im letzten Jahr, wodurch die Bundesregierung der Nachfrage nach vollelektrischen Fahrzeugen einen herben Dämpfer verpasste. Sehr kurzfristig hatte die Ampel den Umweltbonus im Dezember gekippt und dafür Kritik geerntet. Während die E-Auto-Käufe also zurückgehen, wächst die Lebensdauer von Verbrennern kontinuierlich, ohnehin sind vor 2035 gekaufte Neuwagen vom EU-Verbrennerverbot ausgenommen. Weit über die gesetzte Deadline 2040 hinaus dürften Benzin- und Dieselfahrzeuge also auf deutschen Straßen fahren dürfen – sofern sie vor 2035 angeschafft wurden. Die strenge E-Auto-Agenda hält Verkehrsminister Volker Wissing für wenig zielführend: “Nur auf eine Technologie zu setzen, ist ein sehr hohes Risiko”, Deutschland habe “die größte Chance, Klimaschutz zu erreichen, wenn wir mehrere Technologien offenhalten”.
Ähnlich unterschiedlich wie die Verkaufszahlen der deutschen Automobil-Riesen gestalten sich unsere Prognosen zu den Aktien der Big Player im deutschen Autosektor, welche wir allesamt regelmäßig in unserem DAX40-Aktienpaket analysieren. Während wir die VW-Aktie primär bereits in einem nachhaltigen Aufwärtsimpuls verorten, sollten die Wertpapiere von Porsche, Mercedes-Benz und BMW noch in übergeordneten Korrekturen stecken. Hier rechnen wir aber im Anschluss – und dies teils schon zeitnah – ebenfalls wieder mit nachhaltigen und ausgedehnten Anstiegen. Entsprechend haben wir für unsere Kunden bereits die ein oder andere Zielzone für lukrative Einstiege und Handelsmöglichkeiten auf die Charts gebracht.




