Morning-Briefing: Ist das der FTX-Moment für Ethereum?
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Morning-Briefing: Ist das der FTX-Moment für Ethereum?

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Simeon Koch

Guten Morgen,

innerhalb weniger Stunden hat der Blockchain-Kreditmarkt (DeFi) am Wochenende mehr als zehn Milliarden Dollar an Wert verloren. Schuld daran war erneut ein Hacker-Angriff. Diesmal traf es mit Aave das führende dezentrale Finanzprotokoll auf Ethereum, wo Krypto-Kredite ohne Mittelsmänner wie Banken abgeschlossen werden können. Nutzer befüllen automatisierte Liquiditätspools mit Kryptowährung und verdienen Zinsen. Genau solche Liquiditätspools wurden jetzt von Hackern ausgeräumt – die größte Attacke dieser Art im Jahr 2026.

Zehn Milliarden futsch: Nordkorea hinter Aave-Hack?

Aave selbst war dabei gar nicht unmittelbar selbst betroffen. Einfallstor für die Hacker war einmal mehr eine Bridge, also eine Brückenlösung zum Transfer von Assets über verschiedene Blockchains hinweg. Auch beim Polkadot-Hack vor wenigen Tagen, als Cyber-Piraten hunderte Millionen gefälschter DOT-Coins in Umlauf bringen konnten, war eine Bridge kompromittiert worden. Das Prinzip des Angriffs war auch im Fall Aave ähnlich: Hacker täuschten einen Smart-Contract und erhielten fälschlicherweise synthetische ETH-Äquivalente im Wert von fast 300 Millionen Dollar.

Es wurden zwar nicht direkt Ethereum-Coins gestohlen, sondern offizielle ETH-Kopien, die für den Handel auf anderen Blockchains vorgesehen sind. Im Endeffekt macht das keinen großen Unterschied: Die Hacker liquidierten die erbeuteten Assets und stahlen damit Nutzerbestände in Höhe von 116 500 ETH. Laut ersten Erkenntnissen soll die Lazarus-Gruppe aus Nordkorea hinter der Aktion stecken, die auch schon den Angriff auf die Kryptobörse Bybit vor etwa einem Jahr (größter Hack der Krypto-Geschichte) eingefädelt hatte.

Schwerer als der finanzielle Schaden lastet der Vertrauensverlust auf dem DeFi-Sektor, der primär auf Ethereum basiert. Als der Hack bekannt wurde, zogen viele Nutzer ihre Bestände vorsichtshalber von Aave und anderen dezentralisierten Finanzplattformen ab, was den DeFi-Sektor innerhalb weniger Stunden mehr als zehn Prozent (!) seines Gesamtvermögens kostete. Bei Aave waren es zwischenzeitlich sogar mehr als 20 Prozent. Ähnlich stark fiel der native AAVE-Token im Kurswert, gefolgt von ZRO, dem Coin der ebenfalls beteiligten Bridge-Lösung LayerZero.

Wertversprechen in Gefahr: FTX-Moment für Ethereum?

Für Ethereum ist der Hacker-Angriff ein harter Schlag. ETH ist das finanzielle Rückgrat des DeFi-Sektors; allein 14.2 Milliarden der 17.8 Milliarden Dollar Gesamtwert in Aaves Orderbüchern ist auf ETH zurückzuführen. Ein Gutteil des Wertversprechens der gesamten Ethereum-Blockchain fußt auf der Möglichkeit, Kapital im DeFi-Sektor arbeiten zu lassen und risikoarm zu vermehren. Entsprechend empfindlich ist der Schaden für die zweitgrößte Kryptowährung hinter Bitcoin – auch, wenn die ETH-Blockchain selbst gar nicht unmittelbar vom Hack betroffen war.

Kritiker warnen schon jetzt vor einem FTX-ähnlichen Vorfall, diesmal speziell für Ethereum. Der Zusammenbruch der Kryptobörse FTX hatte im Dezember 2022 für einen 25-Prozent-Absturz im Bitcoin-Preis geführt und den Bärenmarkt-Boden markiert. Monatelang konnten Nutzer auf ihre veruntreuten Kryptowährungen nicht zugreifen, der Image-Schaden für die gesamte Kryptobranche war enorm. Ähnliches könnte jetzt dem DeFi-Sektor drohen – auch wenn Aave mit halbherzigem Verweis auf interne Versicherungen gegen derartige Angriffe die Wogen zu glätten versucht.

Dem am Wochenende ohnehin schwächelnden Kryptomarkt taten die Aave-Turbulenzen keineswegs gut. Bitcoin fiel nach dem starken Anstieg am Freitag nun doch wieder zurück unter 74 000 Dollar, Ethereum stolperte von knapp 2470 auf 2250 Dollar. Noch schwächer präsentierte sich der breite Altcoin-Sektor, weil die Bitcoin-Dominanz gleichzeitig Stärke zeigte. Schützenhilfe bekommt der Blockchain-Sektor weiterhin vom starken Aktienmarkt.

Der S&P 500 hatte die vergangene Woche knapp über 7110 Punkten geschlossen und verteidigte diese Marke in den frühen Morgenstunden erfolgreich. Der Nasdaq rutschte von seinem Wochenschluss bei knapp über 26 680 marginal zurück in Richtung 26 650, der DAX blieb am Freitag mit 24 700 Punkten ein gutes Stück unter seinem Allzeithoch bei 25 500 Punkten von Mitte Januar. Unruhe kommt wegen neuerlicher Streitigkeiten um die Straße von Hormus aus dem Rohstoff-Sektor: Die amerikanische Referenzölsorte WTI kletterte fast zehn Prozent auf gut 86 Dollar, der Goldpreis nähert sich 4800 Dollar.


HKCM-Tops und -Flops

Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent

 

Riot Platforms

+7.03

Fresnillo PLC

+6.45

Hut 8 Corp.

+5.11

Continental AG

+5.35

Dow Inc.

-10.82

Netflix

-9.72

Dividenden

Caterpillar, Inc. | 1.51 USD

Ferrari | 4.25 USD

MINISO Group Holding Ltd. | 0.37 USD

Nestlé | 3.10 CHF

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