Microsoft und Künstliche Intelligenz im Visier: Apple begräbt E-Auto-Pläne
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Microsoft und Künstliche Intelligenz im Visier: Apple begräbt E-Auto-Pläne

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Simeon Koch

Project Titan – das hörte sich nach etwas ganz Großem an. Apple wollte die Welt verändern mit seinem selbstfahrenden Elektroauto, zehn Jahre lang schraubten Ingenieure an immer neuen Prototypen. Erst letztes Jahr wurden die Testfahrten deutlich gesteigert. Bevor es das Licht der lenkenden Welt erblicken konnte, wurde dem Project Titan jetzt aber der Stecker gezogen: 2000 Mitarbeiter werden vom Bau des gescheiterten Prestige-Projekts abgezogen. Warum man so abrupt die Notbremse zog, machte Apple bislang nicht bekannt – Experten halten die ungünstige Wirtschaftslage, gepaart mit dem steigenden Preis- und Konkurrenzdruck aus China für die zentralen Ursachen. Mit den freiwerdenden Kapazitäten versucht Apple nun, seinen Rückstand auf Tech-Konkurrenten wie Microsoft in Sachen Künstlicher Intelligenz aufzuholen. Während in den Vereinigten Staaten also eine große E-Auto-Hoffnung begraben wird, forcieren chinesische E-Autobauer um BYD die Expansion in westliche Absatzmärkte. Der Erfolg spricht bisher für Fernost.

Apple begräbt „radikale“ Innovation

Steve Jobs soll sich bereits 2008 mit einem hochrangigen Apple-Mitarbeiter ausgemalt haben, wie das gemeinsame Traumauto aussehen würde. Kurz darauf bestätigte der damals stellvertretende Vorsitzende Tony Fadell die Gedankenspiele in einem Interview. Trotzdem warf er vor laufender Kamera vielbeachtete Fragen auf: „Wenn wir ein Auto bauen, wie würden wir es konzipieren? Wie sähe das Interieur aus und wie würde es funktionieren? Und wie könnten wir es tanken und betreiben?“ Die Überraschung im Tech-Sektor über Apples vermeintlichen Einstieg in die Automobilbranche hielt Fadell damals für überzogen, schließlich hätten Handys und Autos einiges gemeinsam – etwa die hohen Ansprüche an Mechanik und Design oder auch notwendige leistungsstarke Computertechnik für die Software. Elektro-Autos und dann gleich auch noch selbstfahrende kamen im Silicon Valley 2010 aber noch einer Weltsensation gleich. Tesla war gerade erst an die Börse gegangen, die Innovation leistbarer E-Kraftwagen steckte noch in den Kinderschuhen. Apple ließ sich davon nicht beirren, rief 2014 das Project Titan ins Leben und rekrutierte dafür Hunderte Angestellte.

Trotz der ehrgeizigen Ziele hatten Jobs und Co. ein Scheitern übrigens von vornherein einkalkuliert. Im schlechtesten Fall versprach man sich neue Erkenntnisse bei elektronischen Anwendungen für die hauseigenen Flagship-Endgeräte. Trotzdem nahmen Apples Autopläne immer weiter Form an, 2017 sprach Apple-CEO Tim Cook erstmals öffentlich über die Arbeit an autonomen Fahrzeugen. Das ungeborene Apple Car erwähnte er zwar nicht namentlich, kündigte aber an, dass selbstfahrende elektrische Autos die Fahrzeugindustrie bald aufmischen würden – augenscheinlich eine klare Kampfansage. Nachdem Apple 2019 überraschend das kurz vor der Insolvenz stehende Startup Drive.ai gekauft hatte, das seit 2015 an selbstlernenden Algorithmen für autonomes Fahren tüftelte, wurden im Folgejahr erste Produktionspläne bekannt. Laut Insidern wollte Apple bis 2024 einen Elektro-PKW auf den Markt bringen, versehen mit einer bahnbrechenden, „radikal günstigeren“ Batterie, wie aus inoffiziellen Quellen hervorging. Dann aber drehte der Wind, eine Investition von $3.6 Milliarden in die Hyundai-Tochter Kia platzte. Bereits in dieser Phase dürften sich Apple-Aktionäre bei Geschäftsführer Cook dafür eingesetzt haben, das Projekt fallen zu lassen. Die wachsende Konkurrenz durch Tesla gefährdete gemeinsam mit der schwachen Konjunktur, hohen Zinsen und unsicheren Wirtschaftsaussichten die Rentabilität des Projekts.

