Das Wichtigste in Kürze:
Infosys integriert Chainlink in Finacle – die Bankensoftware erreicht mehr als 1.7 Milliarden Kundenkonten.
Coinbase, CCIP 2.0, Swift und Infosys treiben Chainlinks wachsende Bedeutung für die klassische Finanzwelt.
LINK hat sich seit Juli zeitweise mehr als verdoppelt, konkrete Bankkunden und ein Zeitplan für den Infosys-Einsatz fehlen jedoch noch.
Mehr als 1.7 Milliarden Kundenkonten laufen über Finacle, die Bankensoftware des indischen IT-Konzerns Infosys. Seit dem 22. September ist die Technik von Chainlink dort fest eingeplant. Die Partnerschaft ist nur der jüngste Baustein einer ganzen Serie. LINK, die Kryptowährung des Netzwerks, kostete im Juli zeitweise nur rund sieben US-Dollar. Ende September markierte der Kurs oberhalb von 15 US-Dollar ein Jahreshoch. Was steckt hinter diesem Lauf?
Vom Datenlieferanten zum Rückgrat für tokenisierte Aktien bei Coinbase
Blockchains sind blind für alles, was außerhalb passiert. Aktienkurse, Zinsen oder Kontostände kennen sie von sich aus nicht. Chainlink liefert solche Daten geprüft an und heißt deshalb Oracle-Netzwerk. Schätzungen zufolge laufen 70 bis 80 Prozent dieser Datenverbindungen über Chainlink. Je mehr klassische Wertpapiere digital abgebildet werden, desto wichtiger wird diese Rolle. Fachleute nennen den Vorgang Tokenisierung.
Wie das konkret aussieht, zeigt Coinbase. Die größte börsennotierte Kryptobörse der USA bietet seit August außerhalb der USA tokenisierte Aktien an, darunter Nvidia, Apple und Meta. Jeder Token ist eins zu eins mit einer echten Aktie hinterlegt. Chainlink liefert als offizieller Partner fortlaufend die Kurse dazu. Erst dadurch lassen sich die Papiere auf der Blockchain beleihen und handeln. Der Markt für tokenisierte Aktien erreichte Mitte Juli ein Rekordvolumen von 2.3 Milliarden US-Dollar.

Vier Entwicklungen tragen Chainlinks Lauf: tokenisierte Aktien bei Coinbase, das Update CCIP 2.0, die Nähe zu Swift und der Deal mit Infosys
CCIP 2.0: Mehr Sicherheit für Überweisungen zwischen Blockchains
Der zweite Treiber heißt CCIP. Dieses Protokoll überträgt Daten und Vermögenswerte von einer Blockchain auf eine andere. Solche Brücken gelten als Schwachstelle der Branche. Im April erbeuteten Angreifer bei einem Konkurrenzsystem rund 292 Millionen US-Dollar, weil eine einzige Prüfinstanz getäuscht wurde. Am 28. September legte Chainlink mit Version 2.0 nach.
Jede Übertragung wird weiterhin von 16 unabhängigen Betreibern bestätigt. Neu ist, dass Unternehmen zusätzlich eigene Sicherheitsprüfungen einbauen können. Für Banken ist das entscheidend, denn sie müssen strenge interne Vorgaben erfüllen. Institute, die die neuen Prüfer bereits nutzen, hat Chainlink bislang allerdings keine genannt. Der Kurs reagierte trotzdem: Nach dem Start legte LINK zeitweise um rund sechs Prozent zu.

Vom Juli-Tief bis zum Jahreshoch Ende September hat sich LINK mehr als verdoppelt. Die Infosys-Meldung sorgte nur kurz für einen Rücksetzer
Swift, Infosys, DTCC: Chainlink rückt ins Zentrum der Finanzwelt
Der dritte Treiber ist die Nähe zu Swift, dem Nachrichtennetz, über das Banken weltweit Zahlungen abstimmen. Beide arbeiten seit mehr als sieben Jahren zusammen. Das Ziel: Banken sollen Blockchains über ihre vorhandenen Swift-Anschlüsse erreichen. Im Juni startete dazu das Project Pangea. Mehr als 50 Banken wollen Devisengeschäfte mit Euro- und Won-Stablecoins in Echtzeit abwickeln. Stablecoins sind digitale Abbilder klassischer Währungen.
In diese Reihe gehört der Deal mit Infosys. Banken erhalten den Anschluss an Blockchain-Märkte künftig als fertiges Modul in ihrer gewohnten Software. Hinzu kommt der US-Wertpapierabwickler DTCC, der sein neues System für Sicherheiten auf Chainlink-Technik baut. Der Start war für das vierte Quartal 2026 angekündigt. Zuletzt nannte Chainlink das erste Quartal 2027.
Ein Selbstläufer ist LINK trotzdem nicht. Infosys nannte weder eine Bank noch einen Zeitplan, und der Kurs gab nach der Meldung zunächst um 4.4 Prozent nach. Banken können Chainlink-Dienste zudem in US-Dollar bezahlen. Nachfrage nach LINK entsteht erst, wenn tatsächlich Gebühren fließen. Aktuell notiert LINK bei rund 14 US-Dollar. Rückhalt geben die seit Dezember 2025 handelbaren Spot-ETFs, also börsengehandelte Fonds auf LINK. Sie verzeichneten Berichten zufolge seit dem Start in keiner Woche Nettoabflüsse.
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