Apple ringt mit Microsoft – Tesla mit BYD

Apple reduzierte sein Engagement, verschob die finale Deadline für die ersten produzierten Apple Cars auf 2026 und warf Mitte der Woche dann vollends das Handtuch. Über konkrete Gründe schwieg man sich aus, angesichts immer aggressiverer Konkurrenz durch den neuen Marktführer BYD überraschte die Kapitulation aber nicht. Mit den nunmehr freien Kapazitäten will Apple den Rückstand auf Tech-Konkurrenten wie Microsoft aufholen. Der von Bill Gates gegründete Software-Riese hatte bereits 2019 eine Milliardensumme in den ChatGPT-Entwickler OpenAI investiert und tut bereits neue KI-Hochkaräter auf. Zuletzt vervierfachte Microsoft den eigenen Börsenwert, und konnte Apple nach Marktkapitalisierung erstmals seit Jahren von der globalen Spitze verdrängen. Im E-Auto-Geschäft wird es derweil zunehmend ungemütlicher, das bekommt auch Tesla gerade zu spüren: Während Streitigkeiten mit Angestellten aus Skandinavien und Proteste rund um die geplante Erweiterung des größten europäischen Tesla-Werks im brandenburgischen Städtchen Grünheide Elon Musk und seinem ehemaligen E-Auto-Shootingstar gerade Kopfzerbrechen bereiten, rüstet die chinesische Konkurrenz weiter auf. Vor wenigen Stunden legte in Deutschlands größtem Übersee-Autoterminal in Bremerhaven der BYD Explorer No. 1 an, das erste in China gefertigte Autotransport-Schiff, mit dem der neue Branchenprimus BYD den europäischen Markt weiter erobern will.

Schon vergangenes Jahr setzte man sich mit knapp drei Millionen verkauften Fahrzeugen an die globale Stromer-Spitze. Laut Frank Dreeke, dem Vorstandschef des zuständigen Bremer Hafenbetreibers, sei zu erwarten, „dass die Chinesen ihre Autoimporte nach Deutschland kontinuierlich erhöhen werden“. Obgleich BYD aus den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union Importbeschränkungen zu befürchten hat, werden die Produktionskapazitäten sowohl in Fernost als auch in Europa rasant gesteigert – erst vor wenigen Wochen begann der Bau einer neuen BYD-Fabrik in Ungarn. Denn auch in China steht ein neuer Kontrahent schon in den Startlöchern: Kürzlich gab das 2015 gegründete Unternehmen Li Auto hervorragende Quartalszahlen bekannt und positionierte sich so als ernstzunehmender Konkurrent. Der zuletzt gebeutelten, nun aber umso vielversprechenderen Wirtschaft in China dürfte dieser neue Wettstreit gut tun – unsere technische Analyse geht ohnehin von bald deutlich steigenden Kursen bei den wichtigsten chinesischen Unternehmen aus. Nicht minder spannend ist die zuletzt boomende nordamerikanische Tech-Branche, deren wichtigste Player wir ebenfalls analysieren: Etwa Nvidia, das mit $150 Milliarden Zuwachs an Marktkapitalisierung in nur 15 Minuten ein neuen Allzeitrekord aufstellte. Oder auch Meta und den KI-Mäzen Microsoft, die kürzlich mit ausgezeichneten Quartalszahlen überraschten.

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Simeon Koch

